Theodor Leutwein

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum deutschen Verwaltungsbeamten siehe Theodor Leutwein (Landrat).
Theodor Leutwein
Theodor Leutwein

Theodor Gotthilf Leutwein (* 9. Mai 1849 in Strümpfelbrunn, heute Gemeinde Waldbrunn, Baden; † 13. April 1921 in Freiburg im Breisgau) war von 1895 bis 1905 Kommandeur der Kaiserlichen Schutztruppe und Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika.

Leben[Bearbeiten]

Theodor Leutwein wurde als drittes Kind des evangelischen Landpfarrers Adam Leutwein und der Sophie geb. Hanser geboren. In Konstanz belegte er das Gymnasium und studierte anschließend 2 Semester Jura in Freiburg im Breisgau. Hier wurde er 1867 Mitglied der Burschenschaft Alemannia Freiburg.

1868 trat Leutwein als Fahnenjunker in das 5. Badische Infanterie-Regiment Nr. 113 ein und wurde im Oktober 1869 zum Leutnant befördert. Den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 erlebte er als Adjutant eines Landwehrbataillons. 1885 erfolgte die Beförderung zum Hauptmann und Kompaniechef. Von 1879 bis 1882 war Leutwein an der Berliner Kriegsakademie. Einen längeren Aufenthalt 1887 in der Schweiz nutzte er zum Studium des dortigen Miliz-Systems worüber er eine Abhandlung verfasste. 1887 bis 1893 war er, bis zu seiner Beförderung zum Major 1893, als Lehrer an den Kriegsschulen Neiße und Hersfeld tätig und stand à la suite beim Infanterie-Regiment von Stülpnagel (5. Brandenburgisches) Nr. 48.

Theodor Leutwein (links sitzend), Zacharias Zeraua (2. von links) und Manasse Tyiseseta (sitzend, 4. von links), Samuel Maharero (rechts), 1895

Im selben Jahr stand Leutwein im Posener 46. Infanterie-Regiment als er, auf Vorschlag des Obersten im Generalstab Liebert, nach Deutsch-Südwestafrika beordert wurde und dort zwei Jahre später den bisherigen Landeshauptmann und Kommandeur der Schutztruppe, Major Curt von François, in dieser Funktion ablöste. Leutwein führte die Schutztruppe 1894 gegen den von Hendrik Witbooi angeführten Orlam-Stamm der Witbooi und zwang diese zum Abschluss eines Schutz- und Beistandsvertrags, den die Witbooi auch fast 10 Jahre lang getreulich erfüllten. Ferner gelang Leutwein die Wiederbelebung und Fortführung des Schutzvertrages mit den Herero in Okahandja, so dass deren Häuptling Samuel Maharero Leutwein nicht nur auf dessen mehrmonatiger Erkundungstour durch den Norden des Landes begleitete, sondern auch bei der Niederwerfung eines Aufstands der Mbanderu / Ost-Herero 1896 tatkräftige militärische Unterstützung zukommen ließ. In Anerkennung dieser sowohl militärischen als auch diplomatischen Erfolge wurde Major Leutwein 1896 zum ersten Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika ernannt.

Als 1904 überraschend der Aufstand der Herero ausbrach, versuchte der inzwischen zum Oberst beförderte Leutwein – seiner bisherigen Linie folgend – zunächst angesichts der militärischen Kräfteverhältnisse und seines bis dahin guten Einvernehmens mit den Herero eine Verhandlungslösung zu erreichen, was ihm jedoch sowohl von den deutschen Siedlern in der Kolonie als auch in Deutschland als Schwäche ausgelegt wurde. Daher wurde das Kommando über die Schutztruppe 1904 Generalleutnant Lothar von Trotha übertragen, der – nach Eintreffen massiver Verstärkung, darunter Artillerie und Maschinengewehre – äußerst hart gegen die Aufständischen vorging und die totale Vernichtung der Herero anstrebte.[1] Leutwein blieb zunächst Gouverneur, überwarf sich jedoch mit von Trotha wegen dessen unmenschlicher Kriegsführung und trat 1905 vom Amt des Gouverneurs zurück.

Dennoch wurde Leutwein noch 1905 zum Generalmajor befördert, schied im selben Jahr aus dem kaiserlichen Heer aus und kehrte nach Deutschland zurück, wo er in Überlingen am Bodensee seinen Lebensabend verbrachte. Leutwein starb am 13. April 1921 in Freiburg im Breisgau und liegt auf dem dortigen Hauptfriedhof begraben.

Familie[Bearbeiten]

Theodor Leutwein heiratete 1874, aus dieser Ehe gingen 5 Kinder hervor. Einer der Söhne war der spätere Kolonialpolitiker und -Schriftsteller Paul Leutwein. 1891 wurde die Ehe geschieden.

Schriften[Bearbeiten]

  • Theodor Leutwein: Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika. 1906; Namibiana Buchdepot, 4. Auflage 1997, ISBN 978-3-936858-36-5
  • Die Kämpfe mit Hendrik Witboi 1894 und Witbois Ende. Voigtländer, Leipzig 1912 (Digitalisat).

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Leutwein: Theodor Leutwein. Verlag Charles Coleman, Lübeck 1934
  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I Politiker, Teilband 3: I–L. Heidelberg 1999, S. 280–281.
  • Horst Gründer: Leutwein, Theodor. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 387 f. (Digitalisat).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600–1947. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-05392-3, S. 690

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Theodor Leutwein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien