Torlonia (Adelsgeschlecht)

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Wappen der Familie Torlonia

Torlonia ist der Name einer aus Frankreich eingewanderten italienischen Bankiersfamilie, die ab dem 18. Jahrhundert in Rom zu Reichtum und politischem Einfluss gelangte, 1809 in den päpstlichen Adel und 1814 in den Fürstenstand aufstieg. Die Torlonia zählen bis heute zum italienischen Adel und zum europäischen Hochadel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie Torlonia ist das jüngste der Fürstenhäuser des stadtrömisch-päpstlichen Hochadels (neben älteren wie den Aldobrandini, Barberini, Borghese, Caetani, Chigi, Colonna, Doria-Pamphilj, Lante della Rovere, Massimo, Odescalchi, Orsini, Pallavicini, Riario Sforza und Ruspoli).

Die Familie war im 18. Jahrhundert im Seiden- und Stoffhandel tätig und hatte ihr Geschäftshaus an der Piazza di Spagna in Rom. Sie begründete dazu ein kleines Bankgeschäft, das später wuchs und die Familie zu einer der reichsten Italiens machte.

Begründer des Hauses war Marin Tourlonias (1725–1785), geboren in Augerolles (Frankreich) als Sohn des Landwirts Antoine Tourlonias aus der Auvergne. Er begann als Kämmerer des Abtes Charles-Alexandre de Montgon, der ihn mit nach Rom nahm, wo er in die Dienste des Kardinals Troiano Acquaviva d'Aragona (1696–1747) trat. Dieser vermachte ihm eine kleine Rente, mit der er einen Stoffhandel samt Geldverleih unter dem italianisierten Namen Torlonia begründete.

Giovanni Raimondo Torlonia (1754–1829), Büste von Bertel Thorvaldsen

Sein Sohn Giovanni Raimondo Torlonia (1754–1829) weitete das Bankgeschäft aus, wurde durch Spekulationen reich und zu einem der größten Geldgeber des römischen Adels, der ihm dafür Ländereien verpfändete oder abtrat, darunter 1803 das Herzogtum Bracciano und die Grafschaft Pisciarelli von den Fürsten Odescalchi, 1809 die Markgrafschaft Romavecchia und Turrita, 1820 das Herzogtum Poli und Guadagnolo von den Conti, 1822 Capo di Monte, Morata und Bisenzio vom Fürsten Poniatowski. So stieg er zu einem der größten Grundbesitzer des Kirchenstaats auf und wurde 1809 von Papst Pius VII. geadelt und 1814 zum Fürsten (principe) di Civitella Cesi (als Princeps Romanus) erhoben, bezeichnenderweise mit einem aufsteigenden Kometen im Wappen. Er beriet den Papst auch lukrativ bei der Finanzverwaltung des Vatikans. Ab 1797 errichtete er sich in Rom die Villa Torlonia (später Wohnsitz von Mussolini) und 1820 erwarb er den Renaissancepalast Palazzo Castellesi in Rom, der als Palazzo Torlonia bis heute von der Familie bewohnt wird.

Giovanni Raimondo heiratete 1793 die Stoffhändlerwitwe Anna Maria Chiaveri geb. Schultheiss aus Donaueschingen (1760–1840); ihre Kinder verschwägerten sich mit bedeutenden Adelshäusern und kauften sich eine Kunstsammlung zusammen (Museo Torlonia). Der älteste Sohn, der Bankier Marino Torlonia (1795–1865), heiratete Donna Anna Sforza-Cesarini und erwarb 1841 die Villa Torlonia (Frascati) sowie 1842 den Barockpalast Núñez-Torlonia in der Via Condotti, den seine Nachfahren bis heute bewohnen. Marino wurde 1847 vom Papst zum Duca di Poli e di Guadagnolo erhoben; dieser Titel vererbte sich im älteren Zweig seiner Nachfahren, den sein Enkel Leopoldo (1853–1918) begründete und wird heute von Giulio Torlonia, Duca di Poli e di Guadagnolo (* 1962) geführt. Der jüngere Enkel Marino (1861–1933), 4. Principe di Civitella Cesi, war ein bedeutender Bankier und heiratete eine amerikanische Industrie-Erbin. Ihr Sohn Alessandro (1911–1986) heiratete die spanische Königstochter Beatrice Isabel, seine Schwester Marina (1916–1960) den Tennisspieler Frank Shields (Großeltern der Schauspielerin Brooke Shields). Titelträger dieses Zweiges ist gegenwärtig Alessandros Sohn Don Marco Alfonso Torlonia, 6. Principe di Civitella Cesi (* 1937).

Der jüngste Sohn von Giovanni Raimondo, Alessandro Torlonia (1800–1886), zum Fürst von Fucino und Herzog von Ceri erhoben, heiratete Donna Teresa Colonna-Doria; ihre Tochter Anna Maria (1855–1901) heiratete 1872 Giulio Borghese, der zweiter Fürst von Fucino wurde und 1873 den Namen Torlonia annahm, wodurch die Borghese-Linie der Familie begründet wurde; sie lebten in der Villa Torlonia in Avezzano. Ihr Sohn Giovanni Torlonia (1873–1938) gründete 1923 die bis heute von dieser Linie betriebene Banca del Fucino[1]

Bekannte Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alessandro Torlonia, Herzog von Ceri, Fürst von Fucino (1800–1886), Bankier und Großgrundbesitzer
  • Beatrice Isabel Torlonia, Principessa di Civitella-Cesi, Infantin von Spanien (1909–2002), spanische Königstochter und Gemahlin des Don Alessandro Torlonia, 5. Principe di Civitella-Cesi (1911–1986)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniela Felisini, Quel capitalista per ricchezza principalissimo: Alessandro Torlonia principe, banchiere, imprenditore nell'Ottocento romano, Rubbettino Editore, 2004
  • Roberto Quintavalle: Alessandro Torlonia e Via Nomentana nell’Ottocento. Edilazio, Rom 2008.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Banca del Fucino.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Torlonia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien