Thorbjørn Jagland

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Thorbjørn Jagland (2007)
Unterschrift von Thorbjørn Jagland

Thorbjørn Jagland (* 5. November 1950 in Drammen) ist ein norwegischer sozialdemokratischer Politiker. Seit 2009 ist er Generalsekretär des Europarates.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war von 1996 bis 1997 Ministerpräsident von Norwegen, von 2000 bis 2001 Außenminister im Kabinett Jens Stoltenbergs und von 1992 bis 2002 Vorsitzender der sozialdemokratischen Partei (Arbeiderpartiet). Er wurde als Vorsitzender von Jens Stoltenberg abgelöst.

Von Oktober 2005 bis 2009 war er Präsident des norwegischen Parlaments (Storting). 2009 wurde er von Dag Terje Andersen abgelöst. Im Januar 2009 wurde er stattdessen Mitglied und Vorsitzender des Komitees zur Vergabe des Friedensnobelpreises. Am 29. September 2009 wurde er zudem von der Parlamentarischen Versammlung des Europarates zum Generalsekretär gewählt. Er setzte sich mit 165 zu 80 Stimmen bei 12 ungültigen Stimmen gegen seinen Mitbewerber, den ehemaligen polnischen Premierminister Włodzimierz Cimoszewicz, durch.

Am 9. Oktober 2009 teilte Jagland als Vorsitzender des Norwegischen Nobelkomitees mit, den amtierenden US-Präsidenten Barack Obama mit dem Friedensnobelpreis auszuzeichnen. Die Entscheidung stieß weltweit auf ein geteiltes und gedämpftes Echo.[1] Durch eine Indiskretion wurde bekannt, dass es Jagland und seiner Parteikollegin Sissel Rønbeck erst nach langer Diskussion gelang, die drei anderen Juroren von ihrem Vorschlag zu überzeugen.[2]

Am 25. Januar 2010 stellte er seinen politischen Reformplan für den Europarat vor und erklärte zu diesem Anlass, der Europarat könne „ein Leuchtturm für Europa sein, der Entwicklungen sorgfältig beobachtet und versucht, neue soziale und politische Krisen vorauszusehen“.[3]

Während der Krise in der Ukraine 2014 vermittelte er gemeinsam mit dem Menschenrechtsbeauftragten Russlands Wladimir Lukin die Freilassung von sieben Militärbeobachtern aus EU-Ländern und fünf ukrainischen Soldaten, die am 25. April von Separatisten in Slowjansk unter dem Vorwurf der Spionage für die NATO festgesetzt worden waren.[4]

Am 24. Juni 2014 wurde Jagland von der Parlamentarischen Versammlung des Europarats für fünf weitere Jahre im Amt bestätigt. Bei der Abstimmung erhielt er 156 Stimmen und setzte sich damit gegen seine Mitbewerberin, die frühere deutsche Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, durch. Leutheusser-Schnarrenberger erhielt 93 Stimmen.[5]

Nach jährlicher Wiederwahl hätte Jagland bis Ende 2015 als Vorsitzender des Nobelkomitees amtiert.[6] Anfang März 2015 wurde jedoch ohne Angabe von Gründen bekannt, dass er als Vorsitzender abgewählt wurde, was für Aufsehen sorgte, da in der 115-jährigen Geschichte des Komitees noch nie ein Vorsitzender vor seinem Ausscheiden aus dem Komitee ersetzt worden war.[7][8] Zwei Übergangsvorsitzende ausgenommen, bleibt Jagland somit als erster ehemaliger Vorsitzender weiter Mitglied im Komitee. Nach einer Bewegung des Norwegischen Parlaments nach rechts bei der Wahl 2013 war 2015 der Akademiker Henrik Syse, Sohn des ehemaligen konservativen Ministerpräsidenten Jan P. Syse, in das Komitee gewählt worden, sodass die konservative Politikerin und bisherige Stellvertreterin Kaci Kullmann Five, früher Ministerin unter Syse, vom Komitee zur neuen Vorsitzenden gewählt wurde. Jagland wurde von den Mitgliedern nur noch zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Er ist mit der Journalistin Hanne Grotjord verheiratet, mit der er zwei Söhne hat.

Auszeichnungen (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thorbjørn Jagland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Nobelpreis: Obama erntet Kritik und Mitleid“, meedia.de, 9. Oktober 2009
  2. Hannes Gamillscheg: „Streit über Obama im Nobelkomitee“, Badische Zeitung, 16. Oktober 2009
    „Interner Streit im Nobelkomitee. Mehrheit war gegen Obama-Ehrung“, taz, 15. Oktober 2009
  3. Thorbjørn Jagland: “Europarat sollte soziale und politische Krisen voraussehen”. Council of Europe; abgerufen am 29. März 2013.
  4. Lukin: «Freiwilliger humanitärer Akt», NZZ, 3. Mai 2014
  5. Karl-Otto Sattler: Jagland bleibt Generalsekretär, NZZ online, 24. Juni 2014
  6. Committee members (Memento vom 25. Februar 2015 im Internet Archive) auf den offiziellen Seiten der Norwegischen Nobelkommission
  7. http://www.aftenposten.no/meninger/kommentarer/Stanghelle-om-Nobel-vrakingen-av-Jagland-Et-nodvendig-offer-7923319.html
  8. Friedensnobelpreis: Vorsitzender des Komitees abgesetzt auf tagesspiegel.de, 3. März 2015, abgerufen 4. Januar 2017
  9. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF-Datei; 6,59 MB)
  10. Jagland hedret med den franske æreslegionen. Dagbladet Nyheter, 28. Oktober 2013; abgerufen am 28. Oktober 2013 (norwegisch).
VorgängerAmtNachfolger
Gro Harlem BrundtlandMinisterpräsident von Norwegen
1996–1997
Kjell Magne Bondevik