Token (Eisenbahn)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Beispiele von Token in Form einer Scheibe und eines Schlüssels
Der Lokführer übernimmt den Token vom Vorstand in einem Bahnhof der Keretapi Tanah Melayu in Malaysia

Als Token bezeichnet man im Eisenbahnwesen ein Objekt, dessen Besitz zum Befahren eines eingleisigen Streckenabschnitts berechtigt. Tokensysteme zur Zugsicherung sind oder waren auf den Britischen Inseln sowie in den ehemaligen britischen Kolonien verbreitet, zwischen 1940 und 1983 auch bei der Innsbrucker Mittelgebirgsbahn.

Staff and Ticket System[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ältesten Form hat der Token die Form eines Staffelstabes (englisch: staff) aus Holz oder Metall, der mit dem Namen des Streckenabschnitts beschriftet ist. Der Lokomotivführer erhält den Stab vom Bahnhofsvorsteher oder Stellwerkswärter des Ausgangsbahnhofs und gibt ihn im Zielbahnhof wieder ab. Da es für jeden eingleisigen Streckenabschnitt nur einen Token gibt, werden – korrekte Anwendung des Systems vorausgesetzt – Kollisionen effektiv verhindert.

Nachteilig ist offensichtlich, dass nicht zwei Züge hintereinander in der gleichen Richtung fahren können, sondern der Stab erst von einem in Gegenrichtung fahrenden Zug an den Ausgangspunkt zurückgebracht werden muss. Eine Lösung für dieses Problem ist, dass alle in der gleichen Richtung fahrenden Züge außer dem letzten statt des Stabs eine schriftliche Fahrerlaubnis erhalten; aus Sicherheitsgründen muss sich der Lokführer bei Empfang der Fahrerlaubnis davon überzeugen, dass der Stab noch im Ausgangsbahnhof liegt. Dem letzten Zug der Gruppe wird der Stab mitgegeben; erst danach darf ein Zug in Gegenrichtung verkehren. Dieses Vorgehen wird als staff and ticket system bezeichnet.

Electric Token Block[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tyer's No. 6 Tablet Instrument – ein Gerät, das in einem Electric Token Block die scheibenförmigen Token ausgibt und entgegen nimmt.

Bei diesem System werden die Token in zwei Geräten am Anfang und am Ende des eingleisigen Streckenabschnitts aufbewahrt. Die Token haben die Form einer runden Scheibe, eines Schlüssels oder eines Stabes. Die Geräte sind elektrisch miteinander verbunden, und es kann sich immer nur ein Token außerhalb der Geräte befinden. Damit mehrere Züge hintereinander in der gleichen Richtung verkehren können, sind in jeder Maschine mehrere Token vorhanden. Die älteste Bauform des Electric Token Blocks ist das 2012 immer noch in Sri Lanka verwendete[1] Electric Tablet System. Ein anderes weit verbreitetes System ist der Webb & Thompson Electric Train Staff.

Radio Electronic Token Block[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei diesem System ist der Token kein Gegenstand mehr, sondern ein verschlüsseltes Signal, das von einer zentralen Leitstelle per Funk an einen Computer im Führerstand des Fahrzeugs übertragen wird. Die Kontrolle, dass für jeden Streckenabschnitt nur ein Token ausgegeben und nach Durchfahren des eingleisigen Abschnitts wieder zurückgenommen wird, erfolgt durch den Computer in der Leitstelle.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • L. T. C. Rolt: Red For Danger. 3. Ausgabe, überarbeitet und ergänzt von G. M. Kichenside. David & Charles, 1976, ISBN 0-7153-7292-0, S. 140–141.
  • Stanley Hall: BR Signalling Handbook. 1. Auflage. Ian Allan, 1992, ISBN 0-7110-2052-3, 21: Working of Single Lines, S. 68–73.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Single Line Operation (englisch) Railway Technical Web Pages. 13. Juni 2013. Abgerufen am 10. Juli 2013.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gyan Fernando: Rozelle: A quaint little Railway Station. In: Railway Journeys and other railway articles. 19. März 2012, abgerufen am 24. Mai 2016 (englisch).