Thon-Dittmer-Palais

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Thon-Dittmer-Palais in Regensburg

Das Thon-Dittmer-Palais befindet sich in der Altstadt der oberpfälzischen Hauptstadt Regensburg in Bayern (Haidplatz 8).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Thon-Dittmer-Palais ist aus zwei früher hier bestehenden mittelalterlichen Patrizierhäusern hervorgegangen: Das eine an der Ecke zur Weingasse stehende Gebäude gehörte einst der mächtigen Regensburger Bürgerfamilie der Auer, den Granern, dann den Schwäbls und dann den Erlbecks. Zur Baumhackergasse hin schloss das sogenannte Alkofersche Haus an, in dem u.a. der Arzt Georg Andreas Agricola wohnte. Georg Friedrich von Dittmer erwarb von den Erlbeck’schen Erben 1781 zuerst das an der Weingasse liegenden Gebäude; erst nach 1800 konnte er auch das Alkofersche Haus erwerben. Von seinen Kindern überlebten nur die beiden Töchter Elisabeth und Friederika Amelie. Die ältere Elisabeth heiratete 1789 den aus Pommern stammenden Friedrich Mantey, die jüngere Friederika 1795 den Kaufmann Carl Christian Thon. Kaiser Franz II. erhob im Jahr 1800 Georg Dittmer mit seinen beiden Schwiegersöhnen in den Reichsfreiherrenstand, wobei sich seine Schwiegersöhne von Mantey-Dittmer bzw. von Thon-Dittmer nannten.

Unter Leitung des Baumeisters Emanuel d’Herigoyen entstand ab 1800 das klassizistische Stadtpalais. Die Baumaßnahmen wurden 1809 abgeschlossen. 1814 trat von Mantey-Dittmer seinen Geschäftsanteil an der Dittmerschen Firma an seinen Schwager von Thon-Dittmer ab, seit dieser Zeit besteht die Bezeichnung Thon-Dittmer-Palais für das Gebäude am Regensburger Haidplatz. Bis 1856 blieb das Gebäude im Familieneigentum, dann ging es in den Besitz der Stadt über.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Palais ist ein Vier-Flügel-Bau, der einen Innenhof umschließt. Die Eingangsfassade zum Haidplatz hin besitzt 15 Fensterachsen und einen Mittelrisalit. In dessen Dreiecksgiebel ist das Wappen der Freiherren von Dittmer zu sehen. Eine vorgestellte Altane wird von vier Sandsteinsäulen getragen.

Eingangsportal zur Sigismundkapelle
Frauenfigur (um 1650) unterhalb des Uhrenerkers

Ein Spitzbogentor führt in den dreigeschossigen und mit Renaissancearkaden ausgestatteten Innenhof. Die Laubengänge an der Westseite (Säulen mit wechselnden Kapitellen) waren bereits um 1580 entstanden, die Arkaden an der Nordseite sind ein Neubau von 1979/80. Auf einer reich profilierten Konsole befindet sich ein Uhrenerker von 1380/90. Am Erkerfuß ist ein Liebespaar zu sehen (ein bärtiger Mann kniet vor einem vollbusigen Mädchen, das er an der Hand hält und ihm über das Haar streichelt). Unter dem Uhrenerker ist eine lebensgroße, aus Holz geschnitzte Frauenfigur aus der Zeit um 1650. Auf der Sockelkartusche befindet sich die Inschrift: Die Uhr nun / außgelauffen ist / Bedenk daß Zeit / zum sterben ist. Im Erdgeschoss des Südflügels befindet sich die Sigismundkapelle mit einer originalen Spitzbogenpforte (um 1380). Im Rückgebäude befindet sich nordöstlich eine dreischiffige, kreuzgratgewölbte Halle, die wohl ehemals als Stallung diente.

Frühere und heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Regensburg wurde 1893 eine Schule für Fachausbildung gegründet, dann der Kreisgewerbeschule angegliedert und 1903 wieder zur selbständigen Schule erklärt. Damit war die “Fortbildungsschule mit beruflicher Gliederung und Pflichtbesuch” nach dem Modell des Münchner Stadtschulrates Georg Kerschensteiner entstanden. Diese Fortbildungsschule zog 1903 mit 984 Schülern in das Thon-Dittmer-Palais am Haidplatz ein. Im Jahre 1953 wurden hier 4000 Schüler unterrichtet. Die Enge und der bauliche Zustand des Gebäudes machten einen Neubau der Schule unumgänglich, 1965 konnte der Schulbetrieb in die Kerschensteiner Berufsschule (heute Städtische Berufsschule I für Metall- und Elektrotechnik Regensburg) verlegt werden.

Im Mai 1860 wurde im Thon-Dittmer-Palais eine ständige Feuerwache für die zwei Jahre zuvor gegründete Freiwillige Feuerwehr eingerichtet. Aus Platzmangel blieben bis zum Jahr 1922 viele Löschgeräte im Alten Rathaus untergestellt. Auch später musste die Feuerwehr Fahrzeuge außerhalb der angestammten Feuerwache in separat angemieteten Räumen unterstellen. Ab 1917 hatte die Feuerwache mehrere Räume an die städtische Berufsschule abzutreten. Erst am 13. April 1965 konnte die 1927 gegründete Berufsfeuerwehr in das neu errichtete Gebäude in einem äußeren Stadtteil in der Greflingerstraße umziehen.

Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Palais schrittweise zu einem Kulturhaus umgebaut. 1955 konnte hier das Deutsch-Amerikanische-Institut einziehen, das bis zum Jahre 1999 hier als Verein existierte. Dadurch wurde auch eine umfassende englischsprachige Bibliothek geschaffen. Heute sind hier das Kulturamt, die Volkshochschule und die Stadtbücherei der Stadt Regensburg untergebracht. Mit der Spielstätte Theater am Haidplatz ist auch das Theater Regensburg hier vertreten. Darüber hinaus finden wir noch die Kontaktgruppe Behinderter und Nichtbehinderter im Gebäude. Für Veranstaltungen stehen ein Auditorium mit 198 Sitzplätzen sowie zwei kleinere Konferenzräume zur Verfügung. Im Innenhof werden in jedem Sommer zahlreichen Open-Air-Veranstaltungen durchgeführt. In der Sigismundkapelle ist das Ausstellungsprojekt Sigismundkapelle angesiedelt, in dem Gegenwartskunst gezeigt wird.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Bauer: Regensburg. Kunst-, Kultur und Alltagsgeschichte (5. erweiterte und verbesserte Auflage, S. 274–280). Mittelbayerische Druck- und Verlags-Gesellschaft, Regensburg 1997, ISBN 3-931904-19-9.

6. Auflage S. 307 -310,MZ Buchverlag im H. Gietl Verlag, Regenstauf 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thon-Dittmer-Palais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 1′ 11,9″ N, 12° 5′ 35,4″ O