Thomas Schnalke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Thomas Schnalke (* 16. Februar 1958 in Ludwigshafen am Rhein) ist ein deutscher Medizinhistoriker, Universitätsprofessor und Museumsleiter.

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Schnalke studierte Medizin in Würzburg und Marburg. 1985 folgte das medizinische Staatsexamen und 1987 die Promotion. Seit 1988 war er als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Erlangen-Nürnberg tätig. 1993 habilitierte er sich in Geschichte der Medizin. Im Jahr 2000 erfolgte eine Berufung auf die Professur für Geschichte der Medizin und Medizinische Museologie an der Medizinischen Fakultät Charité der Humboldt-Universität zu Berlin. Diese Professur ist mit der Leitung des Berliner Medizinhistorischen Museums verbunden, dessen viel beachtete Dauerausstellung zur Entwicklung der modernen Medizin seit dem frühen 18. Jahrhundert er federführend konzipierte. Darüber hinaus realisiert er ein abwechslungsreiches Sonderausstellungsprogram, wobei er neben medizinischen und medizinhistorischen Inhalten gerne auch Themen aus dem Grenzbereichen zwischen Wissenschaft und Kunst ins Zentrum rückt. Daneben ist er Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen.

Rückgabe von Schädeln an Namibia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2011 geriet die Charité zwischen die Fronten eines politischen Interessenkonfliktes zwischen Deutschland und Namibia. Im Rahmen der feierlichen Übergabe von 20 Schädeln aus anthropologischen Sammlungen der Charité an die Regierung von Namibia kam es zu heftigen Protesten von Aktivisten und Sympathisanten der betroffenen Ethnien, weshalb Staatsministerin Cornelia Pieper die Veranstaltung vorzeitig verließ. Die Schädel stammten von Angehörigen der Volksgruppen der Nama und Herero aus der ehemaligen deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Im Rahmen eines DFG-geförderten Forschungsprojekts zur Klärung der Herkunft anthropologischer Sammlungsobjekte, das u. a. Thomas Schnalke seit 2010 leitet, konnte nachgewiesen werden, dass die zurückgegebenen Schädel aus dem Kolonialkrieg, den die so genannten deutschen Schutztruppen von 1904 bis 1907 gegen Nama und Herero führten, und somit aus einem eindeutigen Unrechtskontext stammten. Bemühungen von Aktivisten, die kriegerischen Auseinandersetzungen von deutscher Seite als Völkermord anzuerkennen, werden von Deutschland offiziell nicht geteilt, da von Seiten Namibias Reparationsforderungen befürchtet werden.[1][2]

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2002: Virchows Zellen. Zeugnisse eines engagierten Gelehrtenlebens in Berlin
  • 2009/2010: Weltwissen. 300 Jahre Wissenschaften in Berlin (Martin-Gropius-Bau Berlin)
  • 2009: Vom Tatort ins Labor – Rechtsmediziner decken auf
  • 2009/2010: goldgefüllt und perlengleich – 300 Jahre Zahnheilkunde in Berlin
  • 2010/2011: Charité. 300 Jahre Medizin in Berlin
  • 2010/2011: jenseits des menschen. Interventionen von Reiner Maria Matysik, in Kooperation mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (17. September 2010 bis 9. Januar 2011)
  • 2011/2012: Who cares? Geschichte und Alltag der Krankenpflege
  • 2012: Ilana Halperin. Steine – Eine Ausstellung mit Werken von Ilana Halperin am Schnittpunkt zwischen Kunst, Medizin und Geologie, in Zusammenarbeit mit der Schering Stiftung
  • 2012/2013: Visite im Depot.
  • 2017: Charité - Die Serie., anlässlich der Serie Charité (03. März bis 14. Mai 2017)
  • 2016/2018: Hieb & Stich. Dem Verbrechen auf der Spur.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Politischer Interessenkonflikt
  2. Andreas Winkelmann: Zeugen zweier Geschichten – Die Charité gab Schädel aus der Kolonialzeit nach Namibia zurück. Deutsches Ärzteblatt 2012; 109(15): A754-755