Thierry Bruehl

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Thierry Bruehl

Thierry Bruehl (* 19. Februar 1968 in Paris) ist ein deutsch-französischer Theater- und Musiktheaterregisseur, der mit dem Schauspieler Daniel Brühl verwandt ist. Bruehl lebt in Berlin.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thierry Bruehl inszenierte unter anderen in Berlin, Stuttgart, Frankfurt, Wien und Salzburg; seit 2005 Gastprofessor für Dramaturgie und Schauspiel an der Universität Mozarteum Salzburg. Als besondere Kennzeichen seiner Regiearbeiten gelten die ausdrucksstarken Bilder, mit denen er Konstellationen und Situationen erhellt sowie sein präziser Umgang mit dem Text, verbunden mit spannungsvoll rhythmisierenden dramaturgischen Bögen.

Bereits mit 19 Jahren wurde Thierry Bruehl Regieassistent, zunächst an der Freien Volksbühne Berlin, später am Hamburger Schauspielhaus und am Wiener Burgtheater; er war Assistent u.a. bei Ruth Berghaus, Ariane Mnouchkine in Paris (Die Atriden) und enger Mitarbeiter von Hans Neuenfels. Regie-Workshop bei Peter Brook.

Eigene Inszenierungen realisierte Bruehl ab 1992. Auf die Auseinandersetzung mit klassischen Stoffen (wie Egmont, Richard III) folgten Inszenierungen von Uraufführungen zeitgenössischer Autoren (wie Dea Loher, Oliver Bukowski, Andreas Laudert) an Bühnen in Deutschland und Österreich. Regelmäßig inszenierte er außerdem Stücke französischer Dramatiker wie Marivaux, Molière, Koltès und Reza.

In freien interdisziplinären Projekten ab 1998 arbeitete Bruehl vorzugsweise mit Schauspielerpersönlichkeiten wie Hanns Zischler, Christian Grashoff, Mehdi Moinzadeh und v.a. wiederholt mit Ulrich Wildgruber zusammen. Mit ihm realisierte er u.a. im Auftrag der Berliner Festspiele (1998) den Nietzsche-Abend Der Wanderer und sein Schatten an der Schaubühne (1998) und richtete Goethes West-östlichen Divan (Frankfurt, 1999) szenisch für ihn ein. Im Staatsratsgebäude Berlin inszenierte Bruehl seine Dramatisierung des in der DDR verbotenen Romans 5 Tage im Juni von Stefan Heym u.a. mit Boris Aljinovic (2003).

Große Beachtung fand seine Uraufführung des Musiktheaterstücks brangg! nach Celine, entwickelt mit dem Komponisten Michael Beil für das Eclat Festival in Stuttgart (2005). Seither zahlreiche Uraufführungen von zeitgenössischen Opern, darunter Emily Dickinson’s Uhr mit Friederike Kammer (Illes/Muck, UA Eclat Stuttgart 2007), Ligeia und Fleischverwandtschaft (Hüseyin Evirgen, 2007/2009), Gespensterhaus von Reinhard Febel (2007), begehren von Beat Furrer (2010) und das Musiktheaterwerk blinded für fünf Komponisten bei der Biennale di Venezia 2011.

Seit 2009 arbeitet Thierry Bruehl mit mehreren renommierten Klangkörpern auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik zusammen, wie dem Quatour Diotima aus Paris, dem Österreichischen Ensemble für Neue Musik mit Sitz in Salzburg und dem Ensemble Modern (Frankfurt).

Thierry Bruehl ist Mitinitiator und Mitglied der künstlerischen Leitung von Klang 21 – Verein zur Förderung zeitgenössischer Musik und darstellender Kunst, der unter anderen das Taschenopernfestival in Salzburg ins Leben gerufen hat.

2007 führte Bruehl Regie und schrieb das Drehbuch für die vielbeachteten Filme 5 x Deutschland, fünf Clips aus fünf Städten über Selbstbild und Fremdbild von Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten. Anlässlich der Geschichtsjubiläen 2009 entstand die Kurzfilmdokumentation und jetzt?!, u.a. mit Markus Kavka, die deutschlandweit als Vorfilm in den Kinos lief.

2014 entstand die „musikalischen Bildgeschichte in drei Heften: Der Universums-Stulp“ nach Eugen Egner zum 25-jähriges Jubiläum der Kunststiftung NRW. Bruehl führte Regie und erstellte zusammen mit dem Komponisten Stephan Winkler auch das Libretto. Das ensembleMusikfabrik und die Solisten der Oper in Wuppertal wurden von Peter Rundel geleitet.

Dramatisierungen und Bearbeitungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Wanderer und sein Schatten: Menschliches – allzu Menschliches, Friedrich Nietzsche (1998)
  • Der West-Östliche Divan, nach Johann Wolfgang von Goethe (1999)
  • Sofortige Erleuchtung incl. MwSt, nach Anthony Carr (2002)
  • 5 Tage im Juni, nach Stefan Heym (2003)
  • Der Mann ohne Eigenschaften, Robert Musil nach einer Idee von Jürgen Kaizig (2003)

Inszenierungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Egmont, Goethe
  • Richard III, Shakespeare
  • Der Streit, Marivaux
  • Ob so oder so, Bukowski
  • Rausch, Strindberg
  • Tartuffe, Molière
  • So ist es, wie es ihnen scheint, Pirandello
  • Die Dromedarpedale, Laudert
  • Der Mann ohne Eigenschaften, Musil
  • Kampf des Negers und der Hunde, Koltès
  • Was ihr wollt, Shakespeare
  • Drei mal Leben, Reza
  • Nathan der Weise, Lessing
  • Kasimir und Karoline, Horvath
  • Übergewicht, unwichtig, Unform, Schwab
  • 9+1, un couple=un mort, Marchand/Pellet
  • Elegien der Verwandlung - Hermaphroditos, Tuscano/Lay
  • begehren, Beat Furrer
  • blinded, Beil, Käser, Webern, Hidalgo, Perocco, Bruehl
  • Wer zum Teufel ist Gerty?, Joyce
  • Der Universums-Stulp, Text: Eugen Egner, Musik: Stephan Winkler

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]