Thumsenreuth

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Thumsenreuth
Gemeinde Krummennaab
Koordinaten: 49° 51′ 14″ N, 12° 6′ 30″ O
Höhe: 494 m
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 92703
Vorwahl: 09682
Schloss Thumsenreuth, 2005
Grabstein der Martha Notthafft, geb. von Seckendorff † 1589
Der Vierzehn-Nothelfer-Altar in der Kath. Kirche, 2004

Thumsenreuth (bairisch: Dumbsarad) ist ein Ortsteil der Gemeinde Krummennaab im Landkreis Tirschenreuth, an der Staatsstraße 2121 zwischen Friedenfels und Krummennaab gelegen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1259 fand der Ort mit einem als Urkundenzeugen genannten „Marchwardus de Domsenreut“ seine erste urkundliche Erwähnung. Ursprünglich im Besitz der Wolff von Weißenstein und mit diesen verwandter Familien, gelangte Thumsenreuth in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in die Hände der Notthafft von Weißenstein. Im 15. und vor allem im 16. Jahrhundert, als bereits der Verfall der Burg Weißenstein einsetzte, war Thumsenreuth der wohl beliebteste Sitz der Notthafft im Steinwaldgebiet. 1596 war Christoph II. Notthafft von Weißenstein wegen seiner drückenden Schuldenlast gezwungen, seinen Thumsenreuther Besitz an Hans Georg Schlaher zu veräußern. 1661 kam Thumsenreuth in den Besitz der Familie von Lindenfels, die das Schloss noch heute besitzt.

Am 1. Juli 1972 wurde Thumsenreuth in die Gemeinde Krummennaab eingegliedert.[1]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss Thumsenreuth hatte im dritten Viertel des 16. Jahrhunderts bereits eine ähnliche Gestalt wie heute. Dies beweist eine Miniaturansicht auf einer aus dieser Zeit stammenden Karte, die im Staatsarchiv Amberg aufbewahrt wird. Christoph Notthafft, der 1586 in den Besitz von Thumsenreuth kam, ließ das Schloss noch im selben Jahr renovieren und mit einem Erker schmücken. Dieser trägt sein Familienwappen sowie die Wappen seiner beiden Ehefrauen Dorothea von Biberern und Martha von Seckendorff. Seit 1661 befindet sich das Schloss Thumsenreuth in den Händen der Familie von Lindenfels, die es in den Jahren 1992 bis 1994 in vorbildlicher Weise restaurieren ließ. Das Schloss befindet sich heute in Privatbesitz.

Die Evangelische Pfarrkirche St. Ägidius spielte im Mittelalter eine wichtige Rolle als Mutterpfarrei des südlichen Steinwald-Vorlandes. 1431 verkaufte Wolfart Wolf von Thumsenreuth das Kirchlehen über die Kirche in Thumsenreuth an die Notthafft von Weißenstein; bis in das 19. Jahrhundert war hier das Erbbegräbnis dieser Familie. 1497 stiftete Hans IV. Notthafft eine Frühmesse in der Kirche. Sein Sohn Hans V. führte die Reformation ein und ließ 1547 den ersten evangelischen Gottesdienst in Thumsenreuth halten.

Seit 1421 gehörte Thumsenreuth zum Gemeinschaftsamt Weiden-Parkstein. Nachdem der kurpfälzische Anteil des Gemeinschaftsamtes im Dreißigjährigen Krieg an den katholischen Herzog von Pfalz-Neuburg gefallen war, wurden die unter dem Schutz des lutherischen Herzogs von Sulzbach lebenden Protestanten mit der Gegenreformation konfrontiert. Am 22. Februar 1652 wurde durch den sogenannten Kölner Vergleich ein Kompromiss zwischen Herzog Christian August von Sulzbach und dem Erbprinzen Philipp Wilhelm von Neuburg geschlossen. Es wurde das sogenannte Simultaneum eingeführt. Den Katholiken wurden die gleichen Rechte wie den Evangelischen, sowie der halbscheidliche Genuss aller Pfarr- und Kirchengüter und der Kirchen- und Schulgebäude eingeräumt. Dieser Zustand des Simultaneums bestand bis zum Anfang der 1930er Jahre. So wundert es nicht, dass gerade in dieser Zeit im südlichen Steinwaldgau viele katholische Kirchen gebaut wurden; die alten Kirchengebäude blieben in der Regel evangelisch.

Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kirche durch Veränderungen im 17. und 18. Jahrhundert. Kanzel und Altar sind Werke des Bildhauers Johann Michael Doser und entstanden in den Jahren 1718 bzw. 1725. Erwähnenswert ist auch der Grabstein der 1589 verstorbenen Martha Notthafft, geb. von Seckendorff, auf dem eine Reliefdarstellung des Schlosses Thumsenreuth zu sehen ist.

Die Katholische Kirche entstand 1935. Sie beherbergt einen der schönsten Akanthusaltäre der Oberpfalz. Der aus der profanierten Kirche St. Veit in Erbendorf stammende Altar enthält in der Mittelnische seines monstranzförmigen Aufbaues eine aus der Zeit um 1500 stammende Figur des heiligen Vitus. Diese ist von den Büsten der übrigen Vierzehn Nothelfer umgeben. Mit diesem um 1750 durch den Erbendorfer Künstler Sigmund Windisch geschaffenen und von Paul Fichtacher gefassten Meisterwerk fand die Tradition der Akanthusaltäre in der nördlichen Oberpfalz ihr krönendes Ende.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 537.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]