Alternativlos

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Alternativlos ist ein politisches Schlagwort in der Bedeutung „keine Alternativlösung zulassend, keine andere Möglichkeit bietend, ohne Alternative“.[1] Es wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum deutschen Unwort des Jahres 2010 gekürt.[2][3] Im englischen Sprachraum wird das AkronymTINA“ (Akronym für englisch there is no alternative ‚Es gibt keine Alternative‘) sinngemäß verwendet.

TINA-Prinzip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plakat von Peter Bonitz zur Landtagswahl in Thüringen 1994 mit dem Slogan Es gibt keine Alternative

Mit dem politischen Schlagwort „TINA-Prinzip“ (auch „TINA-Argument“ oder „TINA-Syndrom“) wird meist in polemischer Absicht ein Standpunkt bezeichnet, der geltend macht, dass es zu einer auf den Markt, insbesondere auf die Wettbewerbsfähigkeit, ausgerichteten Politik keine Alternative gebe.

Der politische Slogan there is no alternative („Es gibt keine Alternative“) wurde von der britischen Premierministerin Margaret Thatcher in der Anfangszeit ihrer Regierung wiederholt verwendet, um ihre Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik (vgl. Thatcherismus) zu legitimieren, welche durch den Abbau des Sozialstaates und wirtschaftsliberale Reformen bei gleichzeitig konservativen Gesellschaftsvorstellungen geprägt war.[4] Diese Formel bringt nach Auffassung des Soziologen Helmut Dubiel ein technokratisches Weltbild auf den Punkt und versucht soziale und ökologische Forderungen abzuwehren, indem es auf einen zwingend zu beschreitenden Entwicklungspfad verweist.[5] Die Bekanntheit dieses Slogans für Thatchers Politik zeigte sich unter anderem darin, dass Claire Berlinski für die von ihr geschriebene Thatcher-Biographie diesen Slogan als Titel wählte.[6] Tina wurde bald als Spitzname für Thatcher gebraucht.[7]

Die Globalisierungskritikerin Susan George hat dem TINA-Prinzip den Ausruf „TATA!“ (There Are Thousands of Alternatives!, dt. Es gibt Tausende Alternativen!) entgegengestellt.[8] Spätestens nach dem Weltsozialforum in Porto Alegre wurde dem TINA-Paradigma der Alternativlosigkeit der Ausspruch „Eine andere Welt ist möglich“ entgegengestellt.[9]

Als wissenschaftlich anspruchsvollere Version des TINA-Arguments wird die These des Philosophen Francis Fukuyama über das Ende der Geschichte angesehen, nach der das liberale, marktwirtschaftliche Modell keine historischen Herausforderungen mehr zu erwarten habe.[10]

Unwort des Jahres 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ist bekannt für die Verwendung des Schlagworts „alternativlos“.

Die Wahl zum Unwort bezieht sich auf die jüngere Verwendung in Deutschland. Dabei wurde das Schlagwort „alternativlos“ in verschiedenen Zusammenhängen insbesondere ab 2009 von Angela Merkel und anderen Mitgliedern der Bundesregierung verwendet.[11][12][13][14] Mit dieser Begründung waren mehrere politische Entscheidungen gerechtfertigt worden.[15] Die Jury befand:

„Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe. Behauptungen dieser Art sind 2010 zu oft aufgestellt worden, sie drohen, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken.“

Zitat der Jury-Entscheidung[16]

Horst Dieter Schlosser sagte weiter, dass mit dem Begriff auch die Gesundheitsreform, das Bahnprojekt Stuttgart 21 und andere politische Entscheidungen gerechtfertigt wurden, welche „das Basta der Merkel-Regierung“ sei. Ebenso habe Roland Koch mit diesem Begriff unter anderem den umstrittenen Ausbau des Frankfurter Flughafens begründet.[17]

Die Benennung der 2013 gegründeten Partei Alternative für Deutschland (AfD) ist eine bewusste Anspielung und Antwort auf Merkels Verwendung des Slogans „alternativlos“, insbesondere hinsichtlich der sogenannten Euro-Rettung.[18]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: alternativlos – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. alternativlos in duden.de; abgerufen am 3. Dezember 2011
  2. Sprachkritik – „Alternativlos“ ist das Unwort des Jahres. Spiegel Online, 18. Januar 2011, abgerufen 18. Januar 2011
  3. „Alternativlos“ ist das Unwort des Jahres. (Memento vom 20. Januar 2011 im Internet Archive) tagesschau.de, 18. Januar 2011
  4. Beispielsweise sagte Margaret Thatcher auf der Conservative Women’s Conference, 21 May 1980: “We have to get our production and earnings in balance. There’s no easy popularity in what we are proposing, but it is fundamentally sound. Yet I believe people accept there is no real alternative.” Zitiert nach: Antony Jay (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Political Quotations. OUP, Oxford / New York 1996, S. 361.
  5. Helmut Dubiel: Die Stunde der Verführer. In: Die Zeit, Nr. 37/2002.
  6. Claire Berlinski: There Is No Alternative: Why Margaret Thatcher Matters. New York 2010, ISBN 978-0-465-02027-0
  7. Etwa Alle scharen sich um TINA. In: Die Zeit, Nr. 43/1981.
  8. Susan George: Another World Is Possible. In: The Nation Magazine. 18. Februar 2002, abgerufen am 31. Oktober 2010.
  9. Oliver Nachtwey: Die globalisierte Revolte. S. 9. In: Christine Buchholz et al: Unsere Welt ist keine Ware. Köln 2002, S. 1–10.
  10. Elmar Altvater: Globalisierter Neoliberalismus. In: Christoph Butterwegge: Neoliberalismus: Analysen und Alternativen. VS Verlag, 2008, S. 58.
  11. Merkel verteidigt Banken-Enteignungsgesetz. N24, 18. Februar 2009
  12. Für Merkel ist Afghanistan-Einsatz alternativlos. (Memento vom 12. Dezember 2009 im Internet Archive) Netzeitung, 2. Juli 2009
  13. Schäuble verteidigt Schuldenabbau als alternativlos. Stern, 7. Juli 2010
  14. Brüderle sieht keine Inflationsgefahr für den Euro. Welt Online, 28. November 2010
  15. Das Totschlagargument. Deutschlandradio Kultur, 18. Januar 2011
  16. Pressemitteilung der Unwort-Jury
  17. Spiegel Online, „Alternativlos“ ist das Unwort des Jahres. 18. Januar 2011
  18. Joachim Jahn: Gründungsparteitag der AFD – Aufstand gegen Merkels „alternativlose Politik“. In: Frankfurter Allgemeine, 14. April 2013.