Todesopfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland

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Mahnmal für den Brandanschlag von Solingen: „Verbunden wie diese Ringe wollen wir miteinander leben“

In Deutschland kam es immer wieder zu Todesopfern rechter Gewalt. Bereits vor 1933 gab es solche Opfer. Zur Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft starben Millionen Menschen. Auch in der Bundesrepublik kam es häufiger zu Übergriffen. Ab den 1980er Jahren wurden die Taten öffentlich diskutiert. Seit nach der deutschen Wiedervereinigung vermehrt Anschläge von Neonazis ausgingen, rückten die Opfer in den Fokus der Öffentlichkeit. Zu den Opfern, die bundesweit Aufmerksamkeit erregten, weil sie breite Diskussionen über Täter, Opfer und Tat auslösten, gehören beispielsweise Ramazan Avcı, Amadeu Antonio Kiowa, die Opfer der Mordanschläge von Mölln und Solingen, Alberto Adriano, Silvio Meier und Marwa El-Sherbini. Der überwiegende Teil der Todesopfer ist der breiten Öffentlichkeit dagegen nicht bekannt. Häufig liegt der Fokus der Berichterstattung, wie bei den NSU-Morden, auf den Tätern.

Die tatsächliche Gesamtzahl der Todesopfer rechtsextremer Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland ist umstritten. Die Liste, welche die Bundesregierung auf Grundlage der offiziellen Polizeilichen Kriminalstatistik veröffentlichte, geht von 75 Todesopfern im Zeitraum von 1990 bis 2015 aus.[1] Eine von der Amadeu Antonio Stiftung erstellte inoffizielle Liste führt im selben Zeitraum hingegen 178 Todesopfer und elf weitere Verdachtsfälle an.[2] Die erstmalige Veröffentlichung dieser alternativen Liste führte dazu, dass die Innenministerkonferenz (IMK) die Kriterien für die Erfassung von politisch motivierten Straftaten im Jahr 2001 änderte. Die Kriterien für die Erfassung von politisch motivierten Straftaten sind im „Definitionssystem Politisch motivierte Kriminalität“ aus dem Jahr 2001 festgelegt, welches über die Jahre von verschiedener Seite kritisiert worden ist.[3] Rassistische Straftaten, aber auch Angriffe auf Obdachlose und Homosexuelle wurden bis dato nicht als Staatsschutzdelikte registriert. Auch nach der Änderung von 2001 bestehen Differenzen zwischen den Einschätzungen der amtlichen Statistik und ihren Kritikern. Die Diskussion um die Kriterien der Erfassung hält nach wie vor an.[4] Die Bundesregierung zählt nur solche Taten zu den politischen Straftaten, bei denen eine politische Tatmotivation zu erkennen ist, während andere Quellen eine rechtsextreme Gesinnung des Täters als ausreichenden Beleg für die Kategorisierung ansehen.

Weimarer Republik (1918–1933)

Grab Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs 1919

Die Zahl der Todesopfer rechtsextremer Gewalt in der Weimarer Republik wird auf bis zu 400 geschätzt.[5] Die Ermordung von Kurt Eisner, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg waren der Auftakt der „Fememorde“, die von rechten Terrorgruppen verübt wurden. Matthias Erzberger und Walther Rathenau wurden von der Organisation Consul ermordet. Nach dem gescheiterten Attentatsversuch auf Philipp Scheidemann wurde die Gruppe zerschlagen. Die Anhänger sammelten sich im Bund Wiking und der SA.

Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945)

Holocaust-Mahnmal in Berlin

Dem staatlich institutionalisierten nationalsozialistischen Terror fielen ca. 13 Millionen Menschen zum Opfer. Zu den größten Opfergruppen zählen neben den rund sechs Millionen ermordeten Juden 3,3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene und 2,5 Millionen christliche Polen. Auch sowjetische Zwangsarbeiter und die zahlreichen Toten in den deutschen Arbeits- und Konzentrationslagern zählen dazu. Ebenfalls hinzugerechnet werden die ermordeten Sinti und Roma (ca. 219.600), die Opfer der „Rassenhygiene“ (geschätzte 100.000 Personen) sowie etwa 130.000 Personen, die aus politischen oder religiösen Gründen Widerstand gegen das Naziregime leisteten.[6]

Vor der deutschen Wiedervereinigung (1945–1990)

Im Zeitraum nach 1945 und vor 1990 ist mit einer hohen Dunkelziffer von Todesopfern zu rechnen, da eine einheitliche Liste weder journalistisch noch durch amtliche Statistiken geführt wurde. Erstmalige Beachtung kam den Todesopfern rechtsextremer Gewalt in den 1980er Jahren zu. Zu dieser Zeit gab es rechtsterroristische Bestrebungen, die ein breites mediales Echo hervorriefen. In der aktuellen Diskussion wird vereinzelt auf ältere Einzelfälle zurückgegriffen, die im Folgenden aufgeführt werden:

Gedenktafel für den ermordeten Celalettin Kesim
Denkmal am Ort des Anschlags der Münchener Oktoberfestattentate
  • 1974 bei dem Versuch der Entschärfung einer Bombe des Naziterroristen und damaligen Funktionärs der Jungen Nationaldemokraten in Wiesbaden Peter Naumann starb ein Feuerwerker.
  • Bei rassistischen Pogromen am 11. und am 12. August 1979 wurden in Merseburg (Bezirk Halle) zwei kubanische „Vertragsarbeiter“ getötet.[7]
  • Am 5. Januar 1980 wurde der türkische Kommunist Celalettin Kesim am Kottbusser Tor in Berlin von türkischen Faschisten (Graue Wölfe) und Islamisten erstochen.
  • Am 22. August 1980 starben die beiden Vietnamesen Ngoc Nguyen und Anh Lan Do nach einem Brandanschlag der Deutschen Aktionsgruppen um Manfred Roeder auf ein Hamburger Übergangsheim für Flüchtlinge.
  • Am 26. September 1980 das Oktoberfestattentat: Durch die Explosion einer Bombe am Haupteingang des Oktoberfests in München starben 13 Menschen, 211 wurden verletzt, 68 davon schwer.
  • Am 19. Dezember 1980 wurden der Verleger Shlomo Lewin und dessen Freundin Frieda Poeschke in Erlangen durch Uwe Behrendt, ein Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann, umgebracht.
  • Am 1. Januar 1981 wurde im Kreis Ludwigsburg Sydi Battal Koparan (44) von Anhängern des rechtsextremen Motorradclubs „Stander Greif“ erschlagen. Nach der Tat zogen die Skinheads durch den Ort und schrien dabei: „Wo wohnen hier noch Scheißtürken?“[8]
  • Am 29. Mai 1981 kam es zu einer tödlichen Auseinandersetzung zwischen ANS-Mitgliedern. Der 28-jährige Friedhelm Enk, der von mehreren Gesinnungsgenossen begleitet wurde, holte den 25-jährigen ANS-Aktivisten Johannes Bügner aus einer Gaststätte und ermordete ihn mit 20 Messerstichen an der Stadtgrenze von Hamburg. Grund für die Tat war die Homosexualität des Opfers. Enk gestand nach seiner Verhaftung die Tat und wurde zu einer lebenslangen Haft verurteilt.
  • Im Mai 1982 erstach ein Mann in Garbsen seinen indischen Nachbarn, weil die Familie, welche er als „Kanakerpack“ bezeichnete, einen Kinderwagen im Kellergang abgestellt hatte.[8]
  • Im Juni 1982 wurde in Norderstedt Tevik Gürel (26) erschlagen. Vor der Tat sollen die Skinheads „Ausländer raus!“ geschrien haben.[8]
  • Am 24. Juni 1982 erschoss der Neonazi Helmut Oxner bei einem Amoklauf in Nürnberg drei Menschen (William Schenck, Rufus Surles und Mohamed Ehap). Weitere drei Menschen wurden verletzt.[9]
  • Am 16. Oktober 1982 wurden Adrian Maleika und seine Freunde auf dem Weg zum Spiel des Hamburger SV gegen Werder Bremen von Skinheads und gewalttätigen HSV-„Anhängern“ des Fanclubs „Die Löwen“ mit Gaspistolen, Leuchtmunition, Knüppeln und Mauersteinen angegriffen. Maleika flüchtete in ein Gehölz, wo ihn ein Skinhead entdeckte, einen Stein an seinen Kopf warf und ihn brutal zusammentrat. Adrian Maleika verstarb einen Tag später im Krankenhaus des Hamburger Stadtteils Altona an einem Schädelbasisbruch und Gehirnblutungen.[10]
  • Nach einem Brandanschlag der Gruppe Ludwig am 7. Januar 1984 in München erlag einige Monate später das 20-jährige Barmädchen Corinna Tatarotti ihren Verbrennungen.
  • 1984 schoss ein Mitglied der türkischen Grauen Wölfe in Berlin auf Fatma E. und ihre Rechtsanwältin Seyran Ateş. Fatma E. starb, Seyran Ateş wurde lebensgefährlich verletzt.[11][12][13]
  • Am 25. Juli 1985 wurde Mehmet Kaymakcı (29) von drei Neonazi-Skinheads in Hamburg erschlagen.[14][15][16]
  • Am 24. Dezember 1985 erlag der aus der Türkei stammende 26-jährige Ramazan Avcı (1959–1985) seinen Verletzungen, nachdem er drei Tage zuvor in Hamburg-Hohenfelde von jugendlichen Skinheads zusammengeschlagen worden war. Vorausgegangen war eine Hetzjagd, in deren Verlauf Avcı von dem Auto, mit dem ihn die fünf Neonazis und seine beiden Begleiter verfolgten, angefahren wurde, als er in einen Bus flüchten wollte. Die Skinheads schlugen und traten daraufhin auf den am Boden Liegenden so schwer ein, dass er ins Koma fiel und später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag.[15][16]
  • Am 3. Februar 1987 wurde der 17-jährige Nazi-Skinhead Gerd-Roger Bornemann von vier ihm bekannten Neonazis aus dem Spektrum der FAP in Hannover ermordet.[17][18]
  • Am 19. August 1987 wurde der 20-jährige iranische Flüchtling Kiomars Javadi in Tübingen (Baden-Württemberg) nach einem vermeintlichen Diebstahl von Angestellten eines Supermarktes festgehalten und misshandelt. Der 18-jährige Lehrling Andreas U. hatte ihn für 18 Minuten in einen Würgegriff genommen. Laut Gerichtsmedizinern war Kiomars bereits nach vier bis sechs Minuten tot.
  • In der Nacht vom 19. auf den 20. September 1987 gegen 23 Uhr wurde in Staßfurt (Bezirk Magdeburg) der mosambikanische Lehrling Carlos Conceicao (Jg. 1969) durch einen rassistischen Mob getötet.[19]
  • In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 1988 steckte der 19-jährige Auszubildende Josef Saller, Mitglied der Neonazi-Organisation Nationalistische Front, aus rassistischen Gründen in der Schwandorfer Innenstadt ein Haus in Brand, in dem vorwiegend Türken wohnten. Vor Gericht sagte der 19-jährige Täter: „Ich hasse Ausländer.“ Durch den Brandanschlag verloren vier Menschen ihr Leben. Der Arbeiter Osman Can (49), seine Ehefrau Fatma (43), sein Sohn Mehmet (11) und der Akustiker Jürgen Hübener (47) verbrannten bzw. erstickten.[20]
  • Am 12. Mai 1989 wurde der Familienvater Ufuk Şahin im Märkischen Viertel niedergestochen und verstarb. Der Täter gab als Motiv das orientalische Aussehen seines Opfers an.[21][22][23][24] Rund 7000 Menschen nahmen am darauf folgenden Trauermarsch teil. Dieser wurde durch Neonazis gestört.[25]

Nach der deutschen Wiedervereinigung (seit 1990)

Polizeiliche Kriminalstatistik

Todesopfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland (Deutschland)
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Städte, in denen Menschen seit 1990 zu Todesopfern rechtsextremer Gewalt wurden (Red pog.svg). Die Opfer der neonazistischen Mordserie durch die Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund sind gesondert aufgeführt (Orange ff8040 pog.svg) (Stand:2012)

Im Februar 2012 ging das Bundesinnenministerium von 58 Todesopfern seit 1990 aus. Dazu gehören die 46 Todesopfer, die bereits 2009 von der Bundesregierung erwähnt wurden (Stand 2009 – Die Namen der Opfer sind nicht Teil der Antwort der Bundesregierung).[26] Ergänzt wurden die zehn Mordopfer der Neonazi-Mordserie durch die Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund. Bei der Mordserie wurden neun Kleinunternehmer mit Migrationshintergrund ermordet. Die erste bekannte Tat ereignete sich am 9. September 2000, die letzte am 6. April 2006.[27] Bei den Opfern handelt es sich um acht Türkischstämmige sowie einen Griechen. Als letztes Opfer des NSU gilt die Polizistin Michéle Kiesewetter, die am 25. April 2007 durch einen Kopfschuss in Heilbronn ermordet wurde.

Hinzu kommt noch der Fall des im Oktober 2010 in Leipzig ermordeten Irakers Kamal Kilade und zwei Personen, die im Bundesland Sachsen für die Jahre 1996 und 1999 nachgemeldet wurden.[28] Die folgende Liste umfasst die Fälle, die als Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag 2015 gestellt wurde und die weitere Opfer anerkennt. Insgesamt sind nun 75 Opfer durch die Bundesregierung anerkannt.[29]

Nr. Opfer Todesdatum Ort Bundesland Alter
1 Andrzej Fratczak 7. Oktober 1990 Lübbenau Brandenburg
2 Amadeu Antonio Kiowa 6. Dezember 1990 Eberswalde Brandenburg 28
3 Jorge João Gomondai 6. April 1991 Dresden Sachsen 28
4 Agostinho Comboio 16. Juni 1991 Friedrichshafen Baden-Württemberg 34
5 Wolfgang Auch 22. September 1991 Schwedt Brandenburg
6 Samuel Kofi Yeboah 19. September 1991 Saarlouis Saarland 27
7 Gerd Himmstädt 3. Dezember 1991 Hohenselchow Brandenburg 30
8 Timo Kählke 12. Dezember 1991 Meuro Brandenburg 29
9 Dragomir Christinel 15. März 1992 Saal Mecklenburg-Vorpommern 19
10 Gustav Schneeclaus 22. März 1992 Buxtehude Niedersachsen 53
11 Ingo Finnern 19. März 1992 Flensburg Schleswig-Holstein 31
12 Nguyen Van Tu 24. April 1992 Berlin Berlin 29
13 Thorsten Lamprecht 9. Mai 1992 Magdeburg Sachsen-Anhalt 23
14 Emil Wendtland 1. Juli 1992 Neuruppin Brandenburg 50
15 Sadri Berisha 8. Juli 1992 Ostfildern-Kemnat Baden-Württemberg 56
16 Waltraud Scheffler 24. Oktober 1992 Geierswalde Sachsen
17 Rolf Schulze 7. November 1992 Lehnin Brandenburg 52
18 Karl Hans Rohn 13. November 1992 Wuppertal Nordrhein-Westfalen 53
19 Silvio Meier 21. November 1992 Berlin Berlin 27
20 Bahide Arslan 23. November 1992 Mölln Schleswig-Holstein 51
21 Yeliz Arslan 23. November 1992 Mölln Schleswig-Holstein 10
22 Ayse Yilmaz 23. November 1992 Mölln Schleswig-Holstein 14
23 Karl Sidon 18. Januar 1993 Arnstadt Thüringen 45
24 Mike Zerna 25. Februar 1993 Hoyerswerda Sachsen 22
25 Mustafa Demiral 9. März 1993 Mülheim/Ruhr Nordrhein-Westfalen 55–56
26 Matthias Lüders 28. April 1993 Obhausen Sachsen-Anhalt 23
27 Belaid Baylal 4. November 2000 Belzig Brandenburg 42
28 Gürsün Ince 29. Mai 1993 Solingen Nordrhein-Westfalen 27
29 Hatice Genc 29. Mai 1993 Solingen Nordrhein-Westfalen 18
30 Gülüstan Öztürk 29. Mai 1993 Solingen Nordrhein-Westfalen 12
31 Hülya Genc 29. Mai 1993 Solingen Nordrhein-Westfalen 9
32 Saime Genc 29. Mai 1993 Solingen Nordrhein-Westfalen 4
33 Horst Hennersdorf 5. Juni 1993 Fürstenwalde Brandenburg 37
34 Obdachloser Oktober 1993 Marl Nordrhein-Westfalen 33
35 Dagmar Kohlmann 16. Juli 1995[30] Oberwald (Stausee) Sachsen 28
36 Patricia Wright 3. Februar 1996[30] Bergisch Gladbach Nordrhein-Westfalen 23
37 Sven Beuter 20. Februar 1996 Brandenburg an der Havel Brandenburg 23
38 Martin Kemming 15. März 1996 Dorsten-Rhade Nordrhein-Westfalen 26
39 Achmed Bachir 23. Oktober 1996 Leipzig Sachsen 30
40 Frank Böttcher 8. Februar 1997 Magdeburg Sachsen-Anhalt 17
41 Stefan Grage 23. Februar 1997 Autobahn-Parkplatz Roseburg Schleswig-Holstein 34
42 Augustin Blotzki 8. Mai 1997 Königs Wusterhausen Brandenburg 59
43 Matthias Scheydt 23. September 1997 Cottbus Brandenburg 39
44 Erich Fisk 30. August 1998 Angermünde Brandenburg
45 Nuno Lourenco 29. Dezember 1998 Leipzig/ Markkleeberg Sachsen
46 Farid Guendoul 13. Februar 1999 Guben Brandenburg 28
47 Peter Deutschmann 9. August 1999 Eschede Niedersachsen 44
48 Carlos Fernando 15. August 1999 Kolbermoor Bayern 35
49 Patrick Thürmer 2. Oktober 1999 Hohenstein-Ernstthal Sachsen 17
50 Hans-Werner Gärtner 8. Oktober 1999 Löbejün Sachsen-Anhalt 37
51 Jörg Danek 29. Dezember 1999 Halle-Neustadt Sachsen-Anhalt 39
52 Falko Lüdtke 31. Mai 2000 Eberswalde Brandenburg 22
53 Alberto Adriano 11. Juni 2000 Dessau Sachsen-Anhalt 39
54 Norbert Plath 27. Juli 2000 Ahlbeck Mecklenburg-Vorpommern 51
55 Enver Şimşek 9. September 2000 Nürnberg Bayern 38
56 Malte Lerch 12. September 2000 Schleswig Schleswig-Holstein 45
57 Klaus-Dieter Gerecke 24. Juni 2000 Greifswald Mecklenburg-Vorpommern
58 Abdurrahim Özüdoğru 13. Juni 2001 Nürnberg Bayern 49
59 Süleyman Taşköprü 27. Juni 2001 Hamburg Hamburg 31
60 Dieter Manzke 9. August 2001 Dahlewitz Brandenburg 61
61 Habil Kılıç 29. August 2001 München Bayern 38
62 Marinus Schöberl 12. Juli 2002 Potzlow Brandenburg 16
63 Thomas K. 4. Oktobers 2003 Leipzig Sachsen 16
64 Mehmet Turgut 25. Februar 2004 Rostock Mecklenburg-Vorpommern 25
65 Ismail Yaşar 9. Juni 2005 Nürnberg Bayern 50
66 Theodorus Boulgarides 15. Juni 2005 München Bayern 41
67 Mehmet Kubaşık 4. April 2006 Dortmund Nordrhein-Westfalen 39
68 Halit Yozgat 6. April 2006 Kassel Hessen 21
69 Michèle Kiesewetter 25. April 2007 Heilbronn Baden-Württemberg 22
70 Bernd K.[31][32] 23. Juli 2008 Templin Brandenburg 55
71 Rick Langenstein 16. August 2008 Magdeburg Sachsen-Anhalt 20
72 Marwa El-Sherbini 1. Juli 2009 Dresden Sachsen 31
73 Kamal Kilade 24. Oktober 2010 Leipzig Sachsen 19
74 Karl Heinz L. 30. September 2012 Butzow Mecklenburg-Vorpommern 59
75 Charles W. 23. Oktober 2014 Limburg Hessen 55

(Stand 2015 – Grund siehe oben)

Inoffizielle Statistiken

2000 legten der Berliner Tagesspiegel und die Frankfurter Rundschau einen Bericht zu Todesopfern rechtsextremer Gewalt vor, der eine erhebliche Diskrepanz zur offiziellen Statistik aufwies. Darin wurden Fälle dokumentiert, für die die politische Gesinnung des Täters herangezogen wird.

Seitdem existieren eine Reihe von immer wieder korrigierten Listen mit Angaben zu Todesopfern, die deutlich über den durch die Bundesregierung gemachten Angaben liegen. Die folgende Liste der Todesopfer rechtsextremer Gewalt im wiedervereinigten Deutschland orientiert sich an Angaben von Mut gegen rechte Gewalt. Mit derzeit 178 Todesopfern und weiteren elf Verdachtsfällen ist sie die umfangreichste Aufstellung ihrer Art (Stand 2015).[33] Ob es sich bei den nachfolgend aufgeführten Fällen tatsächlich in jedem Fall um Opfer rechtsextremer Täter handelt, kann nicht zweifelsfrei angegeben werden. Nach dem Verlauf der Gerichtsverfahren um den Lübecker Brandanschlag, der seitens der Amadeu Antonio Stiftung ebenfalls in diese Liste aufgenommen worden war, scheint ein rechtsextremer Hintergrund in diesem Fall zweifelhaft. Auf der anderen Seite ist es möglich, dass ein Dunkelfeld unerkannt rechtsextrem motivierter Fälle existiert.

1990

Gedenktafel an die Ermordung Antonios in Eberswalde
Mobilisierungs-Aufkleber für die Gedenkdemonstration am 20. Jahrestag der Ermordung Yusufoğlus.

Für das Jahr 1990 konnten zehn Todesopfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland ermittelt werden:

  1. Am 7. Januar 1990 wurde der 40-jährige Mahmud Azhar in Berlin von einem rassistischen DDR-Bürger angegriffen.[34][35][36] Der aus Pakistan stammende Doktorand wurde am Institut für Biochemie der Freien Universität Berlin von einem Angreifer rassistisch beleidigt. Beim Versuch, telefonisch Hilfe zu organisieren, verletzte sein Angreifer ihn mit einem Feuerlöscherrohr am Kopf. Er starb am 6. März, an den Folgen seiner Verletzung.[2]
  2. Der aus Polen stammende Andrzej Fratczak war das erste Opfer nach der Wiedervereinigung. Der Vorfall bekam nur geringe Aufmerksamkeit in den Medien. Als Fratczak am 7. Oktober 1990 eine Diskothek in Lübbenau (Brandenburg) verlassen wollte, wurde er von drei jungen Männern attackiert, verprügelt und durch einen Messerstich tödlich getroffen. In der darauf folgenden Gerichtsverhandlung stellte sich heraus, dass die drei Angreifer ebenfalls bei dem Überfall auf das Asylbewerberheim in Lübbenau 1992 beteiligt waren. Die Urteile fielen mit zwischen acht Monaten und dreidreiviertel Jahren Freiheitsstrafe verhältnismäßig gering aus, da das Gericht nicht eindeutig feststellen konnte, welcher der Angreifer den tödlichen Messerstich ausführte.[2][37]
  3. Amadeu Antonio Kiowa wurde am 25. November Opfer eines Mobs von 50 bis 60 Rechtsextremen. Der 28-jährige angolanische Vertragsarbeiter war eine von drei Personen, die in dieser Nacht durch Eberswalde (Brandenburg) gejagt und verletzt wurden. Während sich die anderen beiden Personen, zum Teil schwer verletzt, retten konnten, wurde Kiowa lebensgefährlich verletzt. Bis zum 6. Dezember lag Kiowa im Krankenhaus im Koma, wo er an den Folgen des Überfalls verstarb. Im Nachgang gab es eine enorme mediale Aufmerksamkeit bis hinein in den Prozess, bei dem internationale Beobachter anwesend waren. Dass die Urteile erneut niedrig ausfielen, führte zu massiver Kritik an der juristischen Aufarbeitung.
  4. Der 24-jährige Klaus-Dieter Reichert starb am 11. Dezember in Berlin-Lichtenberg. Er sprang in Panik aus einem Fenster seiner im 10. Stock liegenden Wohnung, nachdem drei rechtsextreme Skinheads in seine Wohnung eingedrungen waren und ihn geschlagen hatten. Die drei Männer wurden wegen ihrer bekannten Brutalität von Bekannten des Opfers engagiert, denen er Geld schuldete, um dieses einzutreiben. Die drei Skinheads wurden zu vier Jahren bzw. drei Jahren Haft verurteilt.[2][37]
  5. Im Alter von 17 Jahren starb Nihat Yusufoğlu im rheinland-pfälzischen Hachenburg durch einen Messerstich, der ihn von hinten ins Herz traf. Yusufgoğlu war als Kurde aus der Türkei mit seiner Familie nach Deutschland geflohen. Nachdem er einen Asylantrag gestellt hatte, hatte er seiner Residenzpflicht in Hachenburg nachzukommen. Der Täter gehörte der Freien Kameradschaft „Taunusfront“ an. Bereits im Vorfeld und auch im Nachgang war es zu Anfeindungen der Familie Yusufoğlu gekommen. Yusufoğlu war das erste Opfer rechtsextremer Gewalt nach der Wiedervereinigung, das in Westdeutschland ermordet wurde. Zudem war er das erste türkische Opfer.
  6. In der Silvesternacht wurde in Flensburg ein obdachloser 31-jähriger Mann verprügelt und getreten. Der Täter war ein rechtsextremer Skinhead. Am 6. Januar starb der Mann, nachdem er gegen ärztlichen Rat das Krankenhaus frühzeitig verlassen hatte.[2][37]
  7. Ebenfalls am 31. Dezember kam es im niedersächsischen Rosdorf zu einem Angriff. Zwei junge rechtsextreme Skinheads, die der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) angehören, attackierten Alexander Selchow mit mehreren Messerstichen. Der junge Wehrdienstleistende starb einen Tag später im Alter von 21 Jahren. Der Mann wurde von der Bundesregierung auf eine Anfrage hin im Jahr 1993 als Todesopfer rechtsextremer Gewalt eingestuft, taucht aber bei späteren Anfragen aus den Jahren 1999 und 2009 als solches nicht mehr auf.[2][37]

1991

1991 waren elf Todesopfer rechtsextremer Gewalt zu verzeichnen.

Plakette, in Dresden, die an die Ermordung von Jorge Gomondai erinnert.
  1. Der 28-jährige Jorge João Gomondai verstarb am 6. April 1991 an schweren Kopfverletzungen, die er sich bei dem Sturz aus einer fahrenden Straßenbahn in Dresden zugezogen hat. Der Vorfall ereignete sich, nachdem rechtsextreme Skinheads die Straßenbahn betreten hatten, in der der aus Mosambik stammende und in einem Schlachthof arbeitende Gomondai saß. Ob er gestoßen wurde oder aus Angst vor den dazugestiegenden Personen aus der Bahn sprang, konnte in der darauf folgenden Gerichtshandlung nicht geklärt werden.[2][37]
  2. Der 23-jährige Punk Matthias Knabe wurde am 8. Mai 1991 von 15 Skinheads im niedersächsischen Gifhorn attackiert. Bei dem Versuch zu fliehen, wurde der junge Mann von einem Auto angefahren. Er verstarb am 4. März 1992 an den Folgen der schweren Hirnverletzung, die er sich dabei zugezogen hatte. Auch bei diesem Fall bleibt unklar, ob er von den Skinheads vor das fahrende Auto gestoßen wurde oder bei der Flucht die Straße überqueren wollte.[2][37]
  3. Helmut Leja wurde am 4. Juni 1991 von einem 17-jährigen Skinhead mit einem Messer in Gifhorn-Kästorf (Niedersachsen) erstochen. Dieser hatte den 39-Jährigen aufgrund seiner Obdachlosigkeit als „Abschaum“ bezeichnet.[2][37]
  4. Agostinho Comboio wurde 1956 oder 1957 in Angola geboren und kam in den späten 80er Jahren als Vertragsarbeiter nach Westdeutschland.[38] Er war das erste Todesopfer eines rassistisch motivierten Überfalls in Baden-Württemberg nach der Wiedervereinigung. In der Nacht zum 16. Juni 1991 wurde Comboio im Alter von 34 Jahren vor einer Kneipe in Friedrichshafen von einem Rechtsextremisten verprügelt und erstochen.[39] Nach Amadeu Antonio Kiowa, der am 6. Dezember 1990 in Eberswalde von Neonazis tödlich verletzt worden war, war Comboio das zweite angolanische Todesopfer innerhalb kurzer Zeit. Laut dem Landgericht Ravensburg wurde der Täter nach dem Verbrechen auf Flugblättern der örtlichen rechtsextremen Szene als „Held von Friedrichshafen“ gefeiert. Zudem wurden in der Stadt rassistische Parolen gesprüht. In der Wohnung des Täters fanden sich Flugblätter der Nationalistischen Front und der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei.[40] Der bereits wegen Sachbeschädigung und schwerer Körperverletzung Vorbestrafte gab an, im Alter von zwölf Jahren Skinhead geworden und als Ordner bei Veranstaltungen der Deutschen Volksunion tätig gewesen zu sein.[41] Er wurde im Februar 1992 wegen Totschlags zu fünf Jahren Jugendhaft verurteilt.[39] In der Urteilsbegründung heißt es: „Wir mussten davon ausgehen, dass die Hautfarbe des Opfers wesentlich zur Tat beigetragen hat.“ Diese Begründung wurde teilweise so aufgefasst, dass das Gericht dem Opfer eine Teilschuld zugewiesen habe. So kritisierte beispielsweise Ulrich Wickert die Verurteilung wegen Totschlages anstatt Mordes und sieht sie in eine Reihe anderer seines Erachtens zu milder Urteile deutscher Gerichte gegen rechtsradikale Straftäter nach der Wiedervereinigung.[42] In der vom Mauthausen Komitee Österreich in Kooperation mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und dem Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung veranstalteten Ausstellung Gib den Opfern einen Namen (2003–2004) wurde auch Agostinho Comboio eine eigene Gedenktafel gewidmet.[43] Agostinho Comboio wird im Gedicht Ich hab’ geträumt von Kofi Yakpo erwähnt.[44] Der Konzeptkünstler Hans Haacke nahm in der Installation Kein schöner Land. Weil sie nicht deutsch aussahen, die in der Akademie der Künste in Berlin ausgestellt wurde, Bezug auf die Ermordung Comboios.[45]
  5. Am 16. September wird Wolfgang Auch in Schwedt von acht Tätern in Schwedt (Brandenburg) über zwei Stunden durch Tritte und Schläge brutal mißhandelt, verspottet und beschimpft. Der 28-jahrige erliegt am 22. September seinen Verletzungen. Die Tat wurde erst in der 2015 aktualisierten Liste ergänzt und das Opfer auch durch die Bundesregierung anerkannt.
  6. Samuel Kofi Yeboah verstarb am 19. September 1991 im Alter von 27 Jahren in einem Wohnheim für Asylsuchende in Saarlouis (Saarland). Er starb, nachdem er den Brand bemerkt hatte und sich über das in Flammen stehende Treppenhaus in Sicherheit zu bringen versuchte. 18 weitere Personen, die sich zum Zeitpunkt des Brandes im Haus befanden, konnten sich in Sicherheit bringen oder wurden von der eintreffenden Feuerwehr rechtzeitig gerettet. Zwar konnte der Brand nicht eindeutig aufgeklärt werden, jedoch wurde festgestellt, dass es sich um einen Brandanschlag handelte, da Brandbeschleuniger im Treppenhaus als Brandursache nachgewiesen werden konnte.[46] Yeboah wird von der Bundesregierung als ein Opfer rechtsextremer Gewalt offiziell anerkannt.
  7. Der 19-jährige Mete Ekşi (* 1972 in Berlin) starb am 13. November 1991 in Berlin. Am 27. Oktober 1991 hatte er versucht, eine gewalttätige Auseinandersetzung zu schlichten, und war dabei mit einem Baseballschläger so schwer verletzt worden, dass er ins Koma fiel, aus dem er nicht mehr erwachte. Während das Gericht, welches sich mit den Tätern beschäftigte, einen rechtsextremen Hintergrund verneinte,[47] sprechen andere Quellen von einem rechtsextrem motivierten Angriff, der zum Tod des Jugendlichen führte.[48][49][50]
    Gedenkstein für Mete Ekşi
  8. Gerd Himmstädt verstarb im Alter von 30 Jahren, nachdem er von sieben Jugendlichen, die der rechten Szene angehörten, im brandenburgischen Hohenselchow zusammengeschlagen wurde. Die Jugendlichen, die ihn als „Automatenknacker“ bezeichneten, schlugen mit Baseballschlägern am 1. Dezember 1991 auf ihr Opfer ein. Himmstädt verstarb am 3. Dezember an einer dadurch erlitten Hirnblutung.[2][37]
  9. Timo Kählke wurde von einem Mitglied der neonazistischen Wehrsportgruppe „I. Werwolf-Jagdeinheit Senftenberg“ am 12. Dezember erschossen. Der Täter hatte mit drei Komplizen versucht, Kählkes Auto für einen geplanten Raubüberfall auf ein Casino zu stehlen. Als dieser sich wehrte, wurde der 29-Jährige im brandenburgischen Meuro erschossen.[2][37]

1992

Das Jahr 1992 forderte mit insgesamt 34 Toten die zweitmeisten Todesopfer in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Nr. 22–56).

16.-18. Im hessischen Lampertheim wurde am 31. Januar von drei Jugendlichen eine Flüchtlingsunterkunft angezündet. In den Flammen starben drei Angehörige einer Familie aus Sri Lanka.[2][37]
  1. Aus Rache für eine vorangegangene Auseinandersetzung am Vorabend drangen am 15. März 25 Skinheads in ein Asylbewerberheim im mecklenburg-vorpommerschen Saal ein und schlugen den 18-jährigen Dragomir Christinel zusammen. Der aus Rumänien stammende Christinel starb an den Folgen einer Hirnblutung.[2][37]
  2. Der gelernte Seemann Gustav Schneeclaus war am 18. März von einer Gruppe von Skinheads so schwer misshandelt worden, dass er am 22. März an den Folgen starb. Der Vorfall ereignete sich im niedersächsischen Buxtehude, nachdem Schneeclaus Adolf Hitler als „großen Verbrecher“ bezeichnet hatte. Je nach Quellenlage war Schneeclaus 52 oder 53 Jahre alt.[2][37]
  3. Der 31-jährige Ingo Finnern ertrank am 19. März im Flensburger Hafen. Der Skinhead Sascha D. hatte ihn ins Hafenbecken gestoßen, nachdem er sich als Sinto zu erkennen gegeben hatte.[2][37]
  4. Am 4. April kam es erneut zu einem Brandanschlag, diesmal auf das Asylbewerberheim im nordrhein-westfälischen Hörstel. Der Bewohner Erich Bosse, dessen Alter nicht bekannt ist, verbrannte dabei. Ein Täter konnte bislang nicht ermittelt werden.[2][37]
  5. Am 24. April wurde der 24-[2] oder 29-jährige[37] aus Vietnam stammende Nguyễn Van Tu in Berlin-Marzahn von einem 21-Jährigen mit einem Messerstich in die Lunge getötet, nachdem er zwei Freunden zur Hilfe geeilt war. Der Täter gab an, der Deutschen Volksunion (DVU) nahezustehen.
  6. Thorsten Lamprecht war der erste von insgesamt drei Menschen, die von Neonazis im sachsen-anhaltischen Magdeburg ermordet wurden. Am 9. Mai griffen 50 bis 60 Neonazis in Magdeburg-Cracau die Gaststätte Elbterrassen an. Dort feierten zu diesem Zeitpunkt alternative Jugendliche. Sie wurden von den Angreifern mit Baseballschlägern, Stahlrohren und Leuchtkugeln angegriffen. Acht Jugendliche mussten mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden, unter ihnen der 23-jährige Lamprecht, der am 11. Mai an einem offenen Schädelbasisbruch verstarb.
  7. Der 50-jährige Emil Wendtland wurde am 1. Juli im brandenburgischen Neuruppin zufällig Opfer eines brutalen Übergriffs. Drei Skinheads, die sich zum „Penner klatschen“ verabredet hatten, erstachen ihr wehrloses Opfer, da sie ihn als „Menschen zweiter Klasse“ ansahen.[2][37]
  8. Am 8. Juli wurde Sadri Berisha im baden-württembergischen Ostfildern-Kemnat in seiner Unterkunft Opfer einer Attacke von sieben neonazistischen Skinheads. Nachdem sie sich Reden von Adolf Hitler angehört hatten, zogen diese los, um „Polacken [zu] klatschen“. Sie erschlugen den 56-jährige Kosovo-Albaner mit einem Baseballschläger.[51]
  9. Am 1. August starb Dieter Klaus Klein im rheinland-pfälzischen Bad Breisig. Der von Obdachlosigkeit betroffene Mann schlief dort auf einem Brunnen. Er wurde von dem Lärm, den zwei vorbeiziehende Skinheads mit ihren „Sieg Heil“-Rufen verursachten, geweckt. Als sich Klein daraufhin an die beiden wandte, wurde er von diesen getreten und anschließend mit einem Kampfmesser erstochen.[2][37]
  10. Der aus Polen stammende Ireneusz Szyderski wurde am 3. August von Ordnern attackiert, nachdem er nach dem Besuch eines Discozeltes mit Freunden versuchte, das Gelände im thüringischen Stotternheim zu verlassen. Die Ordner, die später der Erfurter Skinheadszene zugeordnet werden konnten, traten und schlugen den 24-jährigen Erntehelfer so schwer, dass dieser an seinen Verletzungen verstarb.[2][37]
  11. Der 35-jährige Frank Bönisch wurde im rheinland-pfälzischen Koblenz ermordet. Bönisch, der zum Tatzeitpunkt am 24. August obdachlos war, stand gemeinsam mit einer Gruppe von sieben weiteren Personen am Zentralplatz, als der 23-jährige Skinhead Andy Johann H., welcher der „Deutschen Front Coblenz (DFC)“ zugerechnet wurde, ein ganzes Magazin aus einer Smith & Wesson auf die Gruppe abfeuert. Bönisch erlag seinen Schussverletzungen.[2][37]
  12. Auch der 58-jährige Günter Heinrich Hermann Schwannecke starb, weil er obdachlos war. Am 29. August wurde er in Berlin-Charlottenburg von einem Anhänger des Ku-Klux-Klans mit einem Baseballschläger angegriffen. Er verstirbt am 5. September an einem Schädelbasisbruch.[2][37][52]
  13. Waltraud Scheffler ist eine der wenigen Frauen, die von Neonazis ermordet wurden. Am 11. Oktober arbeitete die Aushilfskellnerin im sächsischen Geierswalde, als eine Gruppe von Skinheads in das Restaurant eindrangen. Die Frau, deren Alter unbekannt ist, versuchte auf die Gruppe einzureden, als diese ihre Gesinnung durch „Sieg Heil“-Rufe zu erkennen gaben. Daraufhin verletzte einer der Skinheads Scheffler durch einen Schlag mit einer Holzlatte auf den Kopf so schwer, dass sie fast zwei Wochen später (unterschiedliche Quellen sprechen von 12 bzw. 13 Tagen nach der Tat) verstarb.[2][37]
  14. Der 52-jährige Rolf Schulze wurde von zwei Neonazis ermordet, die sich als Mitglieder der kurz vor dem Verbot stehenden „Nationalen Offensive“ und der „Nationalistischen Front“ zu erkennen gegeben hatten. Am 7. November hatten sie ihr Opfer aufgrund seiner Obdachlosigkeit im brandenburgischen Lehnin ausgesucht. Sie verprügelten ihn und erschlugen ihn zuletzt mit einer Propangasflasche. Nachdem sie die Leiche mehrfach im Kölpinsee untergetaucht hatten, übergossen die beiden Täter die Leiche mit Benzin und zündeten sie an.[2][37]
  15. Am 13. November 1992 wurde der 53-jährige Karl Hans Rohn in Wuppertal ermordet.[53] Der erwerbslose Metzger hatte in einem Gespräch an der Bar behauptet, Jude zu sein, woraufhin der Wirt ihn beleidigte.[54] Zwei junge Neonazis, die ebenfalls anwesend waren, schlugen den Mann daraufhin bewusstlos und erstickten ihn. Anschließend fuhren sie mit ihm über die Grenze in die Niederlande, übergossen ihn mit hochprozentigem Alkohol und zündeten ihn an. Die drei Männer wurden später zu Freiheitsstrafen zwischen acht und 14 Jahren verurteilt.[37] Die beiden Skinheads sollen der Nationalistischen Front angehört haben.[55]
  16. Alfred Salomon hatte als junger Mann die Shoa überlebt. Seinen Lebensabend verbrachte der 92-Jährige in einem Altenpflegeheim im nordrhein-westfälischen Wülfrath. Salomon starb dort am 21. November an einem Herzinfarkt nach einer Auseinandersetzung mit einem ehemaligen Obersturmführer der Organisation Todt. Dieser hatte ihn zuerst aufgrund seiner jüdischen Herkunft beschimpft und anschließend mehrmals geschlagen.[2]
In Berlin erinnert eine Gedenktafel an die Ermordung von Silvio Meier
  1. Der bekennende Antifaschist Silvio Meier war bereits in der DDR im Alter von 17 Jahren Opfer rechtsextremer Gewalt. Er hatte am 17. Oktober 1987 an dem Konzert in der Berliner Zionskirche teilgenommen, dessen Besucher von 30 angereisten Neonazis attackiert und verletzt wurden. Als der 27-jährige Meier am 21. November mit drei Freunden am Berliner U-Bahnhof Samariterstraße auf eine Gruppe von fünf Neonazis stieß, eskalierte die Situation. Den Neonazis hatten sie in einer Rauferei zuvor einen Aufnäher mit der Aufschrift „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“ von der Jacke gerissen. Als die Neonazis die Gruppe um Meier wiedererkannte, zogen diese Messer, stachen auf die Opfer ein und verletzten Meier tödlich. Seit der Ermordung Meiers finden an dessen Todestag jährlich Gedenkdemonstrationen an dieser Stelle statt.
36.-38. In der Nacht auf den 23. November fand ein Brandanschlag in Mölln auf zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser statt. Dabei starben die 51-jährige Bahide Arslan, die 14-jährige Ayse Yilmaz, sowie die 10-jährige Yeliz Arslan. Die von Neonazis mit Molotowcocktails verübten Mordanschläge lösten deutschlandweit Anteilnahme für die Opfer aus.
  1. Der 55-jährige Zeitungsverteiler Bruno Kappi wurde am 15. Dezember Opfer eines nächtlichen Überfalls zweier Neonazis. Diese misshandelten ihn mit Schlägen und Fußtritten, bevor sie ihn schwer verletzt am Boden liegen ließen. Kappi erlag seinen Verletzungen noch am Tatort vor einem Kaufhaus im nordrhein-westfälischen Siegen-Weidenau, wo er später tot aufgefunden wurde.[2]
  2. Am 27. Dezember 1992 wurde Sahin Calisir Todesopfer rechtsextremer Gewalt. Der 20-jährige Deutsch-Türke war mit zwei Begleitern auf der Autobahn 57 im nordrhein-westfälischen Meerbusch unterwegs. Als ein Auto ihn zuerst verfolgte und anschließend rammte, floh er mit seinen Mitfahrern aus Angst aus dem Auto. Calisir wurde dabei von einem Auto erfasst und verstarb in dessen Folge. Die beiden Insassen des ihn verfolgenden Fahrzeugs waren zwei Neonazis. Einen ausländerfeindlichen Hintergrund der Tat wollte das Gericht im späteren Verfahren jedoch nicht feststellen.[2][37]

1993

Das Mahnmal Solinger Bürgerinnen und Bürger wurde errichtet, um an den Brandanschlag in Solingen zu erinnern.

1993 kam es zu zahlreichen Übergriffen, die 44 Menschen das Leben kosteten. Der von Neonazis verübte Brandanschlag von Solingen, dem fünf Menschen zum Opfer fielen, war der traurige Höhepunkt rechtsextremer Gewalt in den 90er Jahren. In der Folge kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen und zu einer breiten gesellschaftlichen Diskussion zum Umgang mit solchen Taten.

  1. Am 18. Januar starb der 45-jährige Parkwächter Karl Sidon im thüringischen Arnstadt. Sidon traf an diesem Tag auf eine Gruppe von fünf Jugendlichen, die der „Babyskin-Szene“ zugerechnet werden. Bereits mehrfach waren die Jugendlichen mit Sidon in der Vergangenheit aneinandergeraten. Diesmal schlugen sie ihn bewusstlos. Anschließend warfen sie den leblosen Körper auf eine stark befahrene Straße, wo der Körper von mehreren Autos erfasst wurde. Sidon erlag seinen Verletzungen im Krankenhaus.[2][37]
  2. Am 24. Januar starb Mario Jödecke. Er war an diesem Tag im thüringischen Schlotheim unterwegs. Als vor einem Heavy-Metal-Konzert linke Punks und Neonazis aufeinander trafen, entwickelte sich eine Schlägerei, bei der der mit einem Baseballschläger bewaffnete 23-Jährige von einem sechs Jahre jüngeren Skinhead mit einem Messerstich ins Herz getötet wurde.[2]
  3. Mike Zerna wurde am 20. Februar 1993 in Hoyerswerda von Skinheads zusammengeschlagen, die anschließend einen Kleinbus auf ihn stießen. Der 22-jährige Metal-Fan war an diesem Tag Fahrer der christlichen Gothic-Metal-Band Necromance. Er erlag sechs Tage später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Mitverantwortlich für seinen Tod sind nach einem Urteil des Landesgerichts Bautzen auch Sanitäter und Polizei, die erst eine Stunde nach dem Vorfall am Tatort ankamen.[37] Die Tat wurde von Ronald Möbus (später Absurd) in einem Leserbrief an die Zeitschrift Rock Hard thematisiert.[56] Enslaved (später Killing Spree) aus Cottbus, die Band seines Bruders Frank, widmete Zerna ihr Debütalbum Where Is the Meaning?.[57]
  4. Mustafa Demiral war ein aus der Türkei eingewanderter Türke in Deutschland, der am 9. März 1993 an einem Herzanfall starb, nachdem er auf offener Straße von zwei Mitgliedern der Republikaner[58] mit einer Gaspistole im nordrhein-westfälischen Mülheim/Ruhr bedroht worden war. Die jungen Deutschen hatten den herzkranken Demiral zuvor verbal belästigt, woraufhin sich dieser zur Wehr setzte. Daraufhin zielten die Männer mit der Waffe auf Demirals Kopf (einige Quellen berichten, die Täter hätten eine Hinrichtungsszene darstellen wollen), woraufhin der so bedrohte 56-Jährige noch 50 Meter weiter ging, zusammenbrach und wenig später an einem Herzinfarkt starb.[59]
  5. Im Streit mit einem befreundeten Neonazi wird Hans-Peter Zarse, der selbst einer rechtsextremen Skinhead-Gruppe angehörte, in der Nähe von Uelzen erstochen.[2][37]
  6. Am 26. April überfielen 40 rechtsextreme Skinheads die zu diesem Zeitpunkt als linker Treffpunkt bekannte Diskothek im sachsen-anhaltischen Obhausen. Unter den anwesenden Gästen war auch Matthias Lüders. Der 23-Jährige war zu diesem Zeitpunkt Wehrdienstleistender und wurde, nachdem ihn zwei Schläge am Kopf trafen, schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Zwei Tage später erlag er seinen Verletzungen. Bei der darauf folgenden Gerichtsverhandlung machte das Landgericht der Polizei den Vorwurf, sie sei vorab über den Vorfall informiert gewesen.[2][37]
  7. Der 35-jährige Belaid Baylal wurde am 8. Mai 1993 von zwei rechtsextremen Skinheads in einer Gaststätte im brandenburgischen Belzig angegriffen. Baylal, der in Marokko geboren wurde, hatte in Deutschland Asyl beantragt. Er musste wegen lebensgefährlicher Verletzungen im Dünndarmbereich ins Krankenhaus eingeliefert werden. Er überlebte, hatte aber infolge des Angriffs in den kommenden Jahren immer wieder Darmverschlüsse, die operativ entfernt werden müssen. Am 4. November 2000 verstirbt Baylal infolge der Spätfolgen des Angriffs an einem weiteren Darmverschluss. Seit 2004 erinnert ein Gedenkstein an den Tod Baylals in Belzig.[2][37]
In Frankfurt am Main wurde ein Platz nach Hülya Genç benannt, die beim Brandanschlag von Solingen ihr Leben verlor.
48.-52. Beim Brandanschlag von Solingen am 29. Mai erlagen Gürsün Ince (27) und der vierjährige Saime Genç ihren Verletzungen, nachdem sie versucht hatten, sich mit einem Sprung aus dem Fenster vor dem Feuer in Sicherheit zu bringen. Hatice Genç (18), Gülüstan Öztürk (12) und Hülya Genç (9) verbrannten in dem Zweifamilienhaus. Ein sechs Monate alter Säugling, ein dreijähriges Kind und der 15 Jahre alte Bekir Genç wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Als Täter wurden vier junge Männer aus der Solinger Neonazi-Szene verurteilt. Der Anschlag löste heftige Reaktionen von friedlichen Demonstrationen bis hin zu gewaltsamen Ausschreitungen aus. Mevlüde Genç, die beim Brandanschlag zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verloren hat, wurde 1996 für ihre Bemühungen um Versöhnung nach dem Anschlag das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
  1. Der obdachlose 37-jährige Horst Hennersdorf wurde am 5. Juni 1993 im brandenburgischen Fürstenwalde von zwei Neonazis angegriffen und stundenlang misshandelt. Der Vorfall wurde von mehreren Passanten beobachtet, die allerdings nicht einschritten. Bei einer Befragung gab später einer der Täter an, dass Hennersdorf auf ihn den Eindruck „eines niedrigen Menschen, eines dreckigen Penners“ gemacht habe.[2][37]
  2. Ein weiterer obdachloser Mann wurde am 16. Juli im nordrhein-westfälischen Marl von Neonazis im Schlaf überrascht. Sie attackierten den am Boden liegenden 33-Jährigen, schlugen und traten ihn bis zur Bewusstlosigkeit. Der Mann verstarb im Oktober an einer Lungenembolie, ohne vorher noch einmal aus dem Koma erwacht zu sein.[2][37]
  3. In der Nacht des 28. Juli 1993 war Hans-Georg Jacobson in der Nähe des brandenburgischen Strausberg in einer S-Bahn unterwegs, als ihn drei Jugendliche aufweckten. Sie verlangten erst Geld von ihm; als sie merkten, dass ihr 35-jähriges Opfer keines dabei hatte, verprügelten sie ihn. Anschließend warfen sie ihn aus der fahrenden S-Bahn. Jacobson erlag seinen Verletzungen.[2][37][60]
  4. Der 19-jährige Bakary Singateh, der auch unter dem Namen Kolong Jamba bekannt war, wurde zum 58. Todesopfer rechtsextremer Gewalt nach 1990. Der aus Gambia stammende Singateh, der in Deutschland Asyl beantragt hatte, war am 7. Dezember im Zug von Hamburg nach Buchholz unterwegs. Ein 54-jähriger Mitfahrer erstach Singath mit einem mitgeführten Messer. Als Grund gab er später an, dass er sich von Singath gestört gefühlt habe. Kollegen des Täters gaben an, dass der Täter bereits vorher durch rassistische Beleidigungen aufgefallen sei. Die Tatwaffe hätte er sich zugelegt, um sich „vor derartigen Leuten zu verteidigen“.[2][37]

1994

Im Jahr 1994 kamen 26 Menschen durch rechtsextreme Gewalttaten ums Leben (Nr. 99–124).

  1. Der 50-jährige Ali Bayram hatte sich als Unternehmer im hessischen Darmstadt niedergelassen. Am 18. Februar wurde er in seiner Wohnung von seinem Nachbarn erschossen. Der als Neonazi bekannte Täter war in die Wohnung eingedrungen, weil die Familie ihm zu laut gewesen sei. Bayrams Tochter wurde von einer Kugel in den Arm getroffen, überlebte aber die Tat.[2]
  2. Im sachsen-anhaltischen Quedlinburg wurde der 43-jährige Eberhart Tennstedt zusammen mit einem weiteren Mann von rechtsextremen Jugendlichen attackiert. Sie waren vorher von einem Kioskbesitzer dazu aufgefordert worden, die beiden obdachlosen Männer zu vertreiben, da sie nicht ins Stadtbild passten. Die Jugendlichen trieben die beiden Männer am 5. April unter anderem mit Schüssen aus einer Gaspistole in einen Fluss. Der alkoholisierte Tennstedt ertrank dort.[2][37]
  3. Als der Vermieter einer Leipziger Wohnung Klaus R. am 28. Mai mit den sechs Neonazis verhandelte, die diese Wohnung besetzt hatten, erschlugen diese den 61-jährigen Mann.[2][37]
  4. Die 32-jährige Beate Fischer wurde am 23. Juli von drei Skinheads erwürgt. Die Frau, die als Prostituierte arbeitete, war den Neonazis zunächst freiwillig in die Wohnung in Berlin-Reinickendorf gefolgt. Als sie nach einer Misshandlung die Wohnung verlassen wollte, ließen sie die Männer nicht gehen. Sie misshandelten Fischer zunächst, bevor sie sie ermordeten.[2][37]
  5. Am 26. Juli ertrank der 45-jährige aus Polen stammende Bauarbeiter Jan W. in Berlin in der Spree. Vorausgegangen war ein Streit, in dessen Verlauf der in Polen geborene W. mit einem Freund in die Spree gejagt wurden. Die eintreffenden Polizisten gaben an, dass die in den Fluss Getriebenen mit den Sprüchen „Polacken, verpisst Euch“ und „lasst den Polen nicht raus“ am Herauskommen gewaltsam gehindert wurden. W. ertrank im Fluss.[2][37]
  6. Am 6. November verstarb der 18-jährige Piotr Kania am Bahnhof des hessischen Rotenburg. Dort war er auf fünf Bundeswehrrekruten gestoßen, von denen einer als Neonazi erkennbar war. Als Kania ihn als „Nazischwein“ bezeichnet hatte, attackierte ihn dieser und tötete Kania mit einem gezielten Stoßdolchstich ins Herz.[2]
  7. Auch Michael Gäbler starb 1994. Der 18-jährige war am 20. November in einem Zittauer Jugendklub auf einer Feier. Als ein Gast Hausverbot wegen nationalistischer Sprüche erhielt, folgte ihm Gäbler und verwickelte ihn in ein Gespräch. In dessen Verlauf stach der des Hauses Verwiesene mit einem Messer auf Gäbler ein und verletzte diesen tödlich.[2]

1995

1995 sind insgesamt 22 Menschen von Neonazis ermordet worden (Nr. 125–146).

  1. Am 5. Februar wurde Horst Pulter im Stadtpark des nordrhein-westfälischen Velbert von einer Gruppe Neonazis auf einer Parkbank schlafend attackiert. Zuerst wurde er durch Schläge und Tritte schwer verletzt, anschließend tötet ein 22-jähriger Angreifer den obdachlosen 65-Jährigen durch einen gezielten Messerstich. Im darauffolgenden Gerichtsverfahren betonte die Staatsanwaltschaft den nationalsozialistischen Hintergrund des Täters. Es stellte sich heraus, dass Pulter zufällig durch die Gruppe als Opfer ausgesucht wurde.[2][37]
  2. Der 24-jährige Bundeswehrsoldat Peter T. befand sich am 3. Juni bei einem Ausflug am Stausee im sächsischen Hohenstein-Ernstthal. Dort wurde er von einer Gruppe von etwa 20 Neonaziskinheads angegriffen, die bereits zuvor einen Pakistani angegriffen und verletzt hatten. T. verstarb neun Tage später in einem Krankenhaus an seinen an diesem Tag erlittenen Kopfverletzungen.[2][37]
  3. Die 25-jährige Dagmar Kohlmann wurde das erste von insgesamt drei Opfern des gesuchten und über Monaten flüchtenden Neonazi Thomas Lemke. Kohlmann kannte Lemke und dessen Freundin, die sie gemeinsam am 16. Juli 1995 aufsuchten. Diese verschleppten das spätere Mordopfer nach Altena in Nordrhein-Westfalen und misshandelten sie in einem Wald, bevor Lemke sie mit einem Klappspaten auf den Kopf schlug und damit tötete.
  4. Auch Klaus Peter Beer wurde 1995 ermordet. Zwei Neonazis wollten dem 48-jährigen Homosexuellen Beer „einen Denkzettel verpassen“. Sie warfen ihn am 7. September im bayrischen Amberg in die Vils, in der er ertrank.[2][37]

1996

Ruine des Lübecker Flüchtlingsheims

Im Jahr 1996 gab es 22 Todesopfer rechtsextremer Gewalt (Nr. 147–168). Darunter fallen allein zehn Personen, die bei einem Brandanschlag in Lübeck, bei dem ein Flüchtlingsheim abbrannte, ums Leben kamen. Da der Tathergang bis heute nicht aufgeklärt ist, ist der rechtsextreme Hintergrund der Tat bis heute umstritten.

68.-77. Am 18. Januar brannte das Flüchtlingsheim in Lübeck, infolge einer Brandstiftung, aus. Zehn Asylbewerber aus Zaire, Ghana, Togo, Tunesien, Syrien und dem Libanon, darunter Kinder und Jugendliche, kamen ums Leben. Die Todesopfer waren Maiamba und Nsuzana Bunga, Françoise, Miya, Christelle, Legrand und Jean-Daniel Makodila, Rabia El Omari und Sylvio Amoussou. 38 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Zahlreiche Menschen waren in Panik aus den Fenstern des brennenden Mehrfamilienhauses gesprungen, das aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammte. Zunächst wurde Neonazis für die Tat verantwortlich gemacht. Die Tat wurde bis heute jedoch nicht aufgeklärt.
  1. Die 23-jährige Patricia Wright wurde in ihrer Wohnung in Bergisch Gladbach zum zweiten Todesopfer des Neonazi-Serienmörders Thomas Lemke. Am 2. Februar 1996 fuhr Lemke mit seinem Bekannten Marcel Müthing zu Wrights Wohnung. Lemke hatte sie auf dem Bahnhof in Hagen kennengelernt und wegen des Aufklebers „Nazis raus“ auf ihrer Kleidung als „Linke“ eingeordnet. Die arglose Frau öffnete die Türe, wurde gefesselt, entkleidet, von Lemke vergewaltigt, mit einem Schnürsenkel gedrosselt, mit einer Gipsfigur auf den Kopf geschlagen und mit 91 Messerstichen getötet.
  2. Am 15. Februar wurde der Punk Sven Beuter in Brandenburg an der Havel von einem Neonazi angegriffen und mit Schlägen und Tritten so schwer verletzt, dass der 23-Jährige am 20. Februar an seinen Verletzung starb.[2][37]
  3. Am 15. März 1996 wurde der 26-jährige Martin Kemming vom Neonazi-Serienmörder Thomas Lemke in einem Stiegenhaus im nordrhein-westfälischen Rhade (Dorsten) erschossen. Kemming galt in Lemkes Augen als Verräter, da der Aussteiger aus der rechtsextremen Szene ihn wegen Bedrohung angezeigt und gegen ihn ausgesagt hatte.
  4. Der 43-jährige Geschäftsmann Bernd Grigol wurde am 8. Mai von drei Neonazis in Leipzig-Wahren umgebracht. Die drei Skinheads trafen nach einer Sauftour auf G., sie schlugen auf ihn ein und erstachen ihn anschließend. Den toten Körper versenkten sie anschließend im Ammelshainer See. Bei der Gerichtsverhandlung gaben die drei Täter an, dies „aus Lust und Spaß“ getan zu haben.[2][37]
  5. Der 26-jährige Boris Morawek wurde von zwei Neonazis am 13. Juli in Wolgast (Mecklenburg-Vorpommern) auf offener Straße erschlagen. Die Täter meinten, in ihrem Opfer einen Sexualstraftäter erkannt zu haben. Die eintreffende Polizei griff nicht mehr rechtzeitig ein.[2][37]
  6. Der Elektriker Werner Weickum war 44 Jahre alt, als er am 19. Juli am Bahnhof von Eppingen (Baden-Württemberg) überfallen wurde. Die Gruppe von jugendlichen Neonazis, von denen später zehn verurteilt werden, schlug Weickum nach der Tat tot.[2][37]
  7. Am 23. Oktober starb Achmed Bachir durch einen Messerstich ins Herz. Der 30-Jährige aus Syrien stammende Asylsuchende war zwei deutschen Angestellten in einem Leipziger Gemüseladen zur Hilfe geeilt, als diese von zwei Neonazis als „Türkenschlampen“ beschimpft und bedroht wurden. Bachir drängt die Männer aus dem Laden, als diese ein Messer ziehen und ihn damit vor dem Laden ermorden.[2][37]

1997

Auch 1997 wurden Menschen Opfer von rassistischen und rechtsextremen Gewalttätern. Dabei werden 16 Todesopfer gelistet (Nr. 169–184).

  1. Am 31. Januar wurde der 42-jährige Phan Van Toan am Bahnhof von Fredersdorf (Brandenburg) Opfer eines Gewaltverbrechens. Von einem oder zwei Neonazis wurde der Mann geschlagen, im Verlauf der Auseinandersetzung schlug sein Kopf mehrfach auf den Betonfußboden auf. Das Gericht bescheinigte dem Hauptangeklagten, die Tat sei durch „Ausländerhass“ motiviert.[2][37]
  2. Der 18-jährige Frank Böttcher, der seit kurzer Zeit der Punk-Szene angehörte, war am Nachmittag des 7. Februars mit einer Straßenbahn zum im Magdeburger Stadtteil Neu Olvenstedt gelegenen Krankenhaus gefahren, um sich dort eine Handverletzung behandeln zu lassen. Den Krankenschwestern berichtete er von einer Gruppe rechtsextremer Skinheads, die ihn auf dem Weg angepöbelt hatten. Auf dem Rückweg traf er am späten Abend des 7. Februar an der Endhaltestelle der Straßenbahn erneut auf einen oder mehrere Jugendliche, die ihn aufgrund seines Aussehens als Punker angriffen. Der oder die Täter rissen ihn zu Boden und traten auf ihn ein. Kurze Zeit später wurden Böttcher mit sieben Messerstichen und Tritten gegen den Kopf tödliche Verletzungen zugefügt. Im Gedenken an den Tod Böttchers werden in Magdeburg regelmäßig Demonstrationen gegen Rechtsextremismus abgehalten. Der Gedenkstein, der an der Haltestelle der Tat an Böttcher erinnert, wurde mehrfach geschändet.
  3. Nachdem der Neonazi Kay Diesner am 19. Februar einen 63-jährigen Buchhändler aus Berlin-Marzahn mit einer Pumpgun angeschossen hatte, geriet er am 23. Februar in eine Polizeikontrolle auf dem Parkplatz Roseburg an der A 24 im Kreis Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein. Hier kam es zu einem Feuergefecht, in dessen Verlauf Diesner den 34-jährigen Polizeiobermeister Stefan Grage tödlich und einen weiteren Beamten schwer verletzte. Im weiteren Ablauf feuerte Diesner auf zwei weitere Polizeibeamten und konnte, selbst durch ein Projektil getroffen, festgenommen werden.
88.-89. Am 17. April kam es innerhalb von einer Gruppe von Neonazis in Berlin-Treptow zum Streit, in dessen Verlauf die Neonazis Olaf Schmidke und Chris Danneil von ihren „Kameraden“ erstochen wurden.[2][37]
  1. Der 50-jährige Erwerbslose Horst Gens wurde am 22. April in Sassnitz auf Rügen von vier jungen Neonazis geschlagen und in einen Straßengraben geworfen. Anschließend warfen die Skinheads einen 30 Kilogramm schweren Stein auf ihr Opfer, wodurch er starb. Als Motiv für die Tat gaben sie an, dass sie „Assis klatschen“ wollten.[2][37]
  2. Augustin Blotzki (59) wurde am 8. Mai in seiner Wohnung in Königs Wusterhausen (Brandenburg) zweimal innerhalb von einer Stunde von jungen Rechtsextremisten überfallen, wegen seines Namens als „Bulgarensau“ und „Ausländerschwein“ beschimpft und zuletzt zu Tode geprügelt. Auch er war erwerbslos.[2][37]
  3. Am 23. September wurde Matthias Scheydt, 39 Jahre alt, in Cottbus (Brandenburg) von einem 19-jährigen Nazi erstochen, nachdem er diesen als „Nazisau“ beschimpft hatte.[2][37]
  4. Ebenfalls am 23. September wurde der Obdachlose Erich Fisk (39) in Angermünde (Brandenburg) von jungen Männern attackiert, welche ihm schwere Kopfverletzungen zufügten. Bis zum 30. August 1998 lag Fisk im Krankenhaus im Koma, ehe er seinen Verletzungen erlag.[2]
  5. Josef Anton Gera[61] (59) hatte nach Angaben seiner Mörder ihnen zunächst sexuelle Avancen gemacht, worauf ihn die beiden 26- und 34-jährigen rechtsextremen Skinheads am 14. Oktober in Bochum attackierten und ihm mit einem Stahlrohr schwere innere Verletzungen zufügten, denen der Rentner drei Tage später erlag. Im Krankenwagen teilte er noch mit, dass die Täter Rechtsradikale gewesen seien.[2][37]

1998

1998 sind drei Fälle von Todesopfern rechtsextremer Gewalt bekannt (Nr. 185 bis 187).

  1. Die 14-jährige Jana Georgi wurde am 26. März in Saalfeld (Thüringen) von einem 15-jährigen Nazi auf offener Straße erstochen, nachdem sie ihn zuvor als „Faschist“ bezeichnet hatte.[2][37]
  2. Der portugiesische Zimmermann Nuno Lourenco (49) wurde im Juli von acht Neonaziskinheads zwischen 18 und 20 Jahren in Leipzig zusammengeschlagen. Er starb am 29. Dezember in seiner Heimat Portugal an seinen Verletzungen.[2][37]

Ab 1999

  1. Am 13. Februar 1999 kam es zu einem Fall, der bundesweit als „Hetzjagd in Guben“ diskutiert und wahrgenommen wurde. Im brandenburgischen Guben wurden drei Personen von circa elf Neonazis verfolgt. Auf der Flucht verletzte sich der 28-jährige Farid Guendoul die Beinarterie und verblutete. Auch die aus Sicht vieler Journalisten viel zu milden Strafen für die Täter waren Teil der Berichterstattung. Am Ort des Geschehens wurde von Anwohnern ein Gedenkstein aufgestellt. Zum 10. Jahrestag gab es mehrere Gedenkaktivitäten.[62]
  2. Am 17. März 1999 in Duisburg-Walsum wurde der 58-jährige Frührentner Egon Effertz von drei rechtsextremen Skinheads angegriffen und zu Tode getreten und mit einem Strick ermordet. Die Täter sagten später im Prozess aus, dass sie aus „purer Lust an der Menschenjagd“ gehandelt hätten. Der Haupttäter wurde zu lebenslanger Haft, seine beiden Mittäter zu zehn und acht Jahren Haft verurteilt.[63]
  3. Am 9. August 1999 wurde der 44-jährige Obdachlose Peter Deutschmann in Eschede von zwei jugendlichen Skinheads zu Tode getreten. Im Prozess wurde ein rechtsextremer Hintergrund der Tat verneint. Allerdings wurde der Fall später von der Bundesregierung in einer Anfrage der PDS zu den rechtsextremen Taten gezählt. Der Täter Johannes Kneifel studierte später Theologie und wurde Pfarrer. Nach der Veröffentlichung seines Aussteigerbuchs Vom Saulus zum Paulus: Skinhead, Gewalttäter, Pastor – meine drei Leben trat er medial häufig in Erscheinung.[64][65] Marco Siedbürger, der andere Täter, ist weiterhin in rechtsextremen Kreisen aktiv und wurde 2009 wegen Körperverletzung zu 14 Monaten Haft verurteilt.[63][66]
  4. Am 15. August wurde Carlos Fernando im Alter von 35 Jahren im bayrischen Kolbermoor totgeprügelt. Der im Mosambik geborene Fernando wurde, nachdem er eine Bar besucht hatte, vom Täter, der bereits vorher anderen Männer aufgelauert hatte, so schwer verprügelt, dass er an seinen Verletzungen verstarb. Der Täter, der sich über ein zugeparktes Auto aufgeregt hatte, konnte von der Polizei dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet werden. Fernando wurde wegen seiner Hautfarbe zum Opfer. Die Tat wurde als „versuchtes Tötungsdelikt mit fremdenfeindlicher Motivation“ von der Polizei erfasst.[67] Der Täter Roman G. wurde am 16. Mai 2000 wegen „Körperverletzung mit Todesfolge“ zu zehn Jahren Haft verurteilt. An Fernando erinnert eine Gedenkentafel auf dem örtlichen Friedhof.[68]
  5. In der Nacht zum 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, wurde Patrick Thürmer von drei Neonazis im sächsischen Hohenstein-Ernstthal attackiert. Die Neonazis machten Jagd auf Teilnehmer eines Konzertes, an dem Thürmer teilnahm. Thürmer wurde von der Neonazis mit einem Billardqueue und einem Axtstiel so schwer am Kopf verletzt, dass er starb. Der Haupttäter wurde zu elf Jahren Haft verurteilt.[37] Thürmer starb mit 17 Jahren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Maler und Lackierer.[69] Die Erinnerung an Patrick Thürmer wird durch die Initiative „erinnern:nachdenken:handeln“ wachgehalten.[70]

Die weiteren Todesopfer werden im Folgenden tabellarisch aufgelistet:

Nr. Opfer Todesdatum Ort Bundesland Alter
102 Kurt Schneider 6. Oktober 1999 Berlin-Lichtenberg Berlin 38
103 Hans-Werner Gärtner 8. Oktober 1999 Löbejün Sachsen-Anhalt 37
104 Daniela Peyerl 1. November 1999 Bad Reichenhall Bayern 18
105 Karl-Heinz Lietz 1. November 1999 Bad Reichenhall Bayern 54
106 Horst Zillenbiller 1. November 1999 Bad Reichenhall Bayern 60
107 Ruth Zillenbiller 1. November 1999 Bad Reichenhall Bayern 59
108 Jörg Danek 29. Dezember 1999 Halle-Neustadt Sachsen-Anhalt 39
109 Bernd Schmidt 31. Januar 2000 Weißwasser Sachsen 52
110 Helmut Sackers 29. April 2000 Halberstadt Sachsen-Anhalt 60
111 Dieter Eich 25. Mai 2000 Berlin-Buch Berlin 60
112 Falko Lüdtke 31. Mai 2000 Eberswalde Brandenburg 22
113 Alberto Adriano 11. Juni 2000 Dessau Sachsen-Anhalt 39
114 Thomas Goretzki 14. Juni 2000 Dortmund Nordrhein-Westfalen 35
115 Yvonne Hachtkemper 14. Juni 2000 Waltrop Nordrhein-Westfalen 34
116 Matthias Larisch von Woitowitz 14. Juni 2000 Waltrop Nordrhein-Westfalen 34

Als strittig gilt die Tötung der Polizisten Matthias Larisch von Woitowitz (35), Yvonne Hachtkemper (34) und Thomas Goretzki (35) am 14. Juni 2000 in Dortmund und Waltrop durch den Neonazi Michael Berger.[71][72] Während das Innenministerium NRW von einer Verschleierungstat ausging, da Berger ohne Führerschein unterwegs war,[73] bezeichnen mehrere Medien sie als rechte Tat.[74][75] Die Neonazistische Kameradschaft Dortmund bekannte sich in Aufklebern zu Berger und feierte die Tat als „3:1 für Deutschland.“[76][77] Bei den Todesopfern des Amoklaufs von Bad Reichenhall am 1. November 1999 (Daniela Peyerl, Karl-Heinz Lietz, Horst Zillenbiller, Ruth Zillenbiller) wurde eine rechtsextreme Motivation von der Staatsanwaltschaft ausgeschlossen.[78] Zwar hatte der Täter Martin Peyerl in der Zeit vor der dem Amoklauf damit begonnen, sich für die Neonazi-Szene[78] zu interessieren, doch lässt sich hierbei keine Verbindung zu seiner Tat herstellen, da er seine Opfer willkürlich und nicht nach politisch motivierten Kriterien ausgesucht hatte, sodass über sein Motiv weiterhin Unklarheit herrscht.

Am 25. November 2000 wurde Eckard Rütz von Neonazis in Greifswald ermordet
Gedenktafel, die an Michèle Kiesewetter erinnert. Die Polizistin war das letzte von zehn Todesopfern der rechtsterroristischen Gruppierung Nationalsozialistischer Untergrund
Nr. Opfer Todesdatum Ort Bundesland Alter
117 Klaus-Dieter Gerecke 24. Juni 2000 Greifswald Mecklenburg-Vorpommern 47
118 Jürgen Seifert 9. Juli 2000 Wismar Mecklenburg-Vorpommern 52
119 Norbert Plath 27. Juli 2000 Ahlbeck Mecklenburg-Vorpommern 51
120 Enver Şimşek 9. September 2000 Nürnberg Bayern 38
121 Malte Lerch 12. September 2000 Schleswig Schleswig-Holstein 45
122 Eckhardt Rütz 25. November 2000 Greifswald Mecklenburg-Vorpommern 38
123 Willi Worg 25. März 2001 Milzau Sachsen-Anhalt 38
124 Fred Blanke 26. März 2001 Grimmen Mecklenburg-Vorpommern 51
125 Mohammed Belhadj 22. April 2001 Jarmen Mecklenburg-Vorpommern 31
126 Abdurrahim Özüdoğru 13. Juni 2001 Nürnberg-Langwasser Bayern 49
127 Süleyman Taşköprü 27. Juni 2001 Hamburg Hamburg 31
128 Dieter Manzke 9. August 2001 Dahlewitz Brandenburg 61
129 Doris Botts 17. August 2001 Fulda Hessen 54
130 Habil Kılıç 29. August 2001 München Ramersdorf Bayern 38
131 Axel Obernitz 24. Mai 2001 Bad Blankenburg Thüringen 27
132 Ingo B. 6. November 2001 Berlin Berlin 36
133 Kajrat Batesov 4. Mai 2002 Wittstock Brandenburg 24
134 Klaus Dieter Lehmann 15. Mai 2002 Neubrandenburg Mecklenburg-Vorpommern 19
135 Marinus Schöberl 12. Juli 2002 Potzlow Brandenburg 16
136 Ahmet Sarlak 9. August 2002 Sulzbach Saarland 19
137 Hartmut Balzke 27. Januar 2003 Erfurt Thüringen 48
138 Andreas Oertel 21. März 2003 Naumburg Sachsen-Anhalt 40
139 Enrico Schreiber 29. März 2003 Frankfurt/Oder Brandenburg 25
140 Günter T. 20. April 2003 Stauchitz Sachsen 35
141 Gerhard Fischhöder 10. Juli 2003 Scharnebeck Niedersachsen 49
142 Thomas K. 4. Oktober 2003 Leipzig-Wahren Sachsen 16
143 Hartmut Nickel 7. Oktober 2003 Overath Nordrhein-Westfalen 61
144 Mechthild Bucksteeg 7. Oktober 2003 Overath Nordrhein-Westfalen 53
145 Alja Nickel 7. Oktober 2003 Overath Nordrhein-Westfalen 26
146 Petros C. 6. Dezember 2003 Kandel Rheinland-Pfalz 22
147 Stefanos C. 6. Dezember 2003 Kandel Rheinland-Pfalz 22
148 Viktor Filimonov 20. Dezember 2003 Heidenheim Baden-Württemberg 15
149 Aleksander Schleicher 20. Dezember 2003 Heidenheim Baden-Württemberg 17
150 Waldemar Ickert 20. Dezember 2003 Heidenheim Baden-Württemberg 16
151 Oleg Valger 21. Januar 2004 Gera/Bieblach-Ost Thüringen 27
152 Martin Görges 30. Januar 2004 Burg Sachsen-Anhalt 46
153 Mehmet Turgut 25. Februar 2004 Rostock Mecklenburg-Vorpommern 25
154 Thomas Schulz 28. März 2005 Dortmund Nordrhein-Westfalen 32
155 Mann 1. Juli 2005 Essen Nordrhein-Westfalen 44
156 Ismail Yaşar 9. Juni 2005 Nürnberg Bayern 50
157 Theodoros Boulgarides 15. Juni 2005 München Westend Bayern 41
158 Tim Maier 26. November 2005 Bad Buchau Baden-Württemberg 20
159 Andreas Pietrzak 6. Mai 2006 Plattling Bayern 41
160 Mehmet Kubaşık 4. April 2006 Dortmund Nordrhein-Westfalen 39
161 Halit Yozgat 6. April 2006 Kassel Hessen 21
162 Andreas F. 1. Januar 2007 Wismar Mecklenburg-Vorpommern 30
163 Michèle Kiesewetter 25. April 2007 Heilbronn Baden-Württemberg 22
164 M. S. 14. Juli 2007 Brinjahe Schleswig-Holstein 17
165 Peter Siebert 26. April 2008 Memmingen Bayern 40
166 Bernd Köhler 22. Juli 2008 Templin Brandenburg 55
167 Hans-Joachim Sbrzesny 1. August 2008 Dessau Sachsen-Anhalt 50
168 Rick Langenstein 17. August 2008 Magdeburg Sachsen-Anhalt 20
169 Karl-Heinz Teichmann 23. August 2008 Leipzig Sachsen 59
170 Marcel W. 24. August 2008 Bernburg Sachsen-Anhalt 18
171 Marwa El-Sherbini 1. Juli 2009 Dresden Sachsen 31
172 Sven M.[79] 14. Mai 2010 Hemer Nordrhein-Westfalen 27
173 Kamal Kilade 24. Oktober 2010 Leipzig Sachsen 19
174 Duy Doan Pham 27. März 2011 Neuss Nordrhein-Westfalen 59
175 André Kleinau 27. Mai 2011 Oschatz Sachsen 50
176 Klaus-Peter Kühn 16. Juni 2012 Suhl Thüringen 59
177. Der 59-jährige Karl Heinz L. lebte in Butzow (Mecklenburg-Vorpommern) als er am 30. September 2012 seiner Tochter, die ihm des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, die Tür öffnete. Deren Freund Max L. (29) schlägt und tritt Karl Heinz L., bevor er ihn mit einem Küchenmesser ersticht. Der Richter sieht die rechtsextreme Gesinnung von Max L. in der darauf folgenden Gerichtsverhandlung als bewiesen an.
Als 178. und damit bislang letztes, in der Liste aufgezähltes Opfer, wurde Charles W. in Limburg (Hessen) getötet. Er verstarb am 23. Oktober 2014 an den Verletzungen, die ihn Mitbewohner einer städtischen Obdachlosenunterkunft durch Schläge und Tritte zugefügt hatten. Im Gerichtsprozess wurde festgehalten, dass der 55-jährige aus Ruanda stammende W. aus "fremdenfeindlichen" Motiven sterben musste.[80]

Verdachtsfälle

Die folgenden Todesopfer sind in der Liste von Mut gegen rechte Gewalt als "Verdachtsfälle" angegeben:

  1. 15 Neonazis erschlugen am 5. Januar 1992 im brandenburgischen Klein-Mutz bei Gransee den 18-jährigen Ingo Ludwig.[81]
  2. Am 26. Mai 1993 verstarb der 25-jährige Jeff Dominiak. Dominiak, der im brandenburgischen Waldeck mit seinem Motorrad unterwegs war, wurde von einem betrunkenen rechtsextremen Skinhead, der in einem gestohlenen Auto unterwegs war, überfahren. Bei dem darauf folgenden Gerichtsverfahren blieb offen, ob der Täter das Opfer gekannt hatte. Dominiak war 1983 der Hauptdarsteller im DEFA-Spielfilm Bockshorn.[2][37]
  3. Antonio Melis (37) wurde am 13. Februar von zwei Männern im brandenburgischen Caputh zuerst verprügelt und später in der Havel ertränkt. Vermutlich war die italienische Herkunft des Opfers ausschlaggebend für die Tat. Mehrere Zeugen sprachen vor Gericht von rechtsextremen Äußerungen der Täter.[2][37]
  4. Georg Uhl (46) wurde am 27. September vom selben Skinhead, der Matthias Scheydt erstochen hatte, in Cottbus getötet, nachdem der Skinhead Geld von ihm verlangt hatte, obwohl Uhl keines dabei hatte.[2]

Weitere Verdachtsfälle:

Nr. Opfer Todesdatum Ort Bundesland Alter
5 Klaus-Dieter Harms 9. August 2001 Wittenberge Brandenburg 61
6 Arthur Lampel 9. September 2001 Bräunlingen Baden-Württemberg 18
7 Oury Jalloh 7. Januar 2005 Dessau Sachsen-Anhalt 36
8 Andrea B. 31. Oktober 2012 Hannover Niedersachsen 44
9 Konstantin M. 18. Juli 2013 Kaufbeuren Bayern 34[82]

2014 gesteht Ibrahim B. den Mord an den beiden Kindern Jenisa (8 Jahre), 2007 und Dano (5 Jahre) 2014. Als Tatmotiv gab er den "Hass auf Albaner" an. Die Tat ist nicht eindeutig als rassistisch zu klassifizieren, da die Tat von Beziehungskonflikten überlagert war.[83][84][85]

Weitere Fälle

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Neben den in der Liste angegebenen Personen werden in der Presse gelegentlich auch andere Personen als mögliche Opfer rechtsextremer Gewalt erwähnt.

Weitere Fälle:

  1. Am 27. Juli 1990 wird ein obdachloser Mann in Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) von zwei Neonazis so schwer zusammengeschlagen, dass er kurze Zeit später stirbt.
  2. Nach einem Bundesliga-Basketballspiel am 21. Oktober 1990 in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) griffen rechte Skinheads eine Fan-Gruppe des SSV Ulm auf dem Ludwigsburger Bahnhof an. Dabei warfen sie Molotow-Cocktails in die, am Bahnsteig stehende, Menge, die daraufhin die Flucht ergriff. Einer der Flüchtenden ist der 23-jährige Ulmer Fan Eberhard Arnold. Dieser stürzte vor eine einfahrende S-Bahn, wird von ihr überrollt und stirbt.
  3. Ein Mann aus der Türkei stirbt am 17. November 1990, nachdem ein von Türken bewohntes Haus in Kempten (Bayern) mit Brandsätzen angegriffen wird.
  4. Nachdem der 27-jährige sowjetische Oberstleutnant A. Rustanow am 13. April 1991 in Rathenow (Brandenburg) von einem Auto überfahren wird, berichtet die Lokalpresse davon, sodass der Eindruck einer gezielten fremdenfeindlichen Tat im Raum stand.[86] Bereits am nächsten Tag wird dieser Eindruck dort jedoch unter Verweis auf die Polizei widerrufen. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass es sich um ein "Tötungsverbrechen" handele.[87]
  5. Der 35-jahrige Gerhard Sch. wird am 1. Juni 1991 in Leipzig (Sachsen) in der Straßenbahn 17 von einem Neonazi mit Stiefeltritten verletzt und aus dem Waggon gestoßen. Er stirbt am 11. Juni an seinen schweren Kopfverletzungen.
  6. Ein 54-jahriger Sinto stirbt an seinen Schussverletzungen, nachdem am 7. Juli 1991 eine aus 20 Personen bestehende Gruppe namens "Höchster Bürger" in Gelnhausen (Hessen) seine Familie überfällt und beschießt.[88]
  7. Jäger schießen 1992 auf einem Getreidefeld bei Nadrensee (Mecklenburg-Vorpommern) an der deutsch-polnischen Grenze auf eine Gruppe von etwa 25 Flüchtlingen, die gerade die Grenze überquert haben. Die beiden rumänischen Roma-Flüchtlinge Grigore Velcu und Eudache Calderar sterben durch die Schüsse. Die Schützen geben an, sie hätten geglaubt, es habe sich um Wildschweine gehandelt.[89]
  8. 15 Neonazis erschlugen am 5. Januar 1992 im brandenburgischen Klein-Mutz bei Gransee den 18-jährigen Ingo Ludwig.[81]
  9. Die 13-jährige Melanie Harke wird am 11. März 1992 in Schwedt (Brandenburg) von einer Gruppe rechtsextremer und gewaltfaszinierter Jugendlicher über einen Zeitraum von fünf Stunden in einem Keller festgehalten, geprügelt und sexuell missbraucht. Sie stirbt an ihren Verletzungen.
  10. Am 25. April wurde der 31-jahrige Peter Konrad aus Potsdam beim "Baumblütenfest" in Werder an der Havel (Brandenburg) wegen seiner langen Haare von Mitgliedern der rechtsextremen Hooligan-Gruppe "Wannseefront" und Nazi-Skinheads zu Tode getreten und geprügelt.
  11. Die beiden Jugendlichen Mario S. (16) und Mario H. (16) aus der antifaschistischen Szene werden am 8. November 1992 bei Königs Wusterhausen (Brandenburg) tot neben den Bahngleisen der S-Bahn-Strecke Königs Wusterhausen - Wildau aufgefunden. Als Todes-Ursache wird genannt, die beiden seien beim S-Bahn-Surfen ums Leben gekommen, obwohl bekannt war, dass einer der beiden aus Angst vor Angriffen durch organisierte Neonazis die S-Bahn fast nie betrat. Auch Hinweisen auf verbale Drohungen durch Neonazis ging die Staatsanwaltschaft nicht nach. Erst im Frühjahr 1993 nimmt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wegen Mordes auf, nachdem Indizien vorgelegt wurden, die einen Mordverdacht nahelegten. Die Ermittlungen verliefen jedoch im Sande.
  12. Bei einem Brandanschlag im Dezember 1992 auf das Haus einer kroatischen Familie in Jänschwalde (Brandenburg) stirbt ein Familienvater. Die Polizei geht von Brandstiftung "mit politischem Hintergrund" aus. Die Ermittlungen verlaufen jedoch schleppend und ergebnislos.[90][91]
  13. Hans-Jochen Lommatsch wurde am 18. Dezember 1992 von einem Neonazi mit Fußtritten und Faustschlägen im brandenburgischen Oranienburg ermordet. Der 51-jährige Baumaschinist inspizierte am Abend vor dem Schlafengehen sein neues Auto, als zwei junge Neonazi-Skinheads auf ihn trafen. Sie attackierten ihn ohne einen konkreten Grund. Der 26-jährige Haupttäter gestand später im Gerichtsprozess, dass es auch jeden anderen hätte treffen können.[2][37]
  14. Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt im Jahr 1993 prügelte der Neonazi Bernd Tödter (* 1974) mit einem Freund in Bad Segeberg einen Obdachlosen zu Tode. Für diese Körperverletzung mit Todesfolge wurde er 1993 in Kiel zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt, ein „unverständlich geringes Urteil für einen glatten Mord“, wie es in Sicherheitskreisen hieß. Noch in der Haftzeit in Neumünster soll sich T. über das „unwerte Leben“ geäußert haben, das er mit seiner Tat beseitigt habe.
  15. Ein Jugendlicher aus dem rechtsextremen Spektrum tritt am 7. Januar 1993 in Wetzlar (Hessen) einen von Obdachlosigkeit betroffenen Mann zu Tode.[92]
  16. Zwei Neonazis verprügeln am 15. Januar 1993 in Erfurt (Thüringen) einen Mann und stoßen ihn vor ein Auto, das ihn tödlich erfasst.
  17. Der 21 Jahre alte rumänische Asylbewerber Lorin Radu wird am 22. Januar im Hof des Polizeireviers von Staßfurt (Sachsen-Anhalt) wird vom beaufsichtigenden Polizeibeamten rücklings erschossen. Lorin R. war zusammen mit einem Freund zur Personalienüberprüfung auf die Wache mitgenommen worden, weil sie sich beide – entsprechend dem Asylverfahrensgesetz (heutige Bezeichnung: Asylgesetz) – in Sachsen-Anhalt nicht hätten aufhalten dürfen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt und verurteilt den Beamten wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe.
  18. Mordfall von Sondershausen Am 29. April 1993 lockten die drei Jugendlichen Sebastian Schauseil, Hendrik Möbus und Andreas Kirchner, allesamt damalige Mitglieder der rechtsextremen NS-Black-Metal-Band Absurd, den 15-jährigen Sandro Beyer zu einem am Wald befindlichen Kriegerdenkmal bei Sondershausen (Thüringen). Kurze Zeit später erdrosselten sie ihn in einer Waldhütte mit einem Stromkabel. Sebastian Schauseil gab im Verhör an, dass Sandro Beyer ein beliebiges Opfer gewesen sei und dass er schon immer einmal einen Menschen töten wollte, um zu spüren, wie es sich anfühle. Laut dem gerichtlichen Urteil hätten die Täter „die Achtung vor dem Menschen, vor seiner Würde verloren“. Nach seiner Haftentlassung verhöhnte Möbus das Opfer als „Volksschädling“.
  19. In einer Zelle des Bundesgrenzschutzes auf dem Gelände des Rhein-Main-Flughafens Frankfurt starb am 6. Mai 1993 die 59 Jahre alte Polin Miroslawa Kolodziejska durch „Ersticken“. Offiziell soll die „verwirrte Frau“ Selbstmord begangen haben. In ihrem Rachen wurden Stoffstücke (2 cm x 5 cm) und ein 40 cm langes Klebeband aus Textilfaser gefunden. Ihr Gebiss war zerbrochen. Ihr Körper weiste Blutergüsse und ihr Mund Verletzungen auf. Ursprünglich war die strenggläubige Katholikin, Mutter dreier Kinder, auf dem Weg zu einer Papst-Audienz nach Rom. Noch viereinhalb Jahre nach ihrem Tod fordern Menschenrechtsvereine den Einsatz einer internationalen Untersuchungskommission, um die Geschehnisse zu überprüfen.
  20. Ebenfalls am 8. Mai 1993 erstachen Unbekannte in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) einen 22-jährigen Ausländer und verletzten einen 33-jährigen Landsmann schwer. Die beiden aus Osteuropa stammenden Personen wurden auf offener Straße in einem Neubauviertel angegriffen. Die Staatsangehörigkeit der Opfer wollte die Polizei mit Hinweis „auf laufende Ermittlungen“ nicht preisgeben. Laut Berliner Zeitung soll es sich bei dem Toten um einen Angehörigen der GUS-Streitkräfte handeln.
  21. In Coburg (Bayern) wurde am 20. Mai 1993 bei einem Brandanschlag auf ein Wohnhaus ein Mensch getötet und vier weitere verletzt. Laut Pressesprecher der Stadt Coburg sei ein politischer Hintergrund nicht auszuschließen. In dem Haus wohnten zwei türkische Familien und eine deutsche. Das Feuer wurde im Flur gelegt. Der Anschlag wurde erst nach einer Woche bekannt.
  22. In Göttingen wurde am 21. Mai 1993 ein 20-jähriger Bundeswehrsoldat, der mit einem türkischen Bekannten und einer bulgarischen Freundin auf ein Frühlingsfest gegangen war, nach einer Schlägerei von Unbekannten nach Verlassen des Schützenplatzes mit einem Gegenstand, vermutlich einem Baseballschläger, auf den Kopf geschlagen. Der Soldat ging nach Hause. Er starb dort an den Folgen der Verletzung. Freunde und Angehörige vermuten einen rechtsextremen Hintergrund, da der Täter „glattrasiert wie ein Skinhead“ war. Der Bundeswehrsoldat soll „wegen seines südländischen Aussehens oft genug angepöbelt“ worden sein. Für die Polizei ist das Motiv unklar, sie will aber einen rechtsextremen Hintergrund nicht ausschließen.
  23. Am 26. Mai 1993 verstarb der 25-jährige Jeff Dominiak. Dominiak, der im brandenburgischen Waldeck mit seinem Motorrad unterwegs war, wurde von einem betrunkenen rechtsextremen Skinhead, der in einem gestohlenen Auto unterwegs war, überfahren. Bei dem darauf folgenden Gerichtsverfahren blieb offen, ob der Täter das Opfer gekannt hatte. Dominiak war 1983 der Hauptdarsteller im DEFA-Spielfilm Bockshorn.[2][37]
  24. Ebenfalls am 26. Mai 1993 verbrannten drei Kinder aus Eritrea im Alter von ein, zwei und vier Jahren in Heppenheim in Hessen. Es wurde gezielte Brandstiftung vermutet.
  25. Ein Arbeiter aus Mosambik starb am 10. Juni 1993 bei einem Brandanschlag in seiner Zelle in der JVA Dresden (Sachsen).
  26. In Dülmen (Nordrhein-Westfalen) wurde am 17. Juni 1993 der 41-jährige kurdische Flüchtling Abdi Atalan am Eingang seiner Unterkunft erschossen. Die Polizei fahndete nach zwei deutschen Männern, von denen einer eine Glatze hatte. Sie geht von einem rassistischen Motiv aus.
  27. In Berlin-Kreuzberg starben am 19. Juni 1993 eine 29-jährige Frau und ihr zweijähriger Sohn bei einem Brandanschlag auf ein Haus, in dem sich eine kurdische Gaststätte befand. Bereits Tage zuvor hatten Unbekannte ein Hakenkreuz auf den Gehweg am Kellereingang geschmiert. Die Polizei will ein politisches Motiv nicht ausschließen.
  28. Der 29-jährige Obdachlose Bernd Z. wurde im Juni 1993 von vier Männern durch Schläge und Tritte ermordet. Seine Leiche versteckten sie in einem leerstehenden Haus in Pritzwalk (Mecklenburg-Vorpommern). Die Leiche wurde erst Anfang Oktober entdeckt, Ende Oktober wurden die vier Mörder verhaftet.
  29. In einer Parkanlage in Mühlhausen in Thüringen stach am 28. Juni 1993 ein Deutscher zweimal auf einen 26 Jahre alten rumänischen Flüchtling ein und verletzt ihn so schwer, dass der Rumäne am nächsten Tag in der Universitätsklinik Jena seinen Verletzungen erlag.
  30. Ein Neonazi schlug am 22. Juli 1993 in Uelzen (Niedersachsen) einen 16-jahrigen Schüler aus Lüneburg nieder und setzte ihn in Brand.
  31. Der 51-jährige Holger T. wurde am 19. September 1993 in Werneuchen bei Bernau (Brandenburg) von fünf rechtsradikalen Jugendlichen mit einer Eisenstange erschlagen. Anschließend wurde er verbrannt und in den Oder-Havelland-Kanal geworfen.
  32. In Bad Wildungen (Hessen) starben am 5. Oktober 1993 bei einem Brandanschlag ein Mann aus Sri Lanka, seine deutsche Frau und ihre beiden Kinder.
  33. In Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) wurde am 10. Oktober 1993 ein türkischstammiger Obdachloser durch Rechtsradikale mit Messerstichen getötet.
  34. Ein Mann türkischer Herkunft starb nach einem Brandanschlag auf das Flüchtlingsheim in Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein) am 25. Dezember 1993 an seinen Verletzungen.
  35. In der Flüchtlingsunterkunft in Humboldt-Gremberg (Nordrhein-Westfalen) wurde am 26. Januar 1994 gezielt ein Brandanschlag gegen eine bosnische Roma-Familie verübt. In der Folge dieses Anschlags starben am 7. Februar die 61-jährige Raina Jovanovic und am 12. März die 11-jährige Jasminka.
  36. Ein unbekannter Flüchtling aus Zaire, der am 1. Februar 1994 als "blinder Passagier" auf einem deutschen Frachtschiff entdeckt wurde, wurde von der Mannschaft über Bord geworfen und ertrank.
  37. In einem Wald bei Trebnitz (Brandenburg) überprüften Polizisten am 25. Februar 1994 einen PKW, in dem drei rumänische Männer nächtigten. Die Beamten eröffneten gegen die unbewaffneten Rumänen das Feuer, wodurch ein 18-jähriger Mann tödlich in den Rücken getroffen wurde. Am 29. Dezember 1995 wurden die Polizisten zu Bewährungsstrafen von sieben bzw. zehn Monaten verurteilt.
  38. Bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Göttingen (Niedersachsen) starb eine Frau aus der Türkei.
  39. Während der Magdeburger Himmelfahrtskrawalle am 12. Mai 1994 wurde der 30-jahrige Algerier Farid Boukhit in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) von einer Gruppe Neonazis mit Holzknüppeln zusammengeschlagen und schwer verletzt. Er starb am 27. September an den Folgen seiner Verletzungen.[93]
  40. Ein 19-jähriger Mann, der illegal aus Rumänien einreiste, wurde am 15. Juni 1994 von einem Polizisten in Kyritz (Brandenburg) durch einen Kopfschuss getötet. Der Beamte sprach von einem Unfall, der Schuss aus der entsicherten Pistole habe sich bei einem Schlag ins Genick des Rumänen gelöst. Im rumänischen Konsulat wurde von einem Mord ausgegangen und die mangelnde Kooperationsbereitschaft der deutschen Behörden verurteilt. Am 20. August 1996 wurde der Beamte vom Landgericht Neuruppin wegen fahrlässiger Tötung zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.
  41. In Hannover wurde der 17-jährige kurdische Asylbewerber Halim Dener beim Kleben von ERNK-Plakaten erwischt und von einem Polizeibeamten in Zivil erschossen. Ein Gutachten des Landeskriminalamtes ergab, dass sich Halim Dener im Polizeigriff befunden haben muss, als ihn die tödliche Kugel in den Rücken traf. Der Schütze, Klaus T., Beamter eines Sondereinsatzkommandos (SEK), wurde am 27. Juni 1997 von dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung von der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Hannover freigesprochen. Zitat aus der Begründung: Bei der Schussabgabe habe „die waffenführende Hand nicht mehr der bewußten Kontrolle des Beamten“ unterlegen.
  42. Bei einem Brandanschlag auf das Flüchtlingsheim in der Herner Straße 87 in Bochum erstickte der neunjährige Esam Chandin im brennenden Haus. Sein Vater und seine fünf Geschwister kamen mit Verletzungen ins Krankenhaus. 27 Menschen wurden obdachlos.
  43. Der 42-jährige Gunter Marx war am 6. August im brandenburgischen Velten mit dem Fahrrad unterwegs, als er auf einer Gruppe von Jugendlichen stieß. Die Gruppe forderte Geld von Marx. Als dieser angab, keins dabei zu haben, wurde er mit einem schweren Schraubenschlüssel erschlagen. Ein Täter war als Neonazi polizeibekannt.[2][37]
  44. Die 23-jährige Romni Bukurjie Haliti und ihr 11-jähriger Bruder Navgim starben am 28. September 1994 in einer brennenden Flüchtlingsunterkunft bei Herford (Nordrhein-Westfalen). 74 Menschen konnten sich aus der Container-Wohnanlage retten. Sie und auch die beiden Toten waren Flüchtlinge aus dem Kosovo. Ursache des Feuers: Brandstiftung. In den letzten Jahren hatte es mehrere Angriffe - auch Brandanschläge - auf die Container-Siedlung gegeben.
  45. Bei einem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Zell an der Mosel (Rheinland-Pfalz) starben am 4. Januar 1995 zwei kosova-albanische Mädchen im Alter von zwei und vier Jahren.
  46. In Mellendorf bei Hannover brannte am 8. Januar ein Wohncontainer für Flüchtlinge völlig aus. Eine 27-jährige Serbin aus Belgrad und drei ihrer Kinder kamen in den Flammen ums Leben. Als Ursache des Brandes wurde Brandstiftung ermittelt.
  47. Der 20-jährige Guido Zeidler wurde in der Nacht des 23. Februar 1995 in Hennigsdorf (Brandenburg) von mindestens fünf rechtsextremen Jugendlichen erschlagen, zuvor wurden ihm beide Kniescheiben zerschlagen. Der Vater eines Kindes, der nachts alleine unterwegs gewesen war, wurde nach Informationen von Antifaschistinnen u. a. von dem Schüler Gordon M. und dem Lehrling Maik K. getötet. M. wurde nach der Tat auf Kaution freigelassen. Auch K. kam frei, weil er angeblich in Notwehr gehandelt hätte. Beide sind in Hennigsdorf als rechte Schläger bekannt. Ein Freund des Opfers wurde nach der Tat ebenfalls von Neonazis bedroht.[94]
  48. Der neunjährige Eisam Chandin starb am 22. Juni 1995 in Bochum (Nordrhein-Westfalen) an einer Rauchvergiftung, nachdem auf ein Asylbewerberheim, in dem hauptsächlich Flüchtlinge aus dem Libanon lebten, ein Brandanschlag verübt wurde.
  49. Bei einem Brandanschlag auf ein Hochhaus starben am 29. August 1995 in Ulm (Baden-Württemberg) zwei Flüchtlinge aus Ghana und dem Tschad.
  50. Am 5. September starben in Lübeck ein Deutscher und eine Frau aus der Türkei, nachdem auf ihr Haus ein Brandanschlag verübt wurde.
  51. Der 21 Jahre alte nepalesische Flüchtling K. C. Shiva wurde am 29. Dezember 1995 von der Heimleitung seiner Flüchtlingsunterkunft im nordrhein-westfälischen Beckum-Vellern (Nordrhein-Westfalen) als vermisst gemeldet. Sechs Jahre später, am 1. Oktober 2001, wurde der Leichnam von K. C. Shiva aus einem Baggersee nahe einem kleinen Flugplatz in Ganderkesee (Niedersachsen) geborgen. Der Tote war in Tüchern verschnürrt und mit Kalksandsteinen beschwert. Er wurde schon vor Jahren erdrosselt. Im August 2003 mussten sich zwei Männer, die schon wegen eines anderen Mordes in Haft sitzen, vor dem Landgericht Bremen wegen der Morde an K. C. Shiva und an einem Bremer Kaufmann verantworten. Es handelte sich um den 31-jährigen Till-Hauke H. als mutmaßlichen Haupttäter und um seinen ein Jahr älteren Komplizen. Laut Anklage brachte Till-Hauke H. den Nepalesen aus Eifersucht und Fremdenfeindlichkeit um. Sein Freund habe nichts getan, um die Tat zu verhindern.
  52. Am 17. Dezember 1995 wurde der 19-jährige Gerhard Helmut B. in Leipzig-Großzschocher (Sachsen) von den drei gleichaltrigen Jugendlichen ermordet. Täter und Opfer hatten sich in einem Jugendwohnprojekt in Rheinland-Pfalz kennengelernt, die drei jungen Männer zwangen ihr späteres Opfer dazu, sie zu Straftaten nach Leipzig zu begleiten. Als der 19-Jährige das Trio anzeigte, bestrafen sie ihn mit tödlichen Misshandlungen und werfen ihm dabei zudem seine Homosexualität vor. Vier Monate später, im April 1996, wurde die Leiche von Gerhard Helmut B. entdeckt. Im Frühjahr 1996 wurf die Staatsanwaltschaft Leipzig den Tätern Mord an einem Homosexuellen vor. Die Jugendlichen wurden vor dem Landgericht Leipzig zu Jugendhaftstrafen zwischen dreieinhalb und acht Jahren verurteilt.
  53. Bergkamen: Bei einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Bergkamen (Nordrhein-Westfalen) am 24. Dezember 1995 starben drei Kinder.
  54. Am 30. Dezember 1995 starb der 43-jährige Wohnungslose Horst K. in Leipzig. K. wurde von zwei Jugendlichen, Steffen S. (21) und Marlon S. (20), in einer Straßenbahn angezündet. Beide steigen gegen 21:00 Uhr in einen Waggon der Linie 15 an der Haltestelle Plovdiver Str./Jupiterstr. (Grünau) zu. Als sie den schlafenden Horst K. erblicken, soll Marlon S. seinen Freund Steffen S. animiert haben, diesen anzuzünden. Daraufhin zündete Steffen S. den Schlafenden mit einem Feuerzeug an. der sofort Feuer fing. An nächsten Haltestelle wechselten beide in den Triebwagen, um zu sehen, wie K. brannte. Steffen S. fand dies „cool“. Als die Notbremse ausgelöst wurde flüchteten beide. Horst K. erlitt Brandverletzungen zweiten und dritten Grades an 40 % der Körperoberflächen und verstarb an seinen Verletzungen auf dem Weg ins Krankenhaus.
  55. Am 23. Januar wurde ein obdachloser Mann in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) angegriffen und starb am nächsten Tag an seiner Kopfverletzung.
  56. In der Justizvollzugsanstalt Kassel (Hessen) starben bei einem Zellenbrand zwei 20-jährige algerische Gefangene. Weil beide Opfer als drogenabhängig - einer von ihnen zudem als selbstmordgefährdet - eingestuft waren, befanden sie sich im Zentralkrankenhaus der Justizvollzugsanstalt. Die Haftgründe waren illegaler Aufenthalt und der Besitz von zwei Gramm Kokain. Die Gefängnisleitung sprach von einem Doppelselbstmord. Die Feuerwehr und auch antirassistische Gruppen widersprachen dem, zumal die Notrufanlage defekt war und die Gefangenen eine halbe Stunde geschrien hatten, bis die Schließer aufmerksam wurden. Ein Löschschlauch, der sich in der Nähe der Zelle befand, blieb unbenutzt, weil der Schlüssel zum Kasten fehlte.
  57. Der 16-jährige Jude Akubakar aus Sierra Leone ertrank im Ziegelwiesenkanal in Hamburg. In der Vermutung, es seien Zivilpolizisten bei einer Razzia, sprang er aus dem Fenster des Wohnschiffes, als es an der Tür klopfte, denn er war in Halberstadt in Sachsen-Anhalt als Asylbewerber gemeldet und durfte sich nicht in Hamburg aufhalten. Obwohl sofort Alarm gegeben wurde und auch die Wasserschutzpolizei schnell vor Ort war, machten Polizei und Feuerwehr keinerlei Rettungsversuche. Erst die mit einem Hubschrauber eingeflogenen Taucher, die 40 Minuten später eintrafen, gingen ins Wasser. Jude A. konnte nur noch tot geborgen werden. Die Bewohner des Wohnschiffes protestierten gegen dieses Verhalten der Rettungsmannschaften, indem sie Müllcontainer anzündeten.
  58. Im Jahr 1996 starb der 34-jährige Andras Götz. Er wurde das 166. Todesopfer rechtsextremer Gewalt nach 1990, nachdem ihm am 1. August im brandenburgischen Eisenhüttenstadt sechs Neonazis auflauerten. Sie schlugen und traten den Mann brutal. Anschließend stahlen sie ihrem Opfer Bargeld und seine EC-Karte.[2][37]
  59. In der Nacht zum 21. September 1996 starb ein 36 Jahre alter Asylbewerber aus der Ukraine durch ein Feuer im Flüchtlingsheim in Menden-Lendringsen (Nordrhein-Westfalen). Sechs weitere Flüchtlinge werden verletzt. Ein Brandanschlag wird mit „großer Wahrscheinlichkeit“ angenommen. Das Feuer hatte kurz vor 5 Uhr seinen Ausgang von einem Zimmer im ersten Stock genommen.
  60. Am 1. Januar ermordeten vier rassistische Jugendliche in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) einen 57-jährigen Obdachlosen.
  61. Bei der Verfolgung eines 23-jährigen rumänischen Einbrechers in Fürstenwalde im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg) wurde dieser durch einen Kopfschuss getötet. Der Schuss hätte sich aus der Pistole eines Polizisten gelöst, der die Waffe zur Eigensicherung gezogen hatte. Diese Version der Tat wurde in den Medien angezweifelt.
  62. Antonio Melis (37) wurde am 13. Februar von zwei Männern im brandenburgischen Caputh zuerst verprügelt und später in der Havel ertränkt. Vermutlich war die italienische Herkunft des Opfers ausschlaggebend für die Tat. Mehrere Zeugen sprachen vor Gericht von rechtsextremen Äußerungen der Täter.[2][37]
  63. Der 26-jährige Kurde Bektas Heval starb bei einem Brand des Flüchtlingsheimes "Fallenbrunnen" in Friedrichshafen am Bodensee (Baden-Württemberg). 53 BewohnerInnen wurden verletzt, fünf erlitten schwere Verletzungen. Da die Fenster im Erdgeschoss des Gebäudes vergittert waren und der Brand im Eingangsbereich wütete, mussten sich die meisten der 370 Bewohner aus höheren Etagen retten. Sie benutzten Bettlaken zum Abseilen und Matratzen oder sogar Sofas, um den Sprung aus sieben Metern Höhe sicherer zu machen. Kinder wurden aus den Fenstern geworfen. Über einhundert Plastikboxen, die sogenannten Fresspakete für die Flüchtlinge, die im Eingangsbereich des Gebäudes gelagert wurden, waren in Brand geraten. Während die Polizei keine Brandstiftung bestätigen kann, berichten die Flüchtlinge von zwei Bombendrohungen im Mai, weshalb die Unterkunft auch schon geräumt werden musste. Sie fragten sich, warum in der Brandnacht die beiden öffentlichen Telefone im Haus zerstört wurden, und sie sprachen von drei Brandherden, die sich an verschiedenen Türen befanden. Am 7. Juni teilte die Polizei mit, dass der Brand des Flüchtlingsheimes durch Brandstiftung entstanden ist und dass sich „keine Hinweise auf eine fremdenfeindliche Tat ergeben hätten“.[95]
  64. In der Nacht vom 23. August auf den 24. August 1997 starb in Potzlow (Brandenburg) ein 45-jähriger Mann an den Folgen eines Angriffs einer Gruppe Jugendlicher, die ihn mit Baseballkeulen schlugen und auf der Straße liegen ließen. Ein VW-Transporter überrollte den Mann.
  65. Am 3. Dezember 1998 verübten Neonazis einen Brandanschlag auf ein Obdachlosenheim in Berlin-Schöneberg. Dabei starb ein Heimbewohner, fünf Männer und zwei Frauen erlitten Rauchvergiftungen.
  66. Rachid Sbaai, 19-jähriger Flüchtling aus Marokko, starb am 30. August 1999 in einer brennenden Zelle in der JVA Büren (Nordrhein-Westfalen) an Rauchvergiftung. Sbaai, der seit dem 9. März 1999 in Abschiebehaft saß, wurde am 30. August im Rahmen einer gefängnisinternen Disziplinarmaßnahme zu einer Arreststrafe von sieben Tagen in einer Isolationszelle (offizieller Begriff: „Schlichtzelle“) im Keller verurteilt. In diesem Gefängnis im Gefängnis herrschen folgende Bedingungen: 8,5 m² Grundfläche, ein nicht zu öffnendes Fenster, fest montiertes Mobiliar, ein Notfall-Alarm-Knopf. Verbot von Büchern, Zeitungen, Fernsehen und Radio, absolutes Rauchverbot. Bei Ankunft: Kleiderwechsel und Abnahme aller persönlichen Dinge. Eine Stunde Hofgang am Tage - allein. Als der Mitgefangene R., der in einer der Nachbarzellen arrestiert war, Rachid Sbaais Rufe „Anquithouni! Anquithouni!“ („Rette mich! Rette mich!“) hört und den Brandgeruch wahrnimmt, betätigt er sofort den Alarmknopf in seiner Zelle. Später wurde festgestellt, dass auch in Rachid Sbaais Zelle der Alarmknopf gedrückt war. Beamte der JVA trafen allerdings erst nach 15 Minuten bei der brennenden Zelle ein – und zwar auf ihrem standardmäßigen Rundgang. Die staatsanwaltlichen Ermittlungen ergaben, dass das Büro, in dem die Not-Signale ankommen, nicht besetzt war – und es auch keine Dienstanweisung für eine permanente Besetzung gab. Obwohl der Anwalt der Familie Sbaai an zwölf Punkten nachweist, dass die Ermittlungen zum Tode Rachid Sbaais fehlerhaft geführt wurden, wurde das Ermittlungsverfahren im Herbst 2000 eingestellt.

Weitere Fälle:

Opfer Todesdatum Ort Bundesland Alter
Mann 12. Januar 2001 Eschwege Hessen 63
John Amadi 26. Januar 2001 Düsseldorf Nordrhein-Westfalen 19
Axel Obernitz 24. Mai 2001 Bad Blankenburg Thüringen 27
Frank H. 6. Juli 2001 Witten Nordrhein-Westfalen 33
Klaus-Dieter Harms 9. August 2001 Wittenberge Brandenburg 61

Am 9. September 2001 wurde der 18-jährige Arthur Lampel bei einem Fest in Bräunlingen (Baden-Württemberg) von dem Neonazi Patrick S. bei einer Auseinandersetzung zwischen Festbesuchern durch den Wurf eines Weizenbierglases an den Kopf getötet. Es bleibt ein Verdacht bestehen, denn der rechtsextreme Patrick S. hat mit dem Wurf des Bierkruges in jedem Fall eine schwere Verletzung des Opfers billigend in Kauf genommen.

Opfer Todesdatum Ort Bundesland Alter
Roland Masch 1. Juni 2002 nahe dem Ort Neu Mahlisch Brandenburg 29
Zygmunt R. November 2002 Altdorf Bayern 53
Wolfgang H. 6. Dezember 2002 Stralsund Mecklenburg-Vorpommern 35
Edgar R. 5. Juni 2004 Güsten Sachsen-Anhalt 47
Mann Januar 2005 Stuttgart Baden-Württemberg 46
Holger Urbaniak 7. Oktober 2007 Frankfurt/Oder Brandenburg 49
Nguyen Tan Dung 6. August 2008 Berlin Berlin 19
Burak Bektaş 5. April 2012 Berlin Berlin 22
Luke Holland 20. September 2015 Berlin Berlin 31

Neue Überprüfung

Bei einer Überprüfung von 3300 Tötungen und Tötungsversuchen ohne Verdächtige haben Bundeskriminalamt und Landespolizeibehörden in 746 Fällen aus dieser Zeit Anhaltspunkte „für eine mögliche politische rechte Tatmotivation“ entdeckt.[96] Angestoßen wurde die neue Überprüfung durch einen Erlass des Bundesinnenministeriums Ende 2011. Die neue Überprüfung war nach Bekanntwerden der NSU-Morde initiiert worden. Bis zum Sommer 2014 sollten endgültige Zahlen vorliegen.[veraltet][97][98] Die Prüfung obliegt dem Gemeinsamen Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus/Rechtsterrorismus (GAR).

Wie das Bundesinnenministerium am 4. Dezember 2013 bestätigte, hat eine erste Überprüfung von 3.300 bislang unaufgeklärten Tötungsdelikten auf Opfer- und Tatmerkmale ergeben, dass in insgesamt 746 Fällen mit 849 Todesopfern zwischen 1990 und 2011 Anfangsverdachtsmomente für ein rechtsextremes Tatmotiv vorliegen. Unter diesen Fällen sind auch 137 Fälle der recherchierten „Opferlisten“.[99]

Am 27. Juli 2015 gab das Bundesinnenministerium an, dass seit 1990 75 Personen bei 69 Anschlägen mit rechtsextremem Hintergrund ermordet worden seien. Dies sind 17 Mordopfer mehr als zuvor bekannt, wovon 15 Fälle bei einer gemeinsamen Überprüfung alter Fälle durch die Kriminalämter des Bundes und der Länder gefunden wurden und zwei neuere Fälle hinzukamen.[100]

Weblinks

 Commons: Todesopfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bundesregierung korrigiert Opferzahl rechter Gewalt nach oben. Abgerufen am 26. April 2016.
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at au av aw ax ay az ba bb bc bd be bf bg bh bi bj bk bl bm bn bo bp http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de: Todesopfer rechter Gewalt seit 1990
  3. Johannes Kloth: Kritik an Erfassung rechtsextremer Straftaten., in: Saarbrücker Zeitung online, 18. April 2012
  4. Reform der polizeilichen Erfassung rechter Straftaten. Archiviert vom Original am 28. Juni 2013, abgerufen am 8. September 2015.
  5. Rechtsterrorismus – Es begann im Jahr 1919 von Sven Felix Kellerhoff in Welt online, 14. November 2011: Erst nach dem international Aufsehen erregenden Attentat auf Rathenau wurde durch das Republikschutzgesetz die OC zerschlagen. Ihre verbliebenen Anhänger sammelten sich in verschiedenen der zahlreichen rechtsextremen Gruppierungen der frühen Zwanzigerjahre, darunter dem „Bund Wiking“ und der gerade entstehenden SA der Hitler-Bewegung. Insgesamt fielen in den Anfangsjahren der Weimarer Republik mindestens 23 Menschen, nach anderen Angaben bis zu 400 den als „Fememorden“ bekannten Aktionen rechter Terrorgruppen in Deutschland zum Opfer. OC = Organisation Consul, Anm. d. A.
  6. Hellmuth Auerbach, in: W.Benz: Legenden Lügen Vorurteile online verfügbar
  7. Harry Waibel: Der gescheiterte Antifaschismus der SED – Rassismus in der DDR, Frankfurt am Main 2014, S. 128–130.
  8. a b c Nutten und Bastarde erschlagen wir. In Westdeutschland machen Gewalttäter mobil gegen Ausländer. In: Der Spiegel. Nr. 27, 1982, S. 38 (online 5. Juli 1982).
  9. Lebende Zeitbomben. In: Der Spiegel. Nr. 27, 1982, S. 32–35 (online 5. Juli 1982).
  10. Fankrawalle: Steine statt Flanken. Abgerufen am 8. September 2015.
  11. der SFB Abendschau Beitrag von 1984 im Dokumentarfilm Der Jungfrauenwahn von Güner Yasemin Balci, ARTE 4. Dezember 2015
  12. Türkei: Seyran Ates große Reise. Abgerufen am 8. September 2015.
  13. Die Tyrannei der Liebe. Archiviert vom Original am 19. Juni 2012, abgerufen am 8. September 2015.
  14. Vorwürfe der Türken: Manche lernen Karate. Abgerufen am 8. September 2015.
  15. a b „Nichts erinnert an dieses Verbrechen“
  16. a b Christian Unger: Was Hass aus Liebe macht, Hamburger Abendblatt Online, 23. Juni 2012.
  17. Rechte Armee Fraktion. In: Der Spiegel. Nr. 33, 1987, S. 78–79 (online 10. August 1987).
  18. ROGER BORNEMANN – Tod eines Skinhead 78 min/ARD, 1989 Mit dem Nachwuchspreis der deutschen Filmkritik ausgezeichnet
  19. Harry Waibel: Rassisten in Deutschland, Frankfurt am Main 2012, S. 124f.
  20. Bericht vom Brandanschlag (Memento vom 6. Oktober 2002 im Internet Archive)
  21. Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus - Wahrnehmung von Stimmungen, Einstellungen, Haltungen in Berlin seit 1983. Abgerufen am 8. September 2015.
  22. Jürgen Leinemann: Ein Herz und eine Mitte. In: Der Spiegel. Nr. 18, 1991, S. 140–162 (online 29. April 1991).
  23. Handlungsstrategien gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit bei Jugendlichen in Berlin und Brandenburg. Abgerufen am 8. September 2015.
  24. Handlungsstrategien gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit bei Jugendlichen in Berlin und Brandenburg in der Google-Buchsuche
  25. Der Spiegel vom 26. Juni 1989
  26. Rechtsextreme Tötungsdelikte seit 1990 und antisemitisch motivierte Schändungen jüdischer Friedhöfe seit 2000. Abgerufen am 8. September 2015.
  27. Claus Peter Müller, Axel Wermelskirchen, David Klaubert: Verbrechensserie vor Aufklärung: Heilbronn, Eisenach, Dönermorde. In: FAZ. 11. November 2011, abgerufen am 15. November 2011.
  28. Frank Jansen: Jetzt offiziell 58 Todesopfer rechter Gewalt im Tagesspiegel vom 20. Februar 2012
  29. https://www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/gruenebundestag_de/themen_az/rechtsextremismus/KA_18_5488.pdf
  30. a b Gisela Friedrichsen: Zuflucht bei den Nazis. In: Der Spiegel. Nr. 13, 1997 (online 24. März 1997).
  31. Bilanz des Innenministeriums: Zahl der politisch motivierten Straftaten steigt auf Rekordniveau in: Der Spiegel vom 20. April 2009
  32. Templin: Staatsanwaltschaft erhebt Mordanklage gegen Neonazis in: Der Spiegel vom 27. November 2008
  33. http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/chronik-der-gewalt/todesopfer-rechtsextremer-und-rassistischer-gewalt-seit-1990/
  34. Sammlung von TAZ Artikel über den Todesfall Mahmut Azahr
  35. Erinnern an zwei politische Morde in Berlin
  36. Gedenktafel für Mahmud Azhar Ostpreußendamm 111 (PDF; 59 kB)
  37. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at au av aw ax ay az ba bb bc bd be bf bg bh bi zeit.de: 137 Schicksale
  38. Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V. AntiDiskriminierungs Büro Köln. The Black Book: Deutschlands Häutungen. 2009. S. 241ff.
  39. a b Rechte Gewalt: 1990–1991.. In: Der Tagesspiegel. 13. September 2000. Abgerufen am 2. Juni 2012.
  40. Bundesministerium des Innern: Verfassungsschutzbericht, 1992, Seite 87
  41. B. Siegler, O. Tolmein, C. Wiedemann: Der Pakt, 1993, S. 82–83
  42. Ulrich Wickert: Nachdenken über die republikanischen Werte (PDF; 1,0 MB), Vorlesung, Gerhard-Mercator-Universität, Duisburg 2002, Seite 30
  43. Mauthausen Komitee Österreich: Ausstellungstafeln zur Ausstellung "Gib den Opfern einen Namen", S. 19 (16. Juni 1991)
  44. Zand, Alessa. Doppelt Anders. BoD, 2009. S. 230–231.
  45. Presseinformation Hans Haacke (PDF) (Memento vom 28. Januar 2007 im Internet Archive)
  46. Spektakuläre Einsätze > 1991 Asylantenheim. Abgerufen am 8. September 2015.
  47. Richter schlossen rassistische Motive aus: Tod von Mete Eksi mit Haftstrafe geahndet. Abgerufen am 8. September 2015.
  48. Viele denken an die Rückkehr in die Türkei. Abgerufen am 8. September 2015.
  49. „Jetzt weiß ich, daß ich hier keine wahren Freunde habe“: Das Selbstbewußtsein der Türken mischt sich nun mit Verbitterung, Zorn und Aggression. Abgerufen am 8. September 2015.
  50. Jugendgewalt – und kein Ende? Abgerufen am 8. September 2015.
  51. Party bis zum Einsargen. In: Der Spiegel. Nr. 24, 1993, S. 18–23 (online 14. Juni 1993).
  52. Günter-Schwannecke-Gedenkinitiative
  53. Dokumentarfilm über den Mord Im Tal der Wupper, F/GB/I 1993, 95 min, Regie: Amos Gitai
  54. Der Spiegel 6. März 1995: Wie in der Judenschul' Von Seligmann, Rafael
  55. Men jailed for killing 'Jew'. The Independent, 8. Februar 1994
  56. Liane von Billerbeck, Frank Nordhausen: Satanskinder. Der Mordfall von Sondershausen und die rechte Szene. Berlin, Ch. Links Verlag, 3. erw. Aufl., 2001, ISBN 3-86153-232-8, S. 37 ff., S. 268.
  57. Killing Spree. Laut.de, abgerufen am 25. Februar 2012.
  58. Heribert Prantl: Deutschland leicht entflammbar. Hanser, 1994
  59. Archiv-Version der Antifaschistischen Nachrichten. Abgerufen am 8. September 2015.
  60. Ein unbekanntes Neonaziopfer: Der Arbeitslose Hans-Georg Jacobsen wurde vor 20 Jahren von Neofaschisten ermordet. Abgerufen am 8. September 2015.
  61. Bericht zur Gedenkdemonstration
  62. Frank Jansen: Guben gedenkt – oder verdrängt. Tagesspiegel, 13. Februar 2009, abgerufen am 13. August 2012.
  63. a b Frank Jansen, Johannes Radke, Heike Kleffner, Toralf Staud: 149 Todesopfer rechter Gewalt. Der Tagesspiegel, 31. Mai 2012, abgerufen am 29. August 2012.
  64. Vom Nazi zum Pastor: Die Verwandlung des Johannes Kneifel. Abgerufen am 8. September 2015.
  65. Neonazi-Aussteiger wird Pastor: Vom Saulus zum Paulus. Abgerufen am 8. September 2015.
  66. NPD-Blog.info: Ex-Neonazi-Schläger: Vom Saulus zum Paulus (abgerufen am 29. August 2010); indymedia Deutschland: Gedenkveranstaltung in Eschede (abgerufen am 29. August 2010); revista – linke zeitung für politik und kultur (Celle): Erinnerung an Peter Deutschmann (abgerufen am 29. August 2010; PDF; 3,5 MB)
  67. Schriftliche Anfrage des Herrn Abgeordneten Dr. Sepp Dürr vom 9. Januar 2012 betreffend Rechtsextreme Aktivitäten in Bayern identifizieren. Abgerufen am 8. September 2015.
  68. Carlos Fernando. Abgerufen am 8. September 2015.
  69. Patrick Thürmer. Abgerufen am 8. September 2015.
  70. Würdiges Gedenken an die Opfer rechter Gewalt. Abgerufen am 8. September 2015.
  71. Polizistenmorde in NRW: Der ewige Verdacht. Abgerufen am 8. September 2015.
  72. Bilder und Pressebericht zu den Morden vom 14. Juni 2000. Abgerufen am 8. September 2015.
  73. Antwort der Landesregierung NRW auf die Kleine Anfrage 682 vom 4. April 2011 der Abgeordneten Anna Conrads DIE LINKE Drucksache 15/1676
  74. zeit.de: 137 Schicksale (abgerufen am 15. August 2011)
  75. Neonazis vor Gericht: Dortmunds Rechtsaußen. Abgerufen am 8. September 2015.
  76. Thomas Goretzky, Yvonne Hachtkemper und Matthias Larisch von Woitowitz. Abgerufen am 8. September 2015.
  77. Nazi-Terror: Die vergessenen Opfer. Abgerufen am 8. September 2015.
  78. a b Paul Winterer: Motiv bis heute unklar in: heimatzeitung.de, 27. Oktober 2009.
  79. DerWesten: [1] Privatclub für Rechtsradikale
  80. Neue Nassauische Presse: [2] Das tragische Leben und Ende eines Flüchtlings
  81. a b CURA Opferfonds: Todesopfer rechter Gewalt seit 1990
  82. Tot auf dem "Tänzelfest". In: Der Rechte Rand. Nr. 144, September/Oktober 2013, ISSN 1619-1404, S. 21.
  83. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/maedchen-aus-hannover-moerder-des-kleinen-dano-im-fall-jenisa-angeklagt-a-1012977.html
  84. https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Fall-Jenisa-Lebenslang-fuer-Mord-an-Dano,jenisa202.html
  85. http://www.bild.de/regional/ruhrgebiet/kindesmord/knackis-sagen-als-zeuge-aus-38173280.bild.html
  86. Märkische Allgemeine Zeitung, 16. April 1991
  87. Märkische Allgemeine Zeitung, 17. April 1991
  88. Gegen die Strömung, Ausgabe 57 vom Oktober 1991
  89. Zeitgeschichte Online: Von namenlosen Flüchtlingen und deutschen Zuständen
  90. Berliner Zeitung, 7. Dezember 1992
  91. FAZ, 7. Dezember 1992
  92. http://niemandistvergessen.blogsport.eu/?p=1386
  93. Initiative für die vergessenen Opfer rassistischer Gewalt
  94. Antifaschistisches AutorInnenkollektiv: Hinter den Kulissen. Faschistische Aktivitäten in Brandenburg - Update ’99, S. 14, abgerufen am 24. Januar 2016.
  95. http://www.ari-berlin.org/doku/text_97.htm
  96. Zahlen zu rechtsextremen Verbrechen möglicherweise höher Neue Osnabrücker Zeitung vom 4. Dezember 2013
  97. Weit mehr Opfer rechter Gewalt als bisher vermutet
  98. Rechte Gewalt? Berlin prüft 78 Todesfälle
  99. Mitteilung und Grafik auf www.migration-info.de
  100. Bundesregierung korrigiert Opferzahl rechter Gewalt nach oben, Zeit, 27. Juli 2015