Theodor O. Diener

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Theodor O. Diener

Theodor Otto Diener (* 28. Februar 1921 in Zürich)[1] ist ein Schweizerisch-US-amerikanischer Pflanzenpathologe. Er entdeckte, charakterisierte, und benannte die Viroide, welche die kleinsten bekannten lebensähnlichen Organismen sind 80- bis 100-mal kleiner als die kleinsten Viren. Viroide und Viroidähnliche Satelliten-RNA wurden vom Internationalen Komitee für Virustaxonomie als eine neue Ordnung von Subviralen Agenten anerkannt.

Die Entdeckung der Viroide war die dritte, große Erweiterung der Biosphäre – nach der Entdeckung der visuell nicht sichtbaren "subvisuellen" Mikroorganismen durch Antoni van Leeuwenhoek 1675 und derjenigen der "submikroskopischen" Viren durch Dmitri Iossifowitsch Iwanowski 1892.

Wie Flores et al. überzeugend schrieben: Viroide und Viren besitzen die meist charakteristische Eigenschaft von lebenden Organismen: in einer geeigneten Umgebung sind sie fähig, Kopien von sich selber zu produzieren, das heisst, sie sind zu autonomer Replikation (und Evolution) fähig. In dieser Hinsicht stehen Viroide (mit 246 bis 401 Nukleotiden) an der Grenze des Lebens – ein Aspekt, der jeden biologisch Interessierten anziehen sollte."

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer wenig versprechenden Kindheit bestand Diener die Eingangsprüfung der ETH Zürich, von der er 1944 das Diplom in Naturwissenschaften erhielt und an der er 1946 zum Dr.sc.nat. ETH in Pflanzenpathologie promoviert wurde. Danach wurde er Assistent von Dr. Samuel Blumer, einem damals prominenten Mykologen an der Eidgenössischen Versuchsanstalt für Obst-, Wein-, und Gartenbau in Wädenswil, wo er schon am ersten Arbeitstag einen Rostpilz (Puccinia cerasi) an den Blättern eines lokalen Kirschbaumes fand. P. cerasi ist südlich der Alpen weitverbreitet, wird aber nur sehr selten nördlich der Alpen gesehen. In Wädenswil wurde dieser Pilz nur einmal, mehr als hundert Jahre früher gesehen. Obwohl Diener in Waedenswil eine gute sichere Stelle hatte, emigrierte er in die USA, in der Hoffnung dort Grundlagenforschung betreiben zu können und damit etwas zur damals beginnenden großen Revolution in der Biologie beizutragen, was verständlicherweise in Wädenswil nicht möglich war.

In den USA schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch und stieg in vier Monaten vom Tellerwäscher bis zum Manager eines Luxusrestaurants auf, war sechs Monate an der Rhode Island State University, wo er eine in Xylolen lösliche Kupferverbindung auf Toxizität für Pilze und Phytotoxizität prüfte und nahm 1949 eine Stelle als Assistant Plant Pathologist an der Irrigation Experiment Station in Prosser, Washington, an, einer kleinen, ausserhalb gelegenen Forschungsanstalt der Washington State University. Er lernte allerdings schnell, dass dort ebenfalls keine virologische Grundlagenforschung möglich war. Er wurde Assistant und dann Associate Professor an der Washington State University. 1959 bis 1988 war er am wegbereitenden Plant Virology Laboratory des Agricultural Research Service (ARS) in Beltsville, das seine Entstehung dem Sputnik-Schock zu verdanken hatte. Ab 1989 war er Distinguished University Professor und seit 1994 Professor Emeritus an der University of Maryland, College Park.

Diener ist seit 1968 verheiratet und hat drei Kinder. Er ist Schweizer und US-amerikanischer Doppelbürger.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diener erkannte 1971 bei der Untersuchung der Ursache der Potato-Spindle-Tuber-Krankheit (der Erreger wird PSTVd abgekürzt) von Kartoffeln, dass diese durch etwas verursacht wurden, das kleiner als ein Virus war, ein Stück RNA ohne Protein, ein Viroid. Seine Größe betrug nur 130.000 Daltons, während man vorher annahm, ein infektiöser Erreger müsste mindestens 1 Million Daltons haben. Die Forschung am PSTVd wurde bei der ARS durch William B. Raymer und Muriel O’Brien begonnen. Sie fanden zum Beispiel, dass Tomaten günstiger für das Studium des Erregers geeignet waren als Kartoffeln, bei denen die Latenzzeit mehrere Jahre betragen kann. Der Erreger widersetzte sich aber der Entdeckung durch einfaches Zentrifugieren und Raymer zog um 1965 Diener hinzu. Mit Dichtegradientenzentrifugation entdeckten sie, dass der Erreger kleiner als ein üblicher Virus war und Experimente mit verschiedenen Enzymen, die DNA, RNA oder Proteine abbauten, führten zu dem Schluss, dass er nur aus RNA bestand. Raymer ging 1966 in die Industrie und in den folgenden fünf Jahren setzte Diener die Forschung allein fort, bis er sicher genug war, dass seine Ergebnisse die Fachwelt überzeugen konnten.

Viroide bestehen aus einzelsträngiger, kreisförmig geschlossener RNA und Diener stellte 1989 die Hypothese auf, dass sie Relikte der hypothetischen RNA-Welt aus der Entstehungsphase des Lebens auf der Erde sind.

Ehrungen und Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist Mitglied der US National Academy of Sciences, der American Academy of Arts and Sciences und seit 1980 Mitglied der Leopoldina.[2] 1987 erhielt er die National Medal of Science und den Wolf-Preis in Agrarwissenschaft. 1968 erhielt er den Campbell Preis des American Institutes of Biological Sciences, 1975 erhielt er den Humboldt-Forschungspreis, 1977 den Distinguished Service Award des U.S. Department of Agriculture, und 1979 nannte ihn die Cornell University Andrew D. White Professor- at-Large. 1988 erhielt er den E. C. Stakman Award der University of Minnesota. 1989 wurde Diener in die Science Hall of Fame des Agricultural Research Service, USDA induktiert.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Viroids and Viroid Diseases, Wiley-Interscience 1979
  • als Herausgeber: The Viroids, Plenum Press 1987
  • T. O. Diener. Ein Rostpilz auf Kirschenblaettern. Zeitschr, f, Obst- und Weinbau, Band 58, 1949. S. 228–230.
  • T. O. Diener: Potato spindle tuber "virus". IV. A replicating, low molecular weight RNA. Virology, Band 45, 1971, S. 411–428, PMID 5095900
  • B. D. Stollar, T. O. Diener: Potato spindle tuber viroid. V. Failure of immunological tests to disclose double-stranded RNA or RNA-DNA hybrids. Virology, Band 46, 1971, S. 168–170, PMID 5166353
  • T. O. Diener, J. M. Sogo, T. Koller: Potato spindle tuber viroid. X. Visualization and size determination by electron microscopy, Virology, Band 55, 1973, S. 70–80
  • T. O. Diener. W. B. Raymer. Potato spindle tuber virus. A plant virus with properties of a free nucleic acid. Science, Band 158, 1967, S. 378–381.
  • T. O. Diener: Circular RNAs: relics of precellular evolution?. Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A., Band 86, 1989, S. 9370–9374. PMID 2480600
  • T. O. Diener. Viroids: "Living Fossils"of Primordial RNAs? Biol.Direct 2016.11:15. DOI;10.2286/s13062-016-0116=7.:.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lebensdaten nach American Men and Women of Science, Thomson Gale 2004
  2. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Theodor O. Diener bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 4. Juli 2016.