Tibor Weiner

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Tibor Weiner (* 29. Oktober 1906 in Budapest, Österreich-Ungarn; † 8. Juli 1965 in Budapest) war ein ungarischer Architekt und Stadtplaner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tibor Weiner studierte Architektur an der Technischen Hochschule Budapest.[1] Er setzte nach dem Abschluss das Studium am Bauhaus in Dessau 1929–30 bei Hannes Meyer fort und erhielt mit der Arbeit „Planung einer sozialistischen Stadt“ das Bauhaus-Diplom. Er heiratete in Deutschland eine Architekturstudentin. Mit Meyer und einer Gruppe Architekten übersiedelten beide im Jahr 1930 in die Sowjetunion, wo er mit Konrad Püschel (1907–1997) und Hans Schmidt die Entwicklung der Industriestadt Orsk plante. 1933 musste er die Sowjetunion verlassen, seine Frau starb dort.

Von 1934 bis 1936 war er in Schmidts Architekturbüro in Basel mit der Planung von Wohn- und Dienstleistungsgebäuden beschäftigt. 1937/38 arbeitete er bei Margarete Schütte-Lihotzky in Paris. 1939 emigrierte er nach Chile[2] und arbeitete dort als freier Architekt. 1946 bis 1948 hatte er eine Professur an der Universität Santiago de Chile und leitete dort eine Studienreform nach Bauhausgrundsätzen ein.[3]

Tibor Weiner und Erika Malecz: Parteibüro der ungarischen KP, heute Intercisa Museum, in Dunaújváros

Er kehrte nach Europa zurück und arbeitete im kommunistischen Ungarn im Bauministerium. Ab 1950 war Weiner der maßgebliche Architekt für die Wohnbauten des ungarischen Industrialisierungsprojekts in Sztálinváros (Dunaújváros) und war dort auch Kommunalpolitiker. Sztálinváros wurde als Machtdemonstration und Prestigeobjekt der kommunistischen Partei geplant. Weiners Bauplanungen, mit Fassaden des Sozialistischen Realismus, stießen sich an der Realität der kommunistischen Wirtschaft.[4][5]

Weiner war in Ungarn von 1952 bis 1957 Redakteur der Architekturzeitschrift Magyar Építőművészet (Ungarische Architektur). 1953 erhielt er den „Ybl Miklós-díj“ (Miklós Ybl Preis).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Mezei: Ungarische Architekten am Bauhaus. In: Hubertus Gaßner: Wechselwirkungen. Ungarische Avantgarde in der Weimarer Republik. Jonas-Verlag, Marburg 1986, S. 339–386, S. 345

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tibor Weiner, Kurzbiografie bei: Hubertus Gaßner: Wechselwirkungen. Ungarische Avantgarde in der Weimarer Republik. Marburg : Jonas-Verlag, S. 587
  2. Paraíso Latinoamericano. Österreicher als Architekten in Lateinamerika@1@2Vorlage:Toter Link/www.azw.at (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., bei Architekturzentrum Wien, März 2006
  3. Tibor Weiner. Escuela de Arquitectura, Universidad de Chile, bei radical-pedagogies
  4. Duygu Özkan: Dunaújváros: Eine Retortenstadt für Stalin entsteht, in: Die Presse, 5. März 2013
  5. Franciska Zólyom: Stadt ohne Zentrum, in: Tímea Kovács (Hrsg.): Halb-Vergangenheit: städtische Räume und urbane Lebenswelten vor und nach 1989. Berlin : Lukas-Verl. 2010