Thomas Schaaf

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Thomas Schaaf

Thomas Schaaf (2012)

Spielerinformationen
Geburtstag 30. April 1961
Geburtsort MannheimDeutschland
Größe 178 cm
Position Abwehrspieler
Vereine in der Jugend
0000–1972
1972–1978
BBV Union Bremen
Werder Bremen
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1978–1980
1978–1995
Werder Bremen Amat.
Werder Bremen
59 0(0)
281 (14)
Nationalmannschaft
1987 Deutschland U-21 2 0(0)
Stationen als Trainer
1988–1995
1995–1999
1999–2013
2014–2015
2016
Werder Bremen Jugend
Werder Bremen Amat.
Werder Bremen
Eintracht Frankfurt
Hannover 96
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Thomas Schaaf (* 30. April 1961 in Mannheim) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und heutiger Fußballtrainer. Von seiner Kindheit an war er zwischen 1972 und 2013 als Spieler, Jugendtrainer und schließlich Cheftrainer über 40 Jahre lang bei Werder Bremen aktiv. Als Spieler und Trainer gewann Schaaf mit dem Verein drei Deutsche Meisterschaften, fünfmal den DFB-Pokal und 1992 den Europapokal der Pokalsieger. Nach einem Jahr Pause übernahm er erstmals einen anderen Verein und arbeitete in der Saison 2014/15 als Trainer von Eintracht Frankfurt. Zuletzt trainierte Schaaf den Bundesligisten Hannover 96.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schaaf verlor früh seinen Vater. 1965 zog seine Mutter mit ihm und seinem Bruder nach Bremen. Sie wohnten am Brommyplatz in Sichtweite zum Weserstadion. 1972 wurde er Mitglied beim SV Werder Bremen.[1]

Er besitzt die Fachhochschulreife und hat an der Deutschen Sporthochschule Köln eine Ausbildung zum Fußballlehrer absolviert. Er ist verheiratet und hat eine Tochter. Die Familie wohnte in Frankfurt am Main.

Seit 2004 engagiert sich Schaaf als Botschafter für das Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche in Bremen.[2] Zudem war Schaaf 2008 für die in Bremen ansässige Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger als so genannter „Bootschafter“ im Einsatz.[3]

Spielerkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schaaf ist seit dem 1. Juli 1972 Mitglied bei Werder Bremen; bis 1979 als Jugendspieler, anschließend bis 1995 als Profi. Er bestritt im Werder-Trikot 262 Bundesliga- und 19 Zweitligaspiele, gewann zweimal die Deutsche Meisterschaft (1988 und 1993), zweimal den DFB-Pokal (1991 und 1994) sowie den Europapokal der Pokalsieger (1992).

Trainerkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werder Bremen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1988 bis 1995 war Schaaf neben seiner Funktion als Spieler auch als Jugendtrainer bei Werder Bremen tätig und stieg später zum Trainer der Amateurmannschaft auf.

Am 10. Mai 1999 wurde Schaaf Trainer der Profimannschaft, um den drohenden Abstieg zu verhindern, was ihm gelang. Er führte sie außerdem einen Monat später gegen den FC Bayern München im Elfmeterschießen überraschend zum Gewinn des DFB-Pokals. Für den FC Bayern, der kurz zuvor den Titel in der Champions League verpasst hatte, war es erst die zweite Endspielniederlage im DFB-Pokal. Mit diesem Pokalsieg war Schaaf der dritte Trainer nach Ludwig Janda und Aki Schmidt, der den Pokal zuvor auch bereits als Spieler gewonnen hatte. Danach sollte Schaaf zum Erfolgstrainer werden. Bereits im folgenden Jahr wiederholte sich die Endspielpaarung im DFB-Pokal, ging diesmal aber mit 0:3 für den FC Bayern aus. Mit dem Gewinn des „Doubles“, also der Deutschen Meisterschaft und des DFB-Pokals in einer Spielzeit, wurde die Saison 2003/04 unter Schaaf zum erfolgreichsten Jahr in der Vereinsgeschichte von Werder Bremen.

Thomas Schaaf und Klaus Allofs 2009 mit dem DFB-Pokal
Bremen, Handabdruck in der Lloyd-Passage

In den folgenden Jahren erreichte Schaaf mit dem SV Werder beständig die Teilnahme an der UEFA Champions League: 2004/05, 2006/07 und 2009/10 als Bundesliga-Dritter, 2005/06 und 2007/08 als Vize-Meister. Der Verein war in diesen Jahren regelmäßig Meisterschaftsanwärter neben dem FC Bayern, konnte den Erfolg von 2004 aber nicht wiederholen. In der Saison 2008/09 erreichte Schaaf mit Werder das Finale des UEFA-Pokals, das mit 1:2 gegen Schachtjor Donezk verloren ging. Daneben gelang ihm zum dritten Mal der Sieg im DFB-Pokal, was (geteilten) Trainer-Rekord bedeutet und wodurch sich Werder für die neu geschaffene UEFA Europa League in der Folgesaison qualifizierte, dort aber als Vorjahresfinalist schon im Achtelfinale ausschied.

Es schlossen sich für Werder Bremen weniger erfolgreiche Spielzeiten in der Bundesliga an. Als der verletzungsgeplagte Verein in der Spielzeit 2010/11 durch eine Negativserie an den Rand des Abstiegskampfes geriet, entstand eine öffentliche Diskussion um den Trainer, dem von Seiten des Vereins jedoch mehrfach das Vertrauen ausgesprochen wurde. Der langjährige Manager des SV Werder, Klaus Allofs, wies Forderungen nach einer Ablösung zurück: Man werde nicht den Fehler anderer Vereine begehen, nur um durch einen Trainerwechsel „für vielleicht zwei Wochen einen psychologischen Effekt zu haben“.[4]

In der Spielzeit 2012/13 kam erneut eine Trainerdiskussion auf, nachdem Werder Bremen im Frühjahr immer tiefer in den Abstiegskampf geraten war. Der neue Manager Thomas Eichin, der nach Allofs Wechsel zum VfL Wolfsburg seit wenigen Monaten amtierte, stellte sich zunächst vor Schaaf.[5] Schaaf selbst bot erstmals am 20. April indirekt seinen Rücktritt an.[6] Obwohl Werder kurz zuvor unter Thomas Schaaf am 33. Spieltag den Klassenerhalt gesichert hatte, trennten er und Werder Bremen sich am 14. Mai im gegenseitigen Einvernehmen mit sofortiger Wirkung.[7] Schaafs Vertrag wäre 2014 abgelaufen und hätte innerhalb weniger Monate Vereinsrekord vor Otto Rehhagel bedeutet.[8]

Zum Zeitpunkt seines Ausscheidens war Schaaf mit weitem Abstand dienstältester Trainer eines Fußball-Bundesligisten; er ist in der Geschichte des deutschen Profifußballs einer der Trainer, der am längsten ununterbrochen (14 Jahre und 5 Tage) für einen Verein tätig war. Er gilt als sehr sachlicher und kompetenter Trainer, der ab 1999 aus einer verunsicherten Mannschaft ein Team geformt hatte, das jahrelang auf hohem Niveau spielte und zeitweise ein Gegner des FC Bayern München um die Meisterschaft war.

Am 7. September 2013 war Schaaf beim Abschiedsspiel von Torsten Frings im Weserstadion Trainer der „Werder Allstars“. Im Oktober arbeitete er für die UEFA bei einem Trainerausbildungskurs in Nyon (Schweiz).[9]

Eintracht Frankfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. Mai 2014 wurde Schaaf für die Saison 2014/15 als Nachfolger des scheidenden Armin Veh ab Juli 2014 neuer Trainer beim Bundesligisten Eintracht Frankfurt und wechselte damit nach 41 Jahren und einem Jahr Auszeit erstmals den Verein. Am Ende der Saison erreichte er mit der Eintracht Platz 9. Der Vertrag lief bis zum 30. Juni 2016.[10] Bis Oktober 2014 hatte er als Spieler und Trainer an über 750 Bundesligaspielen teilgenommen.[11] Am 26. Mai 2015 trat Thomas Schaaf als Trainer von Eintracht Frankfurt zurück. Er begründete dies mit fehlender Rückendeckung von Teilen des Aufsichtsrates.[12]

Hannover 96[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Rückrunde der Saison 2015/16 übernahm Schaaf die auf dem 17. Tabellenplatz stehende Bundesligamannschaft von Hannover 96 vom zurückgetretenen Michael Frontzeck. Er erhielt einen bis zum 30. Juni 2017 datierten Vertrag, der nur für die Bundesliga galt.[13][14] Nach nur einem Sieg und neun Niederlagen aus zehn Spielen und dem Absturz auf den letzten Tabellenplatz mit zehn Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz einigten sich Schaaf und der Verein auf ein definitives Ende der Zusammenarbeit im Abstiegsfall.[15] Nachdem drei Tage später auch das zehnte Spiel unter Schaafs Regie verloren worden war, wurde er von seinen Aufgaben entbunden und durch den Trainer der U-19, Daniel Stendel, ersetzt.[16]

UEFA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2011 arbeitet Schaaf auch für den europäischen Fussballverband UEFA. Bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich war er als „Technical Observer“ eingesetzt und beobachtete alle Vorrundenspiele. Die Gesamtauswertung von Schaaf und seinen 12 Kollegen veröffentlicht die UEFA im September 2016 in ihrem Technical Report.[17]

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2004 nach Meistertitel und DFB-Pokal-Gewinn mit Werder Bremen zum Trainer des Jahres gewählt und vom Fachblatt kicker zum Mann des Jahres sowie zum Kicker-Trainer des Jahres im deutschen Fußball bestimmt
  • 2008 Aufnahme in die Mall of Fame in Bremen (Handabdruck)
  • Seit 2010 Ehrenmitglied des SV Werder Bremen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Weser-Kurier vom 27. April 2011, S.3
  2. J. Rainer Didszuweit und Jörn Dietze: Thomas Schaaf. In: Zentrum für trauernde Kinder. echt – Das Magazin Ihrer evangelischen Kirche, Januar 2006, abgerufen am 4. Mai 2009 (Interview mit Thomas Schaaf über seine Rolle als „Botschafter“ auf der Internetseite des Zentrums für trauernde Kinder).
  3. http://www.seenotretter.de/danke/prominente-foerderer/bootschafter/thomas-schaaf.html Thomas Schaaf als Bootschafter der DGzRS
  4. »Geht’s noch? Werder hat in Köln (schon wieder) so schlecht gespielt, dass sich automatisch die Trainerfrage stellt«; Weser Kurier, 24. Januar 2011
  5. Eichin muss Schaaf schützen: „Kühlen Kopf bewahren“, Westfälische Nachrichten vom 4. März 2013.
  6. Schaaf bietet Rücktritt an, Weser Kurier, 21. April 2013
  7. Der SV Werder und Thomas Schaaf trennen sich, Homepage des SV Werder Bremen am 15. Mai 2013.
  8. Werder Bremen: Vertragsverlängerung für Klaus Allofs und Thomas Schaaf, 19. Dezember 2011
  9. http://www.t-online.de/sport/fussball/bundesliga/id_66949002/thomas-schaaf-zu-schalke-04-werder-manager-eichin-dementiert-anfrage.html
  10. Schaaf wird neuer Eintracht-Trainer Eintracht.de, abgerufen am 21. Mai 2014
  11. Seit 1979 dabei: Thomas Schaaf vor 750. Bundesliga-Spiel rp-online.de, abgerufen am 26. Oktober 2014
  12. Schaaf-Rücktritt enttäuscht Bruchhagen Spiegel Online, 26. Mai 2015, abgerufen am 26. Mai 2015
  13. Hannover 96 verpflichtet Thomas Schaaf als neuen Cheftrainer, hannover96.de, 28. Dezember 2015, abgerufen am 28. Dezember 2015
  14. Schaaf übernimmt bei Hannover, kicker.de, 28. Dezember 2015, abgerufen am 28. Dezember 2015
  15. Hannover 96: Neuer Trainer im Abstiegsfall, 30. März 2016, abgerufen am 5. April 2016.
  16. Hannover 96 beurlaubt Schaaf, Internetpräsenz von Hannover 96, abgerufen am 3. April 2016
  17. Thomas Schaaf im Einsatz für die UEFA. In: www.radiobremen.de. 24. Juni 2016, abgerufen am 25. Juni 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thomas Schaaf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien