Thomas Müller (Psychologe)

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Thomas Müller

Thomas Müller (* 4. August 1964 in Innsbruck) ist ein österreichischer Kriminalpsychologe, Fallanalytiker und Buchautor.

Berufslaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grundausbildung für Sicherheitswachebeamte in der Bundespolizeidirektion Innsbruck bildete 1982 Müllers Einstieg in die Polizeiarbeit. Nach seiner Dienstprüfung versah er mehrere Jahre seinen Dienst als uniformierter Polizist am Innsbrucker Hauptbahnhof. Nebenbei studierte Müller Psychologie und beendete das Studium 1991 als Mag. phil. an der Universität Innsbruck. 1993 begann er im Innenministerium den Kriminalpsychologischen Dienst aufzubauen. 2001 promovierte er zum Dr. rer. nat. im Bereich Kriminalpsychologie / Forensische Psychiatrie.

Müller absolvierte Spezialausbildungen im Bereich der Strafrechtspflege, Kriminologie und der Verbrechensanalyse. Er erhielt Lehraufträge und hielt Vorträge an verschiedenen Einrichtungen und Universitäten im deutschsprachigen Raum, in weiteren Ländern Europas, sowie Amerika, Südafrika und Australien.

Durch seinen Kontakt zum FBI und einen Lehraufenthalt in den Vereinigten Staaten bei Spezialisten der Kriminalpsychologie qualifizierte er sich weiter. Er war unter anderem bei der Ermittlung der Serientäter Jack Unterweger in Österreich, Horst David und Frank Gust in Deutschland, Moses Sithole in Südafrika, Mischa Ebner in der Schweiz und dem Briefbomber Franz Fuchs in Österreich aktiv. Vor allem das relativ exakte Profiling von Franz Fuchs (es stimmten nach Müllers Zählung 22 von 24 vorhergesagten Merkmalen mit dem Täter überein) machte ihn bekannt, obwohl das Täterprofil zu keinem Fahndungserfolg führte und in Kernpunkten wie dem Alter falsch war. Müller erklärte seine falsche Altersprognose mit dem „Verhaltensalter“, das vom biologischen Alter abweichen könne.

Beschäftigung mit der Operativen Fallanalyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Müller beschreibt in seinem Buch Bestie Mensch die Methode der Operativen Fallanalyse, mit deren Hilfe auf einen bestimmten Täter Rückschlüsse gezogen werden sollen, die der Kriminalistik verborgen bleiben würden. Diesen Ansatz verfolgt Thomas Müller, anfangs auch im Kontakt mit dem inzwischen verstorbenen FBI-Kriminalpsychologen Robert Ressler. Mit Kriminalpsychologie allein könne man niemals ein Verbrechen klären oder lösen, so Müller. Sie versuche das „Warum“ zu klären, nicht das „Wie“. Sie suche die Stärken und Schwächen des Täters heraus und arbeite dabei mit der forensischen Psychiatrie, die sich im Gegensatz zur Kriminalpsychologie mit der Person des Täters befasst, eng zusammen.

Müller hat keine wissenschaftlichen Artikel (beispielsweise zur Operativen Fallanalyse) veröffentlicht. Von ihm verbreitete Aussagen sind nicht nach streng wissenschaftlichen Kriterien gewonnen und werden teils heftig – auch als unwissenschaftlich, unseriös und spekulativ – kritisiert.[1][2]

TV-Auftritte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 2010 war Müller in der insgesamt sechsteiligen Sat.1-Dokumentation Urteil Mord – Spurensuche hinter Gittern zu sehen, wo er den jeweiligen Tathergang zu sechs deutschen Mordfällen rekonstruierte und mit den verurteilten Mördern im Gefängnis sprach.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bestie Mensch. Tarnung – Lüge – Strategie, Ecowin, Salzburg 2004
  • Gierige Bestie. Erfolg – Demütigung – Rache, Ecowin, Salzburg 2006

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. So geschehen im Podcast ZEIT Verbrechen vom 17. November 2020.
  2. Tatort-Analyse - nicht alle arbeiten mit seriösen Methoden, in DIE ZEIT vom 7. April 2004, online unter ZEIT ONLINE, abgerufen am 24. November 2020.