Tolubalsam

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Tolubalsam

Tolubalsam (Balsamum tolutanum) ist der Balsam des Balsambaums (Myroxylon balsamum). Sein Name stammt von einem präkolumbianischen Volk, die einst die Bewohner des heutigen Santigo de Tolú waren, eine Gemeinde im Sucre-Departement, in Nordkolumbien (Südamerika) am Karibischen Meer. Dies findet sich auch in der alten Bezeichnung des Balsambaums Toluifera balsamum wieder. Er stammt aus dem Norden Südamerikas, besonders im Stromgebiet des Río Magdalena, in der Nähe Stadt Tolú und Kolumbien. Er wird auch in Venezuela und auf den Antillen gewonnen.

Im Jahre 1841 isolierte Henri Étienne Sainte-Claire Deville Toluol durch trockene Destillation aus Tolubalsam. Der Name des bekannten Lösungsmittels wurde dann daraus abgeleitet.

Gewinnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gewinnung von Tolubalsam schneidet man die Baumrinde spitzwinklig ein. Der frische Wundsaft (Balsam) ist eine gelblichbraune bis rotbraune, zähflüssige bis feste, harzige Masse von aromatischem, vanilleartigem Geruch und säuerlichem Geschmack, er härtet an der Luft zu einer spröden, leicht zerreibbaren Masse aus.[1][2]

Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tolubalsam besteht aus etwa 12 bis 15 % Zimt- und Benzoesäure, ca. 40 % Benzyl- und anderen Estern dieser Säuren, ferner aus Harzen, Vanillin und ca. 1,5 bis 3 % ätherischen Ölen.[2][3] Ein weiterer Inhaltsstoff des Tolubalsam ist das Terpen Guajadien.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tolubalsam ist unlöslich in Wasser und Petrolether, größtenteils löslich in Alkohol, Benzol, Chloroform, Ether, Eisessig, Schwefelkohlenstoff und Alkali.[2]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits die indigenen Völker wie Azteken und Maya nutzten das Harz für medizinische Zwecke, u. a. bei diversen Hautkrankheiten, gegen Kopfschmerzen und zur Heilung von Wunden. In der Medizin fand er Verwendung als Expektorans bei Husten.[1] Heute wird er in der Parfümerie als fixierende Komponente verwendet, um warme Süße zu vermitteln. Tolubalsam benutzt man in der Mikroskopie als Einbettmittel. Manchmal wird er als Räucherwerk verwendet, vor allem, wenn echter Weihrauch schwer erhältlich oder zu teuer ist. Der dabei entstehende Duft erinnert entfernt an Schokolade. Allerdings reizt der Rauch des Balsams stark die Atemwege und löst schnell heftiges Husten aus.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • K. Keller, G. Schneider (Hrsg.): Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. Drogen E–O, 5. Auflage, Springer, 1993, ISBN 978-3-642-63427-7, S. 897 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hermann Ammon (Hrsg.): Hunnius pharmazeutisches Wörterbuch. 8. Auflage, de Gruyter, Berlin 2004. ISBN 3-11-015792-6.
  2. a b c Eintrag zu Tolubalsam. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 28. Dezember 2014.
  3. Felix Bachmair: Antimikrobielle Wirkung ausgewählter Harze auf luftgetragene Keime. Diplomarbeit, Universität Wien 2013, S. 60 ff, online (PDF; 2,93 MB), auf othes.univie.ac.at, abgerufen am 3. Januar 2017.