Tilleda (Kyffhäuser)

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Tilleda (Kyffhäuser)
Koordinaten: 51° 25′ 14″ N, 11° 8′ 36″ O
Höhe: 169 m ü. NHN
Fläche: 14,7 km²
Einwohner: 894 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 61 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 2009
Postleitzahl: 06537
Vorwahl: 034651
Blick auf Tilleda vom Kyffhäuserdenkmal
Blick auf Tilleda vom Kyffhäuserdenkmal
Der Kiffhäuser von Tilleda aus gesehen, Anfang des 19. Jahrhunderts

Tilleda (Kyffhäuser) ist ein Ortsteil der Landstadt Kelbra (Kyffhäuser) im Landkreis Mansfeld-Südharz im thüringisch geprägten Teil Sachsen-Anhalts.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tilleda liegt in der Goldenen Aue, direkt am Nordrand des Kyffhäusergebirges. Umliegende Ortschaften sind: Nordwesten: Rossla; Nord-Nord-Westen: Bennungen Nord-Nord-Osten: Hohlstedt, Nordosten: Brücken (Helme); Osten: Hackpfüffel; Süd-Süd-Osten: Borxleben, Südosten: Ichstedt; Süden: Udersleben; Südwesten: Steinthaleben; Westen: Kelbra, West-Nord-Westen: Sittendorf; In unmittelbarer Nähe südwestlich der Ortschaft befindet sich der Kyffhäuserberg mit der alten Reichsburg Kyffhausen und dem Kyffhäuserdenkmal. Durch den Ort fließt der aus dem Kyffhäusergebirge kommende Wolweda Bach, Hauptzufluss zur Kleinen Helme (Gewässerzahl 5647.6). Nördlich des Ortes befinden sich die inmitten der Goldenen Aue befindlichen kleineren Höhen der Sittendorfer bzw. Brückener Heide, welche die Goldene Aue in einen oberen und unteren Teil trennen.

Verkehrsverbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Tilleda führt der Kyffhäuser-Radweg. Von 1915 bis 1966 bestand ein Haltepunkt an der als Kyffhäuser-Kleinbahn bekannten Bahnstrecke Berga-Kelbra–Artern. Tilleda liegt auf der Landstrasse L220 Edersleben - Kelbra. über diese Strasse kommt man auch zur nordöstlich gelegenen Kreisstadt Sangerhausen und der südöstlich gelegenen ehemaligen Kreisstadt Artern. Ebenso gibt es eine unbefestigte aber ganzjährig befahrbare Strasse zum südöstlichen Nachbarort Ichstedt. Der nächste mit regelmäßig verkehrenden öffentlichen Bussen erreichbare Bahnhof befindet sich in Berga-Kelbra und Sangerhausen. Der nächste Bahnhof (5,8 km nur zu Fuss oder mit Fahrrad erreichbar) ist aber in Bennungen. Regelmäßigen öffentlichen Busverkehr gibt es nur nach Sangerhausen, Kelbra und zum oben genannten Bahnhof Berga-Kelbra. Über die Autobahn 38 (Leipzig-Göttingen) kommt man nach Tilleda, wenn man die Abfahrt 13 Berga oder 14 Rossla herunterfährt, dann gelangt man über Rossla - Sittendorf nach Tilleda. Ebenso von der Autobahn 71 Sangerhausen- Schweinfurt kommend, die Abfahrt 2 Artern nehmend, dann weiter über Edersleben und die obengenannte Landstrasse L220 durch Riethnordhausen und Hackpfüffel fahrend, gelangt man nach Tilleda.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wurde Tilleda in einem Verzeichnis der Güter des vom Erzbischof Lullus († 786) von Mainz erbauten Klosters Hersfeld als Dullide urkundlich erwähnt. Der Ort befand sich einst im Süden des mittelalterlichen thüringischen Helmegau. Die Entwicklung des Ortes ist eng mit der Geschichte der Königspfalz Tilleda verknüpft. Die neuere Geschichte ist dann aber ein Teil der Geschichte mit des Amt Kelbra, zu welchem auch Tilleda gehörte. In der Nähe des Ortes befinden sich die Wüstungen Jarfeld (am südlichen Helmeufer zwischen Bennungen und Hohlstedt), Hirschbach (nördlich des ehemaligen Bahnhofs Tilleda) und Steden (am Wolwedabach zwischen Tilleda und Hackpfüffel).

Am 1. Juli 2009 wurde Tilleda in die Stadt Kelbra (Kyffhäuser) eingemeindet.[1] Letzter Bürgermeister war Manfred Tettenborn.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freilichtmuseum Pfalz Tilleda, ottonische Pfalzanlage, archäologische Ausgrabungen durch Paul Grimm haben eine mehrteilige Anlage mit einer durch Handwerker genutzten Vorburg erbracht. Heute sind im Freilichtmuseum einige der ergrabenen Gebäude rekonstruiert.
  • Salvatorkirche (evangelisch), romanisch-gotische Stadtkirche mit teilweiser barocker Ausstattung und Renaissance-Epitaphien. Rund um die Kirche gruppieren sich kleine Häuser, die einen Kreis bilden, der einen Kirchengarten umschließt.
  • Kyffhäuserdenkmal, oberhalb von Tilleda im thüringischen Teil des Kyffhäusergebirges.
  • Gutshof Tilleda, ehemaliger Vierseithof, heute steht noch das denkmalgeschützte Gutshaus und eine Scheune. Hier plant ein Verein zukünftig sozialpädagogische und kulturelle Projekte und hat bereits begonnen das Haus zu sanieren.[1]
  • Streuobstwiesen: Südlich und westlich von Tilleda erstrecken sich zwischen der Ortslage bis an den bewaldeten Rand des steilen Nordhangs des Kyffhäusergebirges ausgedehnte Streuobstwiesen mit Kirschen, Zwetschgen, Äpfeln und Birnen. Vor allem im Frühling zur Kirschblüte bilden sich spektakuläre Farben, ist der Ort mit seiner Umgebung ein Anziehungspunkt für Naturliebhaber.
  • Historische nordthüringisch dörfliche Fachwerkhäuser: In Tilleda gibt es viele gut erhaltene originale dörfliche Bauernhöfe mit alten Scheunen und Bauernhöfen zu sehen, typisch für die Umgebung des Kyffhäusergebirges und die Goldene Aue. Gleiches gilt für sämtliche oben genannten umliegenden Ortschaften.
  • Naturpark Kyffhäuser und Geopark Kyffhäuser: wer sich für Natur und Geologie interessiert bieten des in unmittelbarer Nähe gelegene Kyffhäusergebirge Gelegenheit zu Erkundungen. Hier gibt es auch das grosse Naturschutzgebiet Natura 2000 Flora und Fauna Habitat (FFH-)Gebiet Kyffhäuser-Badraer Schweiz-Solwiesen (BfN ID 4632-302, WDPA-ID 555519959, DE4632302) mit 33,28 km² Größe.[2]
  • Historisches Gasthaus Zur Gabel: Hier soll einst Johann Wolfgang von Goethe übernachtet und gespeist haben, als er die Ruinen der Reichsburg Kyffhausen besuchte.

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Tilleda wird (wurde) wie auf allen Dörfern der mittleren Goldenen Aue und rings um das Kyffhäusergebirge herum nordthüringischer Dialekt gesprochen. Dieser Dialekt wurde und wird immer noch in den Schulen als "Sprache der Ungebildeten" geringgeschätzt und ist nun im Aussterben begriffen, da nur noch sehr wenige sehr alte diesen Originaldialekt beherrschen. Bei den jüngeren Menschen ist nur noch ein kleiner Slang festzustellen.

Tilleda ist in der näheren Umgebung bekannt für seine späte Kirmes. "De allerlatzde Germsse impm Johr assnn Dülle" (die allerletzte Kirmes im Jahr ist in Tilleda). Die letzte Kirmes findet Anfang November statt, wenn sämtliche Ernearbeiten abgeschlossen, die Kartoffeln, Ranschken (Futterrüben) und Zuckerrüben frostsicher gelagert; und das Obst für den Winter eingekocht ist. Ebenso gibt es in Tilleda einen Karnevalverein, welcher regelmäßig große Karnevalsveranstaltungen organisiert, und in der Umgebung auch an größeren Karnevalsumzügen mit teilnimmt.

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der US-amerikanische Ort Tllleda, Wisconsin ("sensus designated place" von der Kleinstadt ("town") Seneca, im Shawano County, Wisconsin, USA) (Koordinaten: 44°48´49" n, 88°54´33" w, in UTM: 4964.028 m N, 16T-349.026 m E) ist vermutlich von deutschen Emigranten aus Tilleda gegründet worden. Eine offizielle Partnerschaft zu diesem Ort ist nicht bekannt. Es gibt nur eine englischsprachige Wikipedia-Seite zu diesem Ort. Er besteht nur aus wenigen Häusern und 91 Einwohnern (2010), (siehe englischsprachige Wikipedia Seite). In der Nähe befinden sich der "Tilleda pond" (Tilleda Stausee) am Embarrass River, Wisconsin mit Campingplatz. Dort befinden sich auch die "Tilleda Falls", ein kleiner Wasserfall. Auf dem Tilleda pond finden regelmäßig im Winter Fahrzeugrennen auf dem Eis statt, das "Tilleda Thunder Program".

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Grimm: Eine Königspfalz am Kyffhäuser. Bd. 1: Die Hauptburg. Akademie-Verlag, Berlin 1968 (Akademie der Wissenschaften der DDR, Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte Band 24)
  • Paul Grimm: Eine Königspfalz am Kyffhäuser. Bd. 2: Die Vorburg und Zusammenfassung. Akademie-Verlag, Berlin 1990 (Akademie der Wissenschaften der DDR, Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte Band 40) ISBN 3-05-000400-2
  • Die Pfalz Tilleda am Kyffhäuser: ein Führer durch Geschichte und Ausgrabung, hrsg. von der Gemeinde Tilleda in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt. Von Hans Eberhardt und Paul Grimm. 6. veränd. Aufl., Landesamt für Archäologie, Halle (Saale) 2001, ISBN 3-910010-61-X

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009
  2. Protected Planet | Kyffhäuser - Badraer Schweiz - Solwiesen. Abgerufen am 19. Februar 2021.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tilleda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien