Thomas Huber (Bergsteiger)

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Thomas Huber (2009)

Thomas Huber (* 18. November 1966 in Palling) ist ein deutscher Bergsteiger und Bergführer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Huber ist der älteste Sohn von drei Geschwistern des früheren Bankangestellten und späteren Filialleiters Thomas Huber senior.[1] Als passionierter Bergwanderer nahm Huber sen. schon früh seine Kinder Thomas und Alexander auf Bergtouren mit. Thomas jun. und sein jüngerer Bruder Alexander machten sich später einen Namen als Extrembergsteiger. Ihren Spitznamen „Huberbuam“ aus Kindertagen griffen sie wieder auf, um ihrer gemeinsamen Internetseite einen einprägsamen Namen zu geben.[2] Thomas Huber klettert seit seinem zehnten Lebensjahr. Noch während seines Sport- und BWL-Studiums[3] plant er, ein Sporthotel in Berchtesgaden zu eröffnen. Der Versuch scheiterte und als seine Frau schwanger wurde, entschied er sich, aus seinem Hobby einen Beruf als Extremkletterer zu machen.[2] Seit 1992 ist er staatlich geprüfter Berg- und Skiführer. Er lebt mit seiner Frau Marion und seinen drei Kindern in Berchtesgaden.

Der Dokumentarfilm Am Limit (2007) beobachtet die Brüder bei ihrer Leidenschaft, dem sogenannten Speedklettern. 2011 wurde bei ihm ein gutartiger Nierentumor diagnostiziert, der operativ entfernt wurde.[4] Im Juli 2016 stürzte Huber bei Filmaufnahmen an einer Felswand am Brendlberg in der Nähe von Berchtesgaden sechzehn Meter im freien Fall ungesichert ab und erlitt eine Schädelfraktur;[5] im August 2016 konnte er bereits wieder auf Expedition gehen.[6]

Wichtige Begehungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1992
    • Zweitdurchsteigung von Shogun in Berchtesgaden.
  • 1994
  • 1996
  • 1997
  • 1998
    • Erste freie Begehung von El Niño (5.13b) am El Capitan und damit erste freie Begehung der North America Wall.
    • Rotpunktbegehung von Freerider. Beide Begehungen mit seinem Bruder Alexander.
  • 1999
    • Dritte Durchsteigung von Dreamcatcher (Thunklamm/Österreich).
    • Zweite Besteigung der Südwestwand des Latok IV (6445 m).
  • 2000
    • Erste Begehung des direkten Nordpfeilers am Shivling (6543 m) zusammen mit Iwan Wolf.
    • Erstbegehung einer neuen Freikletterroute am El Capitan: Golden Gate (zusammen mit seinem Bruder Alexander).
  • 2001
    • Erstbesteigung des Ogre III (6800 m).
    • Zweite Besteigung des Ogre I (7285 m), an dem zuvor etliche Expeditionsteams gescheitert waren.
  • 2003
    • Erste Rotpunktbegehung von Zodiac (X+) am El Capitan.
  • 2004
    • Schnellste Durchsteigung einer El Capitan-Route: Zodiac in 1:52 Std. mit seinem Bruder Alexander (zum Vergleich: Seilschaften benötigen für diese Route im Schnitt etwa 2–5 Tage).
    • Besteigung des Westgipfels des Arwa Spire (6088 m) im indischen Garhwal-Himalaya.
  • 2005
    • Überschreitung von Torre Standhart – Herron – Torre Egger in Patagonien.
    • Anfang der Dreharbeiten zu Am Limit. Rekordversuch im Speedklettern an der Route The Nose. Der Rekord lag bei 2 Stunden und 48 Minuten (Seilschaften benötigen zwischen 3 und 5 Tagen). Beim Training im Yosemite Valley stürzte Thomas’ Bruder Alexander nach einem Griffausbruch aus 17 m Höhe ab und zog sich schwere Verletzungen an den Knöcheln zu.
  • 2006
    • Beim Versuch, zusammen mit Dean Potter die Nordwände der Drei Zinnen an einem Tag zu klettern (und jeweils per Basejump zum Wandfuß zurückzukehren) Sehnenriss in der Schulter.
    • Zweiter Versuch, den Rekord an The Nose zu brechen, wieder im Rahmen der Dreharbeiten zu Am Limit. Erneut gescheitert, da Thomas beim Rekordversuch stürzte.
  • 2007
    • Speed-Rekord an der Nose in 2:45:45 am 8. Oktober 2007. Bereits vier Tage zuvor hatten die Huberbrüder den 2002 von Hans Florine und Yūji Hirayama aufgestellten Rekord von 2:48:50 um 15 Sekunden unterboten. Am 2. Juli 2008 wurde dieser Rekord von Hans Florine und Yūji Hirayama mit 2:43:33 unterboten und am 12. Oktober 2008 auf 2:37:05 verbessert.
  • 2008
    • Erste Begehung der Silla Westwand „El Bastardo“ in Patagonien.[7]
    • „Drei Zinnen“ an einem Tag: Westliche Zinne (Alpenliebe, IX; Base Jump von der Scoiattolikante), Große Zinne (Phantom der Zinne, IX+; Base Jump vom Ringband), Kleine Zinne (Ötzi trifft Yeti, VIII+).
    • Erstbesteigung der Westwand des Holtanna, dritthöchster Gipfel der Drygalskiberge in Queen Maud Land, Antarktis, zusammen mit seinem Bruder Alexander und Stephan Siegrist.[8][9]
    • Besteigung des Ulvetanna, höchster Gipfel der Drygalskiberge in Queen Maud Land, Antarktis, bei Nebel und Schneetreiben, zusammen mit seinem Bruder Alexander und Stephan Siegrist.[8][9][10]
  • 2009
    • Erste Rotpunktbegehung von „Eternal Flame“ (IX+/X-, UIAA) am Trango Tower (auch Nameless Tower) (Karakorum) im Sommer 2009 zusammen mit Franz Hinterbrandner, Mario Walder und seinem Bruder Alexander.

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ich bin eine brutale Maschine. Wenn ich losgehe, gehe ich.

Thomas Huber[11]

Meine Familie lebt davon, dass ich aufs Schlachtfeld gehe und den Herkules spiele.

Thomas Huber, 2006[12]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am Limit. Dokumentarfilm, Deutschland 2007, 95 Min., Buch und Regie: Pepe Danquart, Produktion: Hager Moss Film, Lotus Film und Quinte Film.
  • Die Huberbuam. Fernsehreportage in 3D, Deutschland, 2011, 45 Min., Buch und Regie: Jens Monath, Erstsendung: 3. Oktober 2011. Die erste Stereo-3D-Produktion des ZDF über die Huberbuam beim Freiklettern mit überhängenden Passagen in den Berchtesgadener Alpen.[14]
  • Bavarian Direct – Abenteuer am Ende der Welt. (Alternativtitel: Die Bayrische Direttissima – Huberbuam extrem.) Dokumentarfilm, Österreich, 2012, 50:14 Min., Regie und Kamera: Franz Hinterbrander und Max Reichel, Reihe: Bergwelten, Erstsendung: 26. April 2013 bei ServusTV, Produktion: Timeline Production, ServusTV, Inhaltsangabe und online-Video von ServusTV. Über die Expedition am Mount Asgard auf der Baffin Island.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Huber ist Sänger der Berchtesgadener Rockband Plastic Surgery Disaster.[15]
  • Mit der Gründung der Stiftung AtemWeg – Stiftung zur Erforschung von Lungenkrankheiten im Jahr 2010 unterstützt Thomas Huber, zusammen mit anderen Prominenten, als Atembotschafter die Aktivitäten der Stiftung.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thomas Huber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Korbinian Eisenberger: Vater der Huberbuam. Unterwegs mit dem Unabstürzbaren. In: Süddeutsche Zeitung, 18. November 2014.
  2. a b Malte Roeper: Thomas, der Huberbua. In: BR, 14. Mai 2018.
  3. Anna Ntemiris: Thomas Huber: Ein Grenzgänger, der fasziniert. In: Oberhessische Presse, 17. September 2014.
  4. ses: So gewann ich den Kampf gegen den Nierentumor. In: tz, 21. Juli 2011, aufgerufen am 19. Mai 2018.
  5. Stefan Nestler: Thomas Huber: „Danke, dass ich leben darf!“ – Interview. In: Deutsche Welle. 19. Juli 2016, abgerufen am 19. Mai 2018.
  6. Stefan Nestler: Thomas Huber: „Ich fahre mit lachendem Herzen.“ In: Deutsche Welle. 13. August 2016, abgerufen am 19. Mai 2018.
  7. El Bastardo. (Memento vom 1. August 2012 im Webarchiv archive.is). In: huberbuam.de.
  8. a b Buchtipp: Expedition Antarctica • Huberbuam: Eiszeit. In: Alpin, 27. Januar 2011.
  9. a b „Bei minus 46 Grad in der Wand“. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 22. Januar 2009, Interview mit Alexander Huber.
  10. Video: Extremklettern – Die „Huberbuam“ in der Antarktis. In: Spiegel TV, 19. März 2009, 2:44 Min., aufgerufen am 19. Mai 2018.
  11. Im Film: Am Limit.
  12. Dirk von Nayhauß: Thomas Huber: „Zweifeln darfst du nicht!“ In: Alpin, Nr. 1, 2007, Interview, nur Anfang einsehbar. Wiederabdruck in: D. v. Nayhauß: Extrem am Berg: Mit 20 Alpin-Stars im Gespräch. 2013, ISBN 978-3-492-40535-5.
  13. Inhaltsangabe zum Film Klettern am Limit. (Memento vom 29. Januar 2008 im Internet Archive)
  14. Pressemitteilung: ZDF zeigt erste 3D-Eigenproduktion / Kletter-Doku: mit den Huberbuam auf der Route Karma. In: Presseportal.de / ZDF, 29. September 2011, aufgerufen am 19. Mai 2018.
  15. Plattenbesprechung von Dorian Gorr: Plastic Surgery Disaster – Endless. In: Metal Hammer, 23. Dezember 2013, aufgerufen am 19. Mai 2018.