Till Meyer

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Till Eberhard Meyer (* 31. März 1944 in Luckenwalde) ist ein ehemaliges Mitglied der terroristischen Vereinigung Bewegung 2. Juni. Er war maßgeblich an der Entführung des damaligen Spitzenkandidaten der CDU zur Senatswahl Peter Lorenz 1975 in Berlin beteiligt und wurde dafür 1978 zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und 1986 entlassen. 1992 wurde er als inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) enttarnt.

Biographie[Bearbeiten]

Meyers Mutter und seine fünf älteren Geschwister waren im Herbst 1943 aus ihrer Wohnung im Berliner Ortsteil Friedenau nach Sernow (damals Landkreis Jüterbog-Luckenwalde) evakuiert wurden. Sein Vater, der erst im Oktober 1944 in die Wehrmacht eingezogen wurde, fiel am 26. Dezember bei der Ardennen-Offensive. Nach Kriegsende zog die Familie zurück in ihre teilweise zerstörte Friedenauer Wohnung. Nach neun Schuljahren beendete Meyer die Oberschule praktischer Zweig und begann eine Ausbildung zum Matrosen, die er jedoch wieder abbrach. In der Folge arbeitete er als Tagelöhner in Berlin. Wegen fortgesetztem Verstoß gegen die Schulpflicht wurde er im Alter von 17 Jahren zu drei Monaten Dauerarrest verurteilt. Kurz vor seinem 18. Geburtstag zog er nach Trier. Dort lernte er seine später Frau Christa kennen, die er am 11. Mai 1964 in Berlin heiratete. Drei Monate später wurde der gemeinsame Sohn geboren.

In Trier kam Meyer mit der Außerparlamentarische Opposition (APO) in Kontakt und war im Sommer 1968 an der Gründung der „Sozialistische Basisgruppe Trier” beteiligt. Am 2. November 1968 trat er der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) bei. Ebenfalls in Trier war er - nach eigenen Angaben - an seiner ersten militanten Aktion, einem Brandanschlag mit Molotow-Cocktails auf das Sekretariat eines Gymnasiums, beteiligt.

1969 zog die Familie zurück nach Berlin. Im Zuge einer Anti-Wahlkampf-Kampagne in Trier erhielt er ein Verfahren wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt, dass jedoch im Zuge der Amnestie für Demonstrationsdelikte 1969 eingestellt wurde. Laut eigener Aussage beteiligte er sich ab Sommer 1971 an der Gründung der terroristischen Vereinigung Bewegung 2. Juni. In diesem Zuge gab er den gemeinsamen Sohn, den er seit der Trennung von seiner Frau 1969 alleine groß gezogen hatte, an seine Frau.

Am 28. Februar 1972 wurde Meyer in Bielefeld festgenommen und zu drei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Vom Vorwurf des versuchten Mordes wegen eines Schusswechsels bei seiner Festnahme wurde er freigesprochen. Auf Wunsch seiner Frau ließ er sich in der Haft scheiden. Angesichts eines drohenden weiteren Verfahrens durch die Aussagen des Kronzeugen Heinz Brockmann floh er am 11. November 1973 wenige Wochen vor seiner regulären Entlassung aus der Justizvollzugsanstalt Castrop-Rauxel und schloss sich erneut der Bewegung 2. Juni an. Laut eigener Aussage nahm er bei der Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden und Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl Peter Lorenz Anfang 1975 eine führende Rolle ein. Im Austausch gegen Lorenz gelang es der Bewegung 2. Juni fünf inhaftierte Terroristen freizupressen.

Bei seiner erneuten Festnahme am 6. Juni 1975 in Berlin wurde Meyer angeschossen. Am 10. April 1978 begann am Berliner Kammergericht der Lorenz-Drenkmann-Prozess gegen Till Meyer, Ronald Fritzsch, Gerald Klöpper, Fritz Teufel, Andreas Vogel und Ralf Reinders. Den Angeklagten wurde neben der Mitgliedschaft in der Bewegung 2. Juni die Entführung von Peter Lorenz, die Ermordung des Berliner Kammergerichtspräsidenten Günter von Drenkmann und verschiedene Banküberfälle vorgeworfen.

Noch während des laufenden Prozesses befreiten Terroristen Meyer am 27. Mai 1978 mit Waffengewalt aus der Justizvollzugsanstalt Berlin-Moabit. Der Berliner Justizsenator Jürgen Baumann (FDP) zog politische Konsequenzen aus der Flucht und trat von seinem Amt zurück. Am 21. Juni 1978 wurden Meyer, Gabriele Rollnik, Gudrun Stürmer und Angelika Goder im bulgarischen Burgas von deutschen Kriminalbeamten erkannt und von der bulgarischen Polizei festgenommen. Am Folgetag wurden sie an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert. Wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Beteiligung an der Entführung von Peter Lorenz wurde Meyer im Oktober 1980 zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die versuchte Entführung[1] Drenkmanns konnte keinem der Angeklagten nachgewiesen werden.

Anfang 1982 wurde Meyer aus dem Hochsicherheitstrakt der JVA Moabit in den Normalvollzug der Justizvollzugsanstalt Tegel verlegt, nachdem er erklärt hatte, nach seiner Entlassung den bewaffneten Kampf nicht wieder aufnehmen zu wollen. Im November 1983 heiratete Meyer noch in der Haft eine Sozialarbeiterin der Justizvollzugsanstalt, mit der er bereits ein Jahr lang heimlich eine Beziehung führte. Ab November 1985 erhielt er Freigang, schloss eine Ausbildung zum Drucker ab und wurde am 2. November 1986 aus der Haft entlassen.[2]

Er arbeitete dann als Redakteur bei der tageszeitung (taz). 1992 wurde er als inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR enttarnt. Meyer war dort Mitarbeiter der Abteilung 23 (Terrorabwehr). Er spionierte seine Kollegen der taz aus.[3]

1996 erschien seine Autobiografie Staatsfeind im Spiegel-Verlag. Eine Neuauflage wurde 2008 vom Rotbuch Verlag herausgegeben. Gemeinsam mit Roland Mayer, Knut Folkerts, Karl-Heinz Dellwo und Gabriele Rollnik sprach er 1997 bei einem Kongress linker Gruppen zur „Geschichte der bewaffneten Kämpfe in Europa“ in Zürich.[4]

Meyer arbeitet als Journalist und war zeitweise Frankfurter Korrespondent für die Tageszeitung junge Welt. Meyer lebt in Berlin und hat erneut geheiratet.

Schriften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Im Laufe des Prozesses sah das Gericht die Mordmerkmale nicht mehr als gegeben an und sprach nur noch von einer „versuchte(n) Entführung mit tötlichem Ausgang”. Vergleiche: Till Meyer: Staatsfeind. Erinnerungen. Rotbuch Verlag 2008, 1. Auflage der Neuauflage, S. 413.
  2. Alle vorherigen Angaben basierend auf der Autobiographie Till Meyer: Staatsfeind. Erinnerungen. Rotbuch Verlag 2008, 1. Auflage der Neuauflage
  3. Till Meyer: Journalist mit IM-Vergangenheit. Spiegel Online, 2. Dezember 2008
  4. Wolfgang Gast: Fruchtloser Frontalunterricht. taz, 24. Mai 1997