Torch (Rapper)

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Torch
Torch
Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[1]
Blauer Samt
  DE 33 09.10.2000 (8 Wo.)
Singles[1]
Wir waren mal Stars (feat. Toni-L)
  DE 92 15.01.2001 (4 Wo.)
Return of Hip Hop (Ooh, ooh) (DJ Tomekk feat. KRS One, Torch & MC Rene)
  DE 13 05.02.2001 (9 Wo.)
  AT 64 04.03.2001 (5 Wo.)
  CH 22 11.02.2001 (7 Wo.)
Bitte... wer? (Heiss wie Feuer 2) (DJ Stylewarz feat. D-Style & Torch)
  DE 82 02.09.2002 (4 Wo.)
Torch im Studio für das Album „Blauer Samt“ (2000)
Torch (rechts) beim Pokern mit Toni-L (Mitte) und Boulevard Bou (links), 2002

Torch (engl.: Fackel; auch Torchmann, MC Torch, Hero oder DJ Haitian Star; * 29. September 1971 in Heidelberg[2]; bürgerlich Frederik Hahn) ist ein deutscher Musiker. Sein Vater stammt aus Tilsit an der Memel (Ostpreußen), seine Mutter aus Pétionville, Haiti. Er begann seine Karriere als MC Mitte der 1980er-Jahre in Heidelberg. Frederik Hahn hat die deutsche und haitianische Staatsbürgerschaft.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Advanced Chemistry[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einigen Jahren als Tänzer und Graffiti-Sprayer gründete Torch 1987 mit den befreundeten Hip-Hop-Künstlern Toni-L, Linguist, Gee-One und DJ Mike MD die Musikgruppe Advanced Chemistry. Mit seiner Gruppe Advanced Chemistry beteiligte er sich an dem politischen Diskurs um Staatsbürgerschaft, Asylbestimmungen und Grundrechte, der nach der Wiedervereinigung in der Folge von Brandanschlägen und Terrorakten gegenüber Immigranten in Deutschland die erste Hälfte der 1990er Jahre dominierte.

1992 erschien der Advanced-Chemistry-Song Fremd im eigenen Land und entwickelte sich zum ersten Hit der Gruppe. Das Stück, das ein Sample der Spiegel-TV-Titelmelodie enthält, erregte durch seine politischen Statements breite mediale Aufmerksamkeit und erlangte durch häufige Ausstrahlung des Videoclips auf MTV auch außerhalb der noch kleinen deutschen Hip-Hop-Szene große Beachtung.

Als Hommage benannten die Beginner ihr viertes Studioalbum 2016 nach Advanced Chemistry.[3]

VIVA Freestyle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurz darauf wurde Torch für die Musik-Dokumentation Lost In Music auf MTV porträtiert und fiel dem Sender durch sein Talent vor der Kamera auf. Auf dem damals noch jungen Sender VIVA präsentierte er daraufhin mit Freestyle die erste Sendung im deutschen Fernsehen, die sich mit Hip-Hop auseinandersetzte. Torch arbeitete insgesamt ein Jahr an der Sendung – sowohl innerhalb der Redaktion als auch als Gastgeber der Show.

360° Records[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenfalls 1992 war Torch Mitbegründer des Hip-Hop-Netzwerkes MZEE, das sich als Label, Fanzine und ganz allgemein als Rap-Plattform verstand.

Nach der Trennung von MZEE gründete Torch 1994 sein eigenes Label, 360° Records. Darauf erschienen unter anderem die weiteren Tonträger von Advanced Chemistry, erste Features von Curse, Solo-Rap-Parts von D-Flame und Tonträger von Blumentopf und Grandmaster Caz.

Brothers Keepers und Kollaborationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2001 beteiligte sich Torch mit Xavier Naidoo am Anti-Rassismus-Projekt Brothers Keepers.[2]

Im Laufe seiner Karriere arbeitete Torch mit Künstlern wie Afrika Bambaataa, Freestyle (Arsonists), Grandmaster Caz (Cold Crush Bros), Jurassic 5, KRS One, Melle Mel, Missing Linx und Whipper Whip & Virtuoso zusammen.

DJ Haitian Star[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als DJ Haitian Star legte er bei Events wie dem Battle of the Year, Jazz Festival Montreux, Hip Hop Kemp und dem Zulu Anniversary in New York City auf. Dabei teilte er sich das Pult unter anderem mit DJ-Kollegen wie Z-Trip, David Rodigan, Grandmaster Flash, Kool Herc, DJ Stylewarz und Marc Hype.

Bedeutung für die Hip-Hop Bewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Entstehung der deutschen und europäischen Hip-Hop-Bewegung in den 1980er Jahren gilt Frederik Hahn als Schlüsselfigur für die Vernetzung der einzelnen Aktivisten und der Entwicklung einer gut organisierten Untergrund-Szene. Als einer der ersten MCs hat er das Deutsche als Rap-Sprache etabliert und das Improvisieren ("Freestylen") in deutscher Sprache eingeführt. Noch bis weit in die 1990er Jahre war er das wichtigste Sprachrohr der deutschsprachigen Hip-Hop-Bewegung und grenzte die Errungenschaften der Szene gegen Mainstream und Kommerzialisierung ab. Damit wurde er indirekt zu einem der ersten Chronisten der europäischen Hip-Hop-Geschichte.[4]

Blauer Samt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kooperation mit V2 Records erschien auf 360° Records im Jahr 2000 das erste und bisher einzige Solo-Album von Torch: Blauer Samt. Nachdem Blauer Samt lange nicht erhältlich war, wurde das Album anlässlich des 40. Geburtstages von Torch im September 2011 in einer Kooperation zwischen 360° Records und Columbia Four Music wieder veröffentlicht.

Gleich mehrere Hip-Hop-Veröffentlichungen beziehen sich namentlich auf Blauer Samt, wie zum Beispiel Grüner Samt von Marsimoto, Lila Samt von Sookee oder Normaler Samt von Audio88 & Yassin.

Bezug zur deutschen Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Onkel ist der haitianische Poet Georges Castera und er ist mit dem britischen Autor Nick Stone verwandt. Torch bezeichnet die deutsche Literatur als wichtigste Inspirationsquelle. Viele seiner Songs enthalten Referenzen zu deutschen Dichtern und Autoren wie Kurt Tucholsky, Hilde Domin, Clemens Brentano oder Hermann Hesse. Wolf Biermann lud ihn persönlich zu einer NDR-Matinee anlässlich seines 70. Geburtstags ein. Er interpretierte dort zwei von Wolf Biermanns Texten musikalisch.[5]

Für die deutsche Version des fernöstlichen Klassikers “Hagakure: Der Weg des Samurai” von Tsunetomo Yamamoto wurde Torch als Sprecher engagiert.

2010 war Torch zu Gast auf dem “Festival des deutschen Sprechgesangs auf der Wartburg”, das sich mit den Themen Minnesang und Dichtkunst in Deutschland auseinandersetzte.[6]

Von 26. September bis 2. Oktober 2011 organisierte Torch anlässlich seines 40. Geburtstages eine Festwoche in seiner Heimatstadt Heidelberg mit Filmvorführungen, Workshops, Hip-Hop Stadtführungen und einer Graffiti-Jam. Den Höhepunkt der Feierlichkeiten markierte sein Konzert am 30. September, bei dem er unter anderen die Gäste MC Rene, Absolute Beginner, Max Herre, Marteria und Curse auf der Bühne begrüßte.

Soziale Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hilfsnetzwerk Marasa.org für das Erdbeben in Haiti 2010 wurde von Torch ins Leben gerufen.

Hip-Hop Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2011 stellte Torch zahlreiche Originalexponate aus seiner Karriere der Stadt Heidelberg zur Verfügung, die ein Hip-Hop-Archiv gründet.[2]

Im Dezember 2018 kuratierte er das erste deutsche Hip-Hop Symposium an der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim.[7][8]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soloveröffentlichungen

  • 2000: Gewalt oder Sex (12" & MCD)
  • 2000: Blauer Samt (2xLP & CD)
  • 2001: Die Welt brennt/Wir waren mal Stars (2x12")
  • 2001: Die Welt brennt/Wir waren mal Stars (Remixe) (12")
  • 2001: In deinen Armen (2x12" & CD)
  • 2001: Blauer Samt (InstruMentals) (2xLP, 360rec)
  • 2005: Move the Crowd (12"), limitiert auf 360 Stück (als DJ Haitian Star mit Grandmaster Caz)
  • 2008: Heidelberg (Mixtape)
  • 2008: Mixtape 01 (EP) (als DJ Haitian Star)
  • 2009: Mixtape 01 EP (10") (als DJ Haitian Star)
  • 2011: Blauer Samt (Re-Edition) (CD & Vinyl LP)
  • 2015: Boomshell Bounce EP (Vinyl, 7") (als DJ Haitian Star)

Literaturlesungen

Hörspiele und Features[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Chartquellen: DE AT CH
  2. a b c Simone Jakob: Hip-Hop-Archiv für Heidelberg. In: Mannheimer Morgen. 20. Dezember 2011, archiviert vom Original; abgerufen am 29. Dezember 2018 (Artikelanfang, kostenpflichtiger Zugang).
  3. Neues Album der Beginner "Hommage an tolle Musik" Deutschlandfunk, 27. August 2016 (Abgerufen am 23. April 2019)
  4. Loh, Hannes / Verlan, Sascha (2015): 35 Jahre HipHop in Deutschland. Höfen: Koch International/Hannibal
  5. Nachrichten aus Kultur und Literatur. November 2006. 20.11. Liedermacher Wolf Biermann als Nachfolger Heinrich Heines gewürdigt. In: Haus der Literatur. Das freie Portal für Autoren. Archiviert vom Original am 5. März 2011; abgerufen am 29. Dezember 2018.
  6. Moderne Form des Minnesang Thüringische Landeszeitung, 4. Juli 2010 (Abgerufen am 23. April 2019)
  7. Ist Heidelberg ein “Mekka für Rapper”? Rhein-Neckar-Zeitung, 28. November 2018 (Abgerufen am 23. April 2019)
  8. HipHop Symposium an der Popakademie SWR Aktuell, 1. Dezember 2018 (Abgerufen am 23. April 2019)