Thomas Selle

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Thomas Selle

Thomas Selle (* 23. März 1599 in Zörbig; † 2. Juli 1663 in Hamburg) war ein deutscher Lehrer, Kirchenmusiker und Komponist des Barock.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selle erhielt seine Ausbildung in Leipzig, wo er Thomaner unter Sethus Calvisius und Johann Hermann Schein gewesen sein könnte.[1][2] 1624 begann er an der Schule in Heide (Holstein) zu unterrichten, bevor er 1625 Rektor und wahrscheinlich Leiter der Kirchenmusik in Wesselburen wurde.[2] Ab 1634 war Selle Kantor in Itzehoe, ab 1641 Kantor am Johanneum und Musikdirektor der vier Hauptkirchen Hamburgs, ab 1642 als Canonicus Minor auch am Mariendom.

Unter dem Titel Opera omnia hinterließ er der Stadt Hamburg mit seinem gesamten musikalischen Nachlass in 16 Stimmbüchern und 3 Tabulaturbänden Abschriften von den meisten seiner geistlichen Werke.[1] Diese werden in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg aufbewahrt.

Selle vertonte viele Dichtungen Johann Rists als generalbassbegleitete Sololieder. Für die Feste des Kirchenjahres schuf er eine bedeutende Reihe von musikalischen Historien (musikalisch dargestellten Evangelien im Stile responsorialer Gesänge) sowie Vertonungen des Passionsberichtes im Johannesevangelium. Er schrieb die Melodie zum Kirchenlied „Auf, auf, ihr Christen alle“ (EG Württemberg 536).

Selle ist gleichermaßen für die Frühgeschichte des deutschen Liedes wie mit seinen Historien und Intermedien für die Geschichte der oratorischen Passion von Bedeutung.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Concertuum Latino-Sacrorum 2.4. et 5. Vocibus ad Bassum Continuum concinendorum Liber Primus. Handschriftlich. (umfasst 11 Werke)
  • Concertuum Latino-Sacrorum 6.8.9.10.12.13. et 14. Vocibus ad Bassum Continuum concinendorum Liber Secundus. Handschriftlich. (umfasst 15 Werke)
  • Concertuum Latino-Sacrorum de praecipuis Festis anniversariis 2.3.4.5.6.7.8.9.10.11.12.13.14.15.16. et 17. Vocibus ad Bassum Continuum concinendorum Liber Tertius. Handschriftlich. (umfasst 30 Werke)
  • Concertuum Latino-Sacrorum 2.3.4.5.6.7.8. et 10. Vocibus ad Bassum Continuum concinendorum Liber Quartus. Handschriftlich. (umfasst 33 Werke)
  • Erster Theil Teutscher Geistlicher Concerten, Madrigalien und Moteten, mit 3,4,5,6,7,8,9,10,11,12,14 und 16 Stimmen ... zu 1.2.3. und 4. Chören Handschriftlich. (umfasst 52 Werke)
  • Ander Theil Teutscher Geistlicher Concerten, Madrigalien und Moteten, mit 1.2.3.4.5.6.7.8.9.10. und 12. Stimmen ... zu 1.2. und 3. Chören Handschriftlich. (umfasst 61 Werke)
  • Dritter Theil Teutscher Geistlicher Concerten etc., darinnen viel Kirchen=Psalmen und Lieder enthalten, mit 1.2.3.4.5.6.7.8.9.10.11.12.13.14.15.18.19.20.21.22.23. Stimmen ... zu 1.2.3.4. und 5. Chören Handschriftlich. (umfasst 74 Werke)
  • Concertuum binus vocibus ad bassum continuum concinendorum decas, 1634
  • Concertuum trivocalium germanico sacrorum pentas, 1635
  • Neue musicalische Festandachten (Rist), 1655
  • Johannespassion:
    • sine intermediis, 1641
    • con intermediis, 1643
  • Matthäuspassion, 1642

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 6 geistliche Konzerte, bearbeitet von A. Egidi, Berlin 1929
  • Passion nach dem Evangelisten Johannes mit Intermedien, herausgegeben von R. Gerber, Wolfenbüttel 1933

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • S. Günther: Die geistliche Konzertmusik von Thomas Selle nebst einer Biographie. Dissertation Gießen 1935
  • J. Birke: Die Passionsmusiken von Thomas Selle (1599 - 1663), Dissertation Heidelberg 1957
  • W. Braun: Thomas Selles Lasso-Bearbeitungen, Jahrbuch der Kirchenmusik XLVII, 1963
  • Thomas Selle (1599-1663). Beiträge zu Leben und Werk des Hamburger Kantors und Komponisten anlässlich seines 400. Geburtstages. Herzberg 2000

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Brockhaus Riemann Musiklexikon Bd. 4 (1998) ISBN 3-254-08399-7
  2. a b Horst Seeger: Musiklexikon Personen A–Z / Deutscher Verlag für Musik Leipzig (1981)