Tichys Einblick

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Tichys Einblick
Tichyseinblick.jpg
Beschreibung Internetzeitung, Zeitschrift
Sprache Deutsch
Verlag Tichys Einblick GmbH (Deutschland)
Hauptsitz Frankfurt am Main
Erstausgabe 2014
Gründer Roland Tichy
Weblink www.tichyseinblick.de

Tichys Einblick ist eine Online-Zeitung und ein Monatsmagazin des deutschen Journalisten und Publizisten Roland Tichy. Dieser steuert auch die namensgebende Kolumne bei.[1][2][3][4]

Das Medium bezeichnet sich selbst als „liberal-konservatives Meinungsmagazin“. Es versammelt in verschiedenen Formaten regelmäßige Beiträge von Kolumnisten sowie unregelmäßige Kommentare von einer Reihe von Autoren und Gastautoren zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Geschehen. Die Beiträge reichen im politischen Spektrum von Wirtschaftsliberalismus, Nationalkonservatismus bis hin zum Rechtspopulismus.[5]

Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tichys Einblick versteht sich als Plattform für Autoren des liberalen und konservativen Spektrums.[6] Es beschreibt sich selbst explizit als Meinungs- und

„Monatsmagazin für die liberal-konservative Elite; eine Zielgruppe, die die Nase voll hat vom bevormundenden Mainstream-Journalismus, die selber denkt, die die Wahrheit verträgt, die mehr über Hintergründe und Zusammen­hänge erfahren möchte. Die die Dinge anschaut, wie sie sind und nicht so, wie man sie sich wünscht.“[7]

Tichy selbst erlebt sein Medium als „Stimme der Nachdenklichen und Aktiven“.[8] Cora Stephan, selbst Gastautorin bei Tichys Einblick, lobte in der Neuen Zürcher Zeitung die Online-Zeitung zusammen mit der Achse des Guten, auf der sie als regelmäßige Autorin in Erscheinung tritt,[9] als Plattform für „Intellektuelle“, die sich heute „woanders als in den hergebrachten Medien“ äußern würden, weil der Diskurs in Deutschland „unliebsame Meinungen“ ausschließe und Kritiker vorschnell in „die rechte Ecke“ stelle.[10]

Daniel Bax bezeichnet Tichys Einblick als „von der Tendenz her eher rechtspopulistisch und nationalkonservativ“ und rechnet das Medium zum Vorfeld der Alternative für Deutschland (AfD).[11] Die AfD will nach Meinung von Tichy die „ererbte und erarbeitete Kultur“ der Bundesrepublik schützen und ihren „hoch entwickelten Lebensstil bewahren.“[12]

Das Medienmagazin Meedia schrieb: „Kritiker sehen den Einblick eher am Rande zum Rechtspopulismus,“[3] andererseits warnte Franz Sommerfeld im selben Medium auch vor dieser simplen Zuschreibung als einem „flotten Etikett“.[13] Michalis Pantelouris attestierte auf der Medienplattform Übermedien, dass Tichys Einblick in seiner „Selbstwahrnehmung [nachdenklich konservativ sei, jedoch] nicht in der Lage [wäre], Argumente zu hören, sondern […] in blanker, beleidigter Feindseligkeit jeden anders Argumentierenden zum Idioten stempele. Das [sei] auch ein Zeichen, dass die ‚Aktiven und Nachdenklichen‘ die Aufkündigung der Regeln des friedlichen Zusammenlebens, die sie anderen vorwerfen, selbst betreiben.“[8]

Tim Wolff notierte in einer Blattkritik, dass „liberal“ auf Tichys Einblick vor allem wirtschaftsliberal bedeute. Ansonsten würden Kopp-Verlag, Die-Welt-Onlineforen und besorgtbürgerliche Facebook-Gruppen „das Gleiche weniger verschwiemelt und amüsanter liefern“.[14]

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bemerkte der Journalist Thiemo Heeg, dass man sich auf Tichys Einblick insbesondere extrem kontroversen Themen widme.[15] Der Journalist Johannes Boie bezeichnete Tichys Einblick in der Süddeutschen Zeitung als „die konservative Alternative“ und bescheinigte dem Magazin, eine Marktlücke zu besetzen, die im Wesentlichen der Meinung folge, „nicht Teile der Gesellschaft rücken nach rechts, sondern Politik und Medien rücken ständig nach links“. Es bestehe „zu fünf Prozent aus Pegida, aus ein wenig Verständnis für die AfD, gemischt mit unendlicher Enttäuschung über die CDU und Angela Merkel, vor allem aber aus journalistischem Ehrgeiz und Mut“.[16] Der Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt merkte zum Anspruch von Tichys Einblick als „liberal-konservative Meinungsseite“ an, dass „bei einigen seiner Autoren […] manchmal nicht klar [sei], ob es liberale Konservative, konservative Liberale sind oder nichts von beidem“.[17]

Der britische Guardian bemerkte im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Start von Breitbart News Network im deutschsprachigen Raum, der Markt für rechtsgerichtete Medien sei dort bereits durch Junge Freiheit, Compact, Politically Incorrect und Tichys Einblick besetzt.[18] Der Journalist Cordt Schnibben nannte die Online-Zeitung in einem Spiegel-Leitartikel in einer Reihe mit „Salonhetzern“ von „Pegida und der AfD über die CSU“ bis zur „‚FAZ‘, der ‚Welt‘ und ‚Cicero‘“. Schnibben sah Tichys Einblick dabei als „nationalkonservativen Blog“.[8][19][20][21]

Inhalte und Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Publikation gliedert sich in sechs journalistische Ressorts: „Kolumnen“, „Gastbeitrag“, „Daili|Ess|Sentials“, „Meinungen“, „Feuilleton“ und „Wirtschaft“.

Zu den Autoren zählen unter anderem Rafael Seligmann,[22] Hugo Müller-Vogg, Matthias Matussek, Wolfgang Herles, Bettina Röhl, Fritz Goergen, Peter Heller, Alexander Wendt, Christian Rieck, Frank Schäffler, Alexander Wallasch und Bernd Zeller.[23] Redaktionsleiter ist sein Internet-Kolumnist Stephan Paetow, früher Vize-Chefredakteur beim Focus.[2]

Reichweite, Ausgaben und Auflage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tichys Einblick zählt laut eigenen Angaben über 7,5 Millionen Klicks von rund 650.000 verschiedenen Nutzern pro Monat auf der eigenen Website.[24] Im Vergleich mit anderen Online-Ausgaben deutscher Zeitungen befand sich Tichys Einblick im August 2016 damit auf Platz 423.[25]

Seit 10. Oktober 2016 erscheint, nach Tichys Angaben auf Wunsch einiger Leser,[2] monatlich ein Heft mit rund 100 Seiten, das eine Auswahl der Online-Artikel neu abdruckt. Insgesamt sollen rund ein Fünftel auch im Printformat erscheinen. Tichys Konterfei ist im Titelkopf zu sehen. Das Heft startete mit einer Auflage von 70.000 Exemplaren und ist im Abonnement und im Einzelverkauf erhältlich.[3] Die verkaufte Auflage des Magazins beträgt aktuell (IV. Quartal 2018) laut IVW 15.979 Stück.[26] Es erscheint im Finanzen Verlag, der unter anderem auch die Zeitschriften Euro und Börse Online verlegt.[4][23]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem im Januar 2017 der Gastautor Jürgen Fritz in einem Beitrag der Online-Ausgabe „grün-linke Gutmenschen“ als „geistig psychisch krank“ bezeichnet hatte, gab es gegen diese Pathologisierung des politischen Gegners im erheblichen Umfang Proteste. Roland Tichy entschuldigte sich für die Formulierung und trat unter dem Eindruck von Ankündigungen in den sozialen Netzwerken, XING-Mitgliedschaften zu kündigen, von seiner Funktion als Herausgeber des Nachrichtenteils der Job-Plattform zurück.[27]

Im Juli 2018 verbreitete Tomas Spahn im Tichys Einblick die Falschmeldung, der Generalbundesanwalt ermittele gegen deutsche Seenothelfer-Organisationen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung.[28]

Im August 2018 schlussfolgerte Alexander Wallasch in einem Beitrag unter Berufung auf angebliche Informationen des UNHCR und der IOM, dass nach der erzwungenen Einstellung der Seenotrettung durch private Hilfsorganisationen im Mittelmeer die Zahl der ertrunkenen Flüchtlinge zurückgegangen sei: „Es geht um Schuld. Um einen ungeheuren Vorwurf, der sich jetzt leider bewahrheiten könnte: Weniger NGO-Tätigkeiten, weniger Tote auf dem Mittelmeer.“ Tatsächlich meldete der UNHCR, dass Zahl der Toten im Mittelmeer bis Juli die Marke von 1500 überschritten habe. Das Medienmagazin Meedia warf Tichys Einblick daher vor, „mit einer abstrusen Zahl über ertrunkene Flüchtlinge Stimmung [zu machen]“.[29]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Impressum – Tichys Einblick. Abgerufen am 20. September 2016.
  2. a b c „Konservativer Fanartikel“: Roland Tichy startet Monatsmagazin zum Meinungsportal. Abgerufen am 20. September 2016.
  3. a b c Roland Tichy plant Print-Ausgabe zu seinem Online-Magazin „Tichys Einblick“. In: Meedia. 8. September 2016, abgerufen am 20. September 2016.
  4. a b Online-Portal „Tichys Einblick“ bekommt einen Print-Ableger. In: turi2. Abgerufen am 20. September 2016.
  5. Detlef Esslinger: Um keinen Preis auf einer Bühne mit Tichy stehen. In: sueddeutsche.de
  6. Tichys Einblick. In: Tichys Einblick. Abgerufen am 20. September 2016.
  7. Tichys Einblick. In: www.finanzenverlag.de. Abgerufen am 20. September 2016.
  8. a b c Sperrfeuer aus dem Schützengraben der Nachdenklichkeit. In: Übermedien. 4. Februar 2016, abgerufen am 20. September 2016.
  9. Profil und Beitragsliste von Cora Stephan bei der Achse des Guten.
  10. Cora Stephan: Denkverbote statt Debatte: Haben die Deutschen das Streiten verlernt? In: Neue Zürcher Zeitung. (nzz.ch [abgerufen am 20. September 2016]).
  11. Daniel Bax: Die Volksverführer. Warum Rechtspopulisten so erfolgreich sind. Frankfurt 2018, ISBN 978-3-86489-178-6 (E-Book ohne Seitenzahl).
  12. Roland Tichy Warum AfD und Grüne wachsen. In: Tichys Einblick, Ausgabe 10/2018, S. 14
  13. Franz Sommerfeld: Debatte um Tichys Einblick: das flott-riskante Spiel mit dem Etikett des Rechtspopulismus. In: meedia.de. 20. Juli 2018, abgerufen am 6. April 2019.
  14. Blattkritik: Tim Wolff, Chefredakteur „Titanic“, über „Tichys Einblick“. In: turi2. 1. November 2015 (turi2.de [abgerufen am 6. Oktober 2016]).
  15. Thiemo Heeg: TV-Kritik: Hart aber fair: Lokführer, Erpresser, Geiselgangster. In: FAZ. 14. Oktober 2014 (faz.net [abgerufen am 6. Oktober 2016]).
  16. Johannes Boie: Roland Tichy: „Tichys Einblick“ – die konservative Alternative. In: sueddeutsche.de. (sueddeutsche.de [abgerufen am 10. Oktober 2016]).
  17. FDP-Parteitag: Liberalismus gewinnt wieder an Bedeutung. In: Welt Online. Abgerufen am 1. Oktober 2016.
  18. Jon Henley, Philip Oltermann: German firms including BMW pull advertising from Breitbart. In: The Guardian. 8. Dezember 2016 (englisch, theguardian.com [abgerufen am 5. Januar 2017]).
  19. Seriöses, witzig ernsthaft und ernsthaft witzig – Tichys Einblick – Welt am Sonntag Nr. 2. 10. Januar 2016, abgerufen am 20. September 2016.
  20. Georg Altrogge: Herzlich willkommen, AfD: der seltsame Rechtsruck beim Spiegel. In: Meedia. 21. März 2016, abgerufen am 20. September 2016.
  21. Das Attentat. In: Der Spiegel. Nr. 2, 2016 (online).
  22. Cornelius Janzen: Tichys Welt – Xing-News-Herausgeber gibt nach Shitstorm Posten auf, 3sat-Kulturzeit vom 9. Januar 2017
  23. a b Bülend Ürük; Ab Montag am Kiosk: „Tichys Einblick“ startet mit vierstelliger Zahl von Abonnenten. kressnews, 9. Oktober 2016
  24. Tichys Einblick. In: businessAD. Abgerufen am 22. Dezember 2018.
  25. Digital Facts im Mai: Nachrichtensites und Wetter-Portale gewinnen wieder Nutzer. Abgerufen am 20. September 2016.
  26. ivw.eu
  27. Im Auge des Sturms. FAZ.net, 9. Januar 2017
  28. Stefan Niggemeier: Tichys Einblick“ erfindet Ermittlungen gegen Seenotretter. übermedien, 19. Juli 2018
  29. Stefan Winterbauer: Die Fakten und die Toten: Wie Tichys Einblick mit einer abstrusen Zahl über ertrunkene Flüchtlinge Stimmung macht. Meedia, 9. August 2018