Theodor Leutwein

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Theodor Leutwein (Aufnahme zwischen 1894 und 1904)
Theodor Leutwein

Theodor Gotthilf Leutwein (* 9. Mai 1849 in Strümpfelbrunn, heute Gemeinde Waldbrunn, Baden; † 13. April 1921 in Freiburg im Breisgau) war von 1895 bis 1905 Kommandeur der Kaiserlichen Schutztruppe und Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theodor Leutwein wurde als drittes Kind des evangelischen Landpfarrers Adam Leutwein und der Sophie geb. Hanser geboren. In Konstanz belegte er das Gymnasium und studierte anschließend zwei Semester Jura in Freiburg im Breisgau. Hier wurde er 1867 Mitglied der Burschenschaft Alemannia Freiburg.

Karriere in der Reichsarmee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1868 trat Leutwein als Fahnenjunker in das 5. Badische Infanterie-Regiment Nr. 113 ein und wurde im Oktober 1869 zum Leutnant befördert. Den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 erlebte er als Adjutant eines Landwehrbataillons. 1885 erfolgte die Beförderung zum Hauptmann und Kompaniechef.

Theodor Leutwein (links sitzend), Zacharias Zeraua (2. von links) und Manasse Tyiseseta (sitzend, 4. von links), Samuel Maharero (rechts), 1895

Aufbau der Kolonialherrschaft in Deutsch-Südwestafrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Tätigkeiten an diversen preußischen Kriegsakademien wurde er 1893 in den Dienst des Auswärtigen Amtes gestellt und zum Jahresende nach Deutsch-Südwestafrika entsendet, um den dortigen Landeshauptmann Curt von François zu unterstützen. Im März 1894 löste er ihn in dieser Funktion ab. Seine Ernennung zum Gouverneur des Schutzgebietes erfolgte 1898. Beauftragt, die deutsche „Machtstellung den Eingeborenen gegenüber unter allen Umständen“ aufrechtzuerhalten und zu befestigen, führte er – seit Anfang 1895 als Nachfolger von François nun auch Kommandeur der Schutztruppe – in den Folgejahren eine Vielzahl von bewaffneten Feldzügen gegen die einheimische Bevölkerung, u. a. gegen die Nama unter der Führung von Hendrik Witbooi. Er zwang diese zum Abschluss eines Schutz- und Beistandsvertrags, den die Witbooi auch fast 10 Jahre lang getreulich erfüllten. Ferner gelang Leutwein die Wiederbelebung und Fortführung des Schutzvertrages mit den Herero in Okahandja, so dass deren Häuptling Samuel Maharero Leutwein nicht nur auf dessen mehrmonatiger Erkundungstour durch den Norden des Landes begleitete, sondern auch bei der Niederwerfung eines Aufstands der Mbanderu / Ost-Herero 1896 tatkräftige militärische Unterstützung zukommen ließ. In seinen Memoiren erwähnt Leutwein, dass er Artillerie gegen kaum Bewaffnete einsetzte, Dörfer vernichtete und lokale „Chiefs“, die eine bedingungslose Unterwerfung verweigerten, hinrichten ließ. Bis Ende 1894 hatte er Süd- und Zentralnamibia formell der deutschen Herrschaft unterworfen.

Mit Leutwein begann die systematische Etablierung und Ausdehnung kolonialer Herrschaft in Südwestafrika. Um die eigene Schutztruppe zu stärken, beließ er einzelne afrikanische Chiefs, welche die deutsche Oberhoheit formal anerkannten, in ihren Positionen und band ihre Soldaten in seine Truppe ein. Radikale Siedler kritisierten seine Politik daher als zu „eingeborenenfreundlich“. Als Gouverneur führte Leutwein Verordnungen ein, mit denen er die nach dem Krieg etablierte rassischen Privilegienherrschaft vorbereitete. Er setzte sich dafür ein, dass Eheschließungen von weißen Männern mit schwarzen Frauen nicht offiziell vollzogen wurden, damit die Kinder nicht als Deutsche anerkannt werden konnten. In seinen Memoiren (Elf Jahre…) reflektierte er: „Das Endziel jeder Kolonisation ist, von allem idealen und humanen Beiwerk entkleidet, schließlich doch nur ein Geschäft. Die kolonisierende Rasse will der Urbevölkerung des zu kolonisierenden Landes nicht das von dieser vielleicht erwartete Glück bringen, sie sucht vielmehr in erster Line ihren eigenen Vorteil“ (S. 541) und S. 545f: „Das „gute Geschäft“, das wir in den Kolonien für uns erstreben, verlangt einerseits, dass wir die Eingeborenen, soweit sie noch vorhanden sind, erhalten, andererseits, dass wir sie zufriedenstellen. Denn ohne die Arbeitskräfte der Eingeborenen können wir weder Bergbau noch Viehzucht…betreiben.“

Als sich die Herero Anfang 1904 gegen die deutsche Herrschaft erhoben, wurde Leutwein, der sich aus wirtschaftlichen Nützlichkeitserwägungen für eine Schonung der Herero aussprach, im Juni des Jahres durch Generalleutnant Lothar von Trotha als Oberbefehlshaber der Schutztruppe ersetzt, der zu einem rassistischen Vernichtungskrieg und Völkermord bereit war. Im November musste Leutwein auch das Amt des Gouverneurs abtreten. Auf eigenes Ersuchen wurde er beurlaubt und im August 1905 in den Ruhestand versetzt. Nachdem er noch zum Generalmajor befördert worden war, schied er im selben Jahr aus dem kaiserlichen Heer aus und kehrte nach Deutschland zurück, wo er in Überlingen am Bodensee seinen Lebensabend verbrachte. Leutwein starb am 13. April 1921 in Freiburg im Breisgau und liegt auf dem dortigen Hauptfriedhof begraben.

Verschickung von Kulturschätzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika „unterstützte“ er das im Aufbau befindliche Völkerkundemuseum der Stadt Freiburg. Er veranlasste Ende 1899 und Anfang 1900 die Verschickung von zwei Sammlungen mit 22 bzw. 50 Gegenständen der Herero und Damara an dieses.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theodor Leutwein heiratete 1874 in Freiburg Frieda Theresia geb. Mammel, aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor. Einer der Söhne war der spätere Kolonialpolitiker und -Schriftsteller Paul Leutwein. 1891 wurde die Ehe geschieden. Im Jahr 1906 heiratete Leutwein in zweiter Ehe Claire geb. Milenz. Die Ehe blieb kinderlos. Der Sohn seines ältesten Sohnes ist der Mineraloge Friedrich Leutwein, Rektor der Bergakademie Freiberg/Sachsen (1949–1953).

Würdigung als Kolonialpionier in der NS-Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den dreißiger Jahren wurden in mehreren Städten Straßen nach Theodor Leutwein benannt, ebenso wie nach Carl Peters, Adolf Lüderitz, Gustav Nachtigal oder Hermann von Wissmann. In München-Bogenhausen, Ludwigshafen-Mannheim-Rheinau, in seinem Geburtsort Strümpfelbrunn und in Düsseldorf-Urdenbach sind Straßen nach Leutwein benannt.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1906, ISBN 99916-40-07-X.
  • Die Kämpfe mit Hendrik Witboi 1894 und Witbois Ende. Voigtländer, Leipzig 1912.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. In: Politiker. Band 1, Teilband 3 I–L. Winter, Heidelberg 1999, ISBN 3-8253-0865-0, S. 280–281.
  • Klaus J. Bade: Leutwein, Theodor Gotthilf. In: Badische Biographien, N.F. Bd. 2 (1987), 191–193.
  • Horst Gründer: Leutwein, Theodor. Neue Deutsche Biographie Band 14, München 1985, 387f.
  • Paul Leutwein: Theodor Leutwein der Eroberer Deutsch-Südwestafrikas. Lübeck 1934.
  • Paul Leutwein: Afrikanerschicksal. Gouverneur Leutwein und seine Zeit. Stuttgart 1929.
  • Paul Leutwein: Leutwein, Theodor: Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika. Berlin 1906.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Theodor Leutwein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien