Thomas Dekker (Dramatiker)

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Titelblatt von Dekker his Dreame (1620)

Thomas Dekker, auch Thomas Decker oder Thomas Dekkar, (* um 1572 in London; † 25. August 1632 ebenda) war ein englischer Dramatiker.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem derzeitigen Stand der Forschung ist über die Kindheit und Jugend Dekkers kaum etwas gesichert. Er begann in den letzten Regierungsjahren von Königin Elisabeth I. für verschiedene Bühnen Stücke zu verfassen. 1595 konnte er mit seinem Stück Old Fortunatus or the wishing-cap debütieren.

Mit diesem Stück kam auch der künstlerische Durchbruch, so dass bald auch andere Komödien von ihm inszeniert wurden; z.B. Phaeton (1597) oder The honest whore (1598). Von Anfang an war Dekker Mitarbeiter einiger anderer Theaterschriftsteller, wie Ben Jonson, John Marston, Philip Massinger, Thomas Middleton, Frederick Pickergill, William Rowley oder John Webster. Dies führte dazu, dass die Autorenschaft einzelner Texte heute nicht mehr zweifelsfrei geklärt werden kann.

Während Dekker zu Beginn seiner literarischen Karriere vornehmlich alte Stücke umschrieb und mit anderen zeitgenössischen Dramatikern zusammenarbeitete, verfasste er zwischen 1598 und 1602 acht eigene Werke und etwa 25 weitere Stücke als Mitautor. Das Gesamtwerk Dekkers, das teilweise verloren gegangen ist, wird auf mehr als 110 Dramen und Maskenspiele geschätzt. Daneben verfasste er zahlreiche Gedichte und Erzählungen sowie Pamphlete.[1]

Mit der Figur Crispinus in seinem Stück Poetaster (1601) verspottete Jonson seinen Kollegen Dekker; bekam es aber von diesem mit dessen Stück Satiromastix (1602) in gleicher Münze zurück. Bereits im darauffolgenden Jahr verfasste Dekker zusammen mit Jonson anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten zu Ehren Königs Jakob I. The magnificent entertainment given to King James upon his passage through London.

Zu den bekannteren Prosawerken und Pamphleten Dekkers zählen Schriften wie The wonderful year (1603), The bellman of London (1608) oder The Gull's hornbook or fashions to please all sorts of gulls (1609).

In The Wonderful Year (1603) thematisierte Dekker die Pestverheerungen im gleichen Jahr; in The Seven Deadly Sins of London (1606) setzte er sich mit den zeitgenössischen Untugenden und Vergehungen auseinander. Mit The bellman of London (1608) verfasste er eine beliebte Verbrecher- und Vagabundenbiografie.

Popularität erlangte Dekker 1598 auch mit seinem Gedicht Canaan’s Calamity, in dem er das zur damaligen Zeit beliebte Sujet des Falls von Jerusalem während der Kreuzzüge aufgriff.[2]

Im Alter von ungefähr 60 Jahren starb der Schriftsteller Thomas Dekker am 25. August 1632. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof St. James, Clerkenwell.

Es dauerte noch ca. vierzig Jahre, bis sich ein Herausgeber einer ersten Gesamtausgabe von Thomas Dekker fand.

Werkausgaben[Bearbeiten]

  • The Non-Dramatic Works of Thomas Dekker. Hrsg. von Alexander Balloch Grosart. 5 Bände. London 1884-86. (Neuauflage Russel & Russel Verlag, New York 1963).
  • The Dramatic Works of Thomas Dekker. Hrsg. von Fredson Thayer Bowers. 4 Bände. Cambridge University Press 1953-61. (Neuauflage CUP 2009).
    • 1. - The shoemaker's holiday. Old fortunatus. Patient Grissil. Satiromastix. Sir Thomas Wyatt. ISBN 0-521-21786-5.
    • 2. - The honest whore. The magnificent entertainment. Westward Ho. Northward Ho. The whore of Babylone. ISBN 0-521-21894-2.
    • 3. - The roaring girl. If this be not a good play. The devil is in it. Troia nova triumphans. Match me in London. The virgin martyr. The witch of Edmonton. The wonder of a kingdom. ISBN 0-521-22336-9.
    • 4. - The sun's darling. Britannia's honor. London's tempe. Lust's dominion. The noble spanish soldier. The welsch embassador. ISBN 0-521-22506-X.

Literatur[Bearbeiten]

  • Doris R. Adler: Thomas Decker. A reference guide. Hall, Boston, Mass. 1983, ISBN 0-8161-8384-8.
  • Larry S. Champion: Thomas Dekker and the Traditions of English Drama. 2. Ausgabe, Peter Lang Verlag, New York u.a. 1987, ISBN 0-8204-0214-1.
  • Julia Gasper: The dragon and the dove. The plays of Thomas Decker. Clarendon, Oxford 1990, ISBN 0-19-811758-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thomas Dekker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Thomas Dekker – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Laurenz Volkmann: Dekker, Thomas. In: Metzler Lexikon Englischsprachiger Autorinnen und Autoren. 631 Porträts – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hrsg. von Eberhard Kreutzer und Ansgar Nünning, Metzler, Stuttgart/Weimar 2002, ISBN 3-476-01746-X, S. 155f.
  2. Vgl. Laurenz Volkmann: Dekker, Thomas. In: Metzler Lexikon Englischsprachiger Autorinnen und Autoren. 631 Porträts – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hrsg. von Eberhard Kreutzer und Ansgar Nünning, Metzler, Stuttgart/Weimar 2002, ISBN 3-476-01746-X, S. 155.
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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