Thyssengas

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Thyssengas GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1921
Sitz Dortmund, Deutschland
Leitung
  • Thomas Gößmann
  • Jörg Kamphaus
Mitarbeiterzahl rund 380 (Stand 2020)
Umsatz 193 Mio. Euro (Stand 2018)
Branche Gasnetzbetreiber
Website www.thyssengas.com

Thyssengas Hauptverwaltung in Dortmund

Die Thyssengas GmbH ist ein konzernunabhängiger Fernleitungsnetzbetreiber für Erdgas mit seinem Hauptsitz in Dortmund; weitere Standorte sind: Duisburg, Elsdorf, Ochtrup, Hünxe, Elten und Recklinghausen

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Transportnetz hat eine Länge von rund 4.200 Kilometern. Dazu kommen technische Großanlagen, wie zum Beispiel die Verdichterstation in Ochtrup. Die Gasinfrastruktur reicht von der Nordseeküste bis ins Siegerland und ist an wichtige Erdgasimportpunkte angebunden. Jährlich transportiert das Unternehmen bis zu 10 Milliarden Kubikmeter Erdgas zu Verteilnetzbetreibern (VNB), Industriebetrieben und Kraftwerken von der holländischen Grenze bis zum Sauerland und von der Nordseeküste bis nach Köln/Bonn, sowie Richtung Aachen. Das Gas, das durch das Transportnetz fließt, kommt aus vier unterschiedlichen Quellen: Niederlande, Norwegen, Großbritannien und Russland. Dadurch wird eine besonders hohe Versorgungssicherheit gewährleistet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „alte“ Thyssengas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Thyssengas hat eine lange Geschichte. Das ursprüngliche Unternehmen wurde Anfang 1921 durch eine Ausgliederung der Abteilung Gas- und Wasserwerke der „August-Thyssen-Hütte, Gewerkschaft“ gegründet und betrieb die bereits 1910 gebaute erste deutsche Ferngasleitung von Duisburg-Hamborn nach Wuppertal-Barmen. Mit der Umstellung von Kokereigaserzeugung zum Import von Erdgas entwickelte es sich ab den 1960er Jahren zu einem bedeutenden integrierten Gashandels und -transportunternehmen. 1965 schließt Thyssengas als erstes deutsches Unternehmen einen Importvertrag für Erdgas mit den Niederlanden ab. Im selben Jahr wird Thyssengas eine Aktiengesellschaft. Exxon und Shell übernehmen 50 % der Anteile. Seit 1971 liefert die Thyssengas nur noch Erdgas. 10 Jahre später erwirbt die VIAG (Vereinigte Industrieunternehmen AG) die restlichen 50 %, die 1994 von den Bayernwerke AG übernommen wurden. 1997 wurde Thyssengas schrittweise und 2003 vollständig von der RWE übernommen. Im Rahmen einer Neustrukturierung des RWE-Konzerns im Jahre 2004 wurden die Geschäfte der ehemaligen Thyssengas von der RWE Energy und deren Tochtergesellschaften übernommen. Die Thyssengas bleibt zunächst als nicht operative Eigentumsgesellschaft für wesentliche Gasinfrastrukturen erhalten.[1]

Neugründung und Verkäufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thyssengas-Verwaltungsgebäude am Dortmunder U

Im Zuge der vom Energiewirtschaftsgesetz mandatierten Entflechtung von Netzbetreibern wurde im Januar 2004 die RWE Transportnetz Gas GmbH als Betreiber des RWE Gastransportnetzes neu gegründet. Im April 2007 leitete die EU-Kommission ein Missbrauchsverfahren gegen RWE ein unter dem Verdacht, sie habe über RWE Transportnetz Gas den Zugang für Konkurrenten zum Erdgasmarkt erschwert.[2] Die EU-Kommissarin für Wettbewerb Neelie Kroes kam zu der Beurteilung, dass RWE auf den Gastransportmärkten in Nordrhein-Westfalen den Markt beherrsche. Nach Androhung eines Bußgeldes in dreistelliger Millionenhöhe bot die RWE im Mai 2008 an, sein Gas-Transportnetz in Deutschland innerhalb von zwei Jahren an einen unabhängigen Dritten zu verkaufen.[3] Nach Prüfung gab die EU-Wettbewerbsbehörde Mitte März 2009 bekannt, dass das Verfahren bei einem Verkauf des Gasübertragungsrechtes eingestellt werde. In der Folge wurde das Unternehmen 2009 in Thyssengas GmbH umbenannt. Der Verkauf der neuen Thyssengas an zwei von Macquarie verwalteteInfrastrukturfonds wurde Anfang Dezember 2010 angekündigt und im Februar 2011 abgeschlossen.2012 wird die Thyssengas aus dem RWE-Konzern herausgelöst und ist die erste konzernunabhängig agierende deutsche Gasnetzgesellschaft.

2016 wurde Thyssengas für rund 700 Mio. € weiterverkauft. Neuer Eigentümer wird ein Konsortium aus dem niederländischen Infrastruktur-Fonds DIF und dem französischen Energiekonzern EDF.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Historie - 1921 bis 2020 - Thyssengas. Abgerufen am 11. September 2020.
  2. europa.eu
  3. RWE-Chef zum Wettbewerbsverfahren. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Abgerufen am 2. Juni 2008.
  4. Konsortium kauft deutsches Gasnetz. In: Handelsblatt. Abgerufen am 15. Juni 2016.

Koordinaten: 51° 30′ 29,5″ N, 7° 26′ 29,8″ O