Thomas Meyer (Politikwissenschaftler)

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Thomas Meyer (2015)

Thomas Meyer (* 1943 in Leipzig) ist emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Technischen Universität Dortmund (Schwerpunkt: Demokratietheorie, Politische Theorie, Europa).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Meyer studierte Philosophie, Politikwissenschaft, Psychologie und Deutsche Literatur an der Universität Frankfurt (u.a. bei Adorno, Horkheimer, Habermas, Apel und  Fetscher). 1973 promovierte er dort über das Thema Der Zwiespalt in der Marx’schen Emanzipationstheorie: Studie zur Rolle des proletarischen Subjekts. Seine Habilitation erfolgte 1977 an der Freien Universität Berlin.

Meyer ist ein bekannter Kritiker des Einflusses der modernen Medien auf Stil und Inhalte der heutigen Politik. Er ist Stellvertretender Vorsitzender der Grundwertekommission beim Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.[1] Er ist Mitherausgeber und seit 2008 auch Chefredakteur der politische kulturellen Zeitschrift Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte. Ferner ist er Dozent an der Akademie für Soziale Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind die Soziale Demokratie, kulturelle Grundlagen der Politik, politische Kommunikation sowie die Zivilgesellschaft und Politik.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mediokratie - die Kolonisierung der Politik durch die Medien (2002)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Suhrkamp-Verlag: "Das Machtdreieck von Gesellschaft, Parteien und Staat wird so durch das neue Machtdreieck Spitzenakteure - Medien - populistische Strategien ersetzt. Meyer geht in dem Buch daher der Frage nach, ob die Mediendemokratie auf lange Sicht zur Herrschaft der Oberflächenlogik von Ereignismanagement und Darstellungseffekten führt oder doch ein anspruchsvolleres Verständnis von politischer Kommunikation entwickelt."[2]

Identitätspolitik (2002)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die westliche Demokratie sieht Meyer nicht nur islamistisch gefährdet, sondern seit den 70er-Jahren durch eine „fundamentalistische Form der Konstruktion kultureller Identität.“[3] Samuel Huntingtons Kulturbegriff dient ihm als Beispiel für dieses konfliktive Identitätsdenken.

Theorie der Sozialen Demokratie (2005)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Meyer entwickelt Theorie der Sozialen Demokratie das Modell der sozialen Demokratie weiter und passt ihn der Gegenwart an: „Soziale Demokratie ist im Sprachgebrauch der Gegenwart beides, ein Grundbegriff der Demokratietheorie und ein Name zur Kennzeichnung eines richtungspolitischen Programms. Obgleich zwischen diesen beiden gebräuchlichen Verwendungen mannigfaltige Wechselbeziehungen bestehen, handelt es sich bei ihnen doch um zwei deutlich zu unterscheidende Sachverhalte mit verschiedenartigen Geltungsansprüchen. Die Theorie der Sozialen Demokratie ist weder in ihrer normativen Grundlegung noch in ihrer erklärenden Rolle und auch nicht bei der vergleichenden Erörterung der verschiedenartigen Wege ihrer Realisierung auf bestimmte vorgegebene politische Akteure angelegt, obgleich natürlich jeder Schritt ihrer Realisierung davon abhängt, dass sich überhaupt politische Akteure für das aus ihr ableitbare praktische Handlungsprogramm einsetzen. Verschiedenartige politische Akteure wiederum können den Begriff Soziale Demokratie als Programmnamen nutzen, wo sie dies für vorteilhaft halten, weitgehend unabhängig davon, ob und in welchem Maße ihre politischen Bestrebungen durch die Theorie der Sozialen Demokratie gedeckt sind oder überhaupt Anschluss an sie suchen.“[4]

Laut Meyer wird soziale Demokratie also nicht allein von sozialdemokratischen Parteien vertreten: „In vielen europäischen Ländern [haben] auch christdemokratische Parteien und gesellschaftliche Organisationen große Teile des Projekts der Sozialen Demokratie unterstützt [...]“[5] . Die Theorie der sozialen Demokratie ist somit nicht nur ein Orientierungsrahmen für sozialdemokratische Parteien. Da es sich um ein Demokratiemodell handele, das „nicht eine spezifische Ideologie, sondern ein politisches Projekt ist“[5], ist es auch im Zusammenspiel verschiedener politischen Kräfte entstanden.

Thomas Meyer stellt der sozialen Demokratie die libertäre Demokratie gegenüber. Beide sind nach Meyer wichtige Varianten der liberalen Demokratie, die u. a. freie Wahlen und bürgerliche Grundrechte wie Meinungsfreiheit garantiert. Da in seinen Augen der klassische Liberalismus allerdings die reale Wirkung von Grundrechten und teilweise die Bedingungen demokratischer Legitimation gefährde, sieht er diese nur in der sozialen und nicht in der libertären Demokratie gewährleistet[6].

Die Unbelangbaren - Wie politische Journalisten mitregieren (2015)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Suhrkamp-Verlag: "Eine solche Jagd hat es in der Geschichte der Bundesrepublik bis dato nicht gegeben." Mit diesen Worten beschrieb Heribert Prantl die Berichterstattung in der Affäre um Christian Wulff. Wie kaum ein anderes Ereignis in den vergangenen Jahren hat uns die Causa Wulff das spannungsreiche Verhältnis von Presse und Politik vor Augen geführt. Ein spektakulärer Fall. Aber nicht der erste und sicher nicht der letzte seiner Art, denn Journalisten, so die These von Thomas Meyer, nutzen ihre Position immer häufiger, um min der politischen Arena mitzumischen. Eine Problematische Entwicklung, schließlich können wir Fernseh- und Zeitungsmacher, anders als Politiker, nicht einfach abwählen.[7]

Interview mit Thomas Meyer im probono TV: "Thomas Meyer spricht im probono Interview über seinen politischen Essay Die Unbelangbaren und den Status Quo des deutschen Journalismus".

Bernhard Pörksen (ZEIT) kritisert, die Untersuchung, ein „Paradebeispiel für das gegenwärtig populäre Genre der journalismuskritischen Abrechnungsliteratur.“ sei „romantisch“, eine „einfache Gut-böse-Erzählung aus einer längst vergangenen Zeit.“ Meyer denke in vordigitalen personalen Kategorien, wenn er Medien als Monopol und den Journalisten als „Co-Politiker“ charakterisiere, der über seine journalistische Arbeit politische Macht gewinnen wolle. Die angeblich mächtigen Gatekeeper regierten das Feld aber längst nicht mehr alleine. „...die eigentümliche, systemisch bedingte Grausamkeit der Mediengesellschaft offenbart sich heute in einem plötzlich aufschäumenden, hochnervösen Wirkungsnetz, einem Exzess der Erregung, der sich erst aus dem Zusammenspiel alter und neuer Medien ergibt. Sie zeigt sich in einem Geschwindigkeitsrausch, der alle in Getriebene verwandelt, auch die gescholtenen Journalisten“.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das proletarische Subjekt und die Strukturambivalenz der Marx’schen Emanzipationstheorie. Dissertation. Frankfurt am Main 1972.
    • Veröffentlicht als: Der Zwiespalt in der Marx’schen Emanzipationstheorie. Studie zur Rolle des proletarischen Subjekts. Scriptor, Kronberg 1973.
  • Bernsteins konstruktiver Sozialismus: Eduard Bernsteins Beitrag zur Theorie des Sozialismus. Dietz, Berlin 1977, ISBN 3-8012-1105-3
  • Lexikon des Sozialismus, Bund Verlag Köln 1988.
  • Was bleibt vom Sozialismus? Rowohlt Verlag, Hamburg 1990.
  • mit Martina Kampmann: Politik als Theater. Die neue Macht der Darstellungskunst. Aufbau, Berlin 1998, ISBN 3-351-02477-0.
  • Was ist Politik? 3. Auflage. VS, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-16467-0.
  • mit Rüdiger Ontrup und Christian Schicha: Die Inszenierung des Politischen. Zur Theatralität von Mediendiskursen. Westdeutscher Verlag, Opladen 2000, ISBN 3-531-13433-7.
  • Mediokratie. Die Kolonisierung der Politik durch die Medien. (= es. 2204). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-12204-5.
  • Identitätspolitik. Vom Missbrauch kultureller Unterschiede. (= es. 2272). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-12272-X.
  • Was ist Politik? VS Verlag Wiesbaden 2003.
  • Die Identität Europas. Der EU eine Seele? (es. 2355). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-518-12355-6.
  • mit Lew Hinchman (Hrsg.): Theorie der sozialen Demokratie. VS, Wiesbaden 2005, ISBN 3-531-14612-2.
  • Praxis der Sozialen Demokratie. VS Wiesbaden, 2006.
  • Was ist Sozialismus? VS, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15445-9.
  • Was ist Demokratie? Eine diskursive Einführung. VS, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15488-6.
  • Soziale Demokratie. Eine Einführung. VS, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-16814-2.
  • Was ist Fundamentalismus.VS, Wiesbaden 2011.
  • Theorie der Sozialen Demokratie. 2. Auflage. VS, Wiesbaden 2011. ISBN 978-3-531-18131-8
  • Die Unbelangbaren. Wie politische Journalisten mitregieren. (= es. 2692). Suhrkamp, Berlin 2015, ISBN 978-3-518-12692-9.

Beiträge und Artikel (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thomas Meyer (political scientist) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitglieder der SPD-Grundwertekommission In: Spd.de, abgerufen am 3. Juni 2015.
  2. Meyer, Thomas: Mediokratie. Suhrkamp, 2002, abgerufen am 23. April 2017.
  3. Thomas Mirbach, Rezension zu: Thomas Meyer: Identitätspolitik. Frankfurt a. M.: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/16762-identitaetspolitik_19258, veröffentlicht am 1. Januar 2006.
  4. Thomas Meyer: Theorie der Sozialen Demokratie., VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, S. 12.
  5. a b Thomas Meyer und Nicole Breyer: Die Zukunft der sozialen Demokratie (PDF; 1,2 MB). Friedrich-Ebert-Stiftung, 2005, ISBN 3-89892-315-0, S. 241 f.
  6. Thomas Meyer: Theorie der Sozialen Demokratie. 2. Auflage, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, S. 16.
  7. Meyer, Thomas: Die Unbelangbaren. Suhrkamp, Berlin 2015 (suhrkamp.de).