Tigerauge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Tigerauge, Rohstein aus Südafrika
Geschliffene Tigeraugen in Form von Trommelsteinen

Tigerauge ist eine mikrokristalline, goldbraun bis goldgelb gestreifte Varietät des Minerals Quarz. Die durchscheinenden bis undurchsichtigen Aggregate haben meist eine deutlich sichtbare faserige Struktur und zeigen auf den Oberflächen einen fett- bis seidenähnlichen Glanz.

Tigerauge wird ausschließlich als Schmuckstein verwendet, der im Glattschliff verarbeitet einen wogenden Schimmer, Chatoyance oder „Katzenaugeneffekt“ genannt, zeigt.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tigerauge geht aus Falkenauge hervor, einer durch Einlagerung von parallelfaserigem Krokydolith- oder ähnlich ausgebildeten Hornblenden bläulichen Quarzvarietät. Durch Pseudomorphose von Quarz nach Krokydolith mit zusätzlicher Einlagerung von Eisen entsteht Tigerauge. Die parallele Ausrichtung der Kristallfasern sorgt auch für den bekannten Lichteffekt der Chatoyance. Aufgrund der besonderen Bildungsbedingungen finden sich zudem oft Falkenauge und Tigerauge nebeneinander bzw. miteinander verwachsen am selben Fundort.

Als Kluftfüllung in Quarz-Gestein, wobei die Fasern des Tigerauges senkrecht zur Kluftbegrenzung stehen, finden sich Tigeraugen vorwiegend in Südafrika und Westaustralien, daneben auch in China, Indien, Kanada, Myanmar, Namibia, Ukraine und den Vereinigten Staaten (USA).

Das größte bekannte Exemplar eines Tigerauges (150 kg schwer, 2 m lang) befindet sich seit 2008 im Besitz des Mineralogischen Museums der Universität Bonn.[1]

In Namibia und China wurde zudem ein brekzienartiges Gemenge aus Falkenauge und Tigerauge entdeckt, das unter der Handelsbezeichnung Pietersit bekannt wurde.

Verwendung als Schmuckstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tigerauge wird meist in Form von Cabochons in verschiedener Ausführung angeboten, aber auch kugelförmig für Halsketten oder frei geschnitten für kunstgewerbliche Gegenstände. Besonders hoch gewölbte Cabochons zeigen einen wandernden Lichtstreif, der als Chatoyance bezeichnet wird und an die Schlitzpupille einer Katze erinnert.

Manipulationen und Imitationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Brennen erhält Tigerauge eine kräftige kupferrote Farbe, die durch anschließendes Abschrecken in Spiritus bis ins Violette hineinspielen kann.[2] Rotes Tigerauge ist in der Natur nicht zu finden und daher immer gebrannt.

In starker Säure gekocht verliert Tigerauge seine Farbe und wird grau. In dieser Form wird er gelegentlich als Imitation von Chrysoberyll-Katzenaugen oder Katzenaugen-Quarz angeboten. Auch honigfarbene Tigeraugen dienen manchmal als Imitate des Chrysoberyll.

Aufgrund farblicher Ähnlichkeit besteht unter anderem Verwechslungsgefahr mit Tigereisen und dem so genannten „Tiger-Jaspis“.

Esoterik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Esoteriker verwenden Tigerauge als Heilstein unter anderem gegen Kopfschmerzen, Hodenerkrankungen und gegen Ischiasbeschwerden. Wissenschaftliche Belege für derartige Wirkungen liegen jedoch nicht vor. Als „Planetenstein“ ist er (nach Ahlborn 1996) dem Merkur und dem Mars zugeordnet und als „Monatsstein“ dem Monat November. Als Amulettstein soll er den Angehörigen des Tierkreises Zwilling Glück bringen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten der Welt. 1600 Einzelstücke. 13. überarbeitete und erweiterte Auflage. BLV Verlags GmbH, München u. a. 2002, ISBN 3-405-16332-3, S. 140, 276, 277 und 282.
  • Bernhard Bruder: Geschönte Steine. Neue Erde Verlag, 1998, ISBN 3-89060-025-5, S. 97.
  • Jaroslav Bauer, Vladimír Bouska: Edelsteinführer. Verlag Werner Dausien, Hanau 1993, ISBN 3-7684-2206-2, S. 126.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tigerauge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mineralogisches Museum der Uni Bonn: Wertvolles Prachtstück
  2. Edelstein-Knigge von Prof. Leopold Rössler – Tigerauge