Theodor Rittler

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Theodor Rittler (* 14. Dezember 1876 in Wien; † 4. März 1967 in Innsbruck) war ein österreichischer Strafrechtler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theodor Rittler studierte ab 1895 Rechts- und Staatswissenschaft an der Universität Wien (bei Heinrich Lammasch, Ludwig Mitteis, Leopold Pfaff, Carl Stooss) sowie an der Universität Berlin (bei Franz von Liszt). 1900 trat er in den Gerichtsdienst ein. 1901 wurde er in Berlin promoviert. Von 1902 bis 1912 arbeitete Rittler im k.k. Justizministerium; er war Schriftführer der Kommission für ein modernisiertes Strafgesetzbuch (Hoegel-Entwurf). 1908 wurde er an der Universität Wien für Strafrecht und Strafprozessrecht habilitiert. Zum 1. Oktober 1912 wurde Rittler als ordentlicher Professor der Rechte an die Universität Innsbruck berufen. 1924 war er Rektor der Universität. 1952 wurde er emeritiert. 1954 war Rittler Mitglied der Gesetzeskommission zur Reform des österreichischen Strafrechts. Er war Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien.

Rittler war Alter Herr der Akademischen Burschenschaft Oberösterreicher Germanen in Wien, die ihn 1930 „wegen dessen würdelosen Verhaltens in völkischem Sinne“ ausschloss, da er Philipp Halsmann vor Gericht und in der Presse vertrat.[1]

Rittler war ein Vertreter der objektiven Verbrechenslehre (dagegen subjektive Sicht von Ferdinand Kadecka und Friedrich Nowakowski).[2]

Rittler propagierte nach 1945 ein rechtstheoretisches Fundament zum Rückwirkungsverbot bei Kriegsverbrechergesetz und Verbotsgesetz, weshalb viele NS-Verbrechen ungesühnt blieben. Sein Gegenspieler Wilhelm Malaniuk dagegen versuchte, bis zu seinem Tod erfolgreich, die Verbrechen im bzw. des NS-Staates juristisch streng aufzuarbeiten: "Denn dabei handelt es sich um strafbare Handlungen, welche die Gesetze der Menschlichkeit so gröblich verletzen, dass solchen Rechtsbrechern kein Anspruch auf die Garantiefunktion des Tatbestandes zukommt".[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fragestellung, Wahrspruch und Urteil nach österreichischem Strafprozessrecht untersucht. In: Wolfgang Mittermaier, Moritz Liepmann (Hrsg.): Schwurgerichte und Schöffengerichte: Beiträge zu ihrer Kenntnis und Beurteilung. Band 1, Winter, Heidelberg 1908, S. S. 458–620 (Habilitationsschrift, Universität Wien, 1908).
  • Heinrich Lammasch: Grundriß des österreichischen Strafrechts. 5. Auflage. Neu bearbeitet von Theodor Rittler. Österreichische Staatsdruckerei, Wien 1926.
  • Lehrbuch des österreichischen Strafrechts. 2 Bände. Österreichische Staatsdruckerei, Wien 1933/38; 2., neubearbeitete Auflage: Springer, Wien 1954/62.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Festschrift Theodor Rittler zum siebzigsten Geburtstage gewidmet und überreicht von Freunden, Fachgenossen und Schülern (= Zeitschrift für österreichisches Recht und vergleichende Rechtswissenschaft. Jg. 1 (1946), Nr. 3/4). Rauch, Innsbruck 1946.
  • Siegfried Hohenleitner, Ludwig Lindner, Friedrich Nowakowski (Hrsg.): Festschrift für Theodor Rittler zu seinem achtzigsten Geburtstag. Scientia, Aalen 1957 (mit Bibliographie).
  • Günter Spendel: Theodor Rittler (1876–1967) – zu seinem 90. Geburtstag. In: Ders.: Kriminalistenporträts: Neun biographische Miniaturen. Mut, Asendorf 2001, S. 82–91.
  • Rittler, Theodor. In: Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2. Ausgabe. Bd. 8 (2007), S. 453 (online).
  • RITTLER Theodor, Prof. Dr. Dr. h. c. Website von Gerhard Köbler, abgerufen am 14. September 2013.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Gehler: Studenten und Politik: der Kampf um die Vorherrschaft an der Universität Innsbruck, 1918–1938. Haymon, Innsbruck 1990, S. 110.
  2. Eintrag zu Theodor Rittler im Austria-Forum (in AEIOU Österreich-Lexikon)
  3. vgl. u.a. Claudia Kuretsidis-Haider in: NS-Prozesse und deutsche Öffentlichkeit - Besatzungszeit, frühe Bundesrepublik und DDR (2012), S. 415; Claudia Kuretsidis-Haider „Das Volk sitzt zu Gericht“ (2006), S. 55ff; Malaniuk, Lehrbuch, S. 113 u. 385
  4. Nachrichtenblatt der Universität Innsbruck. 1956/57, S. 20.