Thomas Naogeorg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pammachius, Bern 1545

Thomas Naogeorg(us), auch Thomas Kirchmeyer, Kirchmair, Neubauer (* 21. Dezember 1508 in Straubing; † 29. Dezember 1563 in Wiesloch) war ein deutscher neulateinischer Dramatiker, evangelischer Theologe, Pamphletist und Reformator. Mit seinen dramatischen Dichtungen hat er eine große Wirkung in der Reformationszeit ausgeübt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naogeorg stammte aus bürgerlichen Verhältnissen. Er trat zuerst in das Regensburger Dominikanerkloster ein. Dieses verließ er 1526, um sich der Reformation anzuschließen. Er besaß eine gründliche humanistische Bildung, die er in Tübingen mit einem Magistergrad erworben hatte. Von ihm selbst hören wir nur, dass er Martin Luther die große Erkenntnis seines Lebens verdankte und durch ihn zum Kampf bestimmt worden war. Hinsichtlich der Lehre stand er aber auch später frei und selbständig da, so dass die Wittenberger Lehrer mit ihm nicht immer einverstanden waren.

1533 bis 1535 war er Pfarrer in Mühltroff, dann in Sulza und siedelte 1541/42 nach Kahla über. Als er seine Auslegung des 1. Johannesbriefs veröffentlichen wollte, verweigerten die Wittenberger Reformatoren Luther und Melanchthon die Druckerlaubnis. Diese nahmen Anstoß an seiner Lehre, die Erwählten behielten trotz ihrer Sünde den Heiligen Geist. Bei Hofe war er wegen seiner Dichtungen gut angesehen und setzte den Druck seines Werkes durch, wurde sogar 1544 als Prediger zum Reichstag zu Speyer mitgenommen. Nach Luthers Tod kam er erneut in Verdacht, in der Abendmahlslehre nicht richtig zu lehren. Caspar Aquila wandte sich gegen ihn. Beim Verhör in Weimar konnte er sich rechtfertigen betreffs der Abendmahlslehre, bezüglich der Sündlosigkeit der Erwählten wurde er abgelehnt.

Daraufhin verließ er Kahla und ging nach Augsburg, das ihn früher als Prediger haben wollte. Aber in den Wirren des Augsburger Interims konnte er weder in Kaufbeuren noch in Kempten, Basel und Stuttgart Fuß fassen. In Esslingen am Neckar konnte er nicht bleiben, weil er sich zu sehr in einem Hexenprozess exponierte. Als Naogeorg 1562 Hexen für einen großen Hagelsturm verantwortlich machte und ihre strenge Bestrafung forderte,[1] traten ihm die Stuttgarter Pfarrer Matthäus Alber und Wilhelm Bidembach in Predigten entgegen.[2]

Berühmt machten Naogeorg seine lateinischen Dramen, die nicht nur ins Deutsche, sondern auch in andere Sprachen übersetzt wurden. Heftig ist seine Polemik gegen das Papsttum. Seine Gedichte sind in der Hauptsache während seiner unsteten Wanderschaft entstanden, bis er als Pfarrer in Wiesloch an der Pest starb. In Erinnerung an sein Wirken vergibt die Evangelische Kirchengemeinde Wiesloch jährlich den Thomas-Naogeorgus-Preis für außergewöhnliche Leistungen im evangelischen Religionsunterricht.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pammachius, 1538
  • Mercator seu judicium, Tragödie, 1540
  • Incendia seu Pyrgopolinices, Drama, 1541
  • Hamanus, Tragödie, 1543
  • Carmen de bello Germanico, Gedichte, 1548
  • Epitome ecclesiasticorum dogmatum, 1548
  • Agricultura sacra, 1550
  • Hieremias, Tragödie, 1551
  • Iudas Iscariotes, Drama, 1552
  • Satyrarum libri quinque, 1555
  • Regnum papisticum, 1555
  • Thomas Naogeorg: Sämtliche Werke, hrsg.: Hans-Gert Roloff, Berlin 1975 f. (de Gruyter).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Krojer: Naogeorg, in: Aufschluss des Gäubodens, München 2006 (Differenz-Verlag), (PDF)
  • Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, Band 10 Seite 496, Band 23 Seite 764
  • H. Holstein: Die Reform. im Spiegelbild der dramatischen Literatur des 16. Jahrhunderts Halle 1886, Seite 198
  • Leonhard Theobald: Thomas Naogeorgus, der Tendenzdramatiker der Reformationszeit (Neue kirchliche Zeitschrift 17, 1906, Seiten 764–794 und 18, 1907, Seiten 65–90, 327-350, 409–425).
  • A. Hübner. Studien zu Naogeorgus (Zeitschrift für deutsches Altertum 54, 1913, Seite 297–338 und 57, 1920, Seite 193-222).
  • P. H. Diehl. Die Dramen des Thomas Naogeorgus in ihrem Verhältnis zur Bibel und zu Luther, Dissertation München 1915.
  • P. Vetter: Thomas Naogeorgus Flucht aus Kursachsen (Archiv für Reformationsgeschichte 16, 1919, Seite 1–53 und 144–189)
  • Leonhard Theobald: Zur Lebensgeschichte des Thomas Naogeorgus (Zeitschrift für Bayrische Kirchengeschichte 6, 1931, Seite 143-165)
  • H. Levinger: Die Bühne des Thomas Naogeorgus (Archiv für Reformationsgeschichte 32, 1935, Seite 145-166)
  • Werner Friedrich: Thomas Kirchmair, genannt Naogeorgus. Lebensbild eines bedeutenden Straubingers mit einem Literaturverzeichnis zu Biographie und Werk, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung Jg. 89 (1987), Straubing 1988.
  • Leonhard Theobald: Das Leben und Wirken des Tendenzdramatikers der Reformationszeit Thomas Naogeorgus seit seiner Flucht aus Sachsen, Leipzig 1908.
  • Fritz Wiener: Naogeorgus im England der Reformationszeit (1913).
  • Walther Killy (Hg.): Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache (15 Bände). Gütersloh, München: Bertelsmann-Lexikon-Verl., 1988–1991 (CD-ROM: Berlin 1998, ISBN 3-932544-13-7)
  • Erich Schmidt: Naogeorg, Thomas. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 23, Duncker & Humblot, Leipzig 1886, S. 245–250.
  • Hans-Gert Roloff: Naogeorg, Thomas. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 18, Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 729 f. (Digitalisat).
  • Wolfgang Weber: Kirchmeyer, Thomas. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 3, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2, Sp. 1519–1521.
  • Manfred EderNaogeorgus, Thomas (Kirchmair, Kirchmeyer). In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 6, Bautz, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1, Sp. 448–451.
  • Reto Caluori: Thomas Naogeorg. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 2, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 1309 f.

Hinweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man findet in Lexika noch häufig, dass Naogeorg 1511 in „Hubelschmeiß bei Straubing“ geboren sei. Es gibt jedoch kein „Hubelschmeiß“. Die Bedeutung von „Heubelschmeißer“, wie Naogeorg gelegentlich bezeichnet wurde, ist zwar noch unsicher, jedoch mit ziemlicher Sicherheit kein Hinweis auf seinen Geburtsort. Als Geburtsjahr wird mittlerweile eher 1508/09 angenommen, nicht mehr wie früher 1511. (Siehe Werner Friedrich 1988)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. ausführliche Zitate aus den Esslinger Ratsprotokollen bei Georg Veesenmeyer (1760 - 1833): Kleine Nachricht von des seel. [Christian Karl] am Ende [† 1799] Nachricht von Thomas Naogeorgus. In: Litterarische Blätter 12 (1803), Sp. 194–200 und 219–223, bes. Sp. 198–200 (Google-Books).
  2. Vgl. Matthäus Alber, Wilhelm Bidembach: Ein Summa etlicher Predigen vom Hagel und Unholden, gethon in der Pfarrkirch zuo Stuottgarten im Monat Augusto Anno M.D.LXII … sehr nutzlich und tröstlich zuo diser zeit zuo lesen. Ulrich Morharts Witwe, Tübingen 1562 (Google-Books).