Thomas Hellriegel

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DeutschlandDeutschland Thomas Hellriegel Triathlon

Thomas Hellriegel beim Trans Vorarlberg Triathlon in Bregenz, 2012

Thomas Hellriegel beim Trans Vorarlberg Triathlon in Bregenz, 2012

Personenbezogene Informationen
Geburtsdatum 14. Januar 1971
Geburtsort Büchenau
Spitzname Hell on Wheels
Größe 1,78 m
Gewicht 70 kg
Vereine
1991 - TV Bretten
- 2003 PV-Triathlon Witten
2003 - Triathlon Team TG Witten
aktuell TV Thalmässing
Erfolge
1997 Sieger Ironman World Championship
1992 Militärweltmeister Triathlon
1992 Deutscher Meister Triathlon (Olympische Distanz)
2007, 2008 Deutscher Meister Triathlon (Langdistanz)
1993 Vize-Europameister
Status
aktiv

Thomas Hellriegel (* 14. Januar 1971 in Büchenau) ist ein Triathlet, sechsfacher Ironman-Sieger, der erste deutsche Gewinner der Ironman World Championship auf Hawaii (1997), Deutscher Meister im Triathlon und Militärweltmeister. Er wird in der Bestenliste deutscher Triathleten auf der Ironman-Distanz geführt.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Hellriegel war als Kind und Jugendlicher zunächst über zehn Jahre lang als Handballer aktiv und brachte es dabei bis zum badischen Jugendauswahlspieler. Als Jugendlicher schloss er sich zusätzlich einem Schwimmverein an. Bereits als Neunzehnjähriger startete er während seiner Ausbildung zum Physiklaborant erstmals beim Ironman Europe in Roth.[1] Als Zeitsoldat gehörte Thomas Hellriegel von 1992 bis 1996 – zeitweise gemeinsam mit Ralf Eggert und Normann Stadler – der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Warendorf an.[2] 1992 gewann er sowohl die Deutschen Meisterschaften auf der Olympischen Distanz beim Köln-Triathlon wie auch die ersten Militärweltmeisterschaften[3] in Sassenberg, bei der Weltmeisterschaft in Huntsville wurde er 1992 Sechster. 1993 in Echternach wurde Hellriegel Vize-Europameister hinter dem Briten Simon Lessing.

Nach einem Triumph bei seiner ersten Mitteldistanz 1994 beim Allgäu Triathlon in Immenstadt und einem erneuten Ausflug auf die Langdistanz als Fünfter bei der ITU-Weltmeisterschaft beim Triathlon International de Nice folgte im Mai 1995 der Ironman in den Lavafeldern der Kanareninsel Lanzarote – den der vierundzwanzigjährige Hellriegel als bis dahin jüngster Athlet vor dem Vorjahressieger Niederländer Frank Heldoorn, im Jahr zuvor Siebter beim Ironman Hawaii gewesen, gewann.

Nachdem nicht die erhoffte Nominierung durch die DTU zur Europameisterschaft erfolgte, entschloss sich Hellriegel 1995 kurzfristig zu einem Start sechs Wochen später beim Ironman Europe im fränkischen Roth gegen internationale Stars der damaligen Szene wie Péter Kropkó, Greg Welch, dem US-Amerikaner Ray Browning und Stefan Holzner, drei Monate zuvor Sieger des Ironman New Zealand. Der bis dahin weitgehend unbekannte Hellriegel zeigte der anwesenden Fachpresse bei 33 °C seine Vorliebe für heißes Wetter, als er mit dem für seine Parforce-Ritte auf dem Rad bekannten Jürgen Zäck – im Vorjahr mit der bis dahin zweitschnellsten weltweit jemals erzielten Zeit zum zweiten Mal Sieger in Roth gewesen – auf den 180 km mithielt und nur eine Minute hinter dem Koblenzer auf die Laufstrecke wechselte. Auf dem Podium standen schließlich Jürgen Zäck, Thomas Hellriegel und Lothar Leder – die „Big-Three“, die von da an für rund ein Jahrzehnt die deutsche Triathlonszene dominierte. Im Oktober folgte Thomas Hellriegels Debüt bei der Ironman World Championship auf Hawaii, wo er auf der Radstrecke mit 4:29:37 h einen neuen Streckenrekord aufstellte und als erster mit dreizehn Minuten Vorsprung vor Triathlon-Legende Mark Allen auf die Laufstrecke ging. Erst fünf Kilometer vor dem Ziel konnte Mark Allen Hellriegel auf den zweiten Platz – die bis dahin beste Platzierung eines Deutschen beim Ironman Hawaii – verdrängen.[4] Hellriegel wurde anschließend zum Triathlet des Jahres in Deutschland gewählt.

1996 startete Hellriegel – nach seinem Sieg zwei Monate zuvor beim Ironman Canada sowie dem Rücktritt Mark Allens – als Top-Favorit beim Ironman Hawaii und unterbot in 4:24:50 h seinen Radrekord aus dem Vorjahr – eine Bestzeit, die anschließend neun Jahre Bestand hatte und ihm den Spitznamen „Hell on wheels“ (Hölle auf Rädern) einbrachte. Diesmal hielt aber ein anderer Athlet das Tempo mit – der Belgier Luc Van Lierde musste aber in der Wechselzone eine dreiminütige Zeitstrafe absitzen. Hellriegel vergrößerte seinen Vorsprung zwischenzeitlich sogar auf 4:40 min, doch Van Lierde kam wieder heran und überholte Hellriegel letztlich an der gleichen Stelle wie im Vorjahr Mark Allen.[5][6][7]

Im Juli 1997 knackte Thomas Hellriegel beim Ironman Europe in Roth in 7:57:50 Stunden die 8-Stunden-Marke beim Ironman – die erst im Vorjahr weltweit erstmals von einem Menschen durch Lothar Leder unterboten worden war. Hellriegels Zeit reichte in dem Jahr allerdings nicht einmal für das Siegerpodest: vor ihm waren noch Luc Van Lierde, Jürgen Zäck und Lothar Leder ins Ziel gelaufen.[8]

Drei Monate später beim Ironman Hawaii ging Thomas Hellriegel – in Abwesenheit von Luc Van Lierde – diesmal erst als Zweiter mit drei Minuten Rückstand auf die Laufstrecke, konnte aber nach zwölf Kilometern Jürgen Zäck einholen. Drei Kilometer weiter gelang es ihm nicht nur sich abzusetzen, diesmal konnte er seine Führung bis ins Ziel verteidigen.[9][10][11][12] Dritter hinter Zäck wurde Lothar Leder, insgesamt kamen an diesem Tag neun der ersten 22 Männer im Ziel aus Deutschland. Für den ersten Triumph eines deutschen Triathleten bei den Ironman World Championship erhielt Hellriegel 35.000 US$ Preisgeld.[13] Eine Woche später saßen Hellriegel und Zäck als Studiogäste im Aktuellen Sportstudio. Bei der Wahl zum Sportler des Jahres 1997 wählten die rund 3.000 Sportjournalisten im VDS Thomas Hellriegel auf den dritten Platz.[14]

Thomas Hellriegel ist einer der erfolgreichsten deutschen Triathleten auf der Langdistanz. Sechs Mal war er bester deutscher Teilnehmer beim Ironman Hawaii, acht Mal kam er dort in die Preisgeldränge in den Top-Ten. Mit vier Podiumsplatzierungen bei der „Flower Ceremony“ war er viele Jahre der erfolgreichste Deutsche beim Ironman Hawaii, erst 2015 verdrängte ihn Andreas Raelert diesbezüglich auf den zweiten Platz. Da Thomas Hellriegel als Hawaii-Sieger ein lebenslanges Startrecht zustand, startete er von 1995 an jedes Jahr beim Ironman Hawaii, stieg jedoch von 2004 an (bis auf 2005 und 2010) jeweils nach dem zweiten Wechsel aus. Seit 2011 die Qualifikationskriterien geändert wurden und frühere Hawaii-Sieger zur Validierung noch an einem weiteren Ironman pro Jahr teilnehmen müssen, verzichtete er auf den Start,[15] war aber häufig als Zuschauer vor Ort.

Thomas Hellriegel hat eine sehr große Konstanz bei seinen Wettkämpfen über viele Jahre gezeigt, so folgten auf seinen Hawaii-Sieg noch Siege bei seinen Ironman-Rennen auf Lanzarote (2003), Lake Placid (1999) und Neuseeland (2000). Erst sieben Jahre nach seinem Sieg beim Ironman Hawaii konnte dort wieder ein Deutscher triumphieren (Normann Stadler, 2004). Auf vielen Radstrecken, die Hellriegel im Rahmen seiner Rennen befuhr, konnte er neue Streckenrekorde aufstellen.

Für den PV-Triathlon Witten, ab 2003 für das Triathlon Team TG Witten startete Thomas Hellriegel in der Triathlon Bundesliga.[16]

Im November 2000 wurde die Gründung eines Profi-Teams unter dem Namen „Corpus Hilpoltstein“ bekannt gegeben, zu dem außerdem noch Stefan Holzner, Faris Al-Sultan und Markus Forster gehörten.[17] Das Team wurde von fünf Sponsoren, darunter Opel, unterstützt, als Manager fungierte Jürgen Sesser, der Lebensgefährte und spätere Ehemann von Heidi Jesberger sowie als sportlicher Leiter Wolfgang Dittrich.[18] Im November 2002 wurde Hellriegel auf einer Pressekonferenz als Teilnehmer der Challenge Roth 2003 zusammen mit Holzner und Forster vorgestellt.[19] Ende 2002 erschien dann die Nachricht, dass das Team Corpus aufgelöst worden sei,[20][21] Hellriegel zusammen mit Holzner und Forster beim Ironman in Frankfurt starten würden. Opel hatte kurz zuvor einen Drei-Jahres-Vertrag mit Xdream als Veranstalter abgeschlossen, um für 750.000 € jährlich Titelsponsor des Ironman Germany zu werden. Wenige Monate später wurde dann die Gründung des „Opel Triathlon Team“ mit Thomas Hellriegel, Markus Forster, Stefan Holzner und Katja Schumacher bekanntgegeben.[22]Mit dem Ende des Engagements von Opel wurde das Team 2005 wieder aufgelöst.[23]

Für seine sportlichen Erfolge wurde Thomas Hellriegel im März 2003 in Berlin gemeinsam mit Anja Dittmer und Rainer Müller-Hörner mit dem Silbernen Lorbeerblatt der Bundesrepublik Deutschland geehrt.[24]

Einen geplanten Start bei der Challenge Roth im Juli 2015 musste Hellriegel aus gesundheitlichen Gründen absagen.

Stefan Hellriegel, der jüngere Bruder von Thomas Hellriegel, ist ebenfalls begeisterter Triathlet und war gemeinsam mit Björn Steinmetz Organisator des Kraichgau Triathlon-Festivals bzw. der Challenge Kraichgau.

Sportliche Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(DNF – Did Not Finish)

Thomas Hellriegel, Roth 2007

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ursula Kaiser: Ein Besessener auf der Suche nach der Leistungsgrenze.
  2. Favoritensieg für Ironman Hellriegel landet vor zwei TSV-Startern. In: Südwest Presse. 24. August 2010.
  3. 2. Internationale Triathlon-Militärmeisterschaften 1994 Belgien auf YouTube
  4. Mark Allen Once Again Is Ironman (englisch) In: Seattle Times. 9. Oktober 1995.
  5. Christian Witt: Hölle Hawaii. In: Focus. 4. November 1996.
  6. Eisenmann Hellriegel fehlten 119 Sekunden. In: Rhein-Zeitung. 29. Oktober 1996.
  7. Berliner Kurier: Eisenmann Hellriegel wieder kurz vor den Ziel abgefangen. 28. Oktober 1996.
  8. Schnellster Ironman der Welt. In: Rhein-Zeitung. 14. Juli 1997.
  9. Hellriegel gewinnt "Ironman". In: Rhein-Zeitung. 19. Oktober 1997.
  10. Frank Ketterer: Hellriegel: bin dreimal durch die Hölle gegangen. In: Die Welt. 20. Oktober 1997.
  11. Frank Ketterer: Leistungsschau der Eisenmänner. In: Berliner Zeitung. 20. Oktober 1997.
  12. Triumph der drei Muskeltiere. In: Hamburger Abendblatt. 20. Oktober 1997.
  13. Rob Perry: Press Release: Hellriegel & Fuhr swim, bike & run to 1997 Ironman World Championships (englisch) World Triathlon Corporation. 18. Oktober 1997. Archiviert vom Original am 21. Februar 1999.
  14. Alle Ergebnisse der Wahl "Sportler des Jahres". In: Rhein-Zeitung. 7. Dezember 1997.
  15. Michael Eder: Triathlet Hellriegel - nach all den knüppelharten Jahren. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. September 2011.
  16. Jens Richter: Vereinsfrage geklärt: Hellriegel, Forster, Al-Sultan in Witten. In: tri2b.com. 13. Februar 2003.
  17. Dirk Kantlehner: Corpus Hilpoltstein. In: 3athlon.de. November 2000. Archiviert vom Original am 27. Januar 2001.
  18. Pressemitteilung: Sechs Opel Zafira für Triathlon-Team. Opel. 3. Dezember 2001.
  19. Thomas Scharrer: Es weihnachtet sehr in Roth. In: Nürnberger Zeitung. 29. November 2002.
  20. Quartett geht. In: Nürnberger Nachrichten. 2. Januar 2003.
  21. Jens Richter: Corpus-Team offenbar vor Auflösung. In: tri2b.com. 28. Dezember 2002.
  22. Pressemitteilung: Start frei für das Opel Triathlon Team. Opel. 16. Juni 2003.
  23. Opel spart beim Sponsoring. In: Rheinische Post. 2. November 2004.
  24. Silbernes Lorbeerblatt verliehen. In: Handelsblatt. 31. März 2003.
  25. Nächster Sieg: Hellriegel gewinnt auch in Estland (6. August 2012)
  26. Thomas Hellriegel und Lisa Hütthaler erringen Sieg bei der Premiere des TriStar Kufstein. 15. Juli 2012. Archiviert vom Original am 15. Januar 2013.
  27. TRISTAR111: THOMAS HELLRIEGEL SIEGT IN ESTLAND.
  28. IRONMAN 70.3 St. Pölten: Die Jubiläumsausgabe steckt in den Startlöchern
  29. Ergebnisse Mitteltriathlon
  30. Challenge Kraichgau: Triumphaler Sieg für Sebastian Kienle
  31. Kohler Haardman 2004: Bracht und Kraft siegen mit großem Vorsprung