Thomas Höpker

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Thomas Höpker (2009)

Thomas Höpker, englisch: Thomas Hoepker, (* 10. Juni 1936 in München) ist ein deutscher Fotograf und Dokumentarfilmregisseur und lebt seit 1976 in New York City. Höpker wurde 1989 Vollmitglied in der Agentur Magnum Photos und war von 2003 bis 2007 ihr Präsident.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon im Alter von 14 Jahren machte Höpker erste Versuche mit einer Plattenkamera. Nach seiner Schulzeit, die in München begann und ihn über Stuttgart schließlich zum Abitur am Hamburger Kirchenpauer Gymnasium führte, studierte er 1956–1959 Kunstgeschichte und Archäologie in München und an der Universität Göttingen. In diesen Jahren errang er zweimal Preise beim Wettbewerb Jugend photographiert auf der Photokina, 1958 war er außerdem an der Deutschen Bilderschau auf dieser Fotomesse beteiligt.

Ab 1959 arbeitete Höpker regelmäßig für Zeitschriften und Jahrbücher, beteiligte sich aber auch an langfristig angelegten Fotoprojekten, die die neuen Möglichkeiten der Fotografie bekanntmachten und die Einbeziehung der Jugend und ihrer Sichtweite in das Erscheinungsbild des Mediums Fotografie zum Thema hatten.

Über Veröffentlichungen in den Zeitschriften twen und Kristall bekanntgeworden, wurde er als Fotoreporter schließlich von Henri Nannen und Rolf Gillhausen bei der Illustrierten stern 1964 engagiert.

Seine Fotoreportagen führten in alle Kontinente; ab 1971 machte er auch Filme und arbeitete als Kameramann. 1974 ging er zusammen mit seiner Frau, der Journalistin Eva Windmöller, für den stern nach Ost-Berlin, wo er als Fotograf akkreditiert wurde. Gemeinsam arbeiteten sie dort drei Jahre und vermittelten dem Westen ein Bild des Lebens im anderen Teil Deutschlands.

1976 ging er mit seiner Frau nach New York, wo er weiter für den stern tätig war. Als Art Director wirkte er beim Versuch des Verlags mit, eine amerikanische Ausgabe der neu gegründeten Reportagezeitschrift GEO zu etablieren. Ende der 1980er Jahre wurde er für zwei Jahre Art Director beim stern in Hamburg, kehrte 1989 aber nach New York zurück, wo er auch heute noch lebt.

Höpker wurde 1989 als erster deutscher Fotograf Vollmitglied bei der international angesehensten Agentur Magnum Photos. 1992 wurde er ihr Vizepräsident, von 2003 bis Januar 2007 war er ihr Präsident.[1][2] Er ist weiterhin beruflich aktiv und drehte 2005/2006 Dokumentarfilme in Südamerika für den SWR und arte.

Seine Ehefrau Eva Windmöller verstarb 2002. Heute ist er mit der Filmemacherin Christine Kruchen verheiratet.

Höpker zeigt sich dem Bildjournalismus-Studiengang in Hannover sehr zugetan. Auf dem alle zwei Jahre stattfindenden Lumix Festival für jungen Fotojournalismus leitet er als Moderator durch das Programm. Thomas Hoepker äußerte sich auch zum Lumix Festival für jungen Fotojournalismus: „Wer hat eigentlich die Legende erfunden, dass der Bildjournalismus tot ist?“ fragte er, „Hier überall an den Wänden lebt er – vielleicht sogar besser denn je.[3].

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Höpkers Bildsprache seines Fotojournalismus ist von Humanismus geprägt, was heute geläufiger ist unter dem Begriff der «concerned photography». Oft in den Elendsgebieten der Welt im Einsatz, ging es ihm nie um die plakative Zurschaustellung von Armut, Krieg und Hungersnöten. Sein Kennzeichen sind subtile Bilder, ohne dabei die Abgebildeten bloßzustellen. Fotografie ist für Höpker wie für alle Magnum-Mitglieder auch eine humane Waffe, sich für eine gerechtere Welt einzusetzen. Das Spannungsfeld seiner Tätigkeiten reicht von Reportagen einer Leprastation über die Unmenschlichkeit des Rekrutendrills am Beispiel der USA bis zu schon fast ironischen Bildern aus Politik und High Society.

Daneben hat Höpker auf seinen Reisen oft einprägsame Porträts von Städten fotografiert, allen voran von New York, aber auch von Kiel, Wien und Rom, sowie solch landschaftlich und sozial unterschiedliche Länder wie Finnland, Irland oder den US-Bundesstaat New Mexiko.

Obwohl sich Thomas Höpker immer als Auftragsfotograf verstand, werden nicht wenige seiner Bilder in Ausstellungen präsentiert dank einer künstlerischen Qualität und dichten Bildaussage. Die Aufnahmen bewahren noch nach Jahrzehnten eine andauernde Qualität, trotz ihrer Herstellung für tages- oder wochenaktuelle Illustrierte vergangener Jahrzehnte. Das unterstreicht eine teilweise zeitlose Gültigkeit von vielen seiner Aufnahmen und Foto-Reportagen.

Seinen subtilen Stil demonstriert er mit einer bekannt gewordenen Aufnahme zur Katastrophe des 11. September 2001 in New York. Obwohl ihm die Möglichkeit verwehrt war, „an das Geschehen heranzukommen“, konnte er ein surreales Bild des Grauens erstellen. Umrahmt von sonnenbeschienenen Zypressen am Ufer von Williamsburg vor der Skyline Manhattans plaudern nichtsahnende junge Menschen, während im Hintergrund die scheinbare Idylle radikal negiert wird von der Rauchsäule der nicht sichtbaren brennenden Türme des World Trade Centers. Höpkers Bild konfrontiert auf effektvolle Weise eine unbekümmerte Ahnungslosigkeit mit einer Katastrophe.[4]

Höpkers heutiges großes Interesse gilt dem südamerikanischen Kontinent, dessen Ländern und Menschen er in den letzten Jahren seine Aufmerksamkeit widmet.

Artikel

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

I am not an artist. I am an image maker.

„Ich bin kein Künstler. Ich bin ein Bilderfabrikant.“

Thomas Höpker, 1964[5]

Es gibt diesen Begriff der ‚concerned photography‘, also der Fotograf, der sich um Mitmenschen kümmert, um Probleme auf der Welt, um leidende Menschen, der Mitgefühl in seine Arbeit bringt. Wir versuchen das aufrecht zu erhalten und auch mit großem Erfolg. Das ist nach wie vor ein Thema für uns: Wir kümmern uns um die Dritte Welt, um unterprivilegierte Menschen.

Thomas Höpker, 2007[6]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2015: Bilder die bleiben, Johanna Breede PHOTOKUNST, Berlin

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Höpker, Rolf Winter: yatun papa, Vater der Indianer. Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1963.
  • Thomas Höpker, Eva Windmöller: Leben in der DDR. Gruner und Jahr, Hamburg 1976.
  • Thomas Höpker, Günter Kunert: Berliner Wände. Bilder aus einer verschwundenen Stadt. Hanser, München, Wien 1976, ISBN 3-446-12276-1.
  • Heinz Mack: Expedition in künstliche Gärten. Hamburg 1977 – (Skulpturen in extremen Landschaften).
  • Thomas Höpker, Rolf Winter: Ansichten: Fotos von 1960 bis 1985. Edition Braus, Heidelberg 1985, ISBN 3-921524-77-6.
  • Thomas Höpker, Eva Windmöller: New Yorker: 50 außergewöhnliche Foto- und Textportraits. Ed. Stemmle, Schaffhausen 1987, ISBN 3-7231-0365-0.
  • Thomas Höpker, Freddy Langer: Land der Verzauberung: Santa Fe, New Mexico. Ellert und Richter, Hamburg 1991, ISBN 3-89234-288-1.
  • Return of the Maya: Guatemala – A Tale of Survival. Stockport 1998.
  • Thomas Höpker, Ulrich Pohlmann: Thomas Höpker 1955-2005. Schirmer + Mosel, München 2005, ISBN 3-8296-0219-7. (Ausstellungskatalog, 272 S., 195 z.T. farb. Fototafeln, Retrospektive über fünfzig Jahre Reportagefotografie).
  • Thomas Hoepker: DDR Ansichten – Views of a Vanished Country. Hatje/Cantz Verlag, Ostfildern 2011, ISBN 978-3-7757-2813-3.
  • Günter Kunert: Berliner Kaleidoskop. Aufzeichnungen. Photographien von Thomas Hoepker. Verlag Thomas Reche, Neumarkt 2011, ISBN 978-3-929566-97-0.
  • Thomas Hoepker: New York. teNeues Verlag, Kempen 2013, ISBN 978-3-8327-9712-6.
über Höpker
  • Die großen Fotografen. Thomas Höpker. Christian-Verlag, München 1985, ISBN 3-88472-103-8. (63 S., nur Ill., z.T. farb.).

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehdokumentarfilme
  • 1971: Juden in Amerika
  • 1973: Das Dorf Arabati – (Äthiopien)
  • 1998: Tod im Maisfeld. – (Guatemala) – Regie: Christine Kruchen, Thomas Höpker.[7]
  • 2000: Die Insel Robinson Crusoe
  • 2003: Die Osterinsel
  • 2005: Eiskalte Pracht – auf Patagoniens gefährdeten Gletschern. – Regie: Christine Kruchen, Thomas Höpker.[8]
Dokumentation über Höpker
  • Chronist mit der Kamera. Thomas Hoepker oder die Sensation des Alltäglichen. – Produktion: SWR 1989.
  • Große Reporter. (Folge 2). – Produktion: SWR 1990.
  • Augenzeugen: Thomas Höpker, Robert Lebeck, Stefan Moses. Buch und Regie: Thomas Schadt, Produktion: BR, arte.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interviews

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Höpkers Biographie bei Magnum
  2. „Wir sind ein seltsamer Haufen“, Süddeutsche Zeitung, 16. Februar 2007, Interview
  3. http://www.freelens.com/foto/lumix-festival-andrang-bei-thomas-hoepker-vortrag
  4. „I Took That 9/11 Photo“
  5. Thomas Höpker auf magnumphotos.com
  6. „Die Fotoagentur Magnum macht die berühmtesten Fotos der Welt“ (Memento vom 29. Januar 2008 im Internet Archive), ttt – titel, thesen, temperamente, 14. Januar 2007
  7. Produktion: arte, Sendung: 10. August 1998, erhielt den Medienpreis Entwicklungspolitik.
  8. Inhaltsangabe (Memento vom 1. Januar 2012 im Internet Archive) von Phoenix
  9. Für die Sendung auf arte wurde Thomas Schadt 1999 mit dem Adolf-Grimme-Preis prämiert.