Tirano

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Tirano
Wappen
Tirano (Italien)
Tirano
Staat: Italien
Region: Lombardei
Provinz: Sondrio (SO)
Lokale Bezeichnung: Tiràn / Tiraun (roh)
Koordinaten: 46° 13′ N, 10° 10′ OKoordinaten: 46° 12′ 59″ N, 10° 10′ 8″ O
Höhe: 441 m s.l.m.
Fläche: 32 km²
Einwohner: 9.130 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 285 Einw./km²
Stadtviertel Baruffini, Cologna, Madonna di Tirano, Roncaiola
Angrenzende Gemeinden Brusio (CH-GR), Corteno Golgi (BS), Sernio, Vervio, Villa di Tirano
Postleitzahl: 23037
Vorwahl: 0342
ISTAT-Nummer: 014066
Volksbezeichnung: Tiranesi
Schutzpatron: San Martino (11. November)
Website: Webseite der Gemeinde

Tirano (dt. veraltet Thiran, rätoromanisch  Tiraun?/i) ist eine Stadt und gleichzeitig der Hauptort der gleichnamigen Gemeinde in der italienischen Provinz Sondrio, Region Lombardei mit 9130 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015). Sie liegt im oberen Veltlin am Eingang des Puschlavs, nahe der Schweizer Grenze. Dominierten früher die Landwirtschaft – vor allem Obst- und Weinbau – und das lokale Kleingewerbe, so siedelten sich in den letzten Jahrzehnten einige kleinere Industriebetriebe an, die es aber schwer haben, sich gegen die Konkurrenz des regionalen Oberzentrums Mailand zu behaupten. Deshalb arbeiten viele Tiranesi als Tages- oder Wochenpendler in und um Mailand oder in den Fremdenverkehrsorten des Oberengadins.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siedlung entwickelte sich am linken Ufer des Flusses Adda unterhalb der im Jahr 1073 erwähnten Burg Dosso. Im 12. Jahrhundert war sie zuerst eine freie Gemeinde, dann unterstand sie den Capitanei von Stazzona, die die Burg Piattamala am Eingang zum Puschlav errichten liessen. 1335 war der Übergang Tiranos von Como an Mailand unter der Herrschaft der Visconti, und die Stadt wurde Gerichtsort des oberen Terziers des Veltlins.

Im Jahr 1487 wurde Tirano durch die Bündner eingenommen und teilweise zerstört, worauf Herzog Ludovico il Moro den massiven Ausbau der Stadtbefestigung veranlasste. Eine Ringmauer nach Plänen von Giovanni Francesco Sanseverino und die neue Burg St. Maria wurden errichtet. Dennoch wurde die Stadt 1512 von den Bündnern erneut erobert, die Befestigungen grösstenteils zerstört und dauerhaft als Untertanengebiet in Besitz genommen. Nur noch Reste der Stadttore Porta Poschiavina, Bormina und Milanese sind heute vorhanden. Die Bündner setzten in Tirano einen Podestaten ein und eröffneten einen Vieh- und Warenmarkt.

Im 16. Jahrhundert entwickelte sich Tirano zu einem Zentrum des Warenumschlags und Ideenaustauschs und bildete einen Knotenpunkt im Handelsverkehr zwischen Bünden und Venedig sowie Bormio und Mailand. Die Stadt war die grösste des Veltlins und hatte 1589 ungefähr 5'000 Einwohner. Es entstand auch eine evangelische Kirchgemeinde, die durch italienische Glaubensflüchtlinge wie Giulio di Milano gegründet wurde und von den Bündnern unterstützt wurde. Sie feierte ihre Gottesdienste mit eigenem Pfarrer in der Kirche St. Maria. 1597 fand eine öffentliche theologische Disputation zwischen Vertretern beider Konfessionen statt. Im Rachezug des Veltliner Mords (ital. Sacro macello) wurden 60 Protestanten am 19. Juli 1620 ermordet und die Stadt besetzt. Zu Beginn der folgenden Bündner Wirren wurde ein Rückeroberungsversuch der Bündner mit ihren Verbündeten durch die Spanier in der Schlacht bei Tirano am 11. September 1620 gestoppt. 1635-1636 machte Henri II. de Rohan, der Herzog von Rohan, die Stadt bei seinem Alpenfeldzug zum Hauptquartier.

Nach Ende der Auseinandersetzungen 1639 gelangte Tirano mit dem Veltlin wieder an die Drei Bünde und konnte von der günstigen Verkehrslage und der nahen Grenze zur Republik Venedig profitieren. 1797 schloss sich das Veltlin der Cisalpinischen Republik an.[2]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof der Rhätischen Bahn
Lage der Gemeinde in der Provinz Sondrio
Ein Zug der Berninabahn quert die Piazza Basilica
Fassade der Wallfahrtskirche Madonna di Tirano

Durch Tirano verläuft die Staatsstraße 38, die das Veltlin auf seiner ganzen Länge vom Comer See bis zum Stilfserjoch erschließt. Eine Abzweigung führt über die Schweizer Grenze nach Poschiavo und weiter über den Berninapass ins Engadin.

Tirano hat zwei Bahnhöfe: Die stazione FS der italienischen Staatsbahn FS bzw. ihrer Tochtergesellschaft Trenitalia, und direkt benachbart die stazione FR, den Bahnhof der schweizerischen Rhätischen Bahn.

Seit 1908 verkehrt die von der Rhätischen Bahn betriebene Berninabahn. Mit dem Bernina-Express werden Direktverbindungen von Chur und St. Moritz nach Tirano angeboten. Daneben gibt es stündlich verkehrende Regionalzüge. Der Bahnhof weist auch einen beträchtlichen Güterverkehr auf, vor allem mit Stammholz, das aus der Schweiz eingeführt und in Veltliner Sägewerken verarbeitet wird.

Ihren ersten Bahnanschluss erhielt die Stadt am 29. Juni 1902. Die Strecke Sondrio - Tirano gehörte ursprünglich der privaten Ferrovia Alta Valtellina und wurde 1970 von der italienischen Staatsbahn übernommen. Die Stadt ist mit dem Schweizer GA erreichbar.

Sehenswürdigkeiten und Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadtbefestigung (14. und Ende 15. Jahrhundert) mit den drei Stadttoren Porta Poschiavina, Porta Bormina und Porta Milanese und den Resten der Burg Sta. Maria
  • Stadtkirche S. Martino
  • Palazzi, die während der Bündner Herrschaft von reichen Familien erbaut wurden
    • Palazzo Salis, heute zum Teil Museum
    • Palazzo Pretorio, ehemals Sitz des Podestà
    • Palazzo Marinoni, heute Rathaus
    • Palazzo Torelli
    • Palazzo Pievani und Palazzo Trombini, in der Vorstadt jenseits der Adda
  • oberhalb der Stadt die Ruine der Burg Dosso

Madonna di Tirano[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ort einer Marienerscheinung, etwa einen Kilometer vor den Toren der Stadt, entstand ab 1505 die monumentale Wallfahrtskirche, um die sich in der Folge ein zweiter Siedlungskern entwickelte.

  • Kirche mit dominantem Turm (1578) und Kuppelaufsatz, bedeutende frühbarocke Ausmalung und Ausstattung
  • Kirchplatz mit Palazzo S. Michele, ehemals Kloster
  • oberhalb liegt das Kirchlein Sta. Perpetua inmitten der Weinberge.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt sind Tirano und seine Umgebung für ihre kulinarischen (Veltliner) Spezialitäten: Wein, Trockenfleisch (bresaola), Käse, Roggenbrot, Pizzoccheri und andere Teigwaren.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tirano – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. Martin Bundi: Tirano im Historischen Lexikon der Schweiz
  3. Valerio Righini in Sikart, abgerufen 11. Januar 2016.