Thronprätendent
Erscheinungsbild
Als Thronprätendenten bezeichnet man eine Person, die Anspruch auf einen Thron erhebt, aber nicht offiziell als Monarch anerkannt ist. Dies gilt besonders für Erbmonarchien. Das Vorhandensein mehrerer Thronprätendenten war oft der Anlass für langwierige Bürgerkriege wie zum Beispiel die Rosenkriege im England des 15. Jahrhunderts oder die Carlistenkriege im Spanien des 19. Jahrhunderts.
Das Wort Prätendent leitet sich vom lateinischen Verb praetendere ab, was ‚beanspruchen‘ bedeutet. Es wurde über das Französische als Lehnwort „prätendieren“ ins Deutsche übernommen.[1]
Historische Thronprätendenten (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Mit dem in der Glorious Revolution gestürzten König Jakob II. von England, seinem Sohn James Francis Edward Stuart (The Old Pretender) sowie seinen Enkeln Charles Edward Stuart (The Young Pretender) und Henry Benedict Stuart gab es vom Ende des 17. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts eine ganze Dynastie von Prätendenten aus dem Haus Stuart auf die britische Krone. Sie und ihre Anhänger, die Jakobiten, scheiterten mit mehreren Versuchen, das Haus Hannover zu stürzen und im Vereinigten Königreich ein römisch-katholisches Königshaus zu etablieren.
- Infolge der Französischen Revolution und der Herrschaft Napolénos I. konkurrieren in Frankreich seither mit den Legitimisten, den Orléanisten und den Bonapartisten gleich drei Parteien um den Thron: die jeweiligen Prätendenten aus der älteren Linie der Bourbonen sowie der Häuser Orléans und Bonaparte und ihre Anhänger. Bevor Frankreich endgültig zur Republik wurde, konnten alle drei ihre Ansprüche zeitweilig verwirklichen: die Bourbonen in der Restauration von 1814/15 bis zur Julirevolution von 1830, die Orléans in der Julimonarchie von 1830 bis zur Februarrevolution 1848 und die Bonaparte während Napoléons Herrschaft der Hundert Tage 1815 sowie im Zweiten Kaiserreich von 1852 bis 1870.
- In Spanien erhob nach der Thronbesteigung von Königin Isabella II. im Jahr 1833 ihr Onkel Carlos María Isidro de Borbón den Anspruch, der legitime Herrscher des Landes zu sein. Der Konflikt zwischen den eher liberalen Anhängern Isabellas und den reaktionär-nationalistischen Unterstützern von Don Carlos und seinen Nachfolgern, führten zu mehreren Bürgerkriegen. Der so genannte Carlismus spielte bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine politische Rolle.
- In Japan gab es während der Nanboku-chō-Zeit von 1336 bis 1392 (Zeit der Süd- und Nordhöfe‘) eine Reihe „Gegenkaiser“ des Ashikaga-Clans, der erste von ihnen war Kaiser Kōgon.
- Herzog Ludwig I. von Anjou war 1382 Thronprätendent des Königreichs Neapel und außerdem Titularkaiser des Lateinischen Kaiserreichs.
- Der sogenannte Falsche Mustafa, auch Küçük Mustafa genannt (türkisch für ‚kleiner Mustafa‘), war Thronprätendent des Osmanischen Reichs gegen Murat II.
- Gáspár Bekes von Kornyát war von 1571 bis 1576 Thronprätendent des Fürstentums Siebenbürgen.
- António von Crato scheiterte 1580 mit dem Versuch, sich 1580 gegen Philipp II. von Spanien die Krone Portugals zu sichern.
- Der Habsburger Karl VI. war vor seiner Wahl zum Römisch-deutschen Kaiser Thronprätendent in Spanien.
Thronprätendenten im 21. Jahrhundert (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Liste französischer Thronprätendenten
- Liste jakobitischer Thronprätendenten
- Liste carlistischer Thronprätendenten
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Prätendent. In: Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. 1. Auflage. Band 3: M–R. Brockhaus, Leipzig 1839, S. 556 (Digitalisat. zeno.org).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wiktionary: Thronprätendent – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ prätendieren. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 13: N, O, P, Q – (VII). S. Hirzel, Leipzig 1889, Sp. 277 (woerterbuchnetz.de).