Thomas Stamm-Kuhlmann

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Thomas Stamm-Kuhlmann (* 31. Mai 1953 in Solingen) ist ein deutscher Historiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stamm-Kuhlmann legte sein Abitur 1971 am altsprachlichen Görres-Gymnasium in Düsseldorf ab. Danach studierte er - nach einem Semester Biologie an der Universität Düsseldorf - Geschichte, Germanistik und Alte Geschichte an der Universität Bonn sowie am Kalamazoo College in Kalamazoo/Michigan. Nach seinem Staatsexamen promovierte er 1980 in Bonn. Seine von der Friedrich-Ebert-Stiftung geförderte Dissertation hatte das Thema „Zwischen Staat und Selbstverwaltung: Die deutsche Forschung im Wiederaufbau 1945-1965“.

Von 1980 bis 1992 war er als Hochschul- und Oberassistent am Historischen Seminar der Universität Kiel bei Professor Michael Salewski tätig. Hier erfolgte 1987 seine Habilitation, die unter dem Titel „König in Preußens großer Zeit: Friedrich Wilhelm III.: Der Melancholiker auf dem Thron“ 1992 veröffentlicht wurde. In dieser von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Arbeit[1] untersuchte Stamm-Kuhlmann die Wechselwirkung zwischen Charakter und Gesellschaft in einer Zeit der Gefährdung für die Monarchie. [2]

1990 übernahm Stamm-Kuhlmann eine Lehrstuhlvertretung am (heutigen) Institut für Wissenschaftsforschung in Bielefeld, 1992 bis 1995 war er Lehrstuhlvertreter am Institut für Neuere Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1996 vertrat er den Lehrstuhl für Allgemeine Geschichte der Neuesten Zeit am Historischen Institut der Universität Greifswald. 1997 erhielt er den Ruf als Inhaber dieses Lehrstuhls.

Seit 2002 ist er Mitglied der Historischen Kommission für Pommern und seit 2006 Vorstandsmitglied der Ranke-Gesellschaft (seit 2009 wirkt Stamm-Kuhlmann hier als Mitherausgeber der einmal jährlich im Stuttgarter Franz-Steiner-Verlag erscheinenden Historischen Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft). 2008 war Stamm-Kuhlmann eines der Gründungsmitglieder des Departments für Ethik, Theorie und Geschichte der Lebenswissenschaften an der Medizinischen Fakultät der Universität Greifswald. Seit 2009 ist er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft zur Preußischen Geschichte e.V.

Von 1985 bis 2010 war Stamm-Kuhlmann Vertrauensdozent und Mitglied im Auswahlausschuss für die Studienförderung der Friedrich-Ebert-Stiftung. 1993–1995 gehörte er dem Beirat für den Aufbau des Deutschen Museums Bonn an. Für die Zeiträume 2003–2006 und 2015–2020 wurde er in den wissenschaftlichen Beirat des Historisch-Technischen Museums Peenemünde berufen, seit 2011 ist er Mitglied im Beirat des Pommerschen Landesmuseums Greifswald.[3] Von 2006 bis 2016 war Stamm-Kuhlmann Mitglied in der Jury des Kurt von Fritz-Preises für Nachwuchswissenschaftler, den die Friedrich-Ebert-Stiftung verliehen hat.

2014 und 2016 wurde Thomas Stamm-Kuhlmann zum Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Greifswald gewählt.

In einem Interview mit dem Fernsehsender 3sat verglich Stamm-Kuhlmann im November 2013 die Überwachungstätigkeit der amerikanischen NSA mit den Geheimpolizeien des 19. Jahrhunderts und wies darauf hin, dass man sich damals der Überwachung durch Emigration entziehen konnte, während die globale Reichweite der NSA heute den Weltstaat vorwegnehme.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören vor allem die Geschichte Preußens und die Wissenschaftsgeschichte. U.a. hat Stamm-Kuhlmann mehrfach zu Friedrich Wilhelm III. und dem preußischen Staatskanzler Karl August von Hardenberg geforscht und veröffentlicht, dabei wurde er u. a. durch ein Stipendium der Volkswagen Stiftung gefördert.

Stamm-Kuhlmann ist Mitglied der SPD.[4]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien
  • Die Hohenzollern. Siedler, Berlin 1995, ISBN 3-88680-485-2.
  • König in Preußens großer Zeit. Friedrich Wilhelm III., der Melancholiker auf dem Thron. Siedler, Berlin 1992, ISBN 3-88680-327-9.
  • Zwischen Staat und Selbstverwaltung. Die deutsche Forschung im Wiederaufbau. 1945–1965. Verlag Wissenschaft u. Politik, Köln 1981, ISBN 3-8046-8597-8 (Zugleich: Bonn, Univ., Diss., 1980).
Editionen
  • Karl August von Hardenberg. 1750–1822. Tagebücher und autobiographische Aufzeichnungen (= Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts. Bd. 59). Boldt im Oldenbourg-Verlag, München 1999, ISBN 3-486-56277-0.
Herausgeberschaften
  • mit Birgit Aschmann: 1813 im europäischen Kontext (= Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft. Beiheft 89). Steiner, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-515-11042-6.
  • mit Niels Hegewisch und Karl-Heinz Spieß: Geschichtswissenschaft in Greifswald. Festschrift zum 150jährigen Bestehen des Historischen Instituts der Universität Greifswald (= Beiträge zur Geschichte der Universität Greifswald. Bd. 11). Steiner, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-515-10946-8.
  • mit Mariacarla Gadebusch Bondio: Wissen und Gewissen. Historische Untersuchungen zu den Zielen von Wissenschaft und Technik (= Geschichte, Forschung und Wissenschaft. Bd. 30). Lit, Berlin u. a. 2009, ISBN 978-3-8258-1649-0.
  • Pommern im 19. Jahrhundert. Staatliche und gesellschaftliche Entwicklung in vergleichender Perspektive (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern. Bd. 5 = Forschungen zur Pommerschen Geschichte. Bd. 43). Böhlau, Köln u. a. 2007, ISBN 978-3-412-22806-4.
  • mit Reinhard Wolf: Raketenrüstung und internationale Sicherheit von 1942 bis heute (= Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft. Beiheft 56). Beiträge des Kolloquiums in Greifswald und Peenemünde am 2. – 4. Oktober 2002. Steiner, Stuttgart 2004, ISBN 3-515-08282-4.
  • mit Jürgen Elvert, Birgit Aschmann, Jens Hohensee: Geschichtsbilder (= Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft. Beiheft 47). Festschrift für Michael Salewski zum 65. Geburtstag. Steiner, Stuttgart 2003, ISBN 3-515-08252-2.
  • „Freier Gebrauch der Kräfte“. Eine Bestandsaufnahme der Hardenbergforschung. Oldenbourg, München 2001, ISBN 3-486-56631-8.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wo bleibt die Aufklärung? Aufklärerische Diskurse in der Postmoderne. Festschrift für Thomas Stamm-Kuhlmann (= Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft. Beihefte 84). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-515-10423-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Stamm-Kuhlmann: König in Preußens großer Zeit. Friedrich Wilhelm III., der Melancholiker auf dem Thron. Siedler, Berlin 1992, S. 779.
  2. Wilhelm von Sternburg: Melancholie und Trauma. In: Die Zeit. 8. Mai 1992, abgerufen am 23. November 2016.
  3. www,peenemuende.de. Abgerufen am 14. November 2016.
  4. Thomas Stamm-Kuhlmann: Wie viel Bekenntnis verträgt die SPD?, faz.net 28. Dezember 2011.