Tischherd

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Tischherd mit aufgesetztem Wasserschiff (links)

Ein Tischherd ist ein Herd, dessen Bauform einem Tisch ähnelt. Dabei handelt es sich um eine (gemauerte oder vierbeinige) Konstruktion mit großer Kochplatte sowie einem Backrohr, aber kleinem Feuerraum. Die Wärmeabgabe eines Tischherdes reicht daher nicht zum Heizen von Wohnräumen aus. Ein Tischherd ist hauptsächlich zum Kochen, Braten und Backen von Speisen vorgesehen.[1] Einige Tischherde besitzen ein Wasserschiff, das entweder aufgesetzt oder in die Kochplatte eingelassen ist.[2][3]

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden elektrisch betriebene Tischherde entwickelt, seit einigen Jahren gibt es auch Ausführungen als Holzofen mit Cerankochfeld.[4][3]

Ein Aufsatzherd ist in der Regel ein Tischherd mit einem seitlichen Aufsatz, in welchem ein oder mehrere Backrohre untergebracht sind. Die Kochplatte ist daher meist kleiner, Vorteil ist aber, dass die im Aufsatz aufsteigende Hitze besser für das Backrohr ausgenutzt werden kann, zugleich kann somit eine Heizfunktion für den Aufstellraum erreicht werden. Aufsatzherde (auch „Sesselherde“) sind in der Regel zur zusätzlichen Beheizung des Aufstellraumes vorgesehen.[1][5][6]

Nach den Technischen Fachregeln des Ofen- und Luftheizungsbauerhandwerks in Deutschland (TR-OL) bzw. nach dem Technischen Ausschuss des Österreichischen Kachelofenverbandes gehören Tisch- und Aufsatzherde zu den Herden, die handwerklich, individuell, vor Ort, ortsfest, also nicht in Serie errichtet und mit festen Brennstoffen befeuert werden. Außer Herdplatte, Feuergeschränk und Backfach haben Tischherde und Aufsatzherde Außenwände entweder aus Ofenkacheln und Wärme speicherndem Material, oder metallische, zweischichtige Außenflächen. Sie können auf einem Fußgestell aufgebaut sein. Die Arbeitshöhe eines Tischherdes ist über die gesamte Anlage gleich bleibend ist, dabei liegen standardmäßige Arbeitshöhen zwischen 88 und 98 cm.[1][6][5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu den herkömmlichen Kochherden und Kochmaschinen des 18. Jahrhunderts,[7] wurden Mitte des 19. Jahrhunderts eiserne Herde als Tischherd und billiger „Familienherd“ angeboten. Während ein herkömmlicher Kochofen den Platz unter dem Feuerraum bis zum Fußboden einnahm,[8] stand der Tischherd auf vier Füßen und bot oft keine weiteren Nutzungsmöglichkeiten als Kochen und Warmhalten von Speisen. Je nach Größe und Ausführung wurden eiserne Tischherde vollständig in der Werkstatt hergestellt oder teilweise vormontiert und erst am Aufstellungsort fertiggestellt. Mieter konnten ihren eisernen Tisch- oder Aufsatzherd bei Wohnungswechsel mitnehmen.[9][10][11]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c TR-OL. Abgerufen am 27. März 2018.
  2. Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt. Lit.-art. Anst., 1874 (google.de [abgerufen am 14. März 2018]).
  3. a b Lohberger Heiz- und Kochgeräte Technologie GmbH. Abgerufen am 27. März 2018.
  4. Iris Duchêne: Technisierungsprozesse der Hausarbeit: Ihre Bedeutung für die Belastungsstruktur der Frau. Springer-Verlag, 1994, ISBN 978-3-86226-480-3 (google.de [abgerufen am 14. März 2018]).
  5. a b Michael Herrmann, Jürgen Weber: Öfen und Kamine: Raumheizungen fachgerecht planen und bauen. Beuth Verlag, 2011, ISBN 978-3-410-21308-6 (google.de [abgerufen am 14. März 2018]).
  6. a b Feuerstätten aus dem Hafnerhandwerk - PDF. Abgerufen am 28. März 2018.
  7. Encyklopädie der bürgerlichen Baukunst, in welcher alle Fächer dieser Kunst nach alphabetischer Ordnung abgehandelt sind: ein Handbuch für Staatswirthe, Baumeister und Landwirthe. K–M. Fritsch, 1796 (google.de [abgerufen am 15. März 2018]).
  8. Christian Aschoff: retro|bib – Seite aus Brockhaus Konversationslexikon: Kochherde und Kochmaschinen. I. Abgerufen am 15. März 2018.
  9. Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt. Lit.-art. Anst., 1874, S. 313 (google.de [abgerufen am 27. März 2018]).
  10. Deutsche Töpfer- und Ziegler-Zeitung. Knapp, 1874 (google.de [abgerufen am 15. März 2018]).
  11. Josef Wathner's praktischer Eisen- und Eisenwaaren-Kenner, oder Gründliche Anleitung zur Kenntniss der Eisenwaaren und ihrer Gattungen nach den Zeichen: enthält alle im Eisenhandel vorkommenden Arten von Berechnungen, außerdem nahezu 2500 Adressen von Eisen-Industriellen aus allen Kronländern der Monarchie ; nebst 10 Detail-Berechnungs-Tabellen, einer Dimensionstafel der courantesten Eisensorten und den Werkzeichen der Sensenhammerwerke ; mit einem Atlas von 31 Tafeln in Quer-Folio mit extra 2000 lithographirten Abbildungen. Kienreich, 1860 (google.de [abgerufen am 15. März 2018]).