Thierbach (Kitzscher)

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Thierbach
Stadt Kitzscher
Koordinaten: 51° 10′ 18″ N, 12° 31′ 50″ O
Höhe: 162 m
Einwohner: 261 (9. Mai 2011)[1]
Eingemeindung: 1. August 1973
Postleitzahl: 04567
Vorwahl: 03433
Blick auf Thierbach von der Halde Trages

Thierbach ist ein Ortsteil der sächsischen Stadt Kitzscher im Landkreis Leipzig.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thierbach liegt etwa 21,5 Kilometer süd-südöstlich der sächsischen Großstadt Leipzig. Das Gelände des ehemaligen Braunkohlenkraftwerkes Thierbach liegt westlich des Ortes.

Nachbarorte von Thierbach sind Trages im Norden, Hainichen im Nordosten, Kitzscher im Südosten, Braußwig im Süden, Eula und Gestewitz im Südwesten sowie Espenhain und Mölbis im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Thierbacher Kirche

Etwa im 12. Jahrhundert entsteht Thierbach – „Ort am Bach an dem sich viel Wild aufhält“ – als ein von deutschen Kolonisten angelegtes Straßenangerdorf. 1277 wird ein Heinricus dictus de Thyrbach erwähnt, was auf einen Herrensitz deutet.[2] Die erste belegte Ortsnamenform datiert von 1350 als Tierbach.[3] August Schumann nennt 1824 im Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen Thierbach betreffend u. a.:

„Das hiesige Rittergut hat übers Dorf nur die Erbgerichte. Hier ist ein Filial von Eyla. Der Häuser sind 46, der Einwohner über 230. […] Der Boden ist lehmig naß, aber fruchtbar, und in trockenen jahren besonders ergiebig. Ackerbau und Viehzucht sind Hauptnahrung. Die Güter sind nicht allzugroß; hier sind 2 Anspänner und 17 Hintersässer. – Das Rittergut ist durch neue Grundstückankäufe jetzt weit beträchtlicher als früher. Es hat einige Frohndienste in der Aerndte, Triftrecht für 500 Schafe, und niedere Jagd. Der Ort hat jetzt eine eigene Schule.“[4]

Ehem. Kraftwerk Thierbach

Des Weiteren gab es an Gebäuden eine Schmiede, eine Mühle einem Gasthof sowie nach der Sächsischen Landgemeindeordnung von 1838 auch ein Gemeindehaus im Ort. Bereits im Jahr davor wurde Thierbach selbständiger Schulort. Thierbach lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Borna.[5] Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Borna und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Borna.[6] 1888 wurde ein Schloss im neogotischen Stil errichtet sowie der dazugehörige englische Park angelegt. Der letzte Besitzer von Schloss und Rittergut war 1938 Conrad von Auenmüller. 1941 wurde es an die ASW Espenhain verkauft und diente als Wohnunterkunft für Werkdirektoren und deren Familien, nach 1945 für Umsiedler. Heute ist nur noch eine Ruine.[2]

Am 1. August 1973 wurde Thierbach nach Kitzscher eingemeindet. Das 1969 ans Netz gegangene Kraftwerk Thierbach wurde 1999 stillgelegt.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl[3]
1548/51 19 besessene Mann, 10 Inwohner, 19 Hufen
1764 29 besessene Mann, 19 Häusler, 21 ¼ Hufen
1834 247
1871 278
Jahr Einwohnerzahl
1890 278
1910 289
1925 295
1939 272
Jahr Einwohnerzahl
1946 365
1950 402
1964 419

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thierbach. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 11. Band. Schumann, Zwickau 1824, S. 707.
  • Matthias Donath: Schlösser in Leipzig und Umgebung. edition Sächsische Zeitung Redaktions- und Verlagsgesellschaft Elbland mbH, Meißen 2013, S. Thierbach S. 130, Braußwig S. 131
  • Axel Flügel: Bürgertum, Bürgerliche Rittergüter, Sozialer Wandel und politische Reform in Kursachsen (1680-1844), Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Band 16., Göttingen 2000, ISBN 3-525-35681-1, S. 49 Dorf und Vorwerk Thierbach sowie Erwähnung von Tobias Ludolph von Zehmen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Thierbach (Kitzscher) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Thierbach im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kleinräumiges Gemeindeblatt für Kitzscher, Stadt. (PDF; 0,23 MB) Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, September 2014, abgerufen am 8. Februar 2015.
  2. a b Ortsteil Thierbach im Portrait auf kitzscher.de, abgerufen am 6. Januar 2012.
  3. a b Vgl. Thierbach im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  4. Vgl. Thierbach. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 11. Band. Schumann, Zwickau 1824, S. 707.
  5. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 62 f.
  6. Die Amtshauptmannschaft Borna im Gemeindeverzeichnis 1900