Thiepval-Kaserne

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FrankreichFrankreich Thiepval-Kaserne
Thiepval-Kaserne

Thiepval-Kaserne

Land Deutschland
Heute Zivil genutzt
Gemeinde Tübingen
Koordinaten: 48° 30′ 51″ N, 9° 3′ 22″ OKoordinaten: 48° 30′ 51″ N, 9° 3′ 22″ O
Eröffnet 1873 bis 1875
Eigentümer Land / Privat
Ehemals stationierte Truppenteile
7. Infanterieregiment
14. Infanterie-Regiment

24. Chasseur-Regiment

Deutsches ReichWar Ensign of Germany (1903–1919).svg
Deutsches ReichWar Ensign of Germany (1938–1945).svg
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Thiepval-Kaserne (Baden-Württemberg)
Thiepval-Kaserne

Lage der Thiepval-Kaserne in Baden-Württemberg

Die Thiepval-Kaserne ist ein Gebäudekomplex in der Tübinger Südstadt, der zwischen der Hegelstraße (im Norden) und der Schellingstraße (im Süden) unweit des Tübinger Hauptbahnhofs liegt, wobei die Achse des Hauptgebäudes der Kaserne sich mit der Achse des Bahnhofs deckt. Im Osten wird das Areal von der Steinlachallee abgegrenzt, im Westen gibt es keine besondere Abgrenzung zu den sich dort befindenden Wohngebäuden. Die Kaserne wurde in den 1870er Jahren für die Württembergische Armee erbaut. Seit 1980 wird der Gebäudekomplex ausschließlich zivil genutzt.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptgebäude der Thiepval-Kaserne, 1939
Thiepval-Kaserne mit Vorplatz

Ursprünglich wurde die Thiepval-Kaserne Infanterie-Kaserne genannt.[1] Nach dem Bau der Loretto-Kaserne (1914) nannte man sie Neue Kaserne. Im Rahmen der Umbenennung von Kasernen in Tübingen im Jahre 1938 erhielt die Kaserne den heutigen Namen. Die Kaserne ist nach dem französischen, in der Nähe der Gemeinde Pozières gelegenen Weiler Thiepval benannt, um welchen französische, deutsche und britische Soldaten im Ersten Weltkrieg einen verlustreichen Stellungskrieg, die sogenannte Schlacht an der Somme, führten. Auf deutscher Seite war dabei in besonderem Maße württembergische Infanterie beteiligt, u. a. das in Tübingen stationierte 10. Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 180.

Militärische Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kaserne wurde in der Zeit von 1873 bis 1875, aus Mitteln der französischen Reparationszahlungen, nach den Plänen der Architekten Oberbaurat Alexander von Tritschler und als Bauleiter Oberbaurat Richard Otto Bok für das 7. Württembergische Infanterieregiment errichtet.[2] Es war die erste Kaserne in Tübingen, die Tübingen zu einer Garnisonsstadt erhob. Das Hauptgebäude ist ein verputzter Backsteinbau mit Werksteingliederung im barocken Schlosstyp und ist stilistisch an Kastell- und Palastformen der italienischen Frührenaissance angelehnt.[3]

Als Nebengebäude wurden ein Lazarett, Kohlenschuppen, Leichenhaus, Stallungen und die Aborte errichtet. Von 1913 bis 1914 wurde ein Stabsgebäude ergänzt. Nach dem Friedensvertrag von Versailles wurde das deutsche Heer auf 100.000 Mann reduziert und die Kaserne ab 1919 zwischenzeitlich als ziviles Wohnobjekt genutzt. Es entstanden 47 Wohnungen mit 155 bis 177 m² Wohnfläche. Das Stabsgebäude wurde bis zum Jahr 1926 als Polizeiwehr der späteren Ortspolizei als Unterkunft verwendet.

1934 wurde der Gebäudekomplex erneut durch das I. und II. Bataillon des 14. (Badischen) Infanterie-Regiments militärisch genutzt. Zwischen den Jahren 1941 und 1944 war das Landsturm-Bataillon dort untergebracht. Ab dem Jahr 1944 diente es als Reservelazarett.

Nach Kriegsende im Jahr 1945 waren in der Kaserne das 12. Kürassierregiment und das 24. Chasseur-Regiment (service des materiels) der französischen Armee sowie ehemalige polnische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene auf dem Kasernengelände untergebracht. 1978 zogen die französischen Streitkräfte aus dieser Kaserne ab.

Zivile Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1980 wurde das ehemalige Stabsgebäude durch das Wohnprojekt Schellingstraße besetzt. Ab 1981 diente das Mannschaftsgebäude für Asylbewerber und ab dem 28. Juli 1989 auch Übersiedlern aus der der DDR[4] als Unterkunft. Im Jahr 2002 erfolgte ein Umbau und die Sanierung des ehemaligen Mannschaftsgebäudes, sowie der Nebengebäude. Seitdem wird das Hauptgebäude gemischt genutzt: hier befinden sich sowohl private Wohnungen und Besucher-Zentrum des Finanzamtes Tübingen. In den Nebengebäuden sind das Technische Hilfswerk, die Johanniter-Unfall-Hilfe e. V., sowie ausgegliederte Bereiche der AOK Tübingen untergebracht. Der Vorplatz, der frühere Exerzierplatz, blieb unbebaut, wurde umgestaltet und kann für Veranstaltungen genutzt werden.

Das ehemalige Stabsgebäude der Thiepval-Kaserne wurde im Jahr 2004 saniert und von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum Denkmal des Monats Oktober 2006“ ernannt.[5]

Gedenktafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gedenktafel an der Thiepval-Kaserne (Aufnahme aus dem Jahr 1986)

An alten Mauerresten in der Hegelstraße befindet sich eine steinerne Gedenktafel, die zu Ehren des 10. Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 180 für Verdienste während der namengebenden Schlacht von Thiepval dort angebracht wurde. Die Inschrift lautet:

Thiepval-Kaserne
Zum Gedenken an die hervorragenden Leistungen
des 10. Württ. Inf. Rgts. Nr. 180.
im Weltkrieg. Insbesondere bei der heldenmutigen
Verteidigung des Dorfes Thiepval ob der Ancre
in der Sommeschlacht am 26. September 1916

Die Gedenktafel ist heute stark verwittert und kaum noch lesbar.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilfried Setzler: In: Kleine Tübinger Stadtgeschichte, Silberburg Verlag 2006, ISBN 978-3-87407-666-1, S. 147.
  2. Die Thiepvalkaserne um 1900 (Memento des Originals vom 12. Februar 2013 im Webarchiv archive.today)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zeit-zeugnisse.de auf zeitzeugen.de
  3. Georg Dehio; Dagmar. Zimdars: In: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg. Die Regierungsbezirke Freiburg und Tübingen, Bd. II, Neubearb., München, Berlin 1997. S. 723, ISBN 978-3-422-03030-5.
  4. Stadtchronik der Stadt Tübingen aus dem Jahre 1989
  5. „Denkmal des Monats“ Oktober 2006: - Das Stabsgebäude der Thiepvalkaserne in Tübingen – ein alternatives Wohnprojekt im Kulturdenkmal (Memento vom 10. Oktober 2007 im Internet Archive)
  6. Die Wörter „ob der Ancre“ werden wegen sehr schlechter Lesbarkeit aufgrund der historisch dokumentierten Ereignisse nur vermutet, da während der Schlacht an der Somme 1916 der Fluss Ancre häufig in den damaligen Heeresberichten im Zusammenhang mit der Schlacht an der Somme erwähnt wird.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Möller (Hrsg.): Still gestanden? : Die Geschichte einer alten Kaserne. Herausgegeben im Auftrag des Fördervereins Kulturdenkmal Schellingstraße 6. Förderverein Kulturdenkmal Schellingstraße 6, Tübingen 2009, ISBN 978-3-910090-93-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Thiepval-Kaserne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien