Thon (Nürnberg)

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Stadt Nürnberg
Koordinaten: 49° 28′ 42″ N, 11° 3′ 30″ O
Fläche: 2,21 km²
Einwohner: 4915 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 2.222 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1899
Postleitzahl: 90425
Vorwahl: 0911
Karte
Lage von Thon in Nürnberg
Ehemalige Möbelfabrik in Thon
Ehemalige Möbelfabrik in Thon

Thon ist seit 1899 ein Stadtteil von Nürnberg in der Nordwestlichen Außenstadt, der Name der Gemarkung 3472 und der Name des statistischen Bezirks 74.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thon liegt im Norden Nürnbergs. Durch die Bundesstraße 4 von Nürnberg nach Erlangen ist der Stadtteil in der Mitte getrennt. Im Süden grenzt er an die eigentliche Stadt, im Norden, Westen und teilweise im Osten an die Felder des Knoblauchslandes.[2]

Statistische Nachbarbezirke
Buch Almoshof Mooshof
Wetzendorf Nachbargemeinden Marienberg
Schleifweg
Bielingplatz Uhlandstraße Maxfeld

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde 1352 als „ze dem Tann“ (= Tannenwald) erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort lag verkehrsgünstig an einer Fernhandelsstraße in Richtung Hamburg/Lübeck bzw. Leipzig/Danzig. In den beiden Markgrafenkriegen wurde der Ort zerstört. Um 1560 umfasste das Dorf vier Bauernhöfe und neun Güter, die im Besitz des Nürnberger Patriziats waren. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft besaß das Nürnberger Landpflegamt.[3]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Thon 15 Haushalte. Das Hochgericht übte die Reichsstadt Nürnberg aus, was aber vom brandenburg-bayreuthischen Oberamt Baiersdorf bestritten wurde. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatten die Nürnberger Eigenherren von Grundherr inne. Grundherren waren die Nürnberger Eigenherren von Ebner (1 Gütlein), von Grundherr (2 Halbhöfe, 1 Viertelhof, 2 Güter, 2 Gütlein), von Haller (4 Gütlein), von Holzschuher (1 Gut), von Tucher (2 Gütlein). Das Hirtenhaus unterstand der Gemeinde.[4]

1796 kam Thon an Preußen und wurde vom Justiz- und Kammeramt Erlangen verwaltet, 1810 kam es an Bayern.[3] Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1813 der Steuerdistrikt Großreuth hinter der Veste gebildet, zu dem auch Thon gehörte. Im selben Jahr wurde die Ruralgemeinde Thon gebildet. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstand 1 Anwesen von 1822 bis 1834 dem Patrimonialgericht (PG) Almoshof, 2 Anwesen von 1822 bis 1835 dem PG Boxdorf, 1 Anwesen von 1822 bis 1835 dem PG Lohe und Behringersdorf, 4 Anwesen von 1823 bis 1835 dem PG Nemsdorf und 2 Anwesen von 1821 bis 1836 dem PG Weikershof. Ab 1826 unterstand Thon in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Nürnberg und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Nürnberg (1920 in Finanzamt Nürnberg umbenannt). Ab 1862 wurde Thon vom Bezirksamt Nürnberg verwaltet. Die Gerichtsbarkeit liegt seit 1880 beim Amtsgericht Nürnberg.[5] Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 1,102 km².[6]

Am 1. Januar 1899 wurde Thon in die Stadt Nürnberg eingegliedert.[7][8]

Heute ist Thon vor allem ein beliebter Stadtteil für junge Familien, denn es existieren mehrere Kindergärten sowie die Grundschule am Thoner Espan. Vor allem nach Westen sind in den letzten Jahren einige Straßenzüge neu geschaffen worden.

Anfang der 1990er Jahre wurden an der damaligen Bus- und Straßenbahn-Endhaltestelle Thon die Schöller Stiftungen (zunächst Schöller Holding) errichtet. Die modernen Bürobauten beherbergen neben der Sparkasse verschiedene Versicherungen und Kanzleien.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Äußere Bucher Str. 15: Fachwerkgiebel
  • Äußere Bucher Str. 17: Wohnstallhaus
  • Äußere Bucher Str. 27: Gasthaus Zu den goldenen Hirschen
  • Äußere Bucher Str. 31: Wohnhaus
  • Hufelandstr. 54: Wohnhochhaus „Sonnenwohnheim für berufstätige Frauen“
  • Kleinreuther Weg 87: Ehemalige Möbelfabrik Theodor Prasser

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900
Einwohner 127 167 175 164 154 176 253 234 253 378 366 403 397
Häuser[9] 21 24 30 42 44
Quelle [10] [11] [12] [12] [13] [12] [14] [12] [12] [6] [12] [12] [15]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist seit der Reformation überwiegend protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Andreas gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Clemens gepfarrt. Beide Pfarreien betreiben ein gemeinsames ökumenisches Gemeindezentrum.

Verkehrsanschluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VAG Bus 836 als Linie 28.

Die Haltestelle Thon war noch bis 2016 der zentrale Verkehrsknotenpunkt im Norden Nürnbergs mit Park-and-ride-Möglichkeit. Hier endeten die Straßenbahnlinie 4 (über den Plärrer nach Gibitzenhof) sowie die Buslinien 20 (Erlangen Hugenottenplatz), 22 (Herrnhütte), 26 (Berufsförderungswerk), 28 (Großgründlach-Nord), 29 (Am Steig), 30 (über Erlangen-Tennenlohe nach Erlangen Hugenottenplatz), 30E (Erlangen Hugenottenplatz), 31 (Neunhof), 32 (Flughafen), 35 (Röthenbach), 45 (Mögeldorf-Bahnhof), 47 (Heilig-Geist-Spital – Thon – Forchheimer Straße) und N10 (Erlangen Hugenottenplatz – Nürnberg Hauptbahnhof). So wurde Thon über diverse Buslinien mit den restlichen Stadtteilen der Nordstadt sowie den Orten des Knoblauchslandes und der Nachbarstadt Erlangen verbunden. Auch der Flughafen war in weniger als zehn Minuten per Bus zu erreichen.

Nach der Verlängerung der Straßenbahn bis zur neuen Endhaltestelle „Am Wegfeld“ wurde der Busknotenpunkt größtenteils dorthin verlagert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thon (Nürnberg) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch der Stadt Nürnberg 2016. Dezember 2015, ISSN 0944-1514, 18 Statistische Stadtteile und Bezirke, S. 244–245, S. 245 (nuernberg.de [PDF; 6,3 MB; abgerufen am 1. November 2017]).
  2. Thon im BayernAtlas
  3. a b H. Rusam, S. 1076f.
  4. H. H. Hofmann, S. 176.
  5. H. H. Hofmann, S. 244; Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 32 (Digitalisat).
  6. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1166 (Digitalisat).
  7. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 602.
  8. Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch der Stadt Nürnberg 2016. Dezember 2015, ISSN 0944-1514, 18 Statistische Stadtteile und Bezirke, S. 19–20, S. 19 (nuernberg.de [PDF; 6,3 MB; abgerufen am 1. November 2017]).
  9. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1900 als Wohngebäude.
  10. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 91 (Digitalisat).
  11. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 212 (Digitalisat).
  12. a b c d e f g Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 181, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  13. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1066, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  14. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1232, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  15. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1146 (Digitalisat). Die Gemeinde war zu diesem Zeitpunkt bereits nach Nürnberg eingegliedert.