Therapeutic Touch

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Therapeutic Touch (TT) (englisch für Therapeutische Berührung) ist eine pseudowissenschaftliche alternativmedizinische Behandlungsmethode, eine Variante des Handauflegens, bei der der Behandler den Patienten allerdings nicht berührt. Sie basiert auf der im Bereich der Esoterik verbreiteten These, dass der Mensch ein eigenes „Energiefeld” (auch Prana, Aura, Qi, usw. genannt) habe, das mit den Energiefeldern seiner Umwelt ständig in Kontakt stehe.

Therapeutic Touch ist eine häufig wissenschaftlich untersuchte alternative Behandlungsmethode. Eine Wirksamkeit konnte bei diesen Untersuchungen nicht festgestellt werden. TT-Behandler konnten ihre angebliche, für die Behandlung grundlegende Fähigkeit, das Energiefeld eines Menschen wahrzunehmen, unter kontrollierten Bedingungen nicht demonstrieren.

Geschichte[Bearbeiten]

Therapeutic Touch wurde 1972 von den beiden Theosophen (Adyar-TG) Dolores Krieger, Dozentin für Pflegewissenschaft an der New York University, in Zusammenarbeit mit Dora van Gelder Kunz (Dora van Gelder, Dora Kunz, 1904-1999), Präsidentin der amerikanischen Sektion der Adyar-TG, veröffentlicht[1] [2]. Die Arbeit der bekannten New Yorker Pflegewissenschaftlerin Martha Rogers (1914-1994), in der sie davon ausgeht, dass der Mensch ein offenes System ist, das über elektromagnetische Wellen ständig im Austausch mit der Umwelt steht, bildete eine der Grundlagen für die Entwicklung von TT.

Aufgrund einer Veröffentlichung im renommierten American Journal of Nursing und durch intensive Lobbyarbeit ihrer Befürworter verbreitete sich die Methode. In den USA wurden etwa 100.000 Menschen, darunter 50.000 Krankenschwestern, in TT ausgebildet. Mehr als 100 Colleges und Universitäten boten Kurse an. Die North American Nursing Diagnosis Association hat 1995 die Diagnose Energy Field Disturbance (Störung des Energiefeldes) mit TT als primärer Intervention in ihren Katalog aufgenommen.

Anwendung[Bearbeiten]

Ziel ist nach Ansicht der Anwender, das menschliche Energiefeld, das sich im Körper bilde und über die Körpergrenzen hinaus erstrecke, mit den Händen zu erspüren und zu harmonisieren. Dadurch soll die Berührung eine zusätzliche „Dimension” erhalten, die bewusste „Energielenkung”.

Wissenschaftliche Beurteilung[Bearbeiten]

Einige sorgfältige Literaturübersichten kamen zu dem Ergebnis, dass etliche der einschlägigen Studien methodische Mängel aufweisen.[3][4] Nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin ist die postulierte Wirksamkeit der „Therapeutic Touch“ Therapie nicht belegt.

1998 wurde die damals 11-jährige Schülerin Emily Rosa berühmt als jüngste Autorin eines bedeutenden wissenschaftlichen Journals. Sie veröffentlichte einen Artikel in dem Peer-Review-erfordernden Journal of the American Medical Association (JAMA) über ein Experiment, das sie bereits zwei Jahre zuvor, also mit 9 Jahren, durchgeführt hatte.[5] Diese Studie zeigt, dass 21 TT-Behandler nicht in der Lage waren, das "Energiefeld" der Hand des Experimentators wahrzunehmen, wenn sie die Hand nicht sehen konnten. Der Versuchsaufbau war sehr einfach: Emily und die TT-Behandler waren durch einen Sichtschutz aus Pappe voneinander getrennt. In diesem Sichtschutz befanden sich zwei Löcher, durch die der TT-Behandler seine Hände stecken kann. Auf der anderen Seite hielt Emily ihre Hand entweder über die linke oder über die rechte Hand des Probanden ohne sie zu berühren. Die Reihenfolge, in der dies geschah wurde durch das Werfen einer Münze zufällig festgelegt. Die TT-Behandler hatten nun die Aufgabe zu demonstrieren, dass sie das Energiefeld eines Menschen spüren können, indem sie angaben, über welche ihrer Hände Emily gerade ihre Hand hält. Zufälliges Raten ergibt bei diesem Versuchsaufbau bereits eine durchschnittliche Trefferquote von 50 %. Die 21 TT-Behandler kamen nur auf eine Trefferquote von 44 %. Nach Protesten von Therapeutic-Touch-Anhängern wurde der Versuch zwei Jahre später noch einmal wiederholt. Dieses Mal kamen sie auf eine Trefferquote von 41 %.

Ausbildung[Bearbeiten]

Mit dem Ziel der Eingliederung in die europäischen Gesundheitssysteme und der Vereinheitlichung der Ausbildung bildeten TT-Institutionen in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Österreich und skandinavischen Ländern sowie Südafrika die International Therapeutic Touch Association (ITTA) mit Sitz in Utrecht, Niederlande. Durch die Entwicklung von Richtlinien trägt sie dazu bei, in vielen europäischen Ländern einen international von den verschiedenen TT-Verbänden anerkannten Standard zu garantieren (Ausbildung, Lehrerausbildung, Qualitätsstandard, Curricula, Prüfungen). Dabei gilt als Mindestvoraussetzung für die Ausübung von TT eine Ausbildung aus 48 Unterrichtsstunden Theorie und 20 Unterrichtsstunden über Fallbeispiele. Weitergehende Qualifikationen wurden noch nicht standardisiert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Donal P. O'Mathuna, Steven Pryjmachuk, Wayne Spencer, Michael Stanwick, Stephan Matthiesen: A critical evaluation of the theory and practice of therapeutic touch. Nursing Philosophy, 3(2), 2003, pp. 163-176.
  • Donal P. O'Mathuna: "Evidence-based practice and reviews of therapeutic touch". Journal of Nursing Scholarship 32 / 2000, pp. 279-85.
  • Linda Rosa, Emily Rosa, Larry Sarner, Stephen Barrett: A Close Look at Therapeutic Touch. Journal of the American Medical Association 279 / 1998, pp. 1005-10.
  • Pamela Potter Hughes, Robin Meize-Grochowski, Catherine Neighbor Duncan Harris: Therapeutic Touch With Adolescent Psychiatric Patients. Journal of Holistic Nursing 14 (1996) 1: pp. 6–23.
  • Dolores Krieger: Therapeutic Touch. Die Heilkraft unserer Hände. Verlag Lüchow, Freiburg 2004.
  • Imre und Dagny Kerner: Heilen. Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln 1997 (über modernes Antiquariat erhältlich).
  • Rita Beckendorf: "Mit den Händen die Seele berühren – Therapeutic Touch in der Kinderpsychiatrie", in: Pflegezeitschrift 8/2004, S. 552-554, Verlag W. Kohlhammer.
  • Renate Wallrabenstein: "Dirigierte Energie – Therapeutic Touch", in: Altenpflege 4/2005, S.2-4, Verlag Vincentz Network.
  • Susanne Backs: "Therapeutic Touch und Energietraining: Berührungen, die bewegen – Bewegungen, die berühren", in: turnen und sport 10/2004, hrsg. vom Berufsverband staatlich geprüfter Gymnastiklehrerinnen und –lehrer, Deutscher Gymnastik Bund DGYMB e.V., Pohl Verlag.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. http://international.theoservice.org/articles/therapeutictouch.html
  2. http://www.theosophical.org/publications/quest-magazine/1298
  3. Winstead-Fry, Patricia; Kijek, Jean: "An Integrative Review and Meta-Analysis of Therapeutic Touch Research". In: Alternative Therapies in Health and Medicine 5 (6), 58-66, 1999
  4. Astin, J.A. ; Harkness, E. ; Ernst, E., "The efficacy of 'distant healing': a systematic review of randomized trials". In: Annals of Intern. Medicine 132, 903-910, 2000
  5. Linda Rosa; Emily Rosa; Larry Sarner; Stephen Barrett: A Close Look at Therapeutic Touch. Journal of the American Medical Association 279, April 1998: pp. 1005 - 1010. Volltext:[1]