Torfhaus

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Torfhaus
Berg- und Universitätsstadt
Clausthal-Zellerfeld
Koordinaten: 51° 48′ 9″ N, 10° 32′ 12″ O
Höhe: 780–821 m ü. NHN
Einwohner: 22 (2011)
Eingemeindet nach: Altenau
Postleitzahl: 38667
Vorwahl: 05320
Torfhaus (Niedersachsen)
Torfhaus

Lage von Torfhaus in Niedersachsen

Blick vom Goetheweg zur Südkuppe der Lerchenköpfe mit Torfhaus und NDR-Sendemast Harz-West
Blick vom Goetheweg zur Südkuppe der Lerchenköpfe mit Torfhaus und NDR-Sendemast Harz-West
Torfhaus im Winter mit links sichtbarem NDR-Sendemast (Sender Torfhaus/Harz-West)
Blick nach Norden im Winter, das Gebäude rechts wurde 2010 abgerissen; im Hintergrund der DFMG-Sendemast (Sender Torfhaus)

Torfhaus im Harz ist ein Ortsteil der Ortschaft Altenau-Schulenberg im Oberharz der Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld im Landkreis Goslar. Mit etwa 800 m ü. NHN ist es die höchstgelegene Siedlung Niedersachsens. Der Tourismusort besteht vorwiegend aus Ausflugslokalen, Jugendheimen, Skihütten und großen Parkplätzen. Im Juli 2013 wurde ein Ferienkomplex mit Hotel, Hütten und einem Outdoor-Geschäft eröffnet.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torfhaus liegt im Oberharz, in einer kleinen so genannten Nutzungszone des Nationalparks Harz.[1] Es befindet sich rund sechs Kilometer östlich von Altenau und etwa neun Kilometer (je Luftlinie) südlich von Bad Harzburg. Östlich von Torfhaus entspringt im Torfhausmoor (auch Radaubornmoor genannt), einem Regenmoor (Hochmoor), die Radau. Die Bundesstraße 4 als Hauptverkehrsachse führt von Braunschweig her kommend durch Bad Harzburg am Nordharzrand, Torfhaus und Braunlage nach Nordhausen etwa am Südharzrand. Westlich bis nordnordwestlich von Torfhaus befindet sich der zweikuppige Höhenzug Lerchenköpfe mit den beiden Sendern Harz-West und Torfhaus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torfhaus ist eine der jüngeren Siedlungen des Harzes und verdankt seine Entstehung dem Torfabbau. Im Jahr 1571 hat man die Gegend rund um Torfhaus im Auftrag des Herzog Julius zu Braunschweig und Wolfenbüttel erstmals auf Torfvorkommen untersucht. Zwei Jahre später begann der erste Torfstich, welcher jedoch vor 1618 erstmals eingestellt worden ist.[2] Der Torfabbau begann wieder 1658 und wurde 1786 endgültig aufgegeben, da der Torf bei der vorherrschenden Witterung nicht trocknete. Ein erstes Gebäude namens Borkenkrug wird 1713 in den Forstamtsprotokollen erwähnt. Es handelte sich offensichtlich um ein Wege- und/oder Forsthaus. Die Straße stellte schon seinerzeit eine viel befahrene Verbindung zwischen Harzburg und Nordhausen dar. Der erste offiziell bestellte Torfaufseher Adam C. Hopstock fungierte von 1720 bis 1735. Ihm folgten Johann Schulze (bis 1750) und bis 1765 Johann Jakobs, der nicht nur als Torfaufseher, sondern auch als Förster und Wirt des Borkenkruges in Erscheinung trat. Sein Nachfolger Johann Christoph Degen führte 1777 Johann Wolfgang von Goethe zum Brocken und war bis 1788 im Amt. Er starb 1794 im Alter von 58 Jahren.[3]

1813 wurden in Torfhaus sechs Einwohner und ein Haus gezählt.[4] Die Verkehrsanbindung verbesserte sich 1829 mit dem Bau einer neuen Straße, welche dem Verlauf der B4 von Bad Harzburg über Torfhaus nach Braunlage ähnelt. 1836 ließ sich bereits der Forstarbeiter Otte in Torfhaus nieder. Ihm folgten 1842 und 1845 zwei weitere Forstarbeiter. 1842 wurde Torfhaus Poststation der Linie Bad Harzburg–Braunlage–Sankt Andreasberg. 1844 werden 7 Gebäude gezählt. Im selben Jahr bat der Torfhäuser Förster Theilkuhl beim Berggericht in Zellerfeld um die Einrichtung eines Friedhofs, welcher jedoch nicht genehmigt worden ist. 1867 kam es im Borkenkrug zur Einrichtung einer Försterei. Da der Borkenkrug am 13. September 1869 in Folge eines Blitzeinschlages abbrannte, wurde 1873 eine neue Försterei errichtet. 1892 wurden zwei Gebäude (Ober- und Unterförsterei, letztere war auch Gastwirtschaft und Poststation) mit 22 Einwohnern gezählt. Als die Oberförsterei im Mai 1893 abbrannte, errichtete man im heutigen Goetheweg ein neues Forstgehöft, welches mit Telegraphenausrüstung ausgestattet war.[3]

1909 richtete der Braunschweiger Unternehmer Büssing eine Omnibuslinie von Bad Harzburg nach Torfhaus ein. In den Folgejahren entwickelte sich Torfhaus zu einem beliebten Feriendomnizil. So wurden in den 1920er und 1930er Jahren Skihütten verschiedener Sportvereine auf Torfhaus errichtet. 1937 ist in Torfhaus eine Feuerhilfsstelle errichtet worden. Hotelpersonal sollte bis zum Eintreffen der Feuerwehr aus Altenau mit der in Torfhaus stationierten Handdruckspritze einen ersten Löschangriff fahren.[5] Ferner entstand nebenstehend eine Sanitätsstation.[3]

Baedekers Reiseführer Harz nennt 1943 als empfehlenswerte Unterkunft das Berghotel „Torfhaus“ (35 Betten), den „Brockenkrug“ (50 Betten), das „Landhaus Brockenblick“ (26 Betten), eine Militärskihütte sowie ein Unterkunftshaus der Alpenvereinszweige Braunschweig und Hannover mit 21 Betten und 16 Lagern.

Am 14. April 1945 drangen US-amerikanische Truppen von Altenau aus in Richtung Torfhaus vor, trafen aber auf heftigen Widerstand durch SS-Truppen und zwei Panzer.[6] Erst am 15. April konnte die Siedlung besetzt werden, stand danach aber unter Beschuss deutscher Artillerie.[7] Es erfolgte nachmittags sogar noch ein deutscher Gegenangriff, der aber abgewehrt werden konnte. In den folgenden Tagen kam es immer wieder zu kleinen Gefechten und Hinterhalten durch versprengte deutsche Soldaten, die sich in den Wäldern versteckt hielten. Als am 25. April zwei US-amerikanische Soldaten beim Betreten einer Skihütte am Schubenstein erschossen wurden, glaubten die Amerikaner, dass die Bewohner von Torfhaus die Soldaten in diesen Hinterhalt gelockt hätten. Am 27. April wurden die Einwohner aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und die gesamte Siedlung wurde in Brand gesteckt. Nur eine Schweizer Hütte, die durch eine Rot-Kreuz-Fahne geschützte Alpenvereinshütte sowie das Gästehaus „Wilhelmsburg“, blieben von dieser Vergeltungsaktion verschont. Die deutschen Gefallenen dieser Gefechte wurden später auf den Ehrenfriedhof an der B 4 umgebettet. Dort liegen auch die Gräber von 14 unbekannten sowjetischen Zwangsarbeitern. 1948 richtete man einen Polizeiposten ein, der bis 1955 besetzt war. Der Wiederaufbau der ersten Hotels und Restaurants erfolgte erst ab 1949.[8] Neue Skihütten errichtete man 1951. Eine neue Revierförsterei entstand 1958 im heutigen Goetheweg 14. Im Jahr 1967 eröffneten im Goetheweg das Landschulheim und die Skihütte des Skiclubs Oker.[3]

Bis zur Deutschen Wiedervereinigung 1990 war Torfhaus bekannt vor allem als Aussichtspunkt auf den nahen, aber unerreichbaren Brocken, der bei guter Sicht zum Greifen nahe hinter der innerdeutschen Grenze lag. Außerdem gab es hier ein Informationszentrum des Bundesgrenzschutzes über die Grenzsicherungsanlagen der damaligen DDR.[9]

Pläne zum Bau einer Kapelle wurden 1966 und 1971 nicht umgesetzt.

Tourismus und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Torfhaus befindet sich seit 2009 das Nationalpark-Besucherzentrum TorfHaus des Nationalparks Harz. Des Weiteren steht dort eine Jugendherberge des Deutschen Jugendherbergswerks.

Torfhaus ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen. Zum Beispiel kann man auf dem Goetheweg, der Teil des Harzer Hexenstiegs ist, vorbei am Torfhausmoor und am Quitschenberg zum Brocken, aber auch zum Dreieckigen Pfahl laufen. Andere Wege führen über Wurmberg oder Achtermannshöhe nach Braunlage, weitere als Magdeburger Weg Richtung Altenau oder vorbei an der Steilen Wand zur Wiege des Dammgrabens. Ein weiterer Wanderweg ist der Schubensteinweg, der von Torfhaus nach Osten führt. Zudem führen mehrere Mountainbiketrails durch Torfhaus. Renn- und Tourenradfahrer fahren die Ortschaft bevorzugt über die von Altenau kommende Landesstraße 504, die auch „Steile Wand“[10] genannt wird, an. Der Großparkplatz „Brockenblick“ ist ein von Motorradfahrern stark frequentierter Treffpunkt.

Ferner gibt es an den Lerchenköpfen Loipen für Skilanglauf. Daneben existieren eine Rodelbahn mit Lift sowie ein Skihang mit Schlepplift. Ende Mai 2021 starteten die Bauarbeiten für einen 65 Meter hohen Aussichtsturm mit Außenrutsche, welcher aus Holz gebaut werden soll.[11]

Blick über das Torfhausmoor (auch Radaubornmoor genannt) zum Brocken

Nationalpark-Denkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monument für Nationalparks

Am Rande des Parkplatzes „Brockenblick“ wurde anlässlich der EXPO im Jahr 2000 ein Nationalpark-Denkmal errichtet. In der Mitte des Monuments befindet sich eine Erdkugel aus Metall, darum stehen jeweils in einem Winkel von etwa 120° drei Felsblöcke aus den Gesteinen Diabas, Gabbro und Granit. An einem der Felsblöcke befindet sich eine Schrifttafel mit einer deutschsprachigen Beschreibung zum Monument. Zwischen den drei Felsblöcken ist jeweils eine Schrifttafel in den Boden eingelassen, auf denen in insgesamt 30 Sprachen der Satz „Nationalparke – das Naturerbe bewahren“ geschrieben steht:

  1. Tafel (zehn Sprachen): Albanisch, Arabisch, Chinesisch, Dänisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch
  2. Tafel (zehn Sprachen): Hindi, Italienisch, Japanisch, Kroatisch, Lettisch, Litauisch, Niederländisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch
  3. Tafel (zehn Sprachen): Rumänisch, Russisch, Schwedisch, Serbisch, Slowenisch, Spanisch, Swahili, Tschechisch, Türkisch, Ungarisch

Sendeanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden zu Torfhaus gehörenden Kuppen der Lerchenköpfe sind Standorte von Rundfunk-Sendeanlagen. Der Sender Harz-West wird vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) betrieben, der Sender Torfhaus von der Deutschen Funkturm (DFMG). Der Sendemast des NDR auf der Südkuppe, der zur Verbreitung des digitalen Fernsehens DVB-T und des UKW-Hörfunks dient, ist 235 m hoch. Die DFMG-Sendeanlagen (Nordkuppe) dienen zur Verbreitung von UKW-Hörfunk bzw. Richtfunk und sind 130 m bzw. 57 m hoch.

Brockenpanorama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick aus Richtung des Nationalpark-Besucherzentrums TorfHaus in Torfhaus zum rund fünf Kilometer entfernten Brocken mit rechts befindlichem Königsberg;
die dem Königsberg vorgelagerte Anhöhe (halb rechts) ist der Quitschenberg; im Vordergrund links die Rodelbahn am Rodellift Brockenblick

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Torfhaus lebte zeitweise der Flugpionier Walter Spengler (1896–1930), für den am südlichen Ortseingang der Spenglerstein errichtet wurde.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Torfhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Torfhaus – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nationalpark Harz
  2. Deutsche Dialektgeographie. Band 21-24. Elwertsche Verlagsbuchhandlung, 1975, S. 26.
  3. a b c d Manfred Klaube: Altenau und Torfhaus im Oberharz. 2011.
  4. Georg Hassel: Statistisches Reportium über das Königreich Westphalen. 1813, S. 109.
  5. 75 Jahre Freiwillige Feuerwehr Altenau. 1976, S. 6.
  6. Ulrich Saft: Krieg in der Heimat ..... bis zum bitteren Ende im HarzMilitärbuchverlag Saft, Walsrode, 1994
  7. Manfred Bornemann, Schicksalstage im Harz, das Geschehen im April 1945, Ed. Piepersche Verlagsanstalt, Clausthal-Zellerfeld, 1978
  8. Hellmuth Raabe: Geschichte der Siedlung Torfhaus. Informationsschrift, herausgegeben vom Sporthotel "Brockenblick", Torfhaus, 1969
  9. Hellmuth Raabe: Geschichte der Siedlung Torfhaus. Informationsschrift, herausgegeben vom Sporthotel "Brockenblick", Torfhaus, 1969
  10. Fahrradroute im Harz mit „Steiler Wand“ und Höhenprofil, abgerufen am 7. Oktober 2012.
  11. Bei strahlender Sonne: Spatenstich für den neuen „Harzturm“ auf Torfhaus auf www.goslarsche.de, abgerufen am 1. Juni 2021