Thomas G’schrey
Thomas G’schrey (* 31. Juli 1959 in Berlin) ist ein deutscher Musiker, der unter den Namen „TT Geigenschrey“, „Thomthom Geigenschrey“ bzw. „TThomthom Geigenschrey“[1] bekannt ist.
Karriere
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Thomas G’schrey ist seit 1982 in der nationalen wie internationalen Subkultur-, E- und U-Studio- und Live-Musikszene aktiv. Er ist der Sohn des 1967 verstorbenen Berliner-Gruppe-Informel-Gründers und Bauhauskünstlers Paran G’schrey und Enkel des bis 2002 in der Künstlerkolonie Berlin wirkenden Kunstmalers und Poeten Ludwig G’schrey.
Als „TT Geigenschrey“ arbeitete er unter anderem als Musikjournalist, Konzertveranstalter, Kulturmanager, Studio-, Tour- und Impro-Musiker, Songwriter, Begleiter, Film- und Theatermusiker hervor. Zudem erstellte er Filmvertonungen und Live-Stummfilmvertonungen, musizierte für Performances und die Begleitung von Lesungen.
Als „Thomthom Geigenschrey“ bzw. „TT Geigenschrey“ war Thomas G'schrey musikjournalistisch tätig, unter anderem für:
- Zillo (Berlinredaktion)
- Berliner taz (1984–1987)
- Zitty (1993–1996)
- tip (1988–1992)
- Berliner Morgenpost (1987–1997)
1989 bis 1996 war er als Booking Agent und Promoter (unter dem Namen „Kulturtäter“ Booking/Promotion) für die Programmgestaltung des Club Insel der Jugend in Treptow tätig und inhaltlich und organisatorisch verantwortlich.
Seit 1983 arbeitet er parallel als experimenteller Rock-, Pop-, Avantgarde- und Free-Jazz-Geiger, Tour- und Studiomusiker in Produktionen von Künstlern wie Faust, Embryo, Norbert Schwefel, Mooseheart Faith Instellar Groove Band (Ex-The Angry Samoans), Artwork (Goethes Erben), Paul James Berry (Ex-The Rose of Avalanche), Exedra, Kiwisex (Kx Noizsystem), Santrra Oxyd, Vic Chestnutt, Giant Sand, HF Coltello, Bill Direen (The Bilders), Sandra Bell, Bernd Kistenmacher, Günter Schickert, Clive Product, The Hitmen 3, Messin Cissokho, The Renderers, Gianni Mimmo und dem Artaud Theater Berlin.
Im Umfeld des ostwestfälischen Labels Fast Weltweit wirkte er als Mitglied der Band Der Fremde des Musikers Achim Knorr und war Manager der Berliner Band Jetzt![2].
2010 und 2011 spielte Thomas G’schrey mit dem Musiker und Produzenten Norbert Schwefel Aufnahmen im Studio Audiomobil in Berlin-Wedding ein und sie traten unter dem Namen Schwefel & Geigenschrey an diversen Orten Berlins wie der inzwischen geschlossenen Theaterkapelle Friedrichshain auf.[3][4][5]
Wirkung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sven Regener antwortete auf die Frage, wie „es zu seinem Gesinnungswechsel von Postpunk zurück zur Musik der 68er“ gekommen sei: „Mit 68 hat das nichts zu tun. Aber tatsächlich: In der ersten Rezension unseres allerersten Element-of-Crime-Konzerts in der taz schrieb damals Thomthom Geigenschrey: ‚Der Sänger soll mal lieber wieder Trompete spielen und nicht versuchen, Bruce Springsteen und Bob Dylan nachzumachen.‘ Dabei ist es im Grunde geblieben (lacht). Der Laden war übrigens rappelvoll, weil zuvor in der taz in einer Ankündigung gestanden hatte: ‚Neue Band mit Leuten von Neue Liebe und Fehlfarben.‘“[6][7]
Projekte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]G’schreys Hauptinstrument ist die Geige. Er ist in sehr unterschiedlichen Musikstilen und Richtungen vertreten, meist als Improvisationskünstler und Livemusiker mit eigenem Beitrag und Klang. Nach Gehör ad hoc arbeitend begleitet er live Künstler mit musikalischen Arrangements, übernimmt und erweitert mit seinem Instrument komplette Melodien und Begleitsätze z. B. Rhythmusgitarren, Basslinien, Keyboards.
- Aufnahmen mit Bernd Kistenmacher
- Aufnahmen mit Norbert Schwefel bei Produzent Rene Schmidt
- Aufnahmen mit Un Escargot vide
- Aufnahmen mit Diego Ferri
- Aufnahmen mit The Bilders[8]
TT Geigenschrey – Album „Pi“
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 20. März 2025 stellte die taz‑Kolumne „Neue Musik aus Berlin“ das neue Album „Pi“ von TT Geigenschrey vor.[9] Die Musik verbindet Psych‑Rock, Kraut‑Rockerinnerungen und Free‑Jazz‑Elemente mit nachdenklicher Violine. Das Album enthält elf größtenteils instrumentale Stücke und dauert rund 80 Minuten. „Sea of Total Darkness“ eröffnet „mit hypnotischem Gewand psychotischer Klanglandschaften“, während „Main Man“ mit Vocals von Norbert Schwefel eher mild und folkrock‑nah klingt. Eine rund 25‑minütige Version von „Sister Morphine“ steht im Kontrast zur knapp fünfminütigen Originalfassung von Marianne Faithfull. Ein weiterer Track, „Irrlichterloh“, betont filmhafte Qualitäten, passend zur Live‑Vertonung des Stummfilms Der Mann, der lacht.
Filmvertonungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Rahmen seines Projekts „Sonic Inkraut“ realisiert Thomas G’schrey Live-Vertonungen zu Stummfilmen.[10]
- Auswahl
- Last Man on Earth (1964, Ubaldo Ragona/Sidney Salkow): Live-Krautrock-Neuvertonung am 17. Mai 2023 im XENON-Kino (Berlin) mit der Band Sonic Inkraut (TT Geigenschrey, Kurt Dahlke, Chris Hughes, Michael Kemner).[11]
- Vampyr (1932, Carl Theodor Dreyer): Live-Neuvertonung im Sputnik Kino (Berlin) am 14. April 2023; „Sonic Inkraut“ als Trio aus TT Geigenschrey, Chris Hughes und Kurt Dahlke.[12][13]
- White Zombie (1932, Victor Halperin): Live-Krautrock-Vertonung am 13. Dezember 2025 im Kulturbahnhof Biesenthal mit TT Geigenschrey, Pyrolator (Kurt Dahlke), Diego Ferri und Chris Hughes.[14]
- Der Mann, der lacht (1928, Paul Leni): Live-Vertonung am 22. März 2025 in der Forum Factory (Berlin) mit dem Quintett „Sonic Inkraut“ (u. a. Theo Jörgensmann, Kurt Dahlke, Chris Hughes, Mark Beumer).[15]
- The Cat and the Canary (1927, Paul Leni): Live-Stummfilmvertonung im RegenbogenKino (Berlin) am 18. April 2025.[16]
Neuseeland 2025
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2025 tourte TT Geigenschrey in Neuseeland und trat dort mit Musikerinnen und Musikern aus dem Umfeld des Independent-Labels Flying Nun auf.[17] Für Christchurch (Space Academy) wurde ein Konzert unter dem Titel „das Lebewohl TTG“ angekündigt.[18] In einem Interviewtext mit Paul Kean (The Bats) wird Geigenschrey als deutscher Violinist erwähnt, der in Neuseeland mit lokalen Musikerinnen und Musikern zusammenarbeitete.[19]
Veröffentlichungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- TT Geigenschrey auf discogs[20]
- Kompositionen auf CD von Bernd Kistenmacher[21]
- Erwähnung in der Zitty, Berlin / Schwefel und TT Geigenschrey Live im King Kong Club[22]
- D. Ferri / TT Geigenschrey - Digitales Album, ōnyūdō, 2012[23]
- Vertonung von Walter Ruttmanns Stummfilmklassiker „Berlin - Sinfonie der Großstadt“ mit Günter Schickert[24]
- Produktion mit der kanadischen Band PARO[25]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Biografie mit Projekten und Künstlernamen
- ↑ JETZT! – Liebe in GROSSEN Städten JETZT! – Liebe in GROSSEN Städten - Englischsprachiger Artikel von Mijk van Dijk, 2015 auf microglobe.de
- ↑ Zitty, Berlin ( vom 22. Februar 2014 im Internet Archive)
- ↑ Theaterkapelle, Berlin
- ↑ Interview Bernd Kistenmacher
- ↑ Taz vom 11. September 2009
- ↑ Sven Regener im Interview - Simon Hadler, ORF.at
- ↑ The Bilders - The Utopians, Release 2014 u. a. mit Thomthom Geigenschrey
- ↑ Robert Mießner: Amalgam mit Geige. Rezension Album „PI“. In: taz.de vom 20. März 2025.
- ↑ Robert Mießner: Amalgam mit Geige. Rezension Album „PI“. In: taz.de vom 20. März 2025.
- ↑ Thomas Wochnik: Krautrock-Filmvertonung: Spiel am Abgrund zum Vatertag. In: Der Tagesspiegel. 15. Mai 2023, abgerufen am 13. Februar 2026.
- ↑ Live-Neuvertonung: VAMPYR, Sputnik Kino am Südstern. In: Indiekino. 13. April 2023, abgerufen am 11. Februar 2026.
- ↑ DER TRAUM DES ALLAN GRAY (1932) MIT LIVE VERTONUNG. In: Sputnik Kino. Abgerufen am 11. Februar 2026.
- ↑ Limited Edition #06 – SONIC INKRAUT. In: Mach mal grün (Kulturbahnhof Biesenthal). Abgerufen am 11. Februar 2026.
- ↑ Robert Mießner: Amalgam mit Geige. Rezension Album „PI“. In: taz.de vom 20. März 2025.
- ↑ "CAT & CANARY" – Stummfilmvertonung im RegenbogenKino. In: radar.squat.net. 17. April 2025, abgerufen am 11. Februar 2026.
- ↑ das Lebewohl TTG – Space Academy, Christchurch. In: Undertheradar. Abgerufen am 11. Februar 2026.
- ↑ das Lebewohl TTG – Space Academy, Christchurch. In: Undertheradar. Abgerufen am 11. Februar 2026.
- ↑ Celebrating NZ Music Month with Paul Kean of The Bats. In: Toi Ōtautahi. Abgerufen am 11. Februar 2026.
- ↑ Discogs
- ↑ Cue Records
- ↑ Zitty, Berlin ( vom 22. Februar 2014 im Internet Archive)
- ↑ Onyudo ( vom 20. Februar 2014 im Internet Archive)
- ↑ Berliner Zeitung
- ↑ PARO
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | G’schrey, Thomas |
| ALTERNATIVNAMEN | Geigenschrey, Thomthom; Geigenschrey, TThomthom; Geigenschrey, TT |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Musiker |
| GEBURTSDATUM | 31. Juli 1959 |
| GEBURTSORT | Berlin |