Tiertransporter (Schiffstyp)

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Der Tiertransporter Al-Kuwait

Tiertransporter (auch Viehtransporter oder Tiertransportschiff[1] genannt) sind Frachtschiffe, die überwiegend zum Transport von lebenden Schlachttieren verwendet werden, beispielsweise Rindern, Schafen; seltener Pferde oder Kamele. Auch Nutz- oder Zuchttiere werden in geringem Umfang mit Schiffen befördert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlachtviehtransport zwischen chilenischen Häfen an Deck eines Frachtschiffs, 1963
Pferde in Boxen an Deck eines Frachtschiffs, 1959

Mit dem Bericht über die Arche Noah findet sich die älteste Aufzeichnung über den Tiertransport in der Bibel. Weitere Berichte über den Transport von Pferden berittener Krieger stammen aus dem Altertum und dem Mittelalter. Bekannt ist auch, das spanische Eroberer Pferde auf ihren Schiffen nach Süd- und Mittelamerika mitnahmen.

Die ersten Tiertransporter im heutigen Sinn waren jedoch Segelschiffe, welche zum Schlachtviehtransport über kürzere Entfernungen eingesetzt wurden. Mit dem Siegeszug der Dampfschiffe wurden auch diese auf solchen Routen eingesetzt. Durch das starke Wachstum der Viehwirtschaft in Südamerika und Australien wurden zunächst auch größere Mengen an Schlachtvieh über weite Strecken verschifft. Dazu wurden aber stets normale Stückgutschiffe genutzt. Allerdings erfand Carl von Linde um 1870 die moderne Kältemaschine, was schnell dazu führte, dass Tiere im großen Maßstab in ihren Herkunftsländern geschlachtet, verarbeitet und auf Kühlschiffen transportiert wurden. Der Transport von Schlachtvieh über kürzere Strecken fand weiterhin auf normalen Schiffen statt.[2] Schließlich ist der Transport lebender Tiere billiger als der von gekühltem Fleisch.[3]

Schon in den 1930er Jahren wurden als solches konstruierte Tiertransporter neu gebaut,[4] aber erst ab den 1960er Jahren wuchs der Transport von lebenden Schlachttieren so stark, dass man sich verstärkt mit dem Bau von reinen Tiertransportern zu beschäftigen begann, wobei zunächst bestehende Schiffe für den Tiertransport umgerüstet wurden. Es werden jedoch auch Neubauten von Tiertransportern gebaut. Diese stellen jedoch eine Minderheit dar.[3]

Aus der Europäische Union werden pro Jahr rund eine Million lebende Kälber auf Tiertransportern exportiert, vor allem nach Nordafrika, in den Nahen Osten und in die Türkei.[3]

Die Meyer Werft ist eine der wenigen deutschen Werften, die sich mehrfach mit dem Umbau von Schiffen zu Viehtransportern (Livestock Carriers) beschäftigt hat. Die Schiffbauingenieure der Werft und der Zulieferindustrie entwickelten dazu automatische Fütterungs- und Entmistungsanlagen.

Beispielschiffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zum Tiertransporter umgebaute Zaher II auf dem Bosporus

Die abgebildete Zaher II wurde 1961 als Küstenmotorschiff Nashira auf der niederländischen Boele's Scheepswerven in Bolnes gebaut und später zum Tiertransporter umgebaut. Nach einer erstaunlich langen Dienstzeit von über 50 Jahren wurde das Fahrzeug im Sommer 2015 in Aliağa verschrottet.[5] Als ein weiteres Beispiel mag die Linda Clausen genommen werden. 1972 als Passagierschiff Cunard Ambassador gebaut, wurde sie 1974 infolge eines Maschinenraumbrandes zum Totalverlust erklärt und an die Firma C. Clausen D/S A/S in Kopenhagen verkauft und zum Tiertransporter umgebaut. Nach einem erneuten Maschinenraumbrand im Jahre 1984 wurde sie endgültig verschrottet.[6] Ein besonders großer Tiertransporter war die Al Shuwaikh. Sie wurde 1966 in Japan als Tanker Erviken für eine norwegische Reederei gebaut, und 1981 bei der Meyer Werft um knapp 50 Meter verkürzt und zum Tiertransporter umgebaut. Sie fuhr bis zu ihrer Verschrottung im Herbst 2012 unter dem Namen Al Kuwait und konnte etwa 125.000 Schafe befördern.[7]

Tierschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz umfangreicher Vorschriften[8] kommt es auf diesen Schiffen immer wieder zu Verletzungen und zum Tod von beförderten Tieren. Auf Schiffen gibt es keine Begrenzung der Transportzeit und oft leiden die Tiere unter der Hitze.[3] Nach dem im Jahr 2020 die Gulf Livestock 1 mit rund 5800 Rindern an Bord sank, hat die neuseeländische Regierung Lebendexporte per Tiertransporter vorübergehend untersagt und im April 2021 das Verbot definitiv ausgesprochen.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Schönknecht, Uwe Laue: Hochseefrachter der Weltschiffahrt Band 1, transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1987, ISBN 3-344-00182-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tiertransporter (Schiffstyp) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. VO (EG) Nr. 1/2005, Artikel 2l
  2. Maritimes Lexikon (englisch) (Memento vom 8. November 2007 im Internet Archive)
  3. a b c d Mareike Rehberg: Nutztier-Exporte auf Frachtern – Suezkanal-Blockade lenkt Blick auf umstrittene Tiertransporte. Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), 30. März 2021, abgerufen am 31. März 2021.
  4. „Allier“ und „Ardèche“, Frachtdampfer zur beförderung von Schafen. In: Schiffbau – Schiffahrt und Hafenbau. Vol. 33, Nr. 17. Deutsche Verlagswerke Strauß, Vetter & Co., Berlin 1. September 1932, S. 263.
  5. Equasis, eingesehen 14. Mai 2016.
  6. http://www.miramarshipindex.org.nz/ship/show/75531@1@2Vorlage:Toter Link/www.miramarshipindex.org.nz (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Miramar (englisch) eingesehen 2. Mai 2009.
  7. http://www.miramarshipindex.org.nz/ship/show/86027@1@2Vorlage:Toter Link/www.miramarshipindex.org.nz (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Miramar (englisch) eingesehen 2. Mai 2009.
  8. Anforderungen der Seeberufsgenossenschaft zum Bau von Tiertransportern (Memento vom 15. Oktober 2004 im Internet Archive) (PDF)
  9. Lebendexporte – Neuseeland verbietet Tiertransporte per Schiff. Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), 15. April 2021, abgerufen am 16. April 2021.