Thomas Kuczynski

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  • Thomas Kuczynski (2018)

Thomas Kuczynski (* 12. November 1944 in London) ist ein deutscher Statistiker und Ökonom, der vor allem mit seiner Studie über Entschädigungsansprüche für Zwangsarbeit im Dritten Reich bekannt geworden ist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Kuczynski wurde als Sohn von Jürgen Kuczynski und Marguerite Kuczynski in London geboren. Er studierte von 1963 bis 1968 Statistik an der Hochschule für Ökonomie, Berlin-Karlshorst, und promovierte 1972 bei Hans Mottek über das Ende der Weltwirtschaftskrise in Deutschland (1932/33). Von 1972 bis 1991 arbeitete er am Institut für Wirtschaftsgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR und war von 1988 bis 1991 dessen letzter Direktor. Seither arbeitet er als freier Publizist. Er war von 1972 bis 1998 mit Rita Kuczynski verheiratet.

Sehr bekannt wurde Thomas Kuczynski durch seine Studie Entschädigungsansprüche für Zwangsarbeit im ‚Dritten Reich‘ auf der Basis der damals erzielten zusätzlichen Einnahmen und Gewinne, in der er errechnete, dass die Bundesrepublik Deutschland den Opfern von Zwangsarbeit in Nazideutschland rund 180,5 Milliarden DM schuldig sei. Später, in seinem Buch Brosamen vom Herrentisch, erhöhte er diese Zahl auf 228 Milliarden DM (116 Milliarden Euro).

2007 wirkte Thomas Kuczynski an dem Theaterprojekt KARL MARX: DAS KAPITAL Erster Band, Regie Helgard Haug, Daniel Wetzel (Rimini Protokoll), (Produktion: Düsseldorfer Schauspielhaus; Koproduktion: Schauspielhaus Zürich, schauspielfrankfurt und Hebbel am Ufer, Berlin) mit.[1]

Über 20 Jahre hat er an einer lesefreundlichen Ausgabe des Kapital Band 1 gearbeitet. Die Neue Textausgabe basiert auf dem von Marx geforderten, aber nicht realisiertem Vergleich der deutschen mit der französischen Ausgabe. Nicht nur diese beiden, sondern alle von Marx und Engels edierten Ausgaben und Übersetzungen wurden berücksichtigt. Damit verwirklicht Thomas Kuczynski ein Projekt, das zwar im damaligen Marx-Engels-Institut in Moskau in Angriff genommen worden war, aber nach dessen Schließung (1931) nie realisiert wurde, wobei der in der Marx-Engels-Gesamtausgabe erreichte Forschungsstand selbstverständlich berücksichtigt ist.[2]

Er ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Bildungsgemeinschaft SALZ e. V.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wirtschaftsgeschichte und Mathematik. Beiträge zur Anwendung mathematischer, insbesondere statistischer Methoden in der wirtschafts- und sozialhistorischen Forschung. Berlin, Akademie-Verlag, 1985 (Hrsg.).
  • Brecht 88. Anregungen zum Dialog über die Vernunft am Jahrtausendende. Ediert von Wolfgang Heise. Berlin: Henschel, 1987 (Beitrag).
  • Sozialismus oder Barbarei? Berlin 1991 ISBN 3-32001-6571.
  • Das Kommunistische Manifest (Manifest der Kommunistischen Partei) von Karl Marx und Friedrich Engels. Von der Erstausgabe zur Leseausgabe. Mit einem Editionsbericht. Trier 1995 (Schriften aus dem Karl-Marx-Haus 49), ISBN 3-86077-207-4.
  • Die Transformation der Werte in Produktionspreise im Rahmen der einfachen Reproduktion Marburg 2000 ISBN 3-81850-3028.
  • Brosamen vom Herrentisch. Verbrecher Verlag, Berlin 2004. ISBN 3-93584-3372.
  • Geschichten aus dem Lunapark. Historisch-kritische Betrachtungen zur Ökonomie der Gegenwart. Papyrossa Verlag, Köln 2014. ISBN 978-3-89438-562-0.
  • Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, erster Band Buch I: Der Produktionsprozess des Kapitals, neue Textausgabe mit USB-Card, bearbeitet und herausgegeben von Thomas Kuczynski, Hamburg 2017, VSA-Verlag, ISBN 978-3-89965-777-7.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Marx: Das Kapital, Erster Band, Website bei Rimini Protokoll
  2. VSA-Verlag