Timothy Garton Ash

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Timothy Garton Ash, FRSA (* 12. Juli 1955 in London) ist ein britischer Historiker und Schriftsteller. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Gegenwartsgeschichte Europas seit 1945.

Timothy Garton Ash

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Timothy Garton Ash besuchte die Schule in Sherborne, schloss auf der Basis seiner exzellenten Noten dann ein Studium der Geschichtswissenschaft an der britischen Universität Oxford an. Seine Thomas-Mann-Lektüre gibt er im webdokumentierten Berkeley-Universitäts-Interview als ausschlaggebend für sein großes Interesse an Deutschland an („Thomas Mann is to blame for my interest in Germany“ – „Thomas Mann ist schuld an meinem Interesse an Deutschland“)[1]. Dementsprechend forschte er für seine Doktorarbeit über Berlin and the Nazis an der Freien Universität Berlin, von wo er Abstecher an die Humboldt-Universität im damaligen Ost-Berlin machte. Da viele heute zugängliche Archive damals noch verschlossen waren, verlagerte sich seine Fragestellung „What do people do about a dictatorship?“ – „Wie verhalten die Leute sich zu Diktaturen?“ – teilweise auf die zeitgenössischen Parallelen im SED-Staat. Für den Spectator schrieb er unter dem Pseudonym Edward Marston Beiträge zur Situation im Ostblock.[2] Als Zeitgeschichtler der Emanzipation Mitteleuropas vom Ostblock-Sozialismus wurde er ein Grenzgänger zwischen Journalist und Gelehrtem („mixture of both journalism and scholarship“ – „eine Mischung aus Journalismus und Wissenschaft“) und bezeichnete sich als „engagierten Beobachter“.[2]

Garton Ash wurde Professor und Direktor des European Studies Centre am St Antony’s College der University of Oxford, außerdem ist er Hoover senior fellow mit Lehrverpflichtungen an der Universität Stanford. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit schreibt er regelmäßig Beiträge für verschiedene international renommierte Zeitungen, darunter The Guardian und New York Review of Books. Garton Ash ist auch Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Kuratoriumsmitglied der Initiative Europa eine Seele geben.

Seine in Deutschland bekanntesten Werke sind: Ein Jahrhundert wird abgewählt und Im Namen Europas. Er veröffentlichte auch Erzählungen mit autobiografischem Hintergrund: In Die Akte Romeo beschreibt er die Suche nach seinen eigenen Stasi-Akten und die nachträgliche Auseinandersetzung mit den auf ihn angesetzten Stasi-Spitzeln. Sein Buch Freie Welt: Europa, Amerika und die Chance der Krise befasst sich mit den Rahmenbedingungen der neoliberalen Globalisierungsagenda und den unterschiedlichen Strategien der führenden westlichen Politiker dazu.[3]

Garton Ash geriet 2007 in eine öffentlich geführte Debatte mit dem französischen Schriftsteller Pascal Bruckner. Dieser warf ihm vor, den Muslimen eine Sonderrolle einzuräumen und für einen Multikulturalismus einzustehen, der letztlich die Aufklärung bedrohe.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jahrhundertwende: weltpolitische Betrachtungen 2000 – 2010. Hanser, München 2010 (Originaltitel: Facts are Subversive: Political Writing from a Decade Without a Name, übersetzt von Susanne Hornfeck), ISBN 978-3-446-23598-4; Bundeszentrale für Politische Bildung - btb, Bonn ISBN 978-3-8389-0110-7; Taschenbuchausgabe: dtv, München 2012, ISBN 978-3-423-34720-4.
  • Freie Welt, Europa, Amerika und die Chance der Krise. Hanser, München 2004 (Originaltitel: Free World, übersetzt von Susanne Hornfeck und Hans Günter Holl), ISBN 3-446-20546-2.
  • Wächst zusammen, was zusammengehört? Deutschland und Europa zehn Jahre nach dem Fall der Mauer, Vortrag im Rathaus Schöneberg zu Berlin, 5. November 1999, Redaktion Wolfram Hoppenstedt (= Schriftenreihe der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, Heft 8). Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung. 2001, ISBN 3-933090-07-5.
  • 1989 und die Folgen mit János Kis (= Transit, Band 18). Verlag Neue Kritik, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-8015-0344-5.
  • Zeit der Freiheit, aus den Zentren von Mitteleuropa. Hanser, München 1999, 2004 (Originaltitel: History of the Present, übersetzt von Susanne Hornfeck), ISBN 3-446-19758-3.
  • Die Akte „Romeo“: persönliche Geschichte. Autobiographie. Hanser, München 1997 (Originaltitel: The File, übersetzt von Udo Rennert), ISBN 3-446-19106-2; Taschenbuch: Fischer-Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-14146-X.
  • Im Namen Europas, Deutschland un der geteilte Kontinent. Hanser, München 1993 (Aus dem Englisch übersetzt von Yvonne Badal), ISBN 3-446-15858-8.
  • Ein Jahrhundert wird abgewählt. Hanser, München 1990, ISBN 3-446-15898-7. [6]
  • „Und willst du nicht mein Bruder sein …“ Die DDR heute (= Spiegel-Buch, Band 15). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1981 (Übersetzt aus dem Englisch von Yvonne Vesper-Badal), ISBN 3-499-33015-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Timothy Garton Ash – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe sein Interview in "Conversations with history", ca. 2.50 min http://conversations.berkeley.edu/content/timothy-garton-ash
  2. a b Gina Thomas: Der engagierte Beobachter, in: FAZ, 11. Juli 2015, S. 9
  3. Freie Welt. Perlentaucher, Rezensionen aus NZZ, ZEIT und FR, abgerufen am 22. Juli 2012.
  4. Auskunft Bundespräsidialamt
  5. Aachener Zeitung 26. Februar 2013 Karlsmedaille 2013 an britischen Historiker, abgerufen am 26. Februar 2013
  6. Dieter Segert: Rezension, Zeithistorische Forschungen, Band 6, 2009, S. 164–169.