Torfrock

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Torfrock
Torfrock auf dem Reload Festival 2018
Torfrock auf dem Reload Festival 2018
Allgemeine Informationen
Genre(s) Deutschrock
Gründung 1977
Website www.torfrock.de
Aktuelle Besetzung
Klaus Büchner
Raymond Voß
Stefan Lehmann (seit Ende 2009/Anfang 2010)
Volker Schmidt (seit 2004)
Ehemalige Mitglieder
Reinhard Heinrichs (1977 bis 1995)
Schlagzeug
Gunnar Kämmer (1977 bis 1997)
E-Bass
Thomas Rieckmann (1977 bis 1989)
Gitarre
Ronnie Meyer (1977)
E-Bass
Uwe Meitzner (1989 bis 1997)
Jürgen Lugge (1990 bis 1999)
Pete Sage (1991)
Percussion
Nick Buck (1996 bis 1998)
Ingo Seehaase (1997 bis 2004)
Marc-Oliver Steinwede (1998 bis Ende 2009/Anfang 2010)

Torfrock ist eine Deutschrock-Band, die 1977 von Klaus Büchner und Raymond Voß gegründet wurde.

Bandgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torfrock-Gründungsmitglieder Klaus Büchner und Raymond Voss im Dezember 2017
Torfrock-Gründungsmitglieder Klaus Büchner und Raymond Voss 2017

Die Musiker kennen sich zum Teil schon seit Mitte der 1970er-Jahre. Klaus Büchner und Raymond Voß gründeten vor Torfrock zusammen mit anderen Musikern die Folk-Band Basia, die im Hamburger Ernst-Deutsch-Theater arbeitete und auftrat. Mit dieser Band vertonten sie die Werke englischsprachiger Dichter, darunter Robert Frost, Robert Louis Stevenson und William Shakespeare,[1] die rechtefrei genutzt werden konnten.[2]

Auf einer Feier in Schleswig wollte Büchner mit anderen Musikern das Lied Hey Joe von Jimi Hendrix spielen. Da er eigener Aussage nach betrunken war und deshalb den Text des Lieds vergessen hatte, improvisierte Büchner den Text auf Plattdeutsch. Die Idee stellte er dann Voß vor, der sich begeistert zeigte. Wegen der Sorge, das Publikum könne den norddeutschen Humor nicht wertschätzen, bauten sie plattdeutsche Lieder erst probeweise im Rahmen einer „Klamaukecke“ in ihre Auftritte ein, die sie nach und nach ausbauten,[2] da sich die plattdeutschen Lieder bei der Zuhörerschaft überraschend als Erfolg herausstellten. Sie nahmen weitere plattdeutsche Lieder wie Karola Petersen (nach der Vorlage Carol von Chuck Berry) in ihr Programm auf.[2] Es entwickelte sich der Plan, eine Band zu gründen, die sich dem regionalen Humor widmet. Teil des Konzeptes waren alltägliche Geschichten, die häufig in dem fiktiven, stereotypisch norddeutschen Dorf Torfmoorholm bzw. in der Wikinger-Metropole Haithabu platziert wurden. Es sei ein „kleiner Kosmos Torfmoorholm“ entstanden, äußerte Voß später.[2] Die Besetzung der Band bestand zu dieser Zeit neben Klaus Büchner und Raymond Voß aus Thomas Rieckmann (Texter, Bass, Gesang), Reinhard Heinrichs (Texter, Percussion und Gesang) und Gunnar Kämmer (Percussion und Schlagzeug). Die Band wurde zunächst im norddeutschen Raum bekannt, der dadurch angesprochen wurde. Die erste Phase von Torfrock endete mit dem Aufkommen der Neuen Deutschen Welle. Da die Torfrock-Lieder laut Voß „lang und opulent“ waren und Geschichte erzählten, somit nicht zu den oft knappen Texten der Neuen Deutschen Welle gepasst hätten, entschied man sich Voß zufolge, um nicht von Kritikern „niedergeschrieben“ zu werden: „Wir hören einfach auf und sagen das niemandem. Und machen einfach mal eine Pause.“[2]

Danach wandten sich die Musiker neuen Bandprojekten zu. Die Band Hammaburg bestand größtenteils noch aus denselben Mitgliedern und auch der Stil war der Musik von Torfrock noch sehr ähnlich. Raymond Voß und Gunnar Kämmer gründeten 1982 die Band Eltern haften für ihre Kinder, die sich ernsteren Themen widmete. Den größten Erfolg hatte Klaus Büchner in den 1980er- und 1990er-Jahren als Kleiner Klaus zusammen mit Klaus Baumgart in dem Schlager- und Blödel-Duo Klaus und Klaus. Raymond Voß beteiligte sich zwischendurch am Texten; viele dieser Songs wurden später von Torfrock wieder neu verwendet. Klaus Büchner und Raymond Voß nahmen auch unter ihren eigenen Namen Singles auf.

Ende der 1980er-Jahre fand Torfrock wieder zusammen. 1988 wurde Voß im Anschluss an einen Termin bei einem Hamburger Rundfunksender vom Moderator gefragt, ob er sich vorstellen könne, sechs Jahre nach dem Ende der Gruppe ein Abschiedskonzert mit Torfrock zu geben. Das ausverkaufte Konzert in der Hamburger Markthalle sei wiederum der Neuanfang der Band gewesen, sagte Voß im Jahr 2017 rückblickend.[2] Nach erfolgreichen vereinzelten Auftritten und dem bundesweiten Durchbruch durch Beinhart, dem Titelsong der ersten Werner-Comicverfilmung, beschloss die Band, wieder neue Musik zu veröffentlichen und auf Tournee zu gehen. Neben kleineren, über das ganze Jahr verteilten Tourneen gab Torfrock jährlich zu Weihnachten in verschiedenen norddeutschen Städten Konzerte mit dem Namen Die Beinharte Bagalutenwiehnacht.

Für den 1989 verstorbenen Bassisten Thomas Rieckmann sprang Uwe Meitzner ein. Auf den Wunsch von Voß hin, Torfrock zu einer Rockband zu machen, verstärkte der Solo-Gitarrist Jürgen Lugge ab nun die Band. Zusätzliche Musikprojekte liefen parallel. Zusammen mit Mitgliedern der Rattles wurde unter dem Namen Hoellenhunde eine Maxi veröffentlicht. Raymond Voß sang für Jay Stapley, den Gitarristen von Marius Müller-Westernhagen, auf der Single Orient Express. Auch Büchners Klaus-und-Klaus-Projekt bestand noch bis 1997, als Büchner seinen Ausstieg aus dem Duo beschloss, um sich Torfrock besser widmen zu können. Hier kam es später zu Konflikten und einer Umbesetzung, sowie zum für alle unerwarteten Tod von Jürgen Lugge im Jahr 1999.[3]

Da Jürgen Lugge als unersetzlich erachtet wurde, bestand die Band nach dieser Krise aus vier Mitgliedern. Neben Klaus Büchner und Raymond Voß waren der Bassist Volker Schmidt und der Schlagzeuger Marc-Oliver Olliwood Steinwede dabei. Dieser wird seit 2009/10 durch Stefan Lehmann, Schlagzeuger der Band Ohrenfeindt, die seit drei Jahren mit Torfrock auf Tour sind, ersetzt.

Musikalischer Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Anfang der Geschichte von Torfrock stand die Idee, Klassiker der Rockmusik plattdeutsch zu interpretieren, wie Let’s wörk togesser (Let’s Stick Together, Wilbert Harrison), Karola Petersen (Carol, Chuck Berry) oder He Jo (Hey Joe, u. a. Jimi Hendrix, The Leaves).

Aber schon auf dem ersten Album tauchten eigene humoristische Lieder auf, die auf Hochdeutsch bzw. Missingsch vorgetragen werden.

Torfmoorholm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Teil der Torfrocklieder spielt in der Gegenwart und handelt vom ländlichen Leben der Torfstecher im fiktiven Dorf Torfmoorholm („Rut mit’n Torf“). Es geht um Figuren wie „Willi Wühlkelle“, Direktor des Amts für Altertumsforschung, „Presslufthammer B-B-B-B-Bernhard“, den Torfstechermeister „Adular Zech“, den eher eine eintönige Tätigkeit verrichtenden „Jörg vom Butterwerk“, den Straßenbauarbeiter „Tarzan von Teer“ oder den Baggerführer „Hannes Kabeltod“ in Liedern, welche die moderne gewerbliche Berufswelt auf Baustellen, in Werkshallen o. ä. – die den Musikern nicht unbekannt ist – persiflieren. Berühmt werden auch die satirischen Aufarbeitungen der Auswüchse der Freizeitgesellschaft („Die Sonntagsjäger“, „Der Boxer (Haut mir doch bitte nicht mehr auf die Lippe)“, „Die Butterfahrt“).

Haithabu[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andererseits spinnen sie volkstümlich historische Geschichten um die Wikinger-Siedlung „Haithabu“, eine archäologische Fundstätte in Schleswig-Holstein. Zentrale Figur dieser Geschichten ist Rollo der Wikinger, ein trinkfreudiger, raubeiniger, rothaariger Wikingerhäuptling, der angeblich an der „Überfahrt nach Amerika“ führend beteiligt gewesen sein soll. Fiktive Quelle der Wikingerlieder ist nach Aussagen der Gruppe ein Runenstein in Torfmoorholm. Kultstatus gerade in Norddeutschland erreichte das Lied „Volle Granate, Renate“ um eine gleichnamige Wikingerfrau.

In der Figur von Rollo dem Wikinger sind offensichtlich die geschichtliche Figur des Normannenfürsten „Rollo der Wikinger“ und die amerikanische Comic-Figur Hägar der Schreckliche vermengt worden.

Vorgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonders während der Bagaluten-Wiehnacht, aber auch auf Open-Air-Festivals oder auf Stadtfesten tritt die Band zusammen mit teilweise mehreren Vorgruppen auf, die inzwischen ca. zwei bis drei Jahre mit ihnen gemeinsam touren. Anfang der 1990er-Jahre gab es Auftritte mit der Fuckin’ Kius Band (die sich später in F… Kius Band umbenannte und vor allem im Umfeld ihrer Herkunft, dem Dorf Kius im nördlichen Schleswig-Holstein, bekannt blieb). Später wurde mit den Whisky Priests eine britische Band ins Vorprogramm genommen, von denen ein Mitglied auch vorübergehend beim Besetzungswechsel von Torfrock einsprang. Sven Hallik, Sänger der nächsten Vorgruppe LouiZiana Hayriders, die für eine Mischung aus Rockabilly, Bluesrock, Country und Southernrock bekannt sind, ist bis heute des Öfteren mit seiner Gitarre gern gesehener Gast auf der Torfrock-Bühne. Neben den Drangdüwels, die zu Folk-Klängen plattdeutsche Texte auf die Bühne bringen, ist aktuell noch Ohrenfeindt als Vorgruppe bei Torfrock tätig. Neuerdings zählen auch die Wohnraumhelden, Die Fischer, Rubber Chukks und die Rockaholic Rebels zu den Vorgruppen Torfrocks.

Es ist Tradition bei Torfrock, vor dem Schlusslied (früher Torfmoorholm Sagt Gute Nacht, jetzt (Leise Pieselt) Das Reh oder Torfmoorholm Geht Penn’) zusammen mit allen Vorgruppenmusikern das Stück Let’s Wörk Togesser vorzutragen.

Aktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1990er-Jahre nach den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen setzte Torfrock in Interviews und bei einer Aktion der Hamburger Morgenpost Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit. Die Band unterstützt die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger durch Verkäufe von Bandkalendern und der Single Search And Rescue (SAR), deren Text der harten und gefährlichen Arbeit des Seenotrettungsdienstes Respekt zollt.

Bandmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[4]
Dat matscht so schön
  DE 49 01.05.1978 (2 Wo.)
Rata-ta-zong
  DE 50 26.03.1979 (1 Wo.)
Oder watt?
  DE 22 04.02.1991 (11 Wo.)
Alle an die Ruder!
  DE 25 18.03.1991 (12 Wo.)
Singles[5][6]
Beinhart
  DE 1
Gold
Gold
12.11.1990 (25 Wo.)
  AT 17 17.02.1991 (5 Wo.)
  CH 18 17.02.1991 (4 Wo.)

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1977: Dat matscht so schön
  • 1978: Rata-ta-zong
  • 1979: Torfrockball im Hühnerstall
  • 1980: Vierter Versuch
  • 1982: Mein Gott, sind wir begabt
  • 1983: Torfmoorholmer Hitparade
  • 1990: …Alle an die Ruder!
  • 1991: Aufe beinharte Tour (Live)
  • 1991: Torfrock oder Watt? (Remix)
  • 1991: Beinhart – geht das ab hier
  • 1992: Die Bagaluten-Fete (Live)
  • 1994: Goiler Tonträger
  • 1995: Die Wikinger (Compilation)
  • 1996: Rockerkuddl
  • 2000: Beinhart – Alle Hits (Compilation)
  • 2001: Einigkeit und Blech und Freizeit
  • 2002: Die Beinharte Bagaluten-Wiehnacht (Live)
  • 2010: Neues aus Torfmoorholm
  • 2014: Meisterstücke

Auch der Soundtrack der Werner-Filme stammt zum Teil von Torfrock. Dem ersten Film Werner – Beinhart! entstammt auch ihr größter deutschlandweiter Erfolg, das Titellied Beinhart, mit dem sie zum Filmstart einen Nummer-eins-Hit hatten.

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1977: Rollo, der Wikinger
  • 1978: Presslufthammer B-B-Bernhard
  • 1978: Volle Granate, Renate
  • 1979: Der Boxer (Hau mir doch bitte nicht mehr auf die Lippe)
  • 1980: Rollschuh’ sind in
  • 1981: Fischmarkt
  • 1981: Rollos Wampe
  • 1982: Ich sahn’ ab
  • 1982: Wir unterkellern Schleswig-Holstein
  • 1990: Beinhart
  • 1991: Trunkenbold
  • 1991: Jimmy und die See
  • 1994: Wildsau
  • 1994: Rock’n’Roll Ruine
  • 1996: Rockerkuddel
  • 2007: Search and Rescue (Benefiz-Single)
  • 2009: Nachtschweiß
  • 2016: Der Boxer mit Ralf „Ralle“ Petersen und Hack Norris
  • 2018: Revangsche (nur als Download)

Videoalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1992: Aufe Beinharte Tour
  • 2002: Torfrock – Die Beinharte Bagaluten-Wiehnacht
  • 2007: 30 Jahre – Vielen, Vielen Danke! (Doppel-DVD, Gala-Konzert in Hamburg und Geschichten aus Torfmoorholm)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Werner Rennen 2018 – Klaus Büchner: Die Stimme von Werner. Abgerufen am 18. Januar 2020 (deutsch).
  2. a b c d e f Wikipedia: Fakt oder Fiktion - Torfrock über Werner, Toorfmoorholm und die Neue Deutsche Welle. In: shz.de – Nachrichten aus Schleswig-Holstein auf youtube.com. Abgerufen am 18. Januar 2020 (deutsch).
  3. Jürgen Lugge starb an Schlaganfall: Torfrock-Gitarrist tot. Hamburger Abendblatt, 30. Juni 1999
  4. Chartdiskografie Alben
  5. Chartdiskografie Singles
  6. Auszeichnungen: DE

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Torfrock – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien