Til Schweiger

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Til Schweiger (2009)

Tilman Valentin „Til“ Schweiger (* 19. Dezember 1963 in Freiburg im Breisgau) ist ein deutscher Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent.

Leben[Bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten]

Til Schweiger wuchs als mittlerer von drei Brüdern in Heuchelheim auf und besuchte die Herderschule Gießen, an der sein Vater Herbert Schweiger Oberschullehrer war. Seine Mutter arbeitete als Geschichtslehrerin.[1] Nach dem Abitur begann er mit der Ableistung seines Grundwehrdienstes; er war unter anderem in den Niederlanden stationiert. Nach einiger Zeit verweigerte er den Wehrdienst und wurde nach seiner Anerkennung als Zivildienstleistender in einem Krankenhaus eingesetzt. Er begann danach ein Germanistikstudium auf Lehramt, das er jedoch ebenso abbrach wie ein darauf folgendes Medizinstudium.

1986 begann Schweiger eine Schauspielausbildung an der Schule des Theaters des Kölner Theater der Keller. Nachdem er diese erfolgreich abgeschlossen hatte, wurde er 1989 am Contra-Kreis-Theater in Bonn engagiert.

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

Schweigers Karriere abseits der Bühne begann als Synchronsprecher für Pornofilme,[2] ehe er von 1990 bis 1992 die Rolle als Jo Zenker in der ARD-Fernsehserie Lindenstraße spielte. Seine erste Hauptrolle im Film spielte er 1991 als Bertie in der Ruhrpott-Komödie Manta, Manta. Ein Jahr später erhielt er für seine Darstellung eines Boxers in der Komödie Ebbies Bluff den Max-Ophüls-Preis als bester Nachwuchsdarsteller.

Einem breiten Publikum wurde Schweiger durch die Komödie Der bewegte Mann bekannt. Für diesen Film wurde er – wie bereits zuvor für die Lindenstraße und Manta, Manta – von dem Caster Horst D. Scheel besetzt. In dem Kinofilm Männerpension (1996) war Schweiger als Strafgefangener zu sehen. In dem US-amerikanischen Kriminalfilm Judas Kiss spielte er neben Alan Rickman, Emma Thompson und Greg Wise erstmals in einer internationalen Produktion mit. Von 1994 bis 1996 spielte Schweiger den Kriminalkommissar Nick Siegel an der Seite von Hannelore Elsner in Die Kommissarin (Fernsehserie), in insgesamt 26 Folgen konnte man ihn in der vom Hessischen Rundfunk produzierten und in Frankfurt spielenden Fernsehserie sehen.

Til Schweiger (1998)

1996 gründete Schweiger zusammen mit Thomas Zickler und André Hennicke die Produktionsfirma Mr. Brown Entertainment und trat mit dem Film Knockin’ on Heaven’s Door erstmals als Produzent in Erscheinung. 1998 verkörperte er in Der Eisbär einen Profi-Killer und debütierte als Regisseur. 2001 spielte Schweiger neben Neve Campbell und Nick Nolte die zweite Hauptrolle in Investigating Sex als Monty. 2003 war Schweiger neben Angelina Jolie in Lara Croft: Tomb Raider – Die Wiege des Lebens ein Auftragsmörder und 2004 als Cynric – der Sohn des angelsächsischen Anführers Cerdic – in King Arthur neben Clive Owen und Keira Knightley in einer weiteren internationalen Produktion zu sehen.

Bei der Liebeskomödie Barfuss 2005 fungierte Schweiger als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent und übernahm die männliche Hauptrolle des Nick Keller. Barfuss wurde mit einem Bambi prämiert. In seinem im Dezember 2007 erschienenen Kinofilm Keinohrhasen stand Schweiger erstmals mit seinen vier Kindern vor der Kamera. Er schrieb auch hierfür das Drehbuch, führte Regie und produzierte den Film. 2007 spielte er in Rache – Vergeltung hat ihren Preis neben Christopher Plummer. Der Film Inglourious Basterds von Quentin Tarantino, in dem Schweiger neben Brad Pitt, Christoph Waltz, Mélanie Laurent und Diane Kruger vor der Kamera stand, lief mit großem Erfolg bei den Filmfestspielen in Cannes 2009.[3] 2009 übernahm Schweiger eine der Hauptrollen in der Komödie Männerherzen von Simon Verhoeven. Am 24. November 2009 hatte sein Kinofilm Zweiohrküken – die Fortsetzung von Keinohrhasen – in Berlin Premiere.[4] Der Film erreichte 4,2 Mio. Zuschauer in den deutschen Kinos. Til Schweigers Produktion Kokowääh lief ab 3. Februar 2011 in den Kinos. Hier führte er wieder Regie, produzierte den Film und spielte an der Seite seiner jüngsten Tochter Emma die Hauptrolle. Der Film erreichte 4,3 Mio. Zuschauer in den deutschen Kinos.[5] Als Regisseur arbeitet er häufig mit dem Kameramann Christof Wahl zusammen. Im Juni 2009 lief auf RTL die Castingshow Mission Hollywood, in der von Schweiger unter zwölf Nachwuchsschauspielerinnen eine für eine Rolle in einem Hollywoodfilm ausgewählt werden sollte. Wegen schlechter Quoten wurde die Show von der Hauptsendezeit am Montagabend auf den Samstagnachmittag verlegt.

Am 3. Dezember 2011 gab Schweiger während der letzten von Thomas Gottschalk moderierten Sendung von Wetten, dass..? bekannt, dass er zukünftig im Hamburger Tatort zu sehen sein wird. Im Rahmen der Jupiter-Preisverleihung 2012 antwortete Til Schweiger auf die Frage, ob er irgendetwas am Tatort ändern wolle, dass ihm der Vorspann nicht gefalle und bezeichnete diesen als „outdated“ und „irgendwie dämlich“.[6] In den Medien wurde seine Äußerung heftig diskutiert und von Tatort-Kollegen kritisiert,[7] was Schweiger wiederum ärgerte.[8] Aus der Medienbranche und von Markenberatern kamen aber auch zustimmende Stimmen.[9] Er stellt den Kommissar Nick Tschiller dar. Sein erster Fall Willkommen in Hamburg erreichte die höchste Zuschauerzahl einer Tatort-Folge seit knapp 20 Jahren.[10] Seine Rolle als Tatortkommissar wurde vom Radiosender SWR3 in der Comedyreihe Tatort mit Til parodiert.[11]

Von Januar bis April 2012 drehte Schweiger den Film Schutzengel, ein emotionales Actiondrama mit ihm und seiner ältesten Tochter Luna in den Hauptrollen. Damit wechselte er in Deutschland das Genre und führte auch hier wieder Regie, war mit am Drehbuch beteiligt und produzierte den Film, der am 27. September 2012 in die deutschen Kinos kam.[12] Am 7. Februar 2013 kam Kokowääh 2, die Fortsetzung von Kokowääh, in die deutschen Kinos. Wieder führte Schweiger Regie, produzierte den Film, schrieb mit am Drehbuch und spielte die Hauptrolle. Am 27. Dezember 2013 strahlte Sat.1 anlässlich Schweigers 50. Geburtstag die Show Happy Birthday – Til Schweiger aus.

2014 produzierte Schweiger mit Honig im Kopf, in dem er neben seiner Tochter Emma und Dieter Hallervorden auch eine der Hauptrollen spielt, den erfolgreichsten Film des Jahres und belegt mit 7,19 Millionen Kinobesuchern Platz 6. der erfolgreichsten Filme überhaupt in Deutschland. Der Film setzt sich mit der Alzheimer-Krankheit auseinander. 2015 drehte er mit Der große Schmerz und Fegefeuer die Fortsetzungen des Tatorts. Am 4. Februar 2016 startet der 5. Teil der Tatort-Reihe mit dem Titel Tschiller: Off Duty im Kino und setzt die Handlung der vier vergangenen Krimis fort.

Privates[Bearbeiten]

Von 1995 an war Til Schweiger mit dem ehemaligen Model Dana Carlsen verheiratet, mit der er die vier Kinder Valentin (* 1995), Luna (* 1997), Lilli (* 1998) und Emma (* 2002) hat. Die Familie lebte in den Vereinigten Staaten, bevor sie bis 2004 nach Hamburg-Niendorf umzog. Das Paar trennte sich 2005, ließ sich aber erst 2014 scheiden.[13] Von 2011 bis 2013 war Schweiger mit dem Model Svenja Holtmann (* 1987)[14], bis Mai 2014 mit der Fotografin Anne Wilk liiert.[15] Seit Herbst 2015 ist die in Salzburg wohnende Regieassistentin Marlene Shirley (* 1985) seine Partnerin.[16]

Gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten]

Kinderarmut[Bearbeiten]

Schweiger macht sich gegen Kinderarmut in Deutschland stark. Es sei ein „Skandal“, dass über zwei Millionen Kinder in Armut lebten. Schweiger fördert das Mutmacherprojekt der Stiftung Stern und der Arche.[17]

Til Schweiger Foundation[Bearbeiten]

Schweiger hat am 21. August 2015 die „Til Schweiger Foundation“ in Hamburg gegründet. Zweck der Stiftung ist die Verbesserung der Chancen benachteiligter Kinder und Jugendlicher jeglicher Herkunft und ihrer Teilhabe an Bildung und sozialer Integration. Die Stiftung wird von einem Beirat unterstützt, dem beispielsweise auch Sigmar Gabriel und Joachim Löw angehören.[18]

Kontroversen[Bearbeiten]

Pressevorführung[Bearbeiten]

Seit seinem Film Keinohrhasen (2007) gibt es zu Schweigers neuen Filmen vorab keine regulären Pressevorführungen mehr. Schweiger zeigt seine Regiearbeiten stattdessen einer handverlesenen Gruppe von Journalisten.[19]

Meldepflicht für Sexualstraftäter[Bearbeiten]

2011 forderte Schweiger in der Talkshow Markus Lanz eine „Meldepflicht für Sexualstraftäter“.[20] Er erklärte, in den USA könne man im Internet nachlesen, ob ein Sexualstraftäter in der eigenen Nachbarschaft wohne; er wüsste nicht, was daran verwerflich sein solle. Dass dies in Deutschland nicht zulässig ist, erklärte er mit dem „deutschen Gutmenschentum“ und dessen Respekt vor der Menschenwürde. Er sei auch der Auffassung, dass jemand, der eine Sexualstraftat begeht, sein Recht in dieser Gesellschaft verwirkt habe. Diese Aussage sei jedoch kein Plädoyer für die Todesstrafe, er sei ein strikter Gegner dieses Verfahrens.[21][22]

Farbbeutel/Afghanistan-Krieg[Bearbeiten]

Im März 2013 wurde die erst kurz zuvor von Schweiger bezogene Hamburger Villa mit weißen Farbbeuteln beworfen und der Pkw seiner Lebensgefährtin in Brand gesetzt. Nach einem mutmaßlichen Bekennerschreiben von „Tatortverunreiniger_innen“ handelte es sich um eine Aktion, die Schweigers Einstellung zum Afghanistan-Krieg sowie seinen Film Schutzengel kritisiere, dessen Vorpremiere er persönlich und medienwirksam zur Truppenbetreuung in Afghanistan im Bundeswehr-Camp Marmal präsentierte.[23][24] Zum Zeitpunkt der Aktion waren Schweiger und seine Freundin auf Mallorca, während sich seine beiden ältesten Kinder Luna und Valentin im Haus befanden.[25]

Flüchtlinge[Bearbeiten]

Schweiger machte sich im Zuge der Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015 für Flüchtlinge stark und trat zu dieser Thematik als Gesprächsgast im Fernsehen auf. Für Aufsehen sorgte sein Vorschlag, man solle Demonstranten, die gegen Flüchtlingsheime demonstrieren, für eine Nacht ins Gefängnis stecken, wo sie darüber nachdenken könnten, was sie eigentlich tun.[26] Seines Erachtens nach gelte die Versammlungsfreiheit für solche Demonstranten nicht, man solle, „die Verfassung […] ein bisschen ändern“.[27] Das von ihm als Vorzeigeunterkunft angekündigte Flüchtlingsheim konnte nicht realisiert werden.[28] [29] [30]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Als Schauspieler[Bearbeiten]

Als Produzent[Bearbeiten]

Als Regisseur[Bearbeiten]

Als Drehbuchautor[Bearbeiten]

Als Synchronsprecher[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schweiger bei der Einweihung seines Sterns auf dem „Boulevard der Stars“ (2011)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Til Schweiger – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schauspieler, Muschi auf Toast, DER SPIEGEL 38/2012, 17. September 2012
  2. munzinger.de
  3. Filmfestival in Cannes: Im Tarantino-Strudel in Süddeutsche Zeitung vom 24. Mai 2009
  4. Die Webseite Inglourious Basterds über den Darsteller Til Schweiger
  5. Kokowääh bei filmportal.de
  6. Neuer Hamburger Ermittler: Til Schweiger will Tatort-Vorspann kippen in Spiegel Online vom 30. März 2012
  7. Debatte um den Tatort-Vorspann: Leitwolf Til und die kleinen Kläffer in Stern vom 9. April 2012
  8. Til Schweiger über Neid, Kinder und den Tatort in Kurier vom 24. April 2012
  9. Markenberater stimmt Til Schweiger zu: „Tatort“-Vorspann entstauben in Werben & Verkaufen vom 4. Mai 2012
  10. Schweiger mit bestem «Tatort» seit gut 20 Jahren. Fuldaer Zeitung, 11. März 2013, abgerufen am 26. April 2013.
  11. Tatort mit Til
  12. Neuer Film Schutzengel: Til Schweiger goes Afghanistan in Stern vom 22. März 2012
  13. http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Panorama/d/4780774/til-und-dana-schweiger-offiziell-geschieden.html
  14. Nach drei Jahren Beziehung: Til Schweiger (49): Seine Svenja (26) macht Schluss!, Hamburger Morgenpost, 18. Oktober 2013, abgerufen am 18. Oktober 2013
  15. Til Schweiger soll sich von Anne Wilk getrennt haben Berliner Morgenpost vom 27. Mai 2014
  16. Marlene Shirley: Neue Freundin: Til Schweiger ist „sehr verliebt“ Abendzeitung vom 17. Oktober 2015.
  17. „Mutmacher“ – Til Schweiger und der stern helfen mit vereinten Kräften Ulli Hauser, besucht September 2015.
  18. „tilschweigerfoundation“ – Offizielle Website
  19. Frédéric Jaeger: Schutzengel. In: critic.de. Critic, 19. September 2012, abgerufen am 7. September 2015.
  20. Til Schweiger fordert Meldepflicht für Sexualstraftäter. In: augsburger-allgemeine.de. Augsburger Allgemeine, 5. Februar 2011, abgerufen am 7. September 2015.
  21. Kirsten Simon: Til Schweiger wütet bei Lanz gegen Sexualstraftäter. In: derwesten.de. WAZ Online, 2. Februar 2011, abgerufen am 7. September 2015.
  22. Emotionaler Ausbruch im TV. In: schweizer-illustrierte.ch. Schweizer Illustrierte, 3. Februar 2011, abgerufen am 7. September 2015.
  23. Hanns-Georg Rodek: Ein Fall von posttraumatischer Belastungsstörung. In: welt.de. Die Welt, 18. September 2012, abgerufen am 7. September 2015.
  24. Tatortverunreiniger_innen verantwortlich für Anschlag auf Schweigers Haus. In: stern.de. Der Stern, 7. September 2015, archiviert vom Original am 28. März 2013, abgerufen am 25. März 2013.
  25. Til Schweigers Kinder waren zu Hause während Farb-Anschlag. In: focus.de. Focus Online, 26. März 2013, abgerufen am 7. September 2015.
  26. Ermittlungen gegen Til Schweiger wegen "Volksverhetzung". In: Hamburger Abendblatt. 3. September 2015, abgerufen am 7. September 2015.
  27. „Sie gehen mir auf den Sack!“: Til Schweiger rastet bei "Maischberger" aus. In: focus.de. Focus Online, 18. August 2015, abgerufen am 7. September 2015.
  28. Zweifel an Plänen zu Flüchtlingsheim, Süddeutsche, 17. August 2015.
  29. Schweigers Flüchtlingsheim steht vor dem Aus, Die Welt 2. September 2015
  30. Asylbehörde zweifelt an Til Schweigers Flüchtlingsheim, FAZ, 8. August 2015
  31. http://www.imdb.com/title/tt1054580/
  32. http://www.imdb.com/title/tt2990702/
  33. http://www.imdb.com/title/tt3019694/
  34. http://www.imdb.com/title/tt3488462/
  35. 20 neue Sterne für den Boulevard bei Boulevard der Stars vom 23. Mai 2011
  36. CIVIS-Publikumspreis für „Honig im Kopf“, abgerufen am 31. Juli 2015