Thomas Jenkins (Maler)

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Thomas Jenkins mit seiner Nichte Anna Maria.
Malerin: Angelika Kauffmann, 1790


Thomas Jenkins (* 21. Dezember 1722 in Sidbury, East Devon, England; † 15. Mai 1798 in Yarmouth (Isle of Wight), England) war ein britischer Maler, Kunstsammler, Antikenhändler und Bankier in Rom.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war der Sohn des William Jenkins und studierte die Malerei beim Porträtmaler Thomas Hudson (1701–1779) in London. Im Jahr 1750 kam Jenkins mit dem Landschaftsmaler Richard Wilson nach Italien, hielt sich von 1750 bis 1751 in Venedig auf, ebenso in Bologna und Florenz und ließ sich schließlich 1753 in Rom nieder, wo er zunächst mit Wilson, der ihn 1752 auch porträtierte, bis 1755 als Maler noch bescheiden in einem Haus an der Piazza di Spagna lebte.[1]

In Rom war er Mitglied in der Academy of English Professors of the Liberal Arts. Außerdem wurde er gemeinsam mit Gavin Hamilton am 2. Februar 1761 an der Accademia di San Luca als Accademici di merito begrüßt.[2] Als Maler war er allerdings recht erfolglos. Stattdessen kam er sehr schnell (ab 1755) als Archäologe und Kunsthändler zum Erfolg.

Durch Unterstützung eines weit verzweigten Netzwerkes aus Mittelsmännern wurde er zu einem der erfolgreichsten, wenn auch recht skrupellosen Antiken- und Gemäldehändler in Rom, der auch teilweise gefälschte Antiken oder oft unter Missachtung bestehender Gesetze arbeitete.[3] Er verkaufte u. a. Antiken aus der Sammlung von Sixtus V. aus dessen römischer Villa Montalto Negroni sowie Gian Lorenzo Berninis Neptun und Triton, heute im Victoria and Albert Museum zu sehen.[4] Er arbeitete u. a. auch mit seinem britischen Malerkollegen und Archäologen Gavin Hamilton zusammen und war als Antikenhändler zugleich dessen großer Konkurrent.[5]

Als einer der erfolgreichsten Händler mit besten Kundenkontakten - er beherrschte zeitweilig den römischen Kunstmarkt[6] - lebte er in Castel Gandolfo in der Villa Torlonia, wo er eine Antikensammlung von vorwiegend Kameen und Statuen besaß, und in Rom im Casa Celli, Corso Nr. 504, wo sein Haus ein geselliger und geschäftlicher Mittelpunkt für Künstler und Adlige auf ihrer Grand Tour war; hier wohnte schräg gegenüber auch Johann Wolfgang von Goethe.[7] Jenkins pflegte gute Kontakte zu Papst Clemens XIV. - er war offiziell englischer Konsul am päpstlichen Hof, ohne jedoch den Titel zu führen[8] - und gehörte zum engsten Kreis um Kardinal Alessandro Albani, den späteren Papst Pius VI. und den deutschen Archäologen Johann Joachim Winckelmann.[9] Zu seinem Bekanntenkreis gehörte auch der Maler und Kunsthändler Johann Friedrich Reiffenstein, Christopher Hewetson und Anton Raphael Mengs. Jenkins gehörte zu den einflussreichsten und wohlhabendsten Bekanntschaften der jungen Malerin Angelika Kauffmann, die ihn zusammen mit seiner Nichte auch porträtierte.

Mit Beginn der französischen Besatzung im Jahr 1797 als Ergebnis des napoleonischen Italienfeldzuges wurde sein gesamtes Vermögen beschlagnahmt, weshalb Jenkins nach England zurückkehrte. Dort starb er nur wenige Monate später.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Catalogo di monumenti scritti del museo del Signor Tommaso Jenkins, 1787

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Ashby: Thomas Jenkins in Rome, Papers of the British School at Rome, London 1913
  • S. Rowland Pierce: Thomas Jenkins in Rome, in: The Antiquaries Journal, Band 45, 1965
  • B. Ford: Thomas Jenkins. Banker, Dealer and Unofficial British Agent, Apollo Verlag, London 1974

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anton Willem Adriaan Boschloo (Hrsg.): Academies of art between Renaissance and romanticism, Leids kunsthistorisch jaarboek, Band 5–6, Stichting Leids Kunsthistorisch Jaarboek, 1989, ISBN 9012058996 bzw. ISBN 9789012058995
  2. Steffi Roettgen: Anton Raphael Mengs 1728-1779, Band 1, Verlag Hirmer, 2003, ISBN 3777479004 bzw. ISBN 9783777479002, Seite 491
  3. Forschungen und Berichte, Bände 17-18, Staatliche Museen zu Berlin, Akademie-Verlag, 1976, Seite 137 (Auszug)
  4. Nina Simone Schepkowski: Johann Ernst Gotzkowsky. Kunstagent und Gemäldesammler im friderizianischen Berlin, 2009, Seite 136 (Digitalisat)
  5. Joachim Raeder: Die statuarische Ausstattung der Villa Hadriana bei Tivoli, Europäische Hochschulschriften, Verlag P. Lang, 1983, ISBN 3820475788 bzw. ISBN 9783820475784, Seite 21 (Digitalisat)
  6. Rolf Hermann Johannsen: Aloys Hirt. Archäologe, Historiker, Kunstkenner, Berliner Klassik, Band 1, Verlag Wehrhahn, 2004, ISBN 3932324277 bzw. ISBN 9783932324277, Seite 344 (Auszug)
  7. Johann Wolfgang von Goethe: Italienische Reise, Band 11, Seite 378
  8. Jacob Hess: Kunstgeschichtliche Studien zu Renaissance und Barock, Band 1, 1967, Seite 310 (Digitalisat)
  9. Bettina Baumgärtel, Brian Allen: Angelika Kauffmann, Kunstmuseum Düsseldorf, Verlag Hatje, 1998, Seite 308 (Auszug)