Tonarchiv osthessischer Mundarten

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Das Tonarchiv osthessischer Mundarten (ToM) ist eine Dokumentation der Osthessischen Mundart im Raum Fulda. Die Auftaktveranstaltung war am 29. April 2003 in Petersberg, die Abschlussveranstaltung am 22. März 2004 in Künzell. Insgesamt haben sich 400 Teilnehmer an dieser Aktion beteiligt und ihre Mundart auf Tonträger oder Video aufgenommen und so für die Nachwelt konserviert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ToM wurde von dem Sprachwissenschaftler Stefan Arend und dem damaligen Ersten Kreisbeigeordneten des Landkreises Fulda und heutigen Oberbürgermeister von Fulda, Gerhard Möller, erdacht. Stefan Arend erarbeitete dann für die Stadt und den Landkreis Fulda eine entsprechende wissenschaftliche Konzeption. Danach soll ToM zunächst dokumentieren, wie sich das Osthessische heute präsentiert, aber auch im Vergleich zu älteren Dokumenten sprachliche Entwicklungen aufzeigen. Schließlich ist ToM ein auditives Archiv.

In Anlehnung an die hessenweite Mundartaktion „Ich sag’s hessisch“, die Anfang der 1980er Jahre mit weit über 1.000 Teilnehmern sehr erfolgreich durchgeführt wurde, beschritt ToM folgenden Weg, um an die sprachlichen Informationen zu gelangen: Zunächst setzte ToM auf einen Wettbewerb, um möglichst viele Teilnehmer zu motivieren, ihre „Sprache zur Verfügung zu stellen“.

Aus Kostengründen entschied man sich für eine indirekte Erhebungsmethode, das heißt, die Teilnehmer wurden nicht vor Ort von Sprachwissenschaftlern befragt und aufgenommen, sondern jeder Teilnehmer fertigte seinen Beitrag selbst an. Damit die Sprachaufnahmen aber trotzdem untereinander vergleichbar blieben, mussten inhaltliche Vorgaben gemacht werden.

Als Sprach- bzw. Übersetzungsvorgabe wurden die Sätze des Deutschen Sprachatlasses verwendet, damit die heutigen Aufnahmen mit dem Sprachmaterial von 1880 des Deutschen Sprachatlasses vergleichbar sind. Damit kann man Aussagen zur Entwicklungen der osthessischen Mundarten machen, und selbst wissenschaftliche Untersuchungen sind so grundsätzlich möglich. Neben diesen sprachwissenschaftlich aufbereiteten Sätzen, die daher etwas hölzern wirken und auch schon über 120 Jahre alt sind, wollte man den Teilnehmern auch Raum für Kreatives lassen. So war es auch möglich, Erzählungen, Gedichte, Musikstücke und anderes einzureichen.

Die besprochenen und eingereichten Mundartaufnahmen wurden zentral im Medienzentrum des Landkreises Fulda gesammelt und digitalisiert. Aus allen Tondokumenten wurden anschauliche und beispielgebende Tonpräsentationen auf einer CD zusammengestellt. Die steht Mundartliebhabern für Schulungs- und Lehrzwecke zur Verfügung. Auf der CD wird die ganze Bandbreite gesprochener Sprache in der Fuldaer Region widergespiegelt. Diese Präsentationen eignen sich aber auch für die heimischen Schulen oder für die Öffentlichkeitsarbeit oder für die Tourismuswerbung. Einige der Tondokumente sind auch weltweit über das Internet abrufbar.

Insgesamt liegen 400 ToM-Beiträge vor, davon beinhalten 137 Beiträge Übersetzungen der sogenannten 40 Wenkersätze. Insgesamt verfügt ToM über Sprachproben aus 79 Orts- und Stadtteilen des Fuldaer Landes.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Arend: Reden, wie der Schnabel gewachsen ist. Tonarchiv osthessischer Mundarten (ToM) will Dialekte der Region umfassend und flächendeckend dokumentieren. In: Jahrbuch Landkreis Fulda, 30. Jahrgang, 2002 / 2003, S. 124–138.
  • Carla Ihle-Becker: Das sprachliche Gedächtnis einer Region. In: Frankfurter Rundschau Nr. 305 vom 30. Dezember 2004, S. 31.
  • Stefan Arend: Das sprachliche Gedächtnis einer Region. Tonarchiv osthessischer Mundarten (ToM). In: Geschichte der Stadt Fulda. Hrsg. Vom Fuldaer Geschichtsverein. Bd. I. Fulda 2009, S. 678–679.