Torques (Archäologie)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Torques)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Icon tools.svg Dieser Artikel oder Abschnitt wurde wegen inhaltlicher Mängel auf der Qualitätssicherungsseite des Projekts Kelten eingetragen. Dies geschieht, um die Qualität der Artikel aus diesem Themengebiet auf ein akzeptables Niveau zu bringen. Bitte hilf mit, die Mängel dieses Artikels zu beseitigen, und beteilige dich an der Diskussion!
Bronzener Puffer-Torques, gefunden in Somme-Suippe im Département Marne, datiert ins 4. Jh. v. Chr.
Torques am Hals des Sterbenden Galliers
Goldene Band-Torques aus dem Fund von Blair Drummond
Torques von Trichtingen als Briefmarkenmotiv von 1976
Silberner Torques aus der Kiewer Rus, 12./13. Jahrhundert

Als Wendelring oder Torques, auch Torque und Torc geschrieben, v.a. in Wortzusammensetzungen (gesprochen [tɔʁk:], von lateinisch torquere, „drehen“; engl. torc, franz. torque) wird in der Archäologie ein offener Halsreif bezeichnet, dessen Aussehen häufig einem gedrehten Strick ähnelt und dessen Endstücke oft besonders geformt, als Puffer (auch Stempelenden genannt), Tierkopf oder Kugel ausgebildet sein können. Als Torques gilt nur ein offener Halsring, nicht jedoch ein geschlossener verdrehter Armreif.

Torques sind seit der Bronzezeit im Mittleren und Nahen Osten sowie in weiten Teilen Europas verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Torques ist aus Gold, Silber, Bronze, Eisen oder auch anderen Metallen gefertigt und an den Enden kunstvoll verziert. Er ist für Männer- und Frauengräber belegt, kommt aber auch einzeln in Horten vor.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff stammt aus antiken Quellen, wo ein entsprechender Halsreif vielfach erwähnt wird, vor allem – aber nicht nur – in Zusammenhang mit den historischen Kelten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torques sind seit mindestens der Mittleren Bronzezeit im Nahen Osten weit verbreitet und gut bezeugt.[1] Sie waren bei den Skythen, den Medern und Persern und verwandten Völkern wie den Parthern Teil der regulären Tracht.

Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. wurden im südlichen Großbritannien und Irland Band-Torques in Form von importierten Bronzen eingeführt. Band-Torques sind aus einem dünneren Goldstreifen verdrehte Ringe. Neben Bändern wurden auch Rundstäbe verdrillt.[2] Insgesamt 120 Band-Torques sind bisher vor allem in Nordirland gefunden worden.

Auf der Iberischen Halbinsel finden sich vom Beginn bis zum Ende des 1. Jahrtausend v. Chr. Torques in der Castrokultur.

Der Torques scheint bei den Kelten ein Herrschaftszeichen gewesen zu sein, aber auch Götterfiguren tragen Torques, und der Silberring von Trichtingen ist für einen Menschen zu schwer. Neben Schriftquellen zeigt auch die Statue des Sterbenden Galliers die Verwendung des Torques bei den Kelten.

Er wurde von den Römern als militärische Auszeichnung übernommen. In der Spätantike wurden römische Kaiser seit Julian Apostata im Rahmen ihrer Erhebung oft mit einem Torques statt mit einem Diadem gekrönt. Bekannt ist die bei Ammianus Marcellinus beschriebene Ausrufung des Julian zum römischen Kaiser im Februar oder März des Jahres 360 in Lutetia. Julian wurde zum Augustus ausgerufen, indem er durch eine meuternde Legion nach barbarischer (d. h. keltisch-germanischer) Art mit einem Wendelring bekrönt auf einen Schild gehoben wurde.

Torques verbreiteten sich im gesamten mediterranen und im arabischen Raum. Sie finden sich auch in skandinavischen, baltischen und slawischen Kulturen bis ins Mittelalter. In Russland wurden Torques bis ins 16. Jahrhundert getragen.

Heraldik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Torques hat es in der Heraldik auch als gemeine Figur ins Wappen geschafft. Da diese Wappenfigur recht selten ist, hat sich eine besondere Darstellung noch nicht herausgebildet.

Derzeit ist dieser Reif nur in Gold im Wappen und auch in Flaggen abgebildet. In Deutschland ist es derzeit im Wappen von Holm nachweisbar. Weitere Wappen sind nur aus Frankreich und Spanien (Galicien) bekannt.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. Burns: Additional torc from Snettisham, Norfolk. In: Proceedings of the Prehistoric Society 37/1. 1971, S. 228-229.
  • Andres Furger-Gunti: Der Goldfund von Saint-Louis bei Basel und ähnliche keltische Schatzfunde. In: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 39. 1982, S. 1-48, doi:10.5169/seals-167866.
  • Michael Nick: Torques. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 31, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2006, ISBN 3-11-018386-2, S. 66–70. (kostenpflichtig abgerufen über GAO, De Gruyter Online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Torques – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Torques – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aus einem Hortfund aus Byblos, der um 1900 datiert, stammen mehrere Torques aus Silber und Bronze: Pierre Montet: Byblos et L'Égypte, quatre campagnes de fouilles à Gebeil; 1921, 1922, 1923,1924, Paris 1928, S. 123, Tafel LXX
  2. Ein Rundstab-Torques wurde 2009 im County Fermanagh gefunden [1]