Tides

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Film
OriginaltitelTides
Produktionsland Deutschland, Schweiz
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2021
Länge 104 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie Tim Fehlbaum
Drehbuch Tim Fehlbaum,
Mariko Minoguchi
Produktion Philipp Trauer,
Ruth Waldburger,
Thomas Wöbke
Musik Lorenz Dangel
Kamera Markus Förderer
Schnitt Andreas Menn
Besetzung

Tides ist ein Science-Fiction-Thriller von Tim Fehlbaum, der am 26. August 2021 in die deutschen Kinos kam. Der Film spielt in der Zukunft, in der eine Katastrophe globalen Ausmaßes fast die gesamte Menschheit ausgelöscht hat. Die Astronautin Blake, gespielt von der französischen Schauspielerin Nora Arnezeder, wird von der Weltraumkolonie Kepler auf die Erde zurückgeschickt, um dort die aktuellen Lebensbedingungen zu erkunden.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte des 21. Jahrhunderts hat eine globale Katastrophe die Menschheit fast vollständig vernichtet. Eine kleine Gruppe von Astronauten wurde von der Weltraumkolonie Kepler auf die Erde entsandt. Ihre Landekapsel stürzt jedoch ab, und alle Crewmitglieder außer Astronautin Blake und ihr Kollege Tucker kommen ums Leben. Die Aufgabe der Mission ist es, herauszufinden, ob Menschen sich auf der Erde wieder reproduzieren können, eine Fähigkeit, die ihrer Spezies abhanden kam. Während sie am Strand tote Tiere untersucht, wird Tucker von einer Gruppe der in diesem Ödland überlebenden Bevölkerung verschleppt, und bei ihrer Rückkehr sieht Blake, wie man auch die Landekapsel wegschafft. Kurz darauf wird auch sie niedergeschlagen und erwacht in einer ihrer Siedlungen.

Die Henderson-Area befindet sich an der Atlantikküste zwischen Mittel- und Nordamerika

Seit Blake denken kann, wurde sie nach der Leitlinie „For the many“ ausgebildet, dem Überleben der Menschheit zu dienen. Ihr Vater hatte ihr von der Erde erzählt, und dass man dort in der Henderson-Area am Atlantik an der Küste zwischen Mittel- und Nordamerika ein Gebiet entdeckt hat, wo die Natur nicht völlig von den Menschen zerstört wurde und sich zu erholen beginnt. Ihr Vater war Teil der ersten Ulysses-Delegation, und Blake hat die Hoffnung nie aufgegeben, ihn nach seiner Reise zur Erde irgendwann wiederzusehen, auch wenn man irgendwann den Kontakt zu dieser Mission verloren hat.

Nachdem die Siedlung, in der Blake in einem Loch gefangen gehalten wird, überfallen wurde, beginnen die Eltern nach ihren Kindern zu suchen. Blake beschließt, der Mutter von Maila, die ihre Tochter vermisst, bei der Suche zu helfen, und schmuggelt sich an Bord eines Gefangenenschiffes. Nach dem Selektieren im Fort dieser weiterentwickelt scheinenden Menschen wird Blake von Paling zu Gibson gebracht, dem Leiter der Anlage.

Dieser begrüßt sie freundlich, erklärt ihr, man habe schon lange auf ihre Ankunft gewartet, und er weiß auch von der Weltraumkolonie Kepler. Gibson diente im Rahmen der Ulysses-Mission ihrem Vater und kennt Blake als dessen Tochter Louise bereits als sie noch ein Kind war. Die „Muds“, wie sie die Überlebenden auf der Erde nannten, hätten kurz nachdem sie noch einen Bericht an Kepler senden konnten alles zerstört und ihnen damit jede Möglichkeit genommen, wieder mit der Weltraumkolonie in Kontakt zu treten. Ihr Vater sei bei dem Angriff ums Leben gekommen und er führe seitdem dessen Projekt fort, ein Schiff zu bauen. Blake bekommt eine Kabine zugeteilt und bemerkt schnell, dass auf der Erde Außergewöhnliches mit ihrem Körper geschieht. Ihre Blutung setzt ein.

Gibson stellt sie einer Klasse mit Kindern vor, die die Frau von Kepler mit einem einstudierten Lied begrüßen. Blake erzählt ihnen von der Weltraumkolonie und entdeckt auch Maila unter den Schülerinnen. Seinen Adoptivsohn unterrichtet Gibson hingegen nur privat. Der Junge berichtet Blake von einem Mann namens Christopher Columbus, der ihm von Bäumen erzählte. Da sie in der Beschreibung die Wortwahl ihres Vaters wiedererkennt, wird ihr klar, dass sich dieser irgendwo in der Anlage befinden muss. Damit konfrontiert gesteht Gibson, er habe ihren Vater weggesperrt, weil er sich in eine Frau der Muds verliebte und so die Mission gefährdete. Blake wird zu ihrem Vater gebracht, und sie schließen sich in die Arme. Er erklärt ihr, warum er die Mission bewusst aufhalten wollte, und Blake sieht sich und alles, woran sie immer glaubte, verraten.

Auch Gibson hat sie angelogen. Er will den Planeten repopulieren, jedoch nicht mit den Überlebenden von der Erde, die er als nicht so hoch entwickelt/zivilisiert wie die Menschen von Kepler erachtet. Auch über die Identität seines Adoptivsohnes hat er nicht die ganze Wahrheit erzählt. Er ist eigentlich ihr Bruder und damit auch ein Kepler. Erst tötet Blake den zudringlichen Paling, der sie zu vergewaltigen versucht, dann setzt sie einen Sicherheitsmann außer Gefecht und lässt die gefangenen Muds frei. Als Gibson mithilfe der Kapsel, die Blake und ihre Leute zur Erde brachte, ein Signal an Kepler senden will, tötet sie auch ihn.

Blake, ihr Vater und ihr Bruder fahren auf einem Boot zusammen mit den anderen Entkommenen zurück zur Siedlung, wo sie freudig empfangen werden.[2][3]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmstab und Förderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie führte der Schweizer Tim Fehlbaum, der gemeinsam mit Mariko Minoguchi auch das Drehbuch schrieb.[4] Es handelt sich um den zweiten Film, in dem sich Fehlbaum mit der Endzeitthematik beschäftigt. Sein Langfilmdebüt, das Endzeitdrama Hell, kam im September 2011 in den deutschen Kinos. Die Musik steuerte wie bei Hell Lorenz Dangel bei.

Die Produktion wurde vom FilmFernsehFonds Bayern mit 900.000 Euro gefördert, weitere 70.000 Euro wurden für die Projektentwicklung gewährt. Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein förderte die Produktion mit 300.000 Euro, die Filmförderungsanstalt mit 500.000 und das Medienboard Berlin-Brandenburg mit 450.000 Euro. Von Schweizer Seite erhielt die Produktion eine Förderung von Film und Medienkunst Region Basel für die Drehbuch- und Stoffentwicklung in Höhe von 30.000 Schweizer Franken, von der Zürcher Filmstiftung eine Produktionsförderung Kino in Höhe von 400.000 Schweizer Franken und vom Bundesamt für Kultur in ähnlicher Höhe.

Besetzung und Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darsteller Synchronsprecher Rolle
Nora Arnezeder Sofie Gross Blake
Cloé Albertine Heinrich Cloé Albertine Heinrich Blake (jung)
Sebastian Roché Matthias Klie Blakes Vater
Iain Glen Martin Umbach Gibson
Kotti Yun Kotti Yun Munay
Sarah-Sofie Boussnina Katharina Schwarzmaier Narvik
Eden Goug Franz Hagn Neil
Joel Basman Joel Basman Paling
Sope Dirisu Sebastian Griegel Tucker

Die französische Schauspielerin Nora Arnezeder ist in der Hauptrolle der Astronautin Blake zu sehen. Bella Bading spielt die kleine Maila, Sarah-Sofie Boussnina ihre Mutter Narvik. Sebastian Roché spielt Blakes Vater, Iain Glen spielt Gibson, der von ihm das Kommando übernommen hat, und Joel Basman dessen rechte Hand Paling. Sope Dirisu ist in der Rolle von Blakes Kollege Tucker zu sehen.

Die deutsche Synchronisation entstand nach der Dialogregie von Felix Auer im Auftrag der Wavefront Studios GmbH, München.[5]

Dreharbeiten und Szenenbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nora Arnezeder spielt in der Hauptrolle die Astronautin Blake

Die Dreharbeiten fanden im Herbst 2018 in den Messehallen in Basel in der Schweiz[6], im Tagebau Welzow in der Lausitz und der Oberpfalz, in München und im Studio Babelsberg und an der Nordsee statt[7], so im Hamburger Watt, vor der Insel Neuwerk. Dort entstanden die Aufnahmen der Landschaftstotalen, während etwas komplexere Sachen, zum Beispiel Actionszenen, in einem Studio gedreht wurden, das das Wattenmeer simulierte.[8] Der Arbeitstitel lautete Haven – Above Sky.[4] Als Kameramann fungierte Markus Förderer. Das Szenenbild stammt von Julian R. Wagner.

Marketing und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2021 stellte Constantin den ersten Trailer vor.[9] Erste Vorstellungen des Films erfolgten Anfang März 2021 beim European Film Market im Vorfeld der Internationalen Filmfestspiele Berlin.[10] Die Premiere mit Publikumsbeteiligung erfolgte am 7. Juli 2021 beim Filmfest München.[11] Ab Anfang Juli 2021 wurde der Film auch beim Neuchâtel International Fantastic Film Festival gezeigt.[12][13] Ein Kinostart in Deutschland erfolgte am 26. August 2021.[14] Am darauffolgenden Tag kam er unter dem Titel The Colony in die US-Kinos.[15] Am 28. August 2021 kam er in die Schweizer Kinos.[16]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedreht wurde unter anderem im Hamburger Watt, so vor der Insel Neuwerk

Michael Meyns schreibt in seiner Funktion als Filmkorrespondent der Gilde deutscher Filmkunsttheater, zwar könne sich Tides in stilistischer und atmosphärischer Hinsicht mit internationaler Konkurrenz messen, es sei jedoch bedauerlich, wie wenig durchdacht die Welt wirke, von der in Tim Fehlbaums Film erzählt wird. So frage man sich, was für eine Katastrophe das gewesen sein soll, die offenbar kaum einen Stein auf dem anderen gelassen hat. Auch hätte man gerne eine Erklärung für das seltsame Sprachgemisch, das offenbar in kaum 60 Jahren Englisch als Lingua Franca verdrängt hat. Vieles bleibe im Ansatz stecken, und ökologische Themen spielten zwar eine Rolle, aber nicht wirklich. Dennoch rage der Film visuell deutlich über den Standard des deutschen Kinos hinaus, mit den Sets, die von Kameramann Markus Förderer in stimmungsvolle Bilder eingefangen wurden.[17]

Marcus Stiglegger von epd Film schreibt, in einer sorgsamen Mischung aus Originalschauplätzen, Bauten und Computergrafiken gelinge Förderer in diesem eindrucksvollen Projekt eine ebenso gigantische wie triste Bildwelt, die den Vergleich mit Hollywoodproduktionen nicht scheuen müsse, und erkennt Verweise auf große Vorbilder wie Waterworld und Mad Max 2. Die monumentalen Bilder von einer überfluteten Welt wirkten wie eine unangenehm zeitgemäße Metapher für unsere Gegenwart, so Stiglegger. Allerdings baue die Inszenierung nur im ersten Drittel auf jenen rätselhaften, sehr physischen Inszenierungsstil, der dem Film eine eigenständige Qualität verleiht.[18]

Alexandra Seitz bemerkt hierzu in ihrer Kritik in der Berliner Zeitung, ein Film, in dem ein globales Desaster eine Rolle spielt, sei immer auch ein Film, der die Menschheit auf den Prüfstand stellt und somit ein Katastrophenfilm mit zivilisationskritischer Agenda. Die Fragen, die in einem solchen Kontext zwangsläufig aufgeworfen würden, lauten: „Wie gehen die Einzelnen respektive wie geht das Kollektiv mit der Misere um? Wie wirkt sich die desolate Situation auf die conditio humana, auf das Zusammenleben der Menschen aus? Wie steht es um die Überlebenschancen?“ Wie der Vorgänger Hell sei auch Tides dem Genre der dystopischen Science-Fiction zuzuschlagen. In ersterem Film war es eine zusammengewürfelte Gruppe Überlebender auf der Suche nach Wasser auf einer überhitzenden Erde, deren Rest Menschlichkeit beinharten Bewährungsproben unterworfen wurde, in Tides seien es Rückkehrer aus dem Weltraum-Exil, die die Wieder-Bewohnbarkeit der vormaligen Heimat prüfen sollen, womit sich der Blick des vom Aussterben bedrohten Homo sapiens wieder zurück in Richtung Herkunftsort richte. Es gebe eben keinen Planeten B.[19]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2021 wurde Tides in die Vorauswahl für den Deutschen Filmpreis aufgenommen.[20] Im Folgenden eine Auswahl von Nominierungen und Auszeichnungen.

Bayerischer Filmpreis 2021

Deutscher Filmpreis 2021

  • Auszeichnung für die Beste Filmmusik (Lorenz Dangel)
  • Auszeichnung für das Beste Szenenbild (Julian R. Wagner)
  • Auszeichnung für das Beste Maskenbild (Sabine Schumann)
  • Auszeichnung für die Besten visuellen Effekte (Denis Behnke)
  • Nominierung für die Beste Tongestaltung (Lars Ginzel, Frank Kruse und Markus Stemler)
  • Nominierung für das Beste Kostümbild (Leonie Zykan)

Neuchâtel International Fantastic Film Festival 2021

  • Nominierung im Internationalen Wettbewerb
  • Auszeichnung für das Beste Produktionsdesign (Julian R. Wagner)
  • Auszeichnung mit dem Publikumspreis[22][23]

Sitges Film Festival 2021

  • Nominierung als Bester Film im Official Fantàstic Competition[24]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Tides. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 202696/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Jochen Müller: "Haven - Above Sky" im Dreh. In: Blickpunkt:Film, 17. Oktober 2018.
  3. Tides. In: berlinale.de. Abgerufen am 19. Februar 2021.
  4. a b Haven – Above Sky: Drehstart für Sci-Fi-Epos von Tim Fehlbaum. In: presseportal.ch, 17. Oktober 2018.
  5. https://www.synchronkartei.de/film/50273
  6. Marc Krebs: Basler Regisseur dreht in der Messe einen Science-Fiction-Film. In: bzbasel.ch, 22. November 2018.
  7. SciFi-Spektakel "Haven" mit Game-of-Thrones-Star in Babelsberg. In: medienboard.de, 19. Oktober 2018.
  8. Berlinale-Film „Tides“: Fehlbaum über magischen Dreh im Watt. In: ndr.de, 3. März 2021.
  9. Tides – Weltpremiere auf der 71. Berlinale. In: presseportal.de, 12. Februar 2021.
  10. Tom Grater: Berlinale Unveils Competition Line-Up: New Pics From Daniel Bruhl, Celine Sciamma, Radu Jude, Xavier Beauvois & Hong Sang-soo. In: deadline.com, 11. Februar 2021.
  11. Tides. In: filmfest-muenchen.de. Abgerufen am 7. Juli 2021.
  12. https://cineuropa.org/en/newsdetail/406188
  13. Programm Neuchâtel International Fantastic Film Festival 2021. In: nifff.ch. Abgerufen am 22. Juni 2021. (PDF; 5,2 MB)
  14. Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 26. August 2021.
  15. The Colony. In: boxofficemojo.com. Abgerufen am 11. August 2021.
  16. Tides. In: film-demnaechst.ch. Abgerufen am 7. Oktober 2021.
  17. Michael Meyns: Tides. In: programmkino.de. Abgerufen am 19. August 2021.
  18. Marcus Stiglegger: Kritik zu Tides. In: epd Film, 24. August 2021.
  19. Alexandra Seitz: „Tides“ von Tim Fehlbaum: Hat die Menschheit das Überleben verdient? In: Berliner Zeitung, 26. August 2021
  20. Vorauswahl 2021. In: deutscher-filmpreis.de. Abgerufen am 30. Mai 2021. (PDF)
  21. Anders als sonst: Bayerische Filmpreise online vergeben. In: br.de, 28. April 2021.
  22. Tides. In: nifff.ch. Abgerufen am 22. Juni 2021.
  23. Vincent Adatte: NIFFF: Le narcisse d’or récompense «Lapsis», un film américain. In: arcinfo.ch, 10. Juli 2021. (Französisch)
  24. https://sitgesfilmfestival.com/cas/film?id=10006890