Thilo von Trotha (Redenschreiber)
Thilo Wolf-Heinrich von Trotha (* 19. Mai 1940 in Gera) ist ein deutscher Jurist und Redenschreiber.
Herkunft und Ausbildung
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Thilo von Trotha entstammt dem sächsischen Adelsgeschlecht von Trotha. Er wurde als zweites von drei Kindern des Offiziers (Oberst) Wolf Heinrich von Trotha (1905–1944) und dessen Frau Erika, geb. Hirsch (1916–2000), in Gera geboren. Sein Vater war Kommandeur des der 1. Panzer-Division unterstellten Panzerregiments 1 und fiel im Juli 1944 östlich von Taganrog an der Ostfront. Nach dem Tod des Vaters und der Zerstörung des Hauses in Gera zog die Familie zu den Großeltern nach Weimar. Dort besuchte von Trotha seit 1946 die Grundschule; der Zugang zur Oberschule wurde ihm aus politischen Gründen verwehrt. Um, so von Trotha selbst, „einer unerwünschten Berufsausbildung zu entgehen“, siedelte er 1955 ohne Eltern in die Bundesrepublik über – zunächst nach West-Berlin, dann in ein Sammellager für DDR-Flüchtlinge in Fallingbostel in der Lüneburger Heide und schließlich in ein Lehrlingsheim des Christlichen Jugenddorfwerks nach Limmer bei Alfeld (Leine). Seit Herbst 1955 besuchte er die Christophorus-Schule in Elze bei Hannover. Sein Abitur legte von Trotha 1963 an der Schiller-Schule in Hannover ab.[1]
Anschließend studierte von Trotha Rechtswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Nach sieben Semestern legte er in Köln das erste Staatsexamen ab. Seit 1967 absolvierte er seine Referendarausbildung in Bonn, München und Koblenz und besuchte seit 1968 die Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. 1969 wurde von Trotha Persönlicher Referent des Parlamentarischen Geschäftsführers der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag und im Jahr darauf wissenschaftlicher Mitarbeiter der SPD-Politikerin Helga Timm. Im Herbst 1970 wurde von Trotha in die Sprechergruppe der SPD-Bundestagsmitarbeiter gewählt. 1971 legte er das zweite Staatsexamen ab und wurde im Februar desselben Jahres bei Karl Heinrich Friauf an der Universität zu Köln mit einer Arbeit über Die Fortentwicklung des föderativen Systems der Bundesrepublik Deutschland durch die Einführung von Gemeinschaftsaufgaben promoviert (Zweitgutachter war Klaus Stern). Anschließend trat er als Regierungsrat in das Bundesministerium für Städtebau und Wohnungswesen ein und wurde Persönlicher Referent eines Staatssekretärs.
Tätigkeit als Redenschreiber
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1974 wechselte von Trotha ins Bundeskanzleramt und war bis 1980 Mitarbeiter der „Schreibstube“, wie die Redenschreibergruppe des deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt genannt wurde.[2] Als Redenschreiber Helmut Schmidts nahm von Trotha für sich in Anspruch, Erfinder des sogenannten „Klatschogramms“, einer statistischen Redeanalyse, zu sein.[3] Seine Chefs als Leiter der „Schreibstube“ waren Armin Halle und Christian Bauer. Seit 1981 ist er als Redenschreiber mit einer eigenen Agentur für Persönlichkeiten aus Industrie, Wirtschaft und Politik tätig.
Zur Ausbildung von Redenschreibern gründete Trotha 1990 die Akademie für Redenschreiber und rief 1998 in Bonn gemeinsam mit anderen Redenschreibern den Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) ins Leben, dessen Präsident er bis Mai 2006 blieb. Der Vereinigung gehören heute 450 freiberufliche und fest angestellte Redenschreiber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an.
Von Trotha entschuldige sich 2007 im Namen der Familie von Trotha für die Gräueltaten von Lothar von Trotha im damaligen Deutsch-Südwestafrika.
„Wir schämen uns für die fürchterlichen Ereignisse, die sich vor einem Jahrhundert in Namibia abgespielt haben.“
Für seine Verdienste zur Förderung der Redekultur und Demokratie in Deutschland wurde er im Januar 2009 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Die Debattierclubs an Schulen und Hochschulen, die sich überall in Deutschland zunehmend etablieren und seit Jahren sowohl von der Hertie-Stiftung als auch von der Zeit-Stiftung gefördert werden, gehen u. a. auf seine Initiative zurück.
Er ist Mitglied des Kuratoriums des forum thomanum Leipzig e.V.[5] und des Corps Borussia Bonn.
Werke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die Fortentwicklung des föderativen Systems der Bundesrepublik Deutschland durch die Einführung von Gemeinschaftsaufgaben. (Köln, Univ., Diss., 1971).
- Erdrutsch und andere Erzählungen. Stallberg-Verlag, St. Augustin 1985, ISBN 3-923151-17-9.
- Reden professionell vorbereiten. Handwerkliche Sicherheit, gefährliche Klippen, die wichtigsten Redetypen. Fit for Business, Regensburg/Düsseldorf 1998, ISBN 3-8029-4535-2.
- Pioniere reiten los. Ein Leben in zwei Deutschland. Lau-Verlag, Reinbek 2016, ISBN 978-3-95768-173-7.
- Übermacht? Was nützt uns und was schadet uns die KI? Eine Erzählung. Edition Freiberg, Dresden 2026, ISBN 978-3-948472-53-5.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Trotha, Pioniere, S. 49f., 75–79.
- ↑ Dr. Thilo von Trotha. Seine Reden schreiben deutsche Geschichte. In: svz.de. SVZ. 30. Juni 2014, abgerufen am 16. Januar 2017.
- ↑ D. h. die Darstellung der Zahl der Beifallsklatscher bei einer Rede Helmut Schmidts pro fünf Minuten im Kurvendiagramm. In: Markus Lanz. ZDF. 17. November 2016, 23:15–0:30 Uhr.
- ↑ sueddeutsche.de – Gedenken an Herero-Genozid ( vom 13. Dezember 2007 im Internet Archive)
- ↑ Kuratorium. In: forum-thomanum.de, abgerufen am 14. November 2016.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Trotha, Thilo von |
| ALTERNATIVNAMEN | Trotha, Thilo Wolf-Heinrich von |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist und Redenschreiber |
| GEBURTSDATUM | 19. Mai 1940 |
| GEBURTSORT | Gera |