Tilgungsanleihe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Tilgungsanleihe (auch Amortisationsanleihe) ist eine Anleihe, die getilgt wird. Sie ist das Gegenstück zur Ewigen Anleihe, bei der keine Tilgung vorgesehen ist.[1]

Raten- und Annuitätenanleihe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem engeren Wortsinn werden auch ausschließlich Raten- und Annuitätenanleihen als Tilgungsanleihen bezeichnet. Sie zeichnen sich gegenüber der Standardanleihe dadurch aus, dass der Tilgungsbetrag nicht in einem Betrag am Ende der Laufzeit beglichen wird, sondern in mehreren, beispielsweise jährlichen Raten.

Der Vorteil für den Schuldner ist, dass die Rückzahlung der Anleihe – vergleichbar einem Ratenkredit – in mehreren Raten erfolgt.

Ab der ersten Teiltilgung erhält die Anleihe einen Poolfaktor kleiner 1, der das Verhältnis der noch nicht getilgten Summe zum unverändert bleibenden Nominalwert angibt.

In der Vergangenheit wurden Tilgungsanleihen auch auf Papier gedruckt und durchnummeriert. Teiltilgungen dieser Anleihe wurden damals in der Regel durch Auslosen der Nummern oder Buchstaben kurz vor Tilgungstermin bestimmt – deshalb werden solche Anleihen auch als Auslosungsanleihen bezeichnet. Beispielsweise wurden als erste Tilgung alle Anleihen ausgelost und zurückgezahlt, deren Nummer die Endziffer 5 besaß oder die z. B. mit einem „E“ versehen waren; alle anderen Anleihe-Stücke „liefen“ vorerst weiter. Diese Anleihen mussten jeweils für jeden Besitzer gesondert in Streifbandverwahrung (nicht in Girosammelverwahrung) verwahrt werden, damit die Depotbank wusste, wessen Kunden ob und wie viel Nominale nun ausgelost bzw. (teil-)getilgt wurde.

Diese Form der Tilgungsanleihe – gesonderte Depotverwahrung, Überwachung der Auslosung – verlangte hohen Verwaltungsaufwand und -kosten und bedeutete für den Besitzer die Ungewissheit, wann nun wie viel getilgt wird. Sie ist heute nicht mehr gebräuchlich.

Beispiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Anleihe mit Nominalwert 100 € wurde mit 10 € teilgetilgt. Der Nominalwert der Anleihe bleibt auch nach dieser Teiltilgung bei 100 €, allerdings ergänzt um die Angabe des Poolfaktors 0,9. Für die nächste Zinsperiode werden dann nur noch Zinsen auf 0,9 × 100 € = 90 € bezahlt.

Wertberechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel: Am 1. Juni 2002 wird eine Anleihe mit einem Kupon von 5 herausgegeben. Der Kupon ist jeweils am 1. Juni jedes Jahres zu zahlen. Die Anleihe ist in fünf gleich große Tranchen A, B, C, D und E aufgeteilt. Getilgt wird die Anleihe ab dem 1. Juni 2008 jeweils jährlich, wobei eine der Tranchen zur Rückzahlung ausgelost wird. Der Marktzins liegt bei 4 %.

Erster Weg
Die rechnerischen Kurswerte der einzelnen Laufzeiten werden wie folgt berechnet:
arithmetisches Mittel = 106,70
Zweiter Weg
Bewerten der Tilgungsanleihe als Standardanleihe mit der durchschnittlichen Laufzeit:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tilgungsanleihe. In: Gabler Wirtschaftslexikon. Abgerufen am 17. September 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]